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MAK

Full text : Jahrgang 3 (1911) (24)

Seite  372

Internationale  5ammIer-Zeitung.

Rümmer  24

anderen  Saale  des  „Dorotheum“  jeden  mittmach  partielle  Bücher-Dersteigerunpen
  statt,  d.  h.  zmischen  photographischen  Apparaten,
Ferngläsern  etc.  merden  auch  schön  gebundene  Bücher,  besonders
Klassiker,  £exika  und  Prachtroerke  Dersteigert.  Hier  geschieht  es
besonders  oft,  daf;  gemisse  Bücher  meit  höhere  als  die
tadenpreise  erzielen.  So  z.  B.  murden  kürzlich  üerkauft:
Schiller,  Ausgabe  der  Goldenen  Klassiker-Bibliothek,  4  Bände,
6  Ulk.  ord.  zu  9  K  60  h  (8  Alk.!).  Sa  chs-Uillate,  Wörterbuch,
15  mk.  ord.  (alte  Auflage!),  22  K  (ca.  18  mk.  50  Pf.);  Fi  sehe  r-Dückelmann,
  Die  Frau  als  Hausärztin,  17  Utk.  ord.,  für  27  K
(22  111k.  50  Pf.)!!  Als  Gegenstück  dazu  ermarb  ich  selbst  für
2  K  94  h  (ca.  2  mk.  50  Pf.)  sieben  broschierte  Bücher  im  Ordinärmerte
  oon  ca.  40  mk.  darunter  5  in  Österreich  oerbote  ne!
öine  der  ersten  Firmen  Wiens  mufjte  dafür,  dafj  ein  aus  Deutschland ­
  frisch  angekommener  Gehilfe,  in  Unkenntnis  des  Verbots,
eines  dieser  Bücher  (Tagebuch  einer  Kammerjungfer)  oerkaufte,
150  K  Strafe  zahlen.
Durch  diese  lllittmoch-Versteigerungen  roird  aufjer  dem
Buchhandel  ganz  besonders  schmer  die  photographische  lllanufaktur
  getroffen.  Gs  merden  da  ITtassen  uon  Apparaten,  Objektioen,
Statinen,  Kasetten  usm.  an  den  mann  gebracht.  Dicht  uninteressant
ist  die  Vor-  und  llachgeschichte  dieser  Verkäufe.
Die  im  Dorotheum  zur  Versteigerung  gelangenden  Artikel
sind  entroeder  Pfandposten  oder  Verkaufs  posten.  Unter  Pfandposten ­
  oersteht  man  oerfallene,  d.  h.  nicht  ausgelöste  Pfänder,
unter  Verkaufsposten  freiroillig  oon  den  Besitzern  zur  Versteigerung
eingereichte  Gegenstände,  mit  ersteren  hat  es  nun  oft  folgende
Beroandtnis:  Der  arme  Teufel,  der,  sagen  mir,  ein  ihm  oon  einem
Raten-Agenten  aufgeschroatstes  Werk  über  den  russisch-japanischen
Krieg  aus  tlof,  oielleicht  um  die  fällige  Rate  zahlen  zu  können,
„oersetjt“,  sieht  sich  in  einiger  Zeit  genötigt,  auch  den  Pfandschein
zu  oerkaufen.  Zroar  ist  der  gcmerbsmäfpge  Ankauf  uon  Pfandscheinen, ­
  roie  auf  jedem  oon  ihnen  deutlich  zu  lesen  steht,  oerboten, ­
  aber  es  finden  sich  nicht  nur  immer  edle  ITlenschen,  die
diese  Dokumente  trotjdem  billig  an  sich  bringen,  sondern  auch
ein  anderes  k.  k.  Amt,  das  k.  k.  Cxekutionsgericht  in  Wien,  befaßt ­
  sich  mit  dem  Veikaufe  oon  Pfandscheinen,  indem  es  sie  in
der  gerichtlichen  Auktionshalle  täglich  an  Biedermänner  entmeder
im  Versteigerungsmege  oder  freihändig  abgibt,  oon  denen  jeder
einzelne  als  geroerbsmäfjiger  Pfandobjektoerroerter  bekannt  ist.
Diese  Pfandscheine  sind  dem  Besifjer  abgepfändef  morden  oder
stammen  aus  llachlässen,  über  die  der  Konkurs  oerhängt  murde,
ihr  Preis  besteht  in  der  Hälfte  der  Differenz  zmischen  Schä^ungsund

