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Full text : Jahrgang 3 (1911) (5)

Seite  76  Internationale  5

also  5000  Rubel  oder  rund  10.000  fflork.  freudestrahlend  erlegte
Herr  Stemmer  den  Betrag.  Iltit  zitternden  Händen  ergriff  er  den
kostbaren  Schaß.  Dann  zündete  er  zum  größten  Erstaunen  seiner
freunde  ein  Dicht  an  und  uerbrannte  mit  sichtlichem  Wohlbehagen
sämtliche  fünf  marken  nacheinander  an  der  flamme  und  uernichtefe
auf  diese  Weise  einen  Wert  oon  25.000  Rubeln.  Als  seine  freunde
ihn  fragten,  ruozu  er  diesen  tierrückten  Streich  begangen  habe,  erroiderte
  er  ihnen  sehr  heiter:  „So,  jeßt  sind  meine  lllorken  roirklich
Unika.  einen  Schaden  habe  ich  dadurch  nicht  erlitten,  da  ja  meine
ITtarken  auf  diese  Weise  uiel  höheren  Wert  erhalten  haben.“

Uerschieöenes.
(€ine  in  e  r  t  o  o  11  e  P  h  o  t  o  g  r  a  p  h  i  e  n  s  a  m  m  1  u  n  g).  Der
Wiener  llnioersitätsbibliothek  ist  durch  Schenkung  eine  für  die
öelehrtengeschichte  Österreichs  roerfuolie  Sammlung  oon  mehr  als
300  Photographien  zugefallen,  unter  denen  sich  eine  große  menge
llnika  befinden.  Die  Witiue  des  berühmten  Philologen  nnd  Schulmannes, ­
  Hermann  ßoniß,  der  nach  seiner  großen  Arbeit  für  das
österreichische  miftelschulcnesen  als  Direktor  des  historischen  Gymnasiums ­
  „Zum  Grauen  Kloster“  nach  Berlin  berufen  rourde,  ist
im  Dezember  hochbetagt  in  Charlottenburg  gestorben  und  hat
testamentarisch  der  Uniuersität  das  prachfualle  Album  hinferlassen,
das  ihrem  Gaffen  im  Jahre  1867  anläßlich  seines  Scheidens  aus
Österreich  oon  Verehrern,  freunden  und  Schülern  gewidmet  rourde.
Cingeleitet  roird  der  Prachtband  durch  eine  poetische  Widmung  non
Robert  Hamerling  in  antikem  Versmaß.  Der  Dichter  roar  bekanntlich ­
  selbst  Philologe  und  Schulmann,  und  selten  hat  roohl
eine  Adresse  einen  schönem  Text  erhalten.  Daran  schließt  sich
eine  lateinische  Widmung.  Dieser  folgen  die  Unterschriften  und
Porträts  oon  512  männern  aus  ganz  Österreich  und  Ungarn,  Gelehrte
aller  fakultäten,  die  zum  Teil  schon  damals  berühmte  ITamen
hatten,  zum  Teil  später  Bedeutung  erlangten,  für  die  späteren
Berühmtheiten  ist  so  eine  Sammlung  oon  Jugendporfräts  erhalten
geblieben,  oon  denen  manches  oon  biographischem  Wert  sein  roird.
Unter  den  Unterzeichneten  finden  mir  außer  Hamerling:  Theodor
Gomperz,  den  späteren  österreichischen  Unterrichfsminister  Wilhelm ­
  Hartei  als  jugendlichen  Prioatdozenfen,  Schottenabf  Helferstorfer,
  den  populären  Direktor  des  Schotfengymnasiums  IHareta
und  den  Hofprediger  Clemens  Kiph,  den  Germanisten  Wilhelm
Scherer  als  Prioatdozenfen,  HofrafRobert  Riedel  als  Cehramfskandidaten,
  den  berühmten  Romanisten  Adolf  Cinerz  als  Prioafdozenten,
  den  Kardinal  Crzbischof  Dr.  Gangeibauer  als  bescheidenen ­
  Gymnasialprofessor  in  Kremsmünster,  dann  die  Professoren ­
  :  R.  o.  Karajan,  Ottokar  Torenz,  den  Historiker  Zeißberg,
den  Pandektisten  Brinz,  den  Physiologen  Trust  Brücke,  den
Astronomen  Cittroro,  den  Slaoisf  ITliklosich,  den  Historiker
Theodor  Sickel,  den  Rechtslehrer  Heinrich  Siege 1 ,  den  Philosophen ­
  Robert  oon  Zimmer  mann,  D  um  reich  er,  fick  er,
Berner  oon  marilaun,  den  Dichter  Joh.  Gabriel  Seidel,  den
Philologen  Sehen  kl,  den  jeßigen  Präsidenten  der  Akademie  der  (
Wissenschaften  Or.  Cduard  Sueß,  den  musiker  Rudolf  Wein  rourm,  j
den  berühmten  Verteidiger  Dr.  taques,  die  Pädagogen  Ha  über
und  Hannak  und  oiele  andere.  —  Cs  ist  oon  großem  Interresse,
die  Porträts  uieler  dieser  Gelehrten  in  jungen  Jahren  zu  sehen,
deren  Bild  in  späterem  Alter  dann  für  ganz  Wien  und  darüber
hinaus  eine  roohloertraute  Crscheinung  rourde.  Aach  Abwicklung
der  Verlassenschaft  für  frau  Geheimrat  Boniß  rourde  die  Sammlung ­
  in  der  zugehörigen  Kassette  durch  die  Schwiegertochter  der
Verstorbenen,  frau  Dr.  B  o  n  i  ß,  der  Wiener  Uniuersität  überantwortet.
(Die  Sammlung  Cmil  meiner  in  Ceipzig.)  mit  Cmil
meiner,  dessen  Ableben  roir  in  der  leßten  Hummer  gemeldet
haben,  ist  einer  der  feinsinnigsten  deutschen  Sammler  dahingeschieden. ­
  Adolph  Donath,  der  meiner  oor  kurzem  erst  in  seinem
Heim  in  Ceipzig  aufsuchte,  erzählt  uon  ihm  in  der  „B.  Z.“:  Cmil
meiner  hat  sich  zeitlebens  als  Sammler  gefühlt.  Cr  war  einer
uom  Schlage  des  Baselers  Ca  Roche-Ringwald,  aus  dessen  Bilderuersteigerung
  jüngst  die  altmeisterliche  „Spinnerin“  Ceibls  für
75,000  mark  uom  städtischen  llluseum  in  Ceipzig  erworben  worden
ist.  Von  eben  diesem  llluseum,  das  Cmil  meiner  manche  gute

