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MAK

Full text : Jahrgang 3 (1911) (16)

Seite  252

Hummer  16

Internationale  Sa

für  den  Gedanken  der  Inkunabeln-Inoentarisierung  Propaganda
gemacht,  off  mit  bestem  Erfolg.  In  sechs  lahren  hofft  die  Kommission ­
  das  Druckmanuskript  des  Kataloges  über  alle  die  lllaterialien,
die  zu  ihrer  Kenntnis  gelangt  sind,  fertigstcllen  zu  können.

Bilder.
(Das  angebliche  Selbstporträt  Dürers.)  Zu  der  Auffindung ­
  des  angeblichen  Selbstbildnisses  Albrecht  Dürers  in  der
Deutsch-Ordenskirche  in  Sachsenhausen,  über  die  mir  in  der  leßten
Hummer  berichteten,  ergreift  der  frankfurter  Kunstgelehrte  Karl
Gebhardt  das  Wort  in  der  f  Ztg.  nachdem  ersieh,  unter  Anführung ­
  der  dagegen  sprechenden  äußeren  Gründe,  über  die  sämtlichen, ­
  gleichfalls  irrtümlich  dem  Dürer  zugeschriebenen  Wandmalereien ­
  aufklärend  geäußert,  wendet  sich  Gebhardt  dem  angeblichen ­
  Selbstbildnis  zu.  Er  sagt  hierüber:  „Wer  sich  etwas  mit
altdeutscher  Kunst  beschäftigt  hat,  weif],  auf  wie  oiele  alte  Bilder
man,  um  ihnen  höhere  Ehre  zu  geben  im  16.,  17.,  18  Jahrhundert, ­
  das  Signum  Dürers,  sein  A.  D.  geseßt  hat.  fluch  hier  liegt
die  Fälschung  zu  Tage,  fln  der  Stelle,  an  der  das  fresko  das
Dürer-Porträt  zeigt,  hat  der  Holzschnitt  Dürers  den  Eremiten  mit
der  faterne,  der  zum  hl.  Christoph  nun  einmal  gehört.  Wenn  man
das  fresko  genau  untersucht,  so  sieht  man  deutlich  unter  dem
Dürer-Porträt  die  später  übermalten  Konturen  der  Gestalt  des  Eremiten. ­
  Übrigens  fällt  die  Gestalt  Dürers  in  ihrem  barocken  Sclunulst
fühlbar  aus  der  renaissancemäßigen  Gehaltenheit  der  Komposition
heraus.  Die  Mischung  mag  bona  fide  geschehen  sein  ;  man  mag
einmal  roirklich  geglaubt  haben,  daß  man  Werke  Dürers  uar  sich
habe  und  dafj  man  ihren  ITleister  ehren  müsse.  Die  Inschrift,  die
man  Dürer  in  die  Hand  gab,  hat  man  Wort  für  Wort  der  Inschrifttafel ­
  des  Allerheiligenbildes  nachgeschrieben,  das  auch  das  Vorbild
für  die  Anbringung  der  Gestalt  des  Kleisters  geliefert  haben  mag.
Die  fresken  möchte  ich  um  1520,  die  Gestalt  Dürers  etma  um  1600
datieren.  Wer  nun  der  Schöpfer  dieser  Wandmalereien,  die  man
in  ihrem  Werte  nicht  überschauen  darf,  sein  mag,  läßt  sich  noch
nicht  sagen.  Allerdings  können  mir  in  Frankfurt  einen  Diirerschüler,
  lllartin  H<z  fj,  dessen  Archiualien  ich  feststellen  und  dem
ich  einige  Werke  zuschreiben  konnte.  Aber  ein  Dürer-Kopist  braucht
noch  kein  Dürerschülcr  zu  sein,  und  stil-kritische  Hypothesen  trägt
das  schwache  Gerüst  dieser  Konturen  nicht.  Vielleicht  bringen  uns
einmal  die  Urkunden  Aufklärung.
(Entdeckung  eines  alten  freskobildes.)  Aus  Wien
wird  uns  geschrieben:  Die  Restaurierung  der  Ruprechts.kirche  in
der  Inneren  Stadt,  bekanntlich  die  älteste  Kirche  Wiens,  scheint
nun  endlich  in  Angriff  genommen  zu  werden.  Dieser  Tage  wurde
damit  begonnen,  den  gesamten  äußeren  Verpuß  herunterzuschlagen.
Hiebei  wurde  eine  interessante  Entdeckung  gemacht,  indem  man
an  der  Südseite  auf  ein  noch  ziemlich  gut  erhaltenes  freskogemälde
  stieß.  Die  weiteren  Arbeiten  wurden  sofort  eingestellt
und  die  Zentralkommission  oerständigt,  welche  demnächst  non
kundiger  Hand  die  weitere  Belegung  ueranlassen  mil  d.  Die  ITtalerei
  dürfte  aus  dem  16.  bis  17.  Jahrhundert  stammen.
(Ein  „Triumph  des  Todes“  oon  Orcagna)  ist,  wie  aus
Florenz  berichtet  wild,  dort  in  der  Kirche  Santa  Croce  wiederentdeckt ­
  worden?  Bei  Aufräumungsarbeiten  stief;  man  hinter  dem
fünften  Altar  auf  der  rechten  Seite  auf  ein  Bruchstück  dieses
freskogemäldes,  das  bis  in  das  16.  Jahrhundert  hinein  außerordentlich ­
  berühmt  mar.  Bisher  ist  nur  ein  Bruchstück  des  Gemäldes ­
  freigelegt  worden  und  auch  dieses  ist  zum  Teil  ziemlich
schlecht  erhalten;  einzelne  Stücke  jedoch  zeigen,  daß  die  frühere
Wertschätzung  des  Bildes  oon  Orcagna  durchaus  berechtigt  war.
Die  lebendige  Darstellung  Orcagnas  hält  sich  durchaus  an  Dante
und  zum  Teil  findet  sich  auch  der  Dantesche  Text  auf  dem  Gemälde,
jedoch  ist  er  nur  noch  zum  Teile  zu  lesen.  Auf  einem  felde  des
„Triumphes  des  Todes“  ist  eine  furchtbare  Erdbebenkatastrophe
zur  Darstellung  gelangt:  Häuser  und  Türme  stürzen  ein,  manschen
werden  unter  den  Trümmern  begraben  oder  suchen  sich  aus  den
Gebäuden,  in  denen  große  Risse  klaffen,  zu  retten.  Ein  anderes
Mid  zeigt  eine  Gruppe  oon  JTlenschen,  deren  Blicke  uoller  Enfseßen

