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Internationale Sammler-Zeitung.
Nr. 13
Karl wendet sich an die Völker Oesterreichs mit der Bitte,
ein jeder möge durch Ankauf dieser Postkarte sein Scherflein
zur Schaffung der österreichischen Luftflotte beitragen.«
Autographen.
(Leipziger Autographen au ktio n.) Ueber die
Autographenauktion bei C. G. Boerner in L e i p z i g (siehe
Nr. 10) wird uns von dort berichtet: Rin intimer Brief
Schillers an Körner brachte 570 Mk., ein Fragment aus
Schillers »Phädra« 980 Mk. Theodor Körners Handschriften
wurden, wohl unter dem Eindruck der Jahrhunderterinnerungen,
sehr hoch bezahlt: Das Manuskript des Lustspieles
»Der Veter aus Bremen« mit 475 Mk.. des Lustspieles
»Die Braut« mit 455 Mk.; acht Briefe, die Körner von der
Reise ins Riesengebirge an seine Eltern schrieb, mit 1010 Mk.
Eine große Anzahl der Körner-Handschriften erwarb das
Körner-Museum in Dresden. Auch von Heinrich Heine
waren zahlreiche Briefe und Manuskripte vorhanden; der
letzte eigenhändige Brief an seine Mutter erzielte 720 Mk. Eine
Anzahl Briefe und Zeichnungen Eduard Mörikes wurden
zusammen; für 1150 Mk. versteigert Das (in Nr. II beschriebene)
»Stammbuch auf der Tapete«, Eintragungen von
Freunden Gleims auf der Tapete seines Gartenhauses in
Halberstadt, ging für 205 Mk. fort. 175 Briefe an Heinrich
Laube, wichtig für die Geschichte des Wiener Burgtheaters,
wurden von den Wiener Städtischen Sammlungen für 435 Mk.
erstanden. Das Stammbuch Ludwig Schröders mit 95 Eintragungen,
darunter von Goethe, Herder, Wieland, Klopstock,
Lessing, wurde fii 5900 Mk. von dem Museum für Hamburgische
Geschichte in Hamburg erworben. — Unter den
Musikerautographen erzielten ein Manuskript Karl Maria v.
Webers: Erste große Sonate in C-dur, 310(1 Mk., sieben
Menuette des dreizehnjährigen Mozart 2375 Mk., Briefe
Glucks 810 und 825 Mk„ ein bisher für verschollen gehaltenes
Musikmanuskript des Dichters E. T. A. Hof fmann,
ein Trio für Klavier, Violine und Cello, 920 Mk., das
Originalmanuskript Richard Wagners zum »Tannhäuser«,
I. Akt, I. Szene, 550 Mk. und ein Albumblättchen Wagners für
Frau Direktor Angelo Ncumann mit 6 'l'aktcn aus »Siegfried«
450 Mk. — Ein prächtiges Stück aus Bismarcks Studentenzeit,
das von ihm verfaßte Protokoll einer offenbar
»schweren Sitzung«, die im Jahre 1834 im Cafe National in
Berlin stattfand, wurde mit 620 Mk. bezahlt. Ein Brief R e mb
r a n d ts, von dem überhaupt nur sieben Briefe bekannt sind,
brachte 1700 Mk. Das Gesamterträgnis der Versteigerung beträgt
50.000 Mk.
Bibliophilie.
(Ein unbekannter Einblattdruck.) Die neueste
Nummer des von Josef Bacr & Co. in Frankfurt a. M. herausgegebenen
»Frankfurter Bücherfreund« verzeichnet einen
bisher unbekannten E i n b 1 a 11 d r u c k. Es ist das der
Deutsche Kalender für das Jahr 1473 (Augspurg, Gintherus
Zainer). Das Blatt mit der großen prachtvollen Type 2 des
Augsburger Prototypographen gedruckt, entspricht in seiner
allgemeinen Anlage dem von Heitz und Haebler Tafel 5 abgebildeten
Zainer-Kalender für das Jahr 1472. Am Anfang
stehen 5 Zeilen umfassende allgemeine Angaben über das Jahr.
Sie enthalten die goldene Zahl, den Sonntagsbuchstaben, den
Fastenabstand, das Datum des Oster-, des Pfingst- und des
Fronleichnamtages. Dann ist das Blatt in zwei Kolonnen eingeteilt.
In der ersten Kolonne befinden sich zunächst Daten
über den Eintritt der Neu- und Vollmonde. Dann folgt — eine
besondere Eigentümlichkeit dieses Jahres — die Mitteilung, daß
am »nächsten aftermontag nach marci« eine partielle Sonnenfinsternis
stattfindet, was durch einen Holzschnitt
illustriert wird. Den Schluß bildet eine Aufzählung der zum
Aderlaß geeigneten Tage, die auch die zweite Kolonne ausfüllt.
Darunter steht einfach »Gintherus«, wodurch Zainer sich
als Urheber erklärt. Der Kalender ist sicher schon 1472 gedruckt,
da er, der Sitte jener Zeit entsprechend, am 1. Jänner
1473 als Neujahrsgeschenk verteilt wurde.
