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Überdies gibt es im Rumänischen zwei 2-Laute; der eine wird wie das deutsche s
in „Lesen" und „Sagen", der andere etwa wie dieses s in Verbindung mit 6, also äs aus
gesprochen. Diese Laute wurden im früheren sogenannten cyrillischen Alphabete durch eigene
Buchstaben bezeichnet; der erstere durch n, der letztere durch 3. Im XVIII. und insbesondere
im XIX. Jahrhundert, so lange man sich dieses Alphabetes noch bediente, beachtete man in
der Schrift den Unterschied gar nicht; beide Laute wurden blos durch n repräsentirt und
demgemäß auch von vielen Gebildeten unterschiedslos ausgesprochen. In der gegenwärtigen
rumänischen Graphie, die lateinischer Schriftzeichen sich bedient, hat man statt dessen die
Buchstaben ? und ä eingeführt, sie werden aber nicht verwendet, um die in der Sprache
bestehenden Nuancirungen des ^-Lautes zu kennzeichnen, sondern nur, um gewissen etymo
logischen Rücksichten zu genügen. Empfehlenswerth wäre der Sprache des Volkes genau
zu folgen und für den ersten Laut (s im deutschen „Lesen") stets 2, für den zweiten (äs)
stets ä zu gebrauchen; in den meisten Fällen würde dies mit dem Etymon übereinstimmen,
da s meist auf lateinisch s, äs meist auf lateinisch äi oder äe zurückgeht (^obon -- sadauuru;
2ur — sern; äi ----- dies; prauä — prariäium).
Das Rumänische kennt ferner zwei Aspiraten, die wie deutsches Ir und all lauten.
Die Schrift hat aber dafür stets nur ein Zeichen verwendet: früher x', jetzt Ir. In der
Sprache der Gebildeten verwischt sich daher vielfach der Unterschied, man spricht oft Ir aus,
wo das Volk elr sagt, und umgekehrt. Es ist daher leicht zu verstehen, daß in der unter
Einfluß der Schrift stehenden Sprache der Gebildeten der Gebrauch immer mehr schwankend
wird. Es thäte auch hier Noth, den im Munde des Volkes deutlich vernehmbaren Unter
schied durch zweierlei Zeichen zu fixiren. Der Versuch ir durch Ii, all durch elr darzustellen,
ist wenig glücklich, da elr als Zeichen des lr-Lautes vor e, 1 dient.
Auch in lexikalischer Beziehung findet man geringe Unterschiede in der Sprache der
Bukowiner Rumänen je nach ihrer Beschäftigung oder nach den Gegenden, die sie
bewohnen. Die geistige Bildung ist bisher noch kein Gemeingut aller Volksschichten
geworden. Durch den Fortschritt in der Cultnr und durch das Streben, die Sprache stets
rein von jedwedem Einflüsse zu bewahren, hat sich naturgemäß, wie bei anderen Völkern,
so auch bei den Rumänen ein Unterschied in der Menge und Qualität des Wortschatzes
der Gebildeten und der Ungebildeten herausgebildet, der aber in dem Maße sich verringert,
als die geistige Bildung auch auf die untersten Schichten der Bevölkerung sich ausdehnt.
Überdies haben auch die fremden Ansiedelungen zwischen den Rumänen auf den Wortschatz
der Ungebildeten einen Einfluß dadurch ausgeübt, daß hie und da fremde Wörter in
die Sprache des Volkes Eingang gefunden haben, wie z. B. Inrtu (Glashütte) für
steelürie, surt (Schürze) für oxren^a, turne (zurück) für riruxoi, eoirrirrrie (Inwohner)
für elririus oder eonloeuitor rc. Namentlich ist dies der Fall bei den niederen Schichten