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Full text : Jahrgang 2 (1910) (24)

riummer  24

Internationale  Sammler-Zeitung.

Seite  373

zu  seinem  Geschäft.“  Der  Parlamentarierritt  Grothausens  roird
dann  non  Goethe  ausführlich  geschildert,  (fl.  1.  H.  Bd.  30,  S.  27).
Der  Herr  non  Paniere  fiel  als  JYlajor  in  dem  Kürassier-Regiment
Karl  Augusts  1793  bei  der  Belagerung  non  ITlainz  in  Goethes  Anmesenheit,
  der  den  Tod  und  die  Bestattung  des  Offiziers  in  der
„Belagerung  non  ITlainz“  miederholt  ermähnt,  (fl.  I.  H.  Bd.  30,
S.  284  fg.).
In  innigem  Zusammenhang  mit  Goethe  und  seinen  Dramen
sind  auch  die  großen  Schauspieler  des  18.  Jahrhunderts  zu  nennen:
Konrad  Ekhof,  der  non  Cessing  gefeierte  Vater  der  deutschen
Schauspielkunst,  dessen  edles  Spiel  auf  den  jungen  Goethe  bei  den
Vorstellungen  der  Seherischen  Truppe  in  Frankfurt  großen  Eindruck
machte;  im  Winter  1778  besuchte  er  Goethe  in  Weimar  Friedrich
Cudroig  Schräder,  der  größte  Schauspieler  des  18.  Jahrhunderts,
der  durch  die  denkcuiirdige  Aufführung  des  Hamlet  in  Hamburg
am  20.  September  1776  Shakespeare  auf  der  deutschen  Bühne  zu
Ceben  brachte.  Goethe  ruidmet  in  Dichtung  und  Wahrheit  dem
Dichter  und  Schauspieler  Schröder  einen  lobenden  Abschnitt;  in
„Wilhelm  Kleister“  soll  Schröder  das  Vorbild  für  den  Theaterdirektor ­
  Serlo  gewesen  sein,  Am  14.  August  1780  mar  Schröder
bei  Goethe  in  Weimar  zu  Gast.  Seine  Gemahlin  mar  Anna  Christina
geb.  Hart.  Johann  Franz  Hieronymus  Brockmann,  der  berühmte
Darsteller  des  Hamlet  und  des  Beaumarchais  in  Goethes  „Clauigo“.
Johann  Friedrich  Reinecke,  der  beste  Göß  oon  Berlichingen  seiner
Zeit,  dem  seine  Gattin,  die  Tragödin  Sophie  geb.  Venzig  rnürdig
zur  Seite  stand.  Susanne  ITlecour  geb.  Preisler  aus  frankfurt,
Herr  Cambrechf,  Friedrich  Schüß  aus  Sfraßburg,  alles  ITlifglieder
der  Ackermannschen  Truppe.  Also  die  Silhouetten  oon  über  50
Personen,  die  in  mehr  oder  meniger  engem  Verhältnis  zu  Goethe