(Die Höh Iba ums che Bibliothek.) Die Job.
Peter Averhoff-Stiftung hat dem Hamburger Seminar für Geschichte
durch namhafte Beihilfe ermöglicht, die an hansischen
Spezialwerken reiche Bibliothek des verstorbenen Professors
Dr. Konstantin Höhlbaum (Gießen) zu erwerben. Es handelt
sich nicht nur um Werke zur Geschichte der Deutschen Hanse
im engeren Sinne und der Hansestädte, sondern auch der
Länder, mit denen die Hanse in Verbindung stand, insbesondere
der Niederlande, Skandinaviens und der Ostseeprovinzen
Rußlands, darunter viele im Ausland erschienene. Außerdem ist
eine größere Anzahl Schriften zur Schleswig-Holsteinschen
Frage dabei. Im ganzen sind es gegen 700 Bände, einschließlich
Broschüren und seltener Sonderabzüge.
(T heater geschichtliche Seltenheiten.) Bei
Martin Breslauer in Berlin kam am 17. v. M. die Bibliothek
Karl Biltz zur Versteigerung, die in seltener Vollständigkeit
einen Ueberblick über die Geschichte des früheren
deutschen Theaters gewährte. Zu der Versteigerung hatten die
Königliche und die Universitätsbibliothek in Berlin sowie die
Lutherhalle in Wittenberg Vertreter entstandt. An Preisen
wurden erzielt: Für Ketner von Herßbrucks Trauerlied auf
Martin Luther (1546) 96 Mark, für Heinrich v. Kettenbachs
»Schutzrede« 120 Mark, für die »Tragedia« (Paris 1524)
125 Mark und eine bisher unbekannte Ausgabe von Jörgen
Wickrams »Rollwagen« (Frankfurt 1574) ebenfalls 125 Mark
Agricolas »Tragedia Johannis Huß« (1533) brachte 100 Mark,
Jacob Ayrers »opus thaeatricum, dreißig auszbiindtige schöne
Comedien und Tragedien« (Nürnberg 1618) 270 Mark, Retulius'
»Judith« (Straßburg 1559) 180 Mark, die erste Ausgabe von
Culmanns »Christenheit Teutsch Spil« (1539) 120 Mark, Gengenbachs
»Die X. alter diser weit« (1518). bekanntlich das Drama, mit
dem die Geschichte des neueren deutschen Schauspiels beginnt,
eine Seltenheit ersten. Ranges, ging für 180 Mark fort.
»Ein frischer Combiszt vom Bapst und den seinen« von demselben
Verfasser kam auf 168 Mark zu stehen und der »Nollhart«,
ebenfalls von Gengenbach, auf 400 Mark. Ein Gesprächbüchlein
aus dem ersten Viertel des 16. lahrhunderts erbrachte
135 Mark, Kirchmeyers »Regiium Papisticum« (1553)
150 Mark, desselben »Pammachius« (1538) 150 Mark und Simon
Lemnius »Mönchshurenkrieg«, die berüchtigte Lästerschrift
gegen Luther, 255 Mark. Eines der ersten Erzeugnisse einer
neuen Gattung der deutschen Literatur, Paulus Rebhuhns
»Geistlich Spil von der Frauen Susannen« erzielte 250 Mark.
(Die Auktion Hut h i n L o u d o n.) Man schreibt uns
aus London: Die Versteigerung des dritten Teiles der berühmten
Bibliothek Huth nahm 12 Tage in Anspruch. Es sind
| von dieser Sammlung bisher im ganzen die Buchstaben A bis H
| öffentlich verkauft worden; die dafür gezahlten Summen belaufen
sich insgesamt auf 147.615 Pfund. Hierzu kommt die
prachtvolle Sammlung der Shakespeare-Ausgaben, die privat
als Ganzes verkauft worden sind; zu welchem Betrage ist nicht
bekannt, doch werden 50.000 Pfund genannt. Danach hat der
bisher verkaufte Teil dieser Bibliothek etwa 4 Millionen Mark
gebracht. Huth hat seine Bücher großenteils in den Sechzigerund
Siebzigerjahren zu viel geringeren Preisen erstanden. So
hat er zum Beispiel dem Londoner Antiquar Quaritch im
Jahre 1873 für eine 1588 in London gedruckte Beschreibung von
Virgirüen 'von Thomas Üariot, ein sehr seltenes Buch,
120 Pfund gezahlt; dieses Buch wurde jetzt von Quaritch nach
vierzig Jahren für 1290 Pfund zurückgekauft. Ein deutsches Buch
über die Falkenjagd, Augsburg 1497, das 1867 fünf Guineas
kostete, erzielte jetzt 170 Pfund. Der Preis von 640 Pfund wurde
von der Londoner Firma Wesley für ein naturgeschichtliches
Manuskript in vier Foliobänden von Georg H o e f n a g e 1 aus