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MAK

Full text : Jahrgang 5 (1913) (18)

Seite  266

Internationale  Sammler-Zeitung.

Nr.  18

Ochsenheimer,  der  sich  durch  die  Resultate  seiner
Beobachtungen  und  seines  Forschens  auf  dem  Gebiete
der  Entomologie  einen  Ruf  erworben  hatte.  Seine
Schmetterlingsammlung,  die,  bis  zum  Platyperix  gehend,
nach  den  Sammlungen  des  Abtes  Schiffermüller
und  des  Ablates  Manzola  zu  den  vorzüglichsten
Privatsammlungen  gehörte,  erwarb  der  Erzherzog-Palatin
  für  das  Nationalmuseum  in  Budapest.  Leider  ging
dieselbe  bei  der  UÜberschwemmung  im  Jahre  1830  zugrunde. ­
  Unausgesetzt  und  mit  rastlosem  Eifer  arbeitete
Ochsenheimer  über  Jahresfrist  an  dem  Ordnen  des
brasilianischen  Museums  und  erhielt  sodann  von  Kaiser
Franz  als  Zeichen  seiner  besonderen  Zufriedenheit  eine
wertvolle  und  reichverzierte  Tabatiere  zum  Geschenke.
Pie  Tabaksdose  hatte  damals  die  Bedeutung  eines  Andenkens, ­
  einer  Aufmerksamkeit,  Belohnung  oder  selbst
einer  Auszeichnung.  Sic  zählte  zu  den  richtigen  Schmucksachen
  der  Zeit.  Die  Dose  war  unvermeidlich  und  allgegenwärtig. ­
  Kein  Wunder  daher,  daß  es  auch  Dosensammler ­
  gab.
Der  bekannteste  unter  ihnen  war  Castelli,  der
1200  Stück  besaß,  darunter  die  Dose  M  o  1  i  e  r  e  s.  Selbst
in  dem  Testamente  vergaß  der  Alt-Wiener  Phäake  an
seine  Dosen  nicht.  Er  schrieb:  »Ein  bedeutendes  Stück
meiner  Verlassenschaft  ist  meine  große,  ich  darf  sagen,
einzige  Dosensammlung  von  mehr  als  1200  Stück,  welche,
gewiß  wegen  der  Oelgemälde  darauf  einen  Wert  von
mehreren  tausend  Gulden  hat,  aber  für  einen  Liebhaber
unschätzbar  genannt  werden  kann.  Es  wäre  abscheulich,
wenn  meine  Erben  so  habgierig  auf  jeden  Kreuzer  wären,
daß  sie  sogleich  nach  meinem  Tode  um;  jeden  Preis  mit
dieser  meiner  Lieblingssammlung  losschlagen  würden.«
Ueberdies  hat  Castelli  Schauspiele  gesammelt  und  12.000
Stück  zusammengebracht,  ferner  Porträts  von  Schauspielern ­
  und  Theaterzettel,  die  sich  in  der  Hofbibliothek
befinden.
Das  Sammeln  von  Schmetterlingen  scheint  in  Alt-Wien
  eine  Lieblingsbeschäftigung  gewesen  zu  sein.  Zu
den  berühmtesten  Sammlungen  dieser  Art  wurde  die  des
Wiener  Bürgermeisters  Baron  Kajetan  Felder  gezählt.
Sic  war  das  Ergebnis  eines  sechzigjährigen  Bienenfleißes. ­
  Felder  hat  über  dieselbe  ein  großes  Quellenwerk
herausgegeben.  Wie  sehr  ihm  daran  lag,  daß  seine
Sammlungen  in  Wien  bleiben  sollten,  bewies  er  .dadurch,
daß  er  einen  H'cil  derselben,  nämlich  die  nicht  unter  die

