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Nr. 11
Internationale S
zur Zeit der jetzigen Dynastie. Zunächst war er Landschafter.
Beim Anblick von Werken Wang-Shi-kus indessen
wurde er in der Annahme, es diesem niemals
gleichtun zu können, so mutlos, daß er sich der Blumenmalerei
in Mo-ku-Manier, nach dem Vorbild von Chü-Chung-tse,
einem Enkel von Shii-Hsi, die zur Zeit der
Sung-Dynastie gelebt hatten, zuwandte, und darin hat er
Unnachahmliches geleistet. Seine Malweise wurde nach
seiner Heimat die Chang-shou-Art genannt. Als sehr guter
Blumenmaler sei hier noch Tso-yi-kuei erwähnt.
Nach der Hsieh-yi-Manier wurde schon zur Zeit der
Sung-Dynastie gemalt; von wem zuerst, ist unbekannt.
Unter der Ming-Dynastie zeichnen sich in ihr besonders
Lin-Le-ang, ferner Shih-Tien und Po-Yang aus.
Wenn sich auch die Kou-shan-Malweise nur ungefähr
den europäischen Illustrationen und die Mo-ku-Malweise
der in Europa allgemein üblichen vergleichen läßt,
so deckt sich doch vielfach die Schwarz-weiß-Kunst vollkommen
mit unserer Tuschmalerei. Als sehr tüchtig auf
diesem Gebiete möchte ich Li-Kung-lin anführen, von
dem indes leider viele Werke verloren gegangen sind;
gerade bei diesem Künstler ist darum doppelt das Fehlen
staatlicher Sammlungen zu bedauern. In diesem Zusammenhang
sei auch auf das Nichtvorhandensein von Kunstschulen
staatlicher und privater Art hingewiesen.
Unter den chinesischen Malern ist kein Mangel an
eigenartigen Persönlichkeiten; viele müssen sogar als
nicht normal bezeichnet werden, was einen neuen Beitrag
zu den Wechselbeziehungen zwischen Genie und
Wahnsinn bilden dürfte. Berühmtheit hatte allein schon
durch seine Verrücktheit der Maler Hu-hu-tou, der
unter den Tangs lebte, erlangt. Viele Meister sind melancholische
Naturen gewesen, die die Einsamkeit liebten;
daher kommt wohl auch bei vielen die Tiefe der Gedanken
und der Abgeklärtheit in ihren Werken. Die
Neigung zum Einsiedlertum mag wohl vielfach auch davon
herrühren, daß sie so oft von der Menge nicht verstanden
wurden. Viele wollten deshalb ihre Werke auch
aus diesem Grunde gar nicht auf den Markt bringen und
sie dadurch der öffentlichen Kritik auszusetzen. Andererseits
malen viele, des lieben Broterwerbes willen, nach
dem Geschmack der Menge, gleich wie in Deutschland.
Und vielfach gelingt es sogar solchen Leuten, Eintagsruhm
zu erlangen, besonders wenn sie die Reklametrommel
ordentlich zu rühren verstehen.
Aus der Zeit der Mings sei noch des Malers Che n-L
a n -1 i e n Erwähnung getan, der sich besonders durch
seinen gleichzeitig feinen und kräftigen Pinselstrich auszeichnete
und die Vorzüge von Li-Kung-lin und Chan-Tse-an
vereinigte. Sein Vorbild war W u - S h e n g.
An Innerlichkeit übertrifft er noch Chou-Shih-chou und
Tang-Po-hu. Ein Künstler wie er hatte seit dreihundert
Jahren nicht mehr gelebt. Er bildete sich an Lithographien
der zweiundsiebzig Schüler von Konfuzius nach Li-Kunglin,
die ihm eine Hochschule verehrt und die er ganz
genau studiert hatte. Ferner bildete er sich weiter an
einer »Bella« von Chou-Ching-yüan. Diese kopierte er
wieder und wieder. Als er nun gefragt wurde, warum er
dies tue, da ja doch seine Kopien viel schöner und besser
seien als das Original, antwortete er, eben deshalb seien
ammler-Zeitung.
sie nicht gut. Feinheiten, die man auf den ersten Blick
herausfinde, taugen in Wahrheit nichts; das täten solche,
die erst mühsam herausgelöst werden müßten wie der
Kern aus der Schale. Dies ist bezeichnend für unsere
Denkweise und Auffassung nicht nur in der Malerei, sondern
auch in der Literatur.