  Belehnungssumme,  Also  z.  B.  Pfandschein  über  ein  llleyers
fexikan.  Schüljungsmert  50  K,  Belehnung  45  K,  zulässiges  lllindestgebof
  für  den  Schein  2  K  50  h.
llehmen  mir  nun  an,  der  Trödler  lllüller  hat  den  Schein
für  5  K  erstanden,  einige  Wochen  später,  an  einem  ITlittmoch,
sehen  mir  nun  den  Herrn  im  Dorotheum  sitzen  und  mit  Spannung
den  ITloment  abmarten,  roa  „sein  llleyer“  ausgerufen  roird.  Gr
„kommt“  mit  ca.  60  K  (roeil  Zinsen  aufgelaufen  sind)  „heraus“,
llun  roird  gesteigert,  und  bald  sind  100  K  erreicht.  Der  Pfandscheinbesit^er
  hat  eifrig  mitgeboten,  aber  mit  feiner  ITlenschenkenntnis
  erachtet  er  den  psychologischen  DToment  gekommen,  roo
Gefahr  im  Verzüge  ist,  das  Cexikon  könnte  ihm  zugeschlagen
merden.  Cr  bietet  nichts  mehr,  die  Aufmärfsberoegung  stockt.  Der
die  Versteigerung  leitende  Kommissär  roird  aber  nicht  kaiserlicher ­
  Rat  dafür,  dafj  er  blofj  die  erzielten  Preise  notiert,  er  rnuf;
auch  trachten,  möglichst  hohe  Llmsätje  zu  erzielen.  Daher  beginnt
er  jet^t  „aufzumuntern“.  „Kein  höheres  Angebot  mehr?“,  ruft  er
in  den  Saal,  „das  Cexikon  ist  noch  oiel  mehr  roert!  neueste
Huflage!  Komplett!  Sehr  schönes  Cxemplar!“  Der  Appell  uerfehlt
selten  seine  Wirkung  ;  es  findet  sich  fast  immer  ein  neuer  Reflektant,
der  das  bisherige  Höchstgebot  noch  überbietet.  So  rast  das  Preisgebot ­
  bis  140  K  hinauf,  dann  roird  zugeschlagen.  Befriedigt  notiert
der  Beamte  den  schönen  Crfolg  seines  Gingreifens,  noch  befriedigter
notiert  sich  der  Pfandscheinbesitjer  die  Summe.  Cr  hat  folgendes
Geschäft  gemacht:
Crlös  140  K
Ab:  Belehnung.  .  .  .  *  45  K  j
Zinsen  usm  15  „  l  70  K
7%  Aufschlag  10  „  J
Vom  betreffenden  Versatjamt  an  den  Besser
des  Pfandscheines  zu  zahlender  Überschuf;  .  70  K
Selbstkostenpreis  des  Pfandscheines  ....  5  K
Reinoerdienst  des  Händlers  ...  67  K
Und  der  arme  Teufel,  der  das  Cexikon  oerset;en  mufjte  und
dem  dann  noch  der  Schein  meggepfändet  murde,  der  uielleicht
sogar  roegen  Verstoßes  gegen  den  Gigentumsuorbehalt  der
Cieferantenfirma  eingesperrt  murde,  hat  das  Dachsehen  .  .  .  1
Harmloser  sind  die  Verkaufsposten,  bis  auf  jene,  die  aus  Diebstählen ­
  herrühren.  Denn  heute  hat  es  jemand,  der  ein  schön  gebundenes ­
  Buch  entmendet,  nicht  mehr  nötig,  sich  den  Gefahren
des  Verkaufs  in  einer  Buchhandlung  auszusetjen,  er  lüf;t  seinen
Schaf;  einfach  —  uersteigern!  lncogniio.

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Der  5riileiFjheimer  ßilderraub.
Von  Prof.  Dr.  Karl  Voll  (Hlündien).

■ n  dem  schönen  Schlosse  Hustheim  courde  vor
einiger  Zeit  ein  umfangreicher  Bilderdiebstahl
oerübt,  der  oiel  Rufsehen  erregt  hat,  nicht  soroohl
  wegen  des  Wertes  der  Gemälde,  die  mit
10.000  TRark  nicht  zu  niedrig  geschäht  sein
werden,  roie  roegen  der  Sorglosigkeit  der  Behörden, ­
  die  den  Raub  recht  leicht  gemacht  hat.
Gs  sind  in  der  Tat  erst  wenige  Jahre,  dafj  die
meisten  der  Bilder  in  diesen  nicht  gar  großen
aber  sehr  schönen  Barockbau  überführt  wurden.
Das  war  noch  oor  Herrn  o.  Tschudis  Rmtsantritt.
€s  handelt  sich  im  wesentlichen  darum,  daij  die  Clementinische
  Sammlung,  die  schon  oorher  in  der  Schleifjheimer
Galerie  als  ein  Ganzes  für  sich  behandelt  und  zur  Seite
geschoben  worden  war,  nun  oollends  aus  der  eigentlichen
Schleifjheimer  Sammlung  entfernt  werde.  Sie  ist  eine
fideikommiljstiftung  und  gehört  der  Sekundogenitur  des
k.  Hauses.  Sa  führt  sie  ein  eigenes  Heben  für  sich.  In

den  alten  Katalog  der  Schleifjheimer  Galerie,  den  Bayersdorfer
  1885  herausgab,  ist  sie  noch  aufgenommen  morden,
in  den  Katalog  aber,  den  der  jetjige  Konservator  oon
Schleifjheim,  H.  Beoer,  1005  herausgab,  ist  sie  nicht  mehr
aufgeführt.
Run  ist  die  Sammlung  sa  wenig  Jahre  nach  ihrer
radikalen  Isolierung  geplündert  worden,  nicht  durch  jene
internationalen  Rluseumsräuber,  die  unseren  RJuseen,  Kirchen
und  öffentlichen  Gebäuden  oon  Jahr  zu  Jahr  mehr  zu
schaffen  machen,  sondern  durch  einheimische,  die  sich  die
gute  Gelegenheit  nicht  entgehen  lieljen,  aus  einem  so  gut
wie  schutzlos,  fernab  oon  größeren  menschlichen  flnsiedlungen
  liegenden  Bau  die  Gemälde  zu  entfernen.  Die  Diebe
sind  auch  bereits  ergriffen  und  haben  ihre  Tat  eingestanden.
So  hat  der  5all  nur  mehr  ein  theoretisches  Interesse.
Das  Unglück  war  nicht  entfernt  so  grofj  wie  der
Ru^en  der  aus  dem  Vorfall  zu  ziehenden  Hehren.  Was
hatte  es  für  einen  Zweck,  das  kleine  5rühmerk  des  oor-
            
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