standen,  eine  Sammlung  oon  seltener  Reichhaltigkeit.
Als  Zimmermann  1768  nach  Hannooer  kam,  standen  ihm
bald  die  Häuser  der  oornehmsten  Familien  offen.  Besonders  erfreute ­
  sich  der  berühmte  Arzt  großer  Beliebtheit  bei  den  Damen.
Schon  im  ITouember  1769  schreibt  er  an  Schmid  in  Brugg:  „Ich
habe  Freundinnen  o  hier  denken  Sie  sich  alles,  mas  sich  edles
und  schönes  denken  läßt“.  Goethe  1775:  „Er  bezaubert  alle  Welt,
sonderlich  die  Weiber“.  Die  Gesellschaft  in  Hannooer,  Braunschroeig,
Schroerin  usm.  ist  deshalb  in  der  Sammlung  sehr  stark  oertrefen.
Heroorgehoben  seien:  Staatsminister  Burchard  Christian  oon  Behr,
Kurator  der  Unioersilät  Göftingen  (1714—1771;  über  seinen  Tod
berichtet  Cichtenberg  an  Dietrich  am  29.  Dez.  1771),  Friedrich  Ernst
oon  Bülom,  der  heroorragende  Candwirt  (1736—1802),  Kammerherr
Ernst  August  Wilhelm  oon  dem  Busche,  Kurator  der  Uniuersität
Göttingen,  General  Georg  Wilhelm  oon  dem  Busche  (1726—1794),
Ernst  Cangwerth  oon  Simmern,  der  spätere  Brigadegeneral  der
englisch-deutschen  fegion  gegen  ITapoleon  (1757—1808),  Georg
Cudroig  Graf  oon  Oeynhausen,  General  in  den  Koalitionskriegen
(1734  bis  1811),  Franz  Cudto.  Wilh.  oon  Reden,  Jugendfreund  des
Freiherrn  oon  Stein,  hannooerscher  Staatsmann  (1754—1831),
Johann  Wilhelm  oon  Reden,  General  im  7  jährigen  Kriege  (1717—1801),
Georg  August  oon  Wangenheim,  braunschweigischer  General  im
7jöhrigen  Kriege,  Kommandeur  in  der  Schlacht  bei  Hastenbeck
1757  (1706-1780).  Von  Bürgerlichen  sei  besonders  ermähnt  die
Frau  Kammerschreiberin  Cuise  Eisendecker,  die  Scheuester  und  beste
Freundin  des  Dichters  und  Schauspielers  A.  W.  Jffland,  mit  dem
sie  in  regem  Briefwechsel  stand.
Vom  9.  April  bis  zum  <4.  Juni  1776  und  nam  27.  Dezember
1776  bis  zum  14.  ITlärz  1777  spielte  in  Hannooer  die  Ackermannsche
Gesellschaft,  an  ihrer  Spiße  Friedrich  Cudwig  Schröder,  der  die
Zeit  in  Hannooer,  wo  er  mit  Boie,  Ceisewiß  u.  a.  oerkehrte,  zu

