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MAK

Full text : Jahrgang 4 (1912) (15/16)

Seite  232

Internationale  Sammler-Zeitung.

Nr.  15/16

ihn  mir  als  uralten,  weißhaarigen  Mann  vor,
seine  Folianten  gebeugt  dasitzt  und  nur  dann  und  wann,
wenn  das  Licht  schon  zu  versagen  droht,  aufblickt  und
mit  einem  schon  mechanischen  Griff,  ohne  recht  hinzusahen, ­
  den  Docht  mit  der  Schere  reinigt,  um  sofort
wieder  in  seine  gelehrten  Werke  zu  versinken.
Unter  den  Porzellanen  ist  eine  Vase  aus  Schlaggenwald
  (Fig.  -1)  mein  Entzücken.  Sie  hat  zarten  rosa  Dekor
und  in  einem  türkisblauen  Felde  sieht  man  das  Bildnis
Platos.  Die  Henkel  der  amphorenartigen  Vase,  die  auf
einem  Postament  steht,  sind  mit  Frauenköpfen  geziert
und  schmale  Bandornamente  schmücken  den  Hais
und  den  Fuß  der  Vase,  die  40  Zentimeter  hoch  ist.
Das  Altwiener  Porzellan  ist  in  meiner  Sammlung ­
  insoferne  am  reichhaltigsten,  als  ich  nebst
mehreren  vollständigen  Kaffeeservicen  und  Gruppen ­
  einige  Zusammenstellungen  von  Vasen  und
T  errinen  in  verschiedenen  Größen  besitze,  die  in
ihrem  tadellosen  Zustande  und  in  ihrer  deutlichen
Zusammengehörigkeit  ein  einheitliches  Ganze  bilden. ­
  Die  hier  in  Fig.  5
60  Zentimeter  hoch  ist,  habe
bei  einem  Antiquitätenhändler  in  Wien  um
d.cn  gekauft,  doch  glaube  ich,  daß  ihr  Wert  unterdes ­
  bedeutend  gestiegen  ist,  denn  sie  ist  tadellos
erhalten  und  ein  herrliches  Stück.  Sie  steht  auf
einem  Postament  und  hat  roten  Dekor.  Das  Postament ­
  ist  mit  wundervollen  Ornamenten  in  Schwarz
und  Gold  minutiös  gemalt,  im  Mitteloval  steht  ein
stilisierter  Vogel.  ■  Die  zweihenkeligc  Vase  ist  mit
einer  mythologischen  Darstellung  geziert,  auf  dem
oberen  Teile  der  Vase  und  auf  dem  Deckel
schweben  Amoretten.
Ein  fünfteiliges  Altwiener  Kaffeeservice,  bestehend ­
  aus  zwei  Tassen,  einer  Kaffee-,  einer  Milchkanne ­
  und  einer  Zuckerdose,  zeigt  Darstellungen
aus  der  Göttersage.  Ein  zweites  Service,  das  zehnteilig ­
  ist,  da  es  sechs  Tassen  hat  und  auf  einer
großen  Untertasse  ruht,  hat  so  wie  das  eben  beschriebene ­
  roten  Dekor  und  ist  gleichfalls  mit
mythologischen  Darstellungen  und  Amoretten  geziert. ­
  Zu  zwei  Vasen  von  über  40  Zentimeter  Höhe
mit  rotem  Dekor  und  Götterbildnissen  gehören
zwei  Blumenschalen  mit  rotem  Dekor  und  Amoretten, ­
  die  sich  gegenseitig  ergänzen.  Zwei  kleinere
Vasen  auf  Postamenten  haben  blauen  Dekor  und
sind,  ebenfalls  mit  Götterdarstellungen  verziert.  Sehr
schön  sind  zwei  Amphoren  mit  rotem  Dekor  und
goldenen  Henkeln  mit  Darstellungen  aus  der  Mythologie ­
  und  vier  Vasen,  die  vier  Jahreszeiten  darstellend, ­
  mit  Malereien  in  rotem  Dekor;  die  vier
Jahreszeiten  werden  ebenso  wie  die  Liebe  auf  einer
anderen  Vase  durch  Erauengestalten  personifiziert.
Mein  Vater  erwarb  seinerzeit  auf  einer  Budarester
  Auktion  —  es  mag  zwanzig  oder  einundzwanzig
Jahre  her  sein  —  drei  Jardinieren  aus  dem  Besitze  des
Grafen  Szechenyi.  Diese  Prachtstücke,  ein  ovales  und
zwei  runde  auf  Untersätzen,  sind  mit  den  typischen  Alt-Wiener
  Blumenbuketts  geschmückt  und  haben  einen  gegitterten ­
  Rand,  der  mit  Gold  geziert  ist.  Unter  den  Altwiener ­
  Figuren  nenne  ich  als  besonders  hübsch  zwei
Gegenstücke:  ein  Mädchen  mit  einem  Vogelhäuschen  in
der  Hand  und  einen  Jüngling  mit  einem  Vogel  in  der
Hand,  der  dem  Häuschen  des  Mädchens  entnommen  zu
sem  scheint.  Eine  Minerva  und  ein  Euterpe  sind  an  ihren
Attributen  zu  erkennen.
Unter  dem  Biskuitporzellan  sind  die  zw'ei  Leuchter
und  die  Aase,  die  ich  vor  ungefähr  zehn  Jahren  bei  einem

Leuchter  stehen  auf  einem  Postament,  sind  zweiarmig
und  zeigen  eine  Säule,  an  welche  sich  ein  Mann  lehnt,
der  ein  Ständchen  darbringt,  und  eine  Frau,  die  Laute
spielt.  Die  Hauptgruppc  zeigt  ebenfalls  eine  Säule  auf
einem  Postament,  neben  weicher  eine  Erau  mit  einem
Füllhorn  in  der  Hand  steht.
Altwien  sind  auch  zwei  kleine  dickbauchige  Vasen
mit  schlankem  Halse,  die  dunkelblau  und  rnit  Blumen
gemalt  sind.  Ueberaus  graziös  ist  ein  bloß  sechs  Zentimeter ­

  hohes  Krüglein  mit  einer  Frauengestalt,  der  Amor
schmeichelnd  naht.  Auf  dem  Deckel  ist  eine  Frauengestalt, ­
  von  Amoretten  umgeben.  Die  Vase,  so  klein  sie
ist,  bildet  eines  der  entzückendsten  Stücke  der  Sammlung.
Ein  ganz  hervorragendes  Stück  ist  eine  Gruppe  von
Amoretten,  die  sich  die  Zeit  vertreiben,  indem  sie  mit
Vöglein  und  einem  Vogelhause  spielen.  Eine  zweite
.Amorettengruppe  mit  drei  Engerin  bietet  den  kleinen
Schäkern  Zeitvertreib,  indem  sic  Trauben  emporhalten,
die  sie  lüstern  und  verliebt  ansehen,  Körbe  mit  Obst
stehen  zu  ihren  Füßen.  Farbige  Schärpen  umschlingen
die  Amoretten.  Zwei  herrliche  Figuren  von  achtzig  Zentimetern ­
  Höhe  stellen  Mars  und  Juno  dar.  Eine  Schale
auf  einer  Untertasse  ha 1  blauen  Dekor  und  ist  mit  einer

der  über  Antiquitätenhändler  für  800  Kronen  erstand,  die  schönsten ­
  Stücke.  Sie  sind  reich  mit  Bronze  geziert.  Die
            
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