nmmler-Zeitung.  Hummer  5

Anregung  und  glückliche  Tat  oerdankt.  Und  roie  Herr  Couis  la
Roche-Ringwald.  ist  auch  der  Ceipziger  Sammler  ein  freund  der
moderne  gewesen,  der  „soliden“  moderne.  Cr  hat  ITlenzel
geliebt,  oon  dem  er  jenes  „Ballsouper“  besaf3,  das  heute  eins  der
Wunder  der  Hafionalgalerie  ist  und  den  „Gemüsegarten  uon  Verona“,
der  jeljt  Dresden  schmückt.  Und  hat  für  Knaus  geschwärmt,
uon  dem  wir  in  der  llleinerschen  Sammlung  heute  noch  neben
einem  feinen  Zigeunermädchenkopf  das  populär  gewordene  Bild
„In  tausend  Ängsten“  sehen:  die  Kinder,  die  sich  oor  den  kampflustigen ­
  zwei  Gänsen  fürchten.  Von  ITlenzel  selbst  hängt  noch
in  diesem  Ceipziger  Patrizierhause  „Die  Promenade  in  Kissingen“
uon  1890  mit  den  unuergleichlich  charakterisierten  Badetypen.  Dann
sind  zwei  Bäcklin  da:  „Die  Ruine  am  ITleer“,  die  lllax  Klinger
radiert  hat,  und  der  „Kentaurenkampf“,  dieser  in  Croigkeitsfarben
gemalte  Aufruhr  der  llatur.  Und  meiners  Böckims  folgen  drei
Thoma:  zwei  oon  1891,  die  mächtige  „Pappeimiese“  und  die  durch
ihre  Wolkenpartie  so  reizoolle  „frühlingslandschaft“  mit  den  sich
neckenden  Kindern  und  Cämmchen  ;  schließlich  der  „Abendfriede“
oon  1892:  der  Hirtenknabe  am  blumigen  Ufer  flöte  spielend  Cin
früher  Kopf  oon  Defregger  gewinnt  uns  und  nicht  zuleßt  des
Kleisters  „Besuch  der  Großeltern  bei  dem  erstgeborenen“.  Außerdem ­
  ragt  oon  den  münchenern  f.  A.  Kn  ul  hach  mit  seiner  „mandolinenspielerin“ ­
  (in  grauer,  knisternder  Seide)  heroor,  Gabriel
lllax  mit  seiner  „Hachtigall“,  der  in  die  tiefe,  italienische  Candschaft
  hineinträumenden  Dame  und  mit  der  lichtoollen  „Crweckung
oon  Jairi  Töchterlein“.  Sehr  amüsant  ist  Spißroegs  „Ungebetener
Gast“  —  der  kleine  Star,  der  sich  über  den  Tisch  hermacht,  mährend
der  alte  Junggeselle  sein  Pfeifchen  raucht  sehr  amüsant  auch
eins  oon  den  Anekdotenbildern  Hugo  Kauft  man  ns  und  die
prächtige  „ITlarketenderin“  des  Wilhelm  Diez.  Dann  sind  drei
Ci  ebermann  da:  ein  sehr  früher  oon  1874,  noch  ganz  in  ITlunkascys
  Art  gemalt  („Bei  den  Gemüsehändlern“),  einer  aus  der  Zeit
der  „Bleiche“  („Kinder  im  Garten  spielend“  1883)  und  eine  „holländische ­
  Häherin“  oon  1903.  Um  zwanzig  Jahre  älter  ist  Uhdes
