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Internationale Sammler-Zeitung.
Nr. 4
Votive u. dgl., alter Kleidungsstücke, insbesondere prunk
voller Frauenhauben, eine Menge Zunftinsignien und
Truhen, endlich mehrere Tableaus mit topographischen
Ansichten und Porträts aus den reichen Beständen des
Landesarchivs untergebracht. Der fünfte Saal ist als
niederösterreichische Bauernstube eingerichtet und ent
hält außerdem den Schatzfund aus Poysdorf (c. 1683),
vorn Besitzer Herrn Fabrikanten Salzer dem
Museum gütigst als Depot überlassen.
Nicht vergessen werden darf der Katalog des
Museums. Verfolgt das ganze Institut vor allem er
zieherische Zwecke, sieht es in der Förderung der
heimatkundlichen Kleinarbeit, der sich jeder unterziehen
kann und soll, seine Hauptaufgabe, so arbeitet auch der
Katalog diesen Zielen mit voller Entschiedenheit zu. Jede
Vitrine, Jede Serie wird in einer kleinen Abhandlung, die
auf die ganzen Zusammenhänge übergreift, besprochen.
In Oesterreich ist dieser Typus eines Museumsführers
noch nicht gepflegt worden: es besteht aber kein
Zweifel, daß nur eine solche Anleitung unsere Samm
lungen für die weiteren Bevölkerungsschichten über das
Niveau des Kuriositätenkabinetts hinausheben kann.
Zum Schlüsse noch eine Bitte an das verehrliche
Publikum der »Sammler-Zeitung«: Gewiß wäre mancher
in der Lage, Objekte an das niederösterreichische
Landesmuseum abgeben zu können. Ein Aufruf in den
»Verhandlungen der Zoologisch-botanischen Gesellschaft«
hat die glänzendste Wirkung gehabt; es wurden uns von
heimatbegeisterten Leuten eine Reihe naturwissen
schaftlicher Sammlungen zur Verfügung gestellt. Das
Museum kauft aber auch alles für die Kultur- und
Naturgeschichte des Landes Wertvolle, so lange es ihm
erschwinglich ist, und wir bitten, uns auf alles aufmerk
sam zu machen.
Nur wenn alle Heimatfreunde mithelfen, kann das
Werk ganz gelingen!
Unbekannte Fayence-Marken.
Die von uns schon gewürdigte Sammlung des ehe
maligen bayerischen Gesandten in St. Petersburg, Frei
herrn v. G a s s e r (s. Nr. 3, S. 44), bot bei der Katalogi
sierung vielfache Schwierigkeiten, die nicht in allen
Fällen überwunden werden kennten. So wollte cs insbe
sondere nicht glücken, eine Reihe von Fayence-Marken
zu bestimmen: Dr. Georg L i 11, der die schwere Auf
gabe der Katalogisierung auf sich genommen, hat denn in
einem eigenen Kapitel (XXVI) die u nbekannten
Marken zusammengestellt, die wir mit der Beschreibung
der dazugehörigen Objekte in der Hoffnung hier folgen
lassen, daß,es der Mitarbeit unserer geschätzten Leser
gelingen werde, das Dunkel, das über diesen Marken
schwebt, aufzuhellen.
Drei gedeckelte Vasen. Auf achteckigem Fuß erhebt
sich die bauchige, unten eingeschnürte Vase. Achteckiger
Hals. Hoher Deckel, als Griff eine Ranke, darauf sitzen
des Tier (Hund). Auf kleisterblauem Grunde auf der Vor
derseite zwischen reliefierten Rokaillen, blau » p\
gehöht, Blaumalerei: ln einem Garten steht vor
einem Bienenhaus ein junges Mädchen. Die Eckfelder
mit mäanderartiger Musterung. Auf der Rückseite Blu
mensträuße in Blaumalerei mit blauer Vorzeichnung, Auf
einer Vase Blaumarke. Vielleicht Delft.
Zwei hohe Blumenvasen. Ganz übereinstimmend mit
den vorigen Vasen, nur ist das Mittelfeld etwas ,
kleiner. Achteckig, nach oben und unten etwas lj i P
ausladend. Beide vielleicht Delft. Blaumarke.
Zwei Vasen, in chinesischer Form,
niederer Ringfuß und ebensolcher Rand
mit Deckel, ' der Leib bauchig. Auf,
kleisterblauem Grunde blaue Ranken ,
hordiire mit manganvioletten Blüten
Auf dem umlaufenden Fries Szenen aus
dem chinesischen Frauenleben zwischen Blütenbäumen;
blau und manganviolett. Teilweise manganviolette Innen-
zeichnung. Vielleicht norddeutsch. Blaumarke.
Krug in Form einer Schnelle. Mit Zinndeckel. Vorne
Wappen in Braun mit blauer Kartusche und zwei Ordens
emblemen. Schwarzmarke. Das Wappen ist das des
Ulmcr Patriziers K i e c h e 1 von Kiechelsberg (1563
bis 1619), der in Jerusalem 1585 bis 1589 T5 . > „
das Kreuz vom hl. Grabe und den Orden *
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der hl. Katharina von Siena erwarb. Derselbe Schnellen
krug befindet sich nebst einem Teller im Stuttgarter
Kunstgewerbemuseum. Sehr seltenes Stück um 1600. Süd
deutsch oder Schweiz.
Walzenkrug. Gehenkelt, mit Zinndcckel. Ueber ge
birgiges Terrain (Rot, Blau und Gelb) galoppiert
ein türkischer Reiter, in der Linken den Säbel
(Blau, Rot, Manganviolett). links von ihm eine
vieltürmige Burg, während hinter ihm ein Bär
dahertrabt (Manganviolett). Eingerahmt von zwei großen
Laubbäumen, Blaue Wolkenzüge mit Schwalben. Man
ganviolette Marke. Salzburg?
Walzenkrug. Gehenkelt. Mit Zinnreif und Zinndeckel.
Ami dem Deckel Brustbild einer Fürstin mit der Jahres
zahl 1680. Bläulich-weiße, unreine Glasur.
Blumenstrauß mit großen Blüten in Grün, Gelb,
Blau und Manganviolett. Ebensolche Strcu-
blümchen. Schwarze Umrißzeichnung. Braune
Marke. Eingedrückt 3 und Buchstaben J. Fränkisch. Viel
leicht Ansbach.
Walzenkrug. Gehenkelt. Mit Zinnreif und
Zinndeckel. Auf dem Zinndeckcl Inschrift P. D.
1778. Rösa-weiße Glasur, in Blaumalerei kur-
pfälzisches Wappen, von Blattkranz umgeben,
mit schwarzer Vorzeichnung. Blaumarke.
Blumentopf. Zylindrisch, geriefelt. Mit zwei Henkeln.
Oben und unten Bor
düren mit akanthus-
artigen Blättern. Blau
malerei. Französisch? Blau
marke.
Runde Schüssel. Auf drei
Klauenfüßen erhebt sich die
Schüssel mit stark vertieftem
Fond. Zwei horizontal
stehende Rokaille - Henkel.
Der Rand mit lambrequin
artigen Ausschnitten. Im
Fond Santa Lucia zwischen
Blumen. Am Rand ebenfalls
Blumen. Auf gelblich-weißem
Grunde in Griin, Blau, Gelb und Manganviolett mit man-
A
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