MAK
Nr. 23 
Internationale Sammler-Zeitung. 
Seite 349 
dem Publikum sichtlich eine freudige Ueberraschung, 
die durch die staunenswerte Leistung noch gesteigert 
wurde. 
Das zweite Konzert am 26. April 1843, das infolge 
dienstlicher Verhinderung des Opernorchesters erst nach 
beendeter Oper, um 10 Uhr nachts, beginnen konnte, 
stellte zwar in dieser Beziehung an die Geduld des Audi 
toriums die größten Anforderungen, entschädigte jedoch 
dafür durch die Darbietungen reichlich, da Therese durch 
die stimmungsvolle Wiedergabe eines neuen Beriotschen 
Konzertes und einer Phantasie von Haumann mit Einlage 
des Schlummerliedes aus Lafonts Phantasie über Mo 
tive aus der »Stummen von Portici« die hellste Begeiste 
rung hervorrief. Die Einlage wurde derart seelenvoll ge 
spielt, daß sie mitten im Satze stürmisch zur Wieder 
holung verlangt und gebracht wurde. Marie teilte sich 
mit Variationen von Benot mit ihrer Schwester in die 
Ehren des Abends. 
Das dritte Konzert am Mittag des 30. April brachte 
außer beifälligst aufgenommenen Sololeistungen 
Theresens (erster Satz des vierten Konzertes von Vieux- 
temps und Lafonts Phantasie) durch Marie die sechste 
Polonaise von Mayseder und zum erstenmal ein Duo 
der beiden Schwestern von Dancla. 
Das vierte Konzert am Abend des 3. Mai litt 
wiederum unter dem Mißgeschicke des zweiten Abends, 
da das Orchester erst um halb elf Uhr zur Stelle war. 
Wiewohl es eigentlich eine Wiederholung des dritten 
Konzertes war, geriet das Publikum, ungeachtet des von 
der Kritik nicht übergangenen Umstandes, daß die 
Wunderkinder diesmal nicht besonders disponiert waren, 
in größten Enthusiasmus. 
Die rasche Aufeinanderfolge der Konzerte der 
Schwestern Milanollö, die an die physische Leistungs 
fähigkeit der beiden Kinder besonders hohe Anforde 
rungen stellten, vermochte das Interesse des Publikums 
für diese Wundererscheinungen am Musikhimmel nicht 
lahm zu legen, infolgedessen deren Leistungen am 6. Mai 
mittags und am 9. Mai nachts, die sich im bisherigen 
Rahmen bewegten, allenthalben begeisterte Würdigung 
fanden. 
Das Abschiedskonzert der jungen Künstlerinnen am 
14. Mai mittags im k. k. großen Redoutensaale, das durch 
den Besuch des Allerhöchsten Hofes ausgezeichnet wor 
den war, begegnete einem derartigen Andrange des 
Publikums, daß sogar um das Orchester Sperrsitze er 
richtet werden mußten, ja, viele Besucher wegen Ueber- 
fiillung keinen Platz mehr finden konnten. 
Dieser beispiellose Erfolg veranlaßte unsere jungen 
Konzertgeberinnen, ein weiteres Konzert am 21. Mai 1843 
mittags zu geben, das bei überfülltem Hause eine Reper 
toire-Ergänzung Theresens (erster Satz des zweiten 
Konzertes von Beriot und eine bisher in Wien nicht ge 
hörte Etüde desselben Komponisten »Le torrent«) 
brachte und abermals Beifall, Entzücken und Enthusias 
mus auslöste. Die Kritik ergeht sich neuerlich in be 
geisterten Referaten, ja Adarni verzeichnet den in Wien 
gewonnenen Sukzeß als den Mädchen für ihre weiteren 
Kunstfahrten überaus förderlich, »denn in musikalischen 
Dingen achtet man allerwärts das Urteil des hiesigen 
Publikums, obgleich es befremden mag, daß hier manche 
Künstler von europäischem Rufe sich nicht zu behaupten, 
viel weniger durchzugreifen vermochten, als diese zwei 
Wunderkinder«. 