„holländische  Häherin“  mit  dem  luftigen  fensterausblick  nach  der
sich  drehenden  lllühle.  Daneben  sehen  roir  drei  Stücke  des  Spaniers
Pradilla,  unter  denen  der  „Karneoal  in  Rom“  und  die  „Terrasse
am  Strande“  durch  ihr  starkes  Kolorit  besonders  auffallen.  Oswald
Achenbachs  „Straße  in  Partie!“  ist  nicht  weniger  stimmungsooll
als  die  „IHondlandschaft“  oon  Schleich.  Und  in  die  Zeit  Cduard
Schlcichs,  in  die  mitte  des  oorigen  Jahrhunderts,  reicht  Pettenhofens ­
  „Hlarkf  in  Szolnok“  zurück,  Vautiers  „Gang  zum
Standesamt“,  Calames  „Geroitter  im  Gebirge“  und  ein  „Seestück“
oon  Andreas  Achenbach,  Das  wären  so  die  markantesten  Bilder
der  llleinerschen  Sammlung.  Sie  hat  zwar  nicht  den  Umfang  jener
des  Herrn  Ca  Roche,  zählt  aber  unstreitig,  dank  ihren  besonderen
Qualitäten,  zu  den  bedeutendsten  deutschen  Sammlungen  moderner
Bilder.
(Die  Gobelins  des  Wiener  Stephansdomes.)  Die
ebenso  kostbaren  roie  prachtuollen  alten  Gobelins  des  Wiener
Stephansdomes,  oon  denen  nur  ein  Teil  bei  festlichen  Gelegenheiten
im  Dome  zur  Verwendung  kommt,  haben  im  Caufc  der  Jahre
wesentlich  gelitten  neuerdings  rourde  bei  Ansicht  der  Gobelins
bemerkt,  daß  es  geboten  sei,  diese  renouieren  zu  lassen.  Cs  fand
sich  deshalb  dieser  Tage  eine  größere  Kommission  unter  Zuziehung
oon  Sachoerständigen  im  Dome  ein,  roo  die  Gobelins,  die  rund  auf
eine  million  Kronen  geschäßt  wurden,  einer  Besichtigung  unterzogen ­
  wurden.  Cs  wurde  beschlossen,  die  schadhaft  gewordenen
Gobelins  wieder  herstellen  zu  lassen.  Die  Resfaurierungsarbeiten
dürften  sich  auf  30.000  K  belaufen  und  ungefähr  drei  Jahre  in
Anspruch  nehmen,  da  ganze  Teile  neu  eingearbeitet  werden  müssen.

ffluseen.
(Aus  dem  Berliner  Kunstgewerbemuseum.)  Die  Bibliothek ­
  des  Berliner  Kunstgewerbemuseums  hat  jeßt  eine  Reihe
roertooller  Geschenke  zu  oerzeichnen.  Die  apostolische  Bibliothek
des  Vatikans  schenkte  dem  llluseum  die  große  Veröffentlichung  des
Studienbuches  uon  Giuliano  da  Sangallo  aus  dem  Berlinischen
Kodex  des  Vatikans,  Geh.  Rat  Richard  Pinisch,  der  bekannte
Berliner  Industrielle,  schenkte  der  Bibliothek  sieben  prächtige  japanische ­
  farbenhalzschnitte.  Cs  sind  darunter  Blätter  oon  Horunohu,
            
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