Nr. 8
Internationale Sammler-Zeitung.
Seite 123
beiden Licinii, Konstantins des Großen, des Crispus und des
jüngeren Konstantins, wobei die Prägungen auf die drei Letzt
genannten sehr stark überwiegen. Auf Grund genauerer Prü
fung werden als Zeitpunkt der Vergebung des Miinzschatzes
die Jahre 320 bis 324 nach Christus angenommen. Der Fund
kommt in das Museum nach T r i e r.
Philatelie.
(Die neuen englischen Marke n.) In dem Marri-
son-Druck sind jetzt auch die beiden noch fehlenden Werte zu
5 sh. und 10 d. erschienen, so daß die Serie der alten Ausgabe
in Harrison-Drucken komplett vorliegt. Die letzterschienene
7 d.-Marke, die einen gänzlich von der eigentlichen Serie ab
weichenden Charakter trägt, dürfte des geringen Verbrauches
wegen wohl schwerlich noch in einem neuen Druck auf
gelegt werden. Von den beiden häßlichen Georg-Marken hat
man nun auch den d.-Wert retuschiert, er ist dadurch nur
noch häßlicher geworden, der Kopf des Königs noch ausdrucks
loser. Um zu einer schönen Marke zu gelangen, hat man jetzt
in privaten Kreisen in England einen Wettbewerb aus
geschrieben. Man will die besten Entwürfe der Regierung zur
kostenlosen Benützung überlassen. Ob sich die Regierung das
gefallen lassen wird, ist eine andere Frage.
(Neue Fälschungen der Marken von Ser
bien.) Friedls »Illustr. Briefmarken-Offertenblatt: schreibt:
Aus Belgrad wird uns berichtet, daß man kürzlich
durch besonders billige Offerte der Marken, Eni. 1901 und
1904. welche bekanntlich seinerzeit von der serbischen Re
gierung an ein Bankkonsortium verkauft wurden, aufmerksam
gemacht, dem Offerenten nachging und die unliebsame Ent
deckung machte, daß es sich in allen Fällen, in welchen diese
Marken zu Spottpreisen angeboten wurden, um äußerst ge
fährliche Fälschungen eines gewissen Decraene in Brüssel,
10 rue des foulons, handelt. Durch die Liebenswürdigkeit des
bekannten serbischen Spezialsammlers E. D e r o c c o in Bel
grad, sind wir in den Besitz je eines falschen Satzes dieser
Marken gelangt und geben im nachstehenden die Hauptmerk
male und Unterscheidungszeichen bekannt. Die Fälschungen
der Werte zu 1, 3 und 5 Dinar der Jubiläumsausgabe 1904 sind
schmäler als die echten: das Markenbild von der äußeren Um
randungslinie gemessen, beträgt 35'5 statt 36 Millimeter. Der
Berg rechts im Mittelstück ist bei der Fälschung durch eine
wagrechte Linie abgeschnitten, statt schräg aufwärts zu ver
laufen. Fernere Unterschiede gibt es in der Zeichnung des
Mittelstückes selbst, besonders in der erhobenen Hand des
Engels. In den Inschriften, besonders im 5. und 6. Buchstaben
des ersten Wortes oben, im 8. Buchstaben des zweiten Wortes
oben und im T des Wortes Polita. In den Ziffern der beiden
Jahreszahlen, in den beiden Unterschriften, besonders beim
ersten Buchstaben links. In der Zeichnung des Doppeladlers
unten, dessen beide Köpfer höher, bis an den Rand des runden
Rahmens stehen u. s. w. Auch die Farben der Fälschungen
unterscheiden sich von jenen der echten Marken und das Papier
ist weißer. Der Gummi ist ungleichmäßig aufgetragen und
brüchig. Das Hauptmerkmal der falschen Marken zu 3 und
5 Dinar der Ausgabe 1901 ist der grellere Farbenton: bei
jenen zu 5 Dinar ist die Farbe rötlich violett statt dunkelviolett
oder mattviolett (2. Druckauflage). In der Zeichnung selbst
treten folgende Unterschiede hervor: Das Ohr des Königs ist
bei der Fälschung eckig, das Haar im Nacken ist dicker ge
zeichnet. das Kreuz der Krone steht bei der Fälschung mehr
nach links, beinahe die Schrift berührend, jene der Miinzbe-
zeichnuiig ist plumper. Bei den falschen Marken zu 5 Dinar
sind die Wertziffern um ein wenig größer als bei den echten,
das Papier ist bei ersteren weißer.