mmler-Zeitung

auf  diese  Katastrophe  gerichtet  sind.  Diese  Gruppe  hat  die  größte
Ähnlichkeit  mit  einer  ganz  entsprechenden  freskodarstellung  in
Pisa.  Über  die  Werke  Orcagnas  herrschte  bisher  ein  Streit,  der
uorläufig  dahin  entschieden  war,  daß  Orcagna  keinen  Triumph
des  Todes  gemalt  habe,  womit  die  Urheberschaft  an  dem  Bilde
in  Pisa  gemeint  war.  Vasari  gibt  allerdings  in  der  zweiten
Ausgabe  seiner  „Vite“  die  Beschreibung  eines  Triumphes  des
Todes  oon  Orcagna,  die  sich  augenscheinlich  auf  das  jeßf  wiedergefundene ­
  fresko  bezieht.  Ob  das  Wandgemälde  weiter  freigelegt
werden  soll,  ist  noch  nicht  entschieden.
Durniämatik.
(Die  Breslauer  LI  n  i  o  e  rs  i  f  ä  t  s  m  ü  n  z  e.)  Anläßlich  der
Hundertjahrfeier  der  Breslauer  Unioersität  werden  1,200.000  Ulk.
in  5  Ulk.-Stücken  geprägt.  Die  münze,  die  Prof.  Arnberg  moduliert ­
  und  oon  den  JTlünzmednilleuren  Schulß  und  Prof.  Sturm
ausgeführt  ist,  zeigt  auf  der  einen  Seite  den  Deutschen  Reichsadler
mit  der  Umschrift  „Deutsches  Reich,  Drei  mark“,  mährend  die
andere  Seite  die  Bildnisse  oon  friedlich  Wilhelm  III.  und
Wilhelm  II.  nebst  der  Umschrift  „1811.  friedlich  Wilhelm  II!.
Wilhelm  I r .  1011.  Unioersität  Breslau“  irägt.  Die  polierten  Stücke
sind  gegen  ein  Aufgeld  oon  50  Pfennig  für  das  Stück  oon  der
königlichen  münze  zu  beziehen.
(Reue  ITtedaillen  oon  Weinberger)  Von  Anton  Weinberger, ­
  dem  oon  uns  wiederholt  gewürdigten  jungen  Wiener
llledailleur,  liegen  uns  zwei  neue  Arbeiten  oor,  die  sein  Können

ins  beste  Eicht  rücken.  Sig,  7  ist  eine  Porträtplakette  auf  Herrn
friedlich  Janeczek,  den  bisherigen  Präsidenten  des  Gremiums

fig.  8.

der  ßuchsachoersfändigen  in  Wien.  Herr^Janeczek  wurde  aus  Anlaß ­
  seines  Rücktrittes  oon  der  so  lange  innegehabten  funktion  oon
            
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