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MAK

Full text : Jahrgang 3 (1911) (20)

Seite  308

Internationale  SammIer-2eitun<j.

Hummer  20

mitlaufen  können,  roerden  förmlich  dahingedrängt,  moderne
Bilder  oder  moderne  Graphik  zu  sammeln.  Und  das  ist
doch  unbedingt  ein  Geroinn  für  die  heutige  Kunst.  Im
übrigen  aber  wird  z.  B.  die  ITlalerei  der  letzten  50
Jahre  nerhältnismäfjig  besser  und  höher  bezahlt  als  die
alte  Kunst.  Jedes  Durchschnittsbild  kostet  heute  auf  den
großen  Ausstellungen  an  500  HJk.  und  den  führenden
unter  den  modernen  spricht  man,  roie  die  Statistik  lehrt,
bisweilen  Preise  zu,  die  ganz  erstaunlich  sind.  Seht  euch
die  Porträtisten  an,  fragt  doch  Sargent,  welchen  Preis
er  für  ein  Porträt  fordert,  oder  Taszlo  und  alle  die
andern!  Und  Sargent,  der  für  ein  Bildnis  oft  mehr
bekommt  als  ein  minister  an  Jahresgehalt  bezieht,  reicht
in  seinem  künstlerischen  Schaffen,  oor  dem  mir  allen
Respekt  haben,  doch  schließlich  nicht  an  Dürer  heran,
der  froh  gecnesen  ist,  coenn  man  ihm  für  ITladonnenbilder
25—30  Gulden  gab,  und  sicher  auch  nicht  an  Rembrandt,
der  für  „Die  Flachtroache“,  dieses  größte  Wunder  der
malerei  aller  Zeiten,  den  elenden  Preis  non  1600  Gulden
erhielt.  Und  ein  Selbstbildnis  Rembrandts  ist  1657  mit
100  Gulden  eingeschäßt  morden  und  im  gleichen  Jahre
erreichte  Van  Dycks  „Prinz  oon  Oranien“  in  Amsterdam
nicht  mehr  als  300  Gulden.
Cs  ist  übrigens  nicht  lange  her,  seit  man  für  die
Velasquez,  Hals  und  Rembrandt  eine  halbe  million  oder
ein  bis  zwei  ITlillionen  gab.  Zu  der  Zeit,  da  Sedelmeyer
  schon  für  zwei  Gemälde  des  modernen  ITlunkaczy
(für  den  „Christus  oor  Pilatus“  und  den  „Kaloarienberg“)
je  eine  halbe  million  bekam,  standen  Hals  und  Rembrandt, ­
  die  um  mehr  als  zroeiundeinhalb  Jahrhunderte
älter  sind  als  der  ungarische  ITleister,  noch  nicht  so
hoch  im  Preise,  wie  dieser.  Und  Velasquez?  ln  dem
gleichen  Jahre,  1880,  in  dergleichen  Auktion  bei  Christie
in  Condon  bringt  eins  seiner  qualitätstarken  Bildnisse
350  Guineen  =  7350  Ulk.,  mährend  ein  Knaus  („Cine
Tasse  Kaffee“,  die  1874  gemalt  ist)  auf  780  Guineen,
also  auf  15.580  Ulk.  kommt  oder  mährend  ein  Israels
und  ein  Schreyer  je  600  Guineen,  also  je  12600  Ulk.
erzielten.  Ulillets  „Angelus“  roird  mit  800.000  Ulk,
bezahlt,  Böcklins  „ITleeresidylle“  kostet  100.000  Ulk.,
Defreggers  „Candsturm“  40.000  Ulk.  und  1000  gibt
fürst  Berthier  de  Wagram  für  Seganfinis  „Die  Dafür“
200.000  fres.,  1907  Amerika  für  Jules  Bretons  „Die
lllohnernte“  160.000  JTlk.,  1907  Ulr.  Charles  P.  Tafft  für
Ulillets  „Schafschur“  108.000  Ulk.  und  1910  findet  des
gleichen  Uleisters  „Aufbruch  zur  Arbeit“  für  220.000  Ulk.
einen  Käufer,  Und  mit  diesem  Ulillet  zugleich  seßt  man
einen  Tropin  für  95.000  Ulk.  ab,  einen  Corot  für
92.400  Ulk.
Cs  scheint  mir  auch  oon  Interesse,  die  Preise  zu  oerfolgen, ­
  die  für  moderne  Uleister  im  Taufe  der  leßten  Jahrzehnte ­
  angelegt  wurden,  Greifen  mir  etwa  Corot  heraus,
der  in  dem  gleichen  Jahre  1875  stirbt,  roie  Ulillet,  der
erste  Hauptmeister  oon  Barbizon.
Corot  also  bringt:
1873:  (Caurent  Richard,  Paris)  „Nymphes  et
Faunes“  23.000  fr.
1886:  Cine  Corotserie  20.250—75.000  „
1889:  (Secretan-Auktion,  Paris)  „Le  matin“  56.000  „
„  „  „  „Biblis“  .  84.000  „
1892:  (3™  Vente  Alexandre  Dumas  Als,  Paris)
„Paysan  a  Cheval  Dans  la  Campagne“  40.000  „
(Daupias,  Paris)  „L’entree  en  foret“  100.000  „
„  „  „Le  lac“  ....  85.000  „
-  (Gottier,  Condon)  „Orphee“  ....  115.000  „
1895:  (Ceigthon,  Condon)  uier  Corot  .  .  .  157.000  „
1899:  (Desfosses,  Paris)  „La  toilette“  .  .  185.000  „
Diese  Corotliste  möge  genügen.  Die  ganze  Welt,  j
uor  allem  Amerika,  ist  mit  Corots  überschwemmt  worden!  |