Genannt seien ferner noch der Landschafter, Blurnenund
Vogelmaler Pa-ta-shan-yüan und Cheng-B
a n -1 i a o, Zeitgenossen von Tien-Lung; Chong-B
a n -1 i a o ist durch seine Orchideen- und Bambusdarstellungen,
ferner auch noch als Dichter berühmt; sodann
Wang-Shi-mi n, Wang-Shu-ku, Wang-Lu-tai, Tung-Pang-ta
und endlich Shao-Mi. Bei der Porträtmalerei
unterscheidet man bei uns in China zwei Arten, eine in
der Khou-shan-Manier, bei der Umrisse u. s. w. zunächst
in Tusche ausgeführt und dann erst Farben verwendet
werden; in dieser Art der Malerei hat sich besonders der
aus Fukien stammende Tseng-Po-chon ausgezeichnet.
Bei der zweiten Art wird allerdings auch zuerst eine
Tuschezeichnung hergestellt; doch sind die Linien so fein,
daß sie nach der Ausmalung vollkommen verschwinden,
was leicht etwas verwaschen wirkt. Wiederum in anderer
Art malte zur Zeit der Tang-Dynastie Wu-Sheng, der mit
wenig Farbe, aber mit viel Tusche arbeitete, was sehr
charakteristisch wirkt.
Ein Europäer Li-Ma-tou, der unter den Ming in
China lebte und auch, und zwar hauptsächlich, Seebilder
malte, sagt der chinesischen Malerei nach, sic wisse nicht
plastisch zu malen; offenbar hat er nie wirklich gute
Kunstwerke gesehen, sonst würde sein Urteil wohl günstiger
ausgefallen sein. Li-Ma-tou ist dann von Tiao-Ling-chyn
vielfach kopiert worden, der aber auch für
Kaiser Kang-Hsi andere Vorwürfe, wie pflügende Bauern,
Weber an ihren Stühlen und dergleichen dargestellt hat.
Wenn der ganz gewiß sehr eigenartigen chinesischen
Malerei manche Vorzüge der europäischen, wie
Naturtreue und Realistik, abgehen mögen, so hat sie dafür
andere; in erster Linie nenne ich ihren Gedankenreichtum
und ihre Symbolik. Mit wenig Pinselstrichen weiß
sie außerordentlich viel auszudrücken und viel zu sagen;
es gehört eingehendes Studium dazu, sie verstehen und
in ihre Gedankenwelt eindringen zu können. Und je
schwerer ein Werk zu verstehen ist, desto höher ist meist
sein Wert. Da also der Gedanke die Hauptsache ist, wird
die Naturtreue manchmal etwas stiefmütterlich behandelt.
Zum Schluß möchte ich der chinesischen Malerei
wünschen, daß sie die deutsche Malerei kennen lernt, und
zwar die alten Meister und von den beiden modernen
Richtungen die gemäßigten inneren Flügel von beiden.
Ich bin überzeugt, daß dies für ihre Fortentwicklung nur
von großem Nutzen sein kann, besonders wenn sie das
in Deutschland Geschaute und Gelernte mit den Vorzügen
der chinesischen Malerei zu vereinigen weiß und
dies nicht etwa in blinder Nachäffung über Bord wirft.
Und dann möchte ich unseren Malern wünschen, daß
unser Land sich auf seine Pflichten der Kunst gegenüber
besinnt und seinen Beutel für Museen und Kunstschulen
öffnet, wie das in Deutschland geschieht und geschehen
ist.