Das neunte Konzert am 25. Mai 1843 im k. k. großen 
Redoutensaale, zu dem sich die beiden Schwestern an 
gesichts der Begeisterung musikalischer Kreise ent 
schließen mußten, galt der Wohltätigkeit, und zwar dem 
unter dem Schutze der Kaiserin Maria Anna ge 
standenen Kinderspital am Schottenfeld. Da die Ver 
anstaltung sich abermals des Besuches der kaiserlichen 
Familie erfreuen durfte und überaus großen Anklang 
fand, floß dem Zweck eine große Einnahme zu. Als Reper- 
toirebercicherung brachte Therese hiebei eine neue 
Phantasie von Vieuxtemps. 
Der ungeteilte Beifall, dessen sich die Geschwister 
in Wien erfreuen durften, veranlaßte die »Allgemeine 
Theater-Zeitung« der Sonnabendnummer vom 27. Mai 
1843, ein Bild der beiden Mädchen beizulegen, das nach 
einem Pariser Originale von .1. W. Zink in Kupfer ge 
stochen wurde. 
Am 5. Juni 1843 fand das wirkliche Abschiedskonzert 
der jungen Künstlerinnen im großen Redoutensaale statt, 
das sieben Nummern brachte, hierunter ein Adagio und 
eine Polonaise ihres Meisters Habeneck und Variationen 
von Ghys, von Therese gespielt, endlich ein Doppcl- 
konzert von Spohr, in welchem sich beide Schwestern 
hören ließen. 
Von Wien aus nahmen unsere Wunderkinder ihren 
Siegeszug durch das musikalische Europa, der leider im 
Jahre 1848 durch das Hinscheiden der jüngeren Marie 
in Paris eine jähe Unterbrechung erfahren mußte. Therese 
setzte dann ihre Kunstlaufbahn allein fort, stand in den 
Jahren 1853 bis 1856 im Zenith des Ruhmes und ver 
tauschte im Jahre 1857 den Lorbeer- mit dem Myrten 
kränze. 
Museen und Sammlungen in Niederösterreich. 
Von Dr. Eugen Frischauf (Eggenburg). 1, 
Im Jahresberichte der Krahuletz-Gesellschaft im Jahre 1905 
erscheinen 64 Museen und Sammlungen in Niederösterreich auf 
geführt. Der kurze Zeitraum von acht Jahren hat mancherlei 
Aenderungen irn Sammlungsbestande bewirkt, und es dürfte für 
die Allgemeinheit nicht ohne Interesse sein, diese kennen zu 
lernen. 
Aufgelöst oder an andere Orte übertragen 
wurden folgende Sammlungen: 
]. Drosendorf. Sammlung Kießling; dieselbe wurde 
zum Teile ans Niederösterreichische Landesmuseum, zum Teile 
* Wir entnehmen diese interessante Zusammenstellung 
dem eben erschienenen Tätigkeitsberichte des Vereines »Kra 
huletz-Gesellschaft in Eggenburg« für die Jahre 1910. 1911 und 
1912. 
ans Museum der niederösterreichischen Landesfreunde in Baden 
abgetreten. 
2. Gänserndorf (Unte r-). Auch die bescheidenen Be 
stände dieser Sammlung wanderten in das neu gegründete 
Niederösterreichische Landesmuseum. 
3. H i r t e n b e r g. Die Sammlung des Herrn k. u. k. 
Militär-Oberlehrers Ignaz Hof mann wurde bis auf wenige 
Reste an verwandte Museen aufgeteiit. 
4. St. Peter i. d. Au. Die Sammlung römischer Alter 
tümer des Landesgerichtsrates Blank gelangte nach dessen 
Ableben ans Niederösterreichische Landesmuseum. 
5. Pöchlarn. Die Sammlung des Herrn Kooperators 
Aichinger wurde infolge Versetzung desselben von Pöchlarn 
I entfernt.
	        
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