Allerdings  haben  die  falscher  die  Konjunktur  ausgeniißt
und  Corot,  der  offenbar  nicht  schwer  zum  fälschen  ist,  in
Utassen  abgeseßt.  Von  den  mehr  als  12.000  Corots,  die
heute  Amerika  hat,  ist  kaum  die  Hälfte  echt.  Corot  selbst
hat  im  ganzen  an  7000  Bilder  gemalt.
Die  Klage  der  „modernen“  entbehrt  wirklich  jeder
Berechtigung,  man  denke  doch  an  die  Versteigerung  Ta
Roche  oon  1910  bei  Schulte  in  Berlin,  in  der  Ceibis
„Die  Spinnerin“  uom  Städtischen  Uluseum  in  Ceipzig  für
75.500  Ulk.  angekauft  wurde,  in  der  Böcklins  „Das
Bergschloß“  28,000  Ulk.  erzielte,  Gabriel  Ulax’  „Der
Anatom“  10.500  Ulk.,  Cenbachs  „Virchow“  11.500  Ulk.,
Boehles  „Kartoffelernte“  11.500  Ulk.,  Schoenlebens
„Tlerui“  8000  Ulk.,  Schreyers  „Walachische  Pferde“
mit  25.000  Ulk.  bezahlt  wurde,  Ciebermanns  „Inualiden
im  Cotsenhaus“  mit  15.000  Ulk.,  Zügels  „Heimziehende
Schafe“  mit  14.000  Ulk.  usw.  Und  man  denke  doch  an
die  Pariser  Auktion  der  Sammlung  Ulaurice  Kann  uom
Juni  1911,  in  der  eine  „Badende“  Renoirs  für  35.000  fres.
wegging,  ein  Ulonet  für  16.500  fres.  —  lllonef  erhielt
auch  schon  weit  höhere  Preise  ein  „Bauer“  oon
Cezanne  für  24.000  fres.,  also  für  nicht  uiel  weniger
als  ein  Selbstporträt  des  Reynold,  das  am  gleichen  Tage
für  25.750  fres.  losgeschlagen  wurde.  Aber  die  Preise,
die  für  die  französischen  Impressionisten  a  le  Cezanne
und  oan  Gogh  gezahlt  roerden,  sind  eben  Äußerungen
des  „Zeitgeschmackes“.
Die  Abwärtsbewegung  für  die  Qualitäten  der  alten
Kunst  datiert  seit  ein  bis  zwei  Jahrzehnten  und  hängt,
abgesehen  oon  den  wirtschaftlichen  fortschritten  der  den
Reichtum  repräsentierenden  Sammlerkreise  auch  mit  dem
wissenschaftlichen  Cifer  der  Spezialsammler  zusammen.
In  der  Graphik  etwa  stehen  Rembrandt  und
Dürer  im  Vordergründe.  Und  roie  groß  die  Preisunterschiede ­
  oon  einst  und  jeßt  sind,  möchte  ich  an  einigen
Hauptblättern  zeigen.  Vom  ersten  Zustande  des  „Hundertguldenblattes“ ­
  kennt  man  acht  Abdrücke,  die  sämtlich
in  festen  Händen  sind.  Das  Berliner  Cxemplar  z.  B.  war
1887  auf  der  Sammlung  des  Herzogs  oon  Bucdeugh  für
26.000  HJark  erworben  worden.  Aber  der  zweite,  noch
immer  im  Handel  befindliche  Zustand  dieses  Rembrandtschen
  Hauptblattes  brach',e:
1875  (Gabrichon,  Paris)  ....  9600  fr.
1877  (firmin  Dudot,  Paris)  .  .  .  8550  „
„  (Wolf,  Bonn)  9550  „
1909  (Hubert,  Paris)  61500  „
Von  Rembrandts  „Bürgermeister  Six“,  oon  dessen
erstem  Zustand  kaum  mehr  als  zwei  Abdrücke  in  den
Handel  kommen  im  Jahre  1770  (Ularcus,  Amsterdam)
305  fl.,  im  Jahre  1830  (Reoil,  Paris)  600  fr.  —  erreichten
die  zweiten  Zustände
1754  (Tousau)  316  fl.
1860  (Arozarene)  5251  fr.
1877  (firmin  —  Didot)  ....  17000  „
1893  (Holford)  ........  9500  „
1909  (das  Holfordexemplar  auf  der
Auktion  Hubert  71000  „
Rembrandts  „Die  große  Juden  braut“,  erster  Zustand, ­
  kostete:
1  755  (de  Burqy)  34  fl.
1770  (Ularcus)  25  „
1877  (firmin  Didot)  4005  fr.
1910  (Theobald  bei  Gutekunst,  Stuttgart) ­
  44000  Ulk.
Rembrandts  „Der  alte  Haaring“
1755  (de  Burgy)  16  fl.
1877  (firmin  Didot)  2900  fr.
1910  (Theobald  bei  Gutekunst,
Stuttgart)  .......  .44000111k.
            
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