(Amtlich gefälschte Briefmarken.) Jeder
Briefmarkensammler kennt Neudrucke, Briefmarken, die mit
den richtigen Platten und den richtigen Farben der ursprüng
lichen Marken gedruckt sind, nachdem diese außer Kurs ge
setzt sind. Nicht jeder Sammler aber weiß, daß es auch amt
liche Fälschungen gibt; Briefmarken, die im Aufträge von Be
hörden gedruckt sind, durch die ältere Marken nachgeahmt
werden, um an Sammler verkauft zu werden, Ein englischer
Fachmann hat eine ganze Reihe solcher amtlich gefälschten
Briefmarken aufgefunden. Die erste Behörde, die dergleichen
machte, ist die englische Postverwaltung. Der Ausdruck
»Fälschung« ist hiebei allerdings ein wenig hart. Fs war im
Jahre 1864, also kurz, nachdem das Briefmarkensammeln auf
gekommen war. Mehrere Mitglieder des englischen Königs
hauses hätten gerne die schwarze 1 Pennymarke aus dem
Jahre 1840, die erste aufklebbare Briefmarke, gehabt, allein
sie war vergriffen, und die Originalplatten waren nicht mehr
vorhanden. Dagegen ähnelten die Platten für die rote Penny
marke, die damals in Kurs war, der älteren Platte ziemlich, und
so wurden von dieser mit schwarzer Farbe etwa 240 Brief
marken gedruckt. Das ursprüngliche Papier war aber auch
nicht mehr aufzutreiben, und so wurde ein anderes genommen.
Ein weiterer Unterschied dieser amtlichen Nachahmung von
der echten Marke besteht darin, daß das Wasserzeichen, die
Krone, größer ist als beide alten Marken und überdies auf dem
Kopfe steht. Von einer wirklichen amtlichen Fälschung glaubt
der Engländer in folgendem Falle sprechen zu dürfen. Im Jahre
1385 ließ die Regierung der Sandwichinseln die Hawaibriet-
marken vom Jahre 1853 und aus den Jahren 1861 bis 1869
durch eine Druckerei in den Vereinigten Staaten nachahmen.
Die ursprüngliche Marke, die ein Bildnis des jungen Herr
schers Kamehameha IV. zeigte, war in Boston litho
graphisch hergestcllt worden. Das ursprüngliche Papier wie
die ursprüngliche Farbe waren ebensowenig aufzufinden, wie
die echten Platten, und so wurden neue hcrgestellt, bei denen
jedoch der Text sich in den Buchstaben der Wertbezeichnung
etwas von den echten unterscheidet. Zwei Jahre später fand
die Regierung im Postamt von Honolulu die ursprüngliche
Farbe auf und schickte sie hocherfreut an die amerikanische
Druckerei. Es konnten jedoch keine Briefmarken damit gedruckt
werden, weil die Farbe längst verdorben war. Augenscheinlich
ist die Regierung in Honolulu mit ihren Nachahmungen trotz
dem auf ihre Kosten gekommen, denn im Jahre 1889 vergab
sie an eine amerikanische Firma einen ähnlichen Auftrag. Dies
mal wuirden die seltenen Fünf- und Dreizehn-Centsmarken des
Jahres 1853 wiederholt, die höchstwahrscheinlich an Reisende
als echt verkauft worden sind. Nachdem die Regierung drei
Jahre lang solche Briefmarken hatte verkaufen lassen, ließ sie
schließlich im Jahre 1892 den Ueberdruck »Reprint« (Neudruck)
anbringen. Ganz verunglückt ist eine amtliche Nachahmung
der ersten Briefmarken aus Schanghai aus dem Jahre
1865, die 1874 hergestellt wurden. Die echte Marke zeigte das
Bildnis eines Drachen, dessen Bart genau sieben Borsten hat.
Der Zeichner der Nachahmung hat offenbar nicht gut aufge
paßt, denn die Fälschung zeigt neun Haare. Besonders geist
reich ist eine »Nachahmung« der Vereinigten Staaten von ver
schiedenen recht alten Marken. Bei der Internationalen Aus
stellung im Jahre 1876 sollten auch sämtliche Briefmarken (tes
Landes ausgestellt werden. Es waren nicht alle aufzutreiben
und so ließ die Regierung mit neuen Platten und neuen Farb
stoffen, wahrscheinlich auch auf neuem Papier, nicht weniger
als 10.000 Marken drucken, von denen natürlich eine ganze
Reihe unter der Hand verkauft wurden.
Verschiedenes.
(Keramiken von Hirsvogel.) Ein interessanter
Fund auf dem Gebiete der Keramik ist kürzlich auf der Burg
Lauenstein an der fränkisch-thüringischen Grenze gemacht
worden. Beim Abgraben eines Schutthügels an der Nordsalte
der Burg fand sich nämlich zahlreiche Trümmer alter Ofen
kacheln, die wegen ihrer überraschend schönen Modellierung
und reichen Farbengebung besondere Aufmerksamkeit ver
dienen. Denn die aus der Blütezeit der deutschen Renaissance
stammenden Stücke sind wahrscheinlich Alt-Niirnberger Ur
sprungs, und zwar weist die feine Behandlung des Materials
— die Trümmerstücke lassen zum Teil noch prächtige charak
teristisch gehaltene Männer- und Frauenköpfe erkennen — und
die noch heute ohne jeden Haarriß vorzüglich erhaltene Glasur
auf keinen geringeren als den Nürnberger Meister H i r s-