der  glorreichsten  seines  Cebens  zählte.  Auf  Boies  Veranlassung
oerdeutschte  Bürger  für  Schröder  die  Hexenszene  aus  ITlacbeth,  zu
dessen  Aufführung  der  Dichter  im  Februar  1777  nach  Hannooer
kam.  Bei  diesem  Aufenthalt  wird  die  Silhouette  Bürgers,  eine
der  schönsten  der  Sammlung,  entstanden  sein.
Durch  Boie  hatte  Zimmermann  Verbindungen  mit  dem  Göttinger ­
  Dichterbund,  über  dessen  ITlitglieder,  soweit  Zimmermann  ihre
Schattenrisse  gesammelt  hat,  oben  näheres  gesagt  ist.
Von  Göttinger  Professoren  enthält  die  Sammlung  Johann
Friedrich  Blumenbach,  Georg  Christoph  Hornberger,  den  Begründer
des  „Gelehrten  Deutschlands“,  Heinrich  Philipp  Sextroh,  in  dessen
Begleitung  Cichtenberg  im  September  1772  eine  Reise  nach  Osnabrück ­
  machte,  Johann  Carl  Volborth,  ferner  Frau  Hofrat  Heyne  geb.
Brandes  und  ITladame  Feder.  Der  hannooersche  Geschichtsforscher
August  oon  Wersabe  in  Celle  reiste  im  Juli  1773  mit  Cichtenberg
nach  Helgoland.
An  der  Llnioersität  Göttingen  bildeten  die  jungen  Engländer
eine  besondere  Gruppe,  Cichtenberg  stand  mit  mehreren  oon  ihnen
in  näherer  Beziehung  Herr  Caloert,  oielleicht  ein  Verwandter
des  Amerikaners  George  H.  Caloert  aus  Uewport  (Rhode  Island)
der,  ebenfalls  Göttinger  Student,  1825,  Goethe  besuchte.  Bertie
Greathead:  er  suchte  1776  Cichtenberg  zu  bestimmen,  mit  ihm
nach  Westindien  zu  gehen;  nach  England  zurückgekehrt,  erwarb  ersieh ­
  einen  Hamen  als  Dramatiker.  Herr  ITlatthew,  ein  Freund
Cichtenbergs,  sein  Vater  fiel  1777  bei  der  Eroberung  des  Forts
Washington.  Herr  ITlorrison,  ebenfalls  mit  Cichtenberg  befreundet,
ging  später  nach  Westindien,  wo  er  u.  a.  einem  Treffen  gegen  Ca
Grosse  beiwohnte.  Hier  seien  noch  genannt  Herr  JTtaitland  und
Herr  Faucitt,  Obrister  bei  der  englischen  Garde  und  Abgesandter
an  die  nach  Amerika  Hülfe  leistenden  deutschen  Fürsten.  Auf  seiner
Reise  nach  England  nahm  Cichtenberg  im  Aufträge  Rudolf  Erich
Rospes  in  Kassel  zwei  Gemälde  oon  Joh.  Heinrich  Tischbein  an
Faucitt  nach  Condon  mit  (Cichtenberg  an  Raspe  20.  September  1770).
Eine  charakteristische  Silhouette  des  Großfürsten  Paul  Petromi ­
  tsch,  spätem  Kaisers  Paul  I.  oon  Rußland,  weist  auf  die  innigen ­
  Beziehungen,  die  seine  ITlutter,  die  Kaiserin  Katharina  II  mit
Zimmermann  unterhielt.  Von  Fürstlichkeiten  sind  ferner  oertreten:
Philippine  Charlotte,  Herzogin  oon  Braunschweig-Wolfenbüttel,
Schwester  Friedrichs  des  Großen;  Friedrich  August  oon  Holfstein-Gotforp,
  Fürstbischof  oon  Cübeck-Eutin,  Herzog  oon  Oldenburg,  der
Vater  oon  Herders  Zögling,  dem  Prinzen  Peter  Friedrich  Wilhelm;
der  Erbprinz  oon  ITlecklenburg-Schmerin,  Bruder  des  Herzogs ­
  Friedrich,  und  sein  Sohn  der  spätere  Großherzog  Friedrich
Franz  1.  Zum  Schluß  sei  bemerkt,  daß  auch  der  nicht  fehlt,  dem
mir  wohl  den  größten  Teil  der  schönen  Schattenrisse  zu  uerdanken
  haben:  „Herr  Bernsdorff,  der  Silhouettier  in  Hannooer“.
So  zieht  in  den  schlichten,  ausdrucksoollen  schwarzen  Blättchen  ein
Stück  Geschichte  der  zweiten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  an  uns
uoriiber,  der  Citeratur,  des  Theaters,  der  Gelehrten  weit,  der  Kriege
und  des  Friedens.  Es  dürfte  sich  wohl  oerlohnen,  an  der  Hand  der
mit  Hamen  oersehenen  Schattenrisse  dieser  einzigartigen,  unmittel
bar  aus  Caoaters  Besiß  stammenden  Sammlung  neue  Untersuchungen
und  Feststellungen  über  die  fast  durchweg  unbezeichneten  Silhouetten
in  den  oerschiedenen  Ausgaben,  deutschen,  französischen,  englischen,
holländischen,  oon  Caoaters  Physiognomik  zu  unternehmen.  Große
Hülfe  bei  Cösung  schmieriger  Fragen  würde  man  in  den  Briefen
finden,  die  Zimmermann  seinen  Sendungen  oon  Silhouetten  an
Caoater  beifügte.  Diese  Begleitschreiben  liegen  u.  W.  zum  großen
Teil  noch  unoeröffentlicht  in  Zürich.
            
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