Ordnung  der  Schmetterlinge  und  Käfer  fallenden  Insektenordnungen ­
  unentgeltlich  dem  Naturhistorischen
Hofmuseum  überließ.  Der  Hauptbestand  ging  allerdings
um  den  Preis  von  6000  Pfund  nach  England.
Auch  Ochsenheimer  war  nicht  der  einzige  naturforschende ­
  Schauspieler.  Er  hatte  einen  Rivalen  in  dem
Sänger  Koch,  der  durch  viele  Jahre  für  zweite  Baßpartien ­
  am  Kärntnertortheater  engagiert  war.  Außerdem
beschäftigte  sich  derselbe  in  seinen  Mußestunden  mit
Naturwissenschaft.  Das  spezielle  Fach,  auf  das  er  sich  geworfen, ­
  war  ebenfalls  das  der  Entomologie.  Koch  war
daher  auch  allgemein  unter  dem  Namen  der  »Käfer-Koch«
  bekannt.  »Der  große,  hagere  Mann  mit  dem  freundlichen ­
  Gesicht,  in  dem  eine  auffallend  kleine  Nase  saß,
war  aber  auch,«  wie  W  i  nt  m  e  r  in  seinen  »Erinnerungen« ­
  erzählt,  »was  seine  theatralische  Wirksamkeit
betraf,  eine  interessante,  bemerkenswerte  Persönlichkeit.
Koch  war  nämlich  der  erste  Darsteller  des  Bettlers  in
Raimunds  »Verschwender«.  Für  seine  sonore  Stimme
hatte  Konradin  Kreutzer  das  unvergleichlich  schöne
Bettlerlied  komponiert.  Mit  seinem  tiefen  Baß  erzählte
er  gerne  von  den  unvergeßlichen  Zeiten  der  Stögerschen
Oper  am  Josefstädtertheater  und  von  seinem  Zusammenwirken ­
  mit  Raimun  d.  Bei  dieser  Gelegenheit  gestand
er  aber  auch,  daß  ihm  bei  der  beiläufig  zwanzigsten  Aufführung ­
  des  »Verschwender«  etwas  Schreckliches
passierte.  Am  Nachmittage  war  er  im  Freundeskreise  eingeladen, ­
  wo  man  irgend  eine  Feierlichkeit  beging.  Hiebei
hatte  er  zu  tief  ins  Glas  gesehen.  Er  kam  betrunken  in  die
Garderobe.  Wer  je  von  Raimund  und  seinem  Temperamente ­
  gehört,  kann  sich  denken,  was  es  nun  für  eine
Szene  absetzte.  »Hinaus!«  schrie  er,  »ein’  b’soffenen
Bettler  kann  i  net  brauchen.  Absagen,  aus  is,  heut’  wird
net  g’spielt!«
Fluten  schwarzen  Kaffees  versetzten  Koch  in  die
Verfassung,  daß  er  denn  doch  spielen  und  singen  konnte.
Während  er  aber  auf  den  Stufen  zu  Flottwells  Schloß
saß,  begann  er  einzuschlummern,  und  Regisseur
Deiner  mußte  ihn  von  den  Kulissen  heraus  mit  einer
Latte  aufwecken.  Am  nächsten  Abend  sang  Koch  das
Bettlcrlicd  schöner  als  je  und  Raimund  war  wieder  versöhnt ­
  .  .  .«
Der  erste  Darsteller  des  Bettlers  aber  ist  selber
arm  wie  ein  Bettler  an  einem  Frühlingstage  des  Jahres
1869  in  einer  elenden  Kammer  in  Ottakring  gestorben.

Napoleon  1.  und  seine  Zeit.
(Zur  Versteigerung  der  Sammlung  Buhrig.)

In  den  Tagen,  da  man  in  Deutschland  und  in  Oesterreich ­
  die  Erinnerung  an  die  Befreiungskämpfe  des  Jahres  1813
feiert,  hat  wohl  die  Auktion  Anspruch  auf  besonderes  Interesse, ­
  mit  der  die  Firma  Karl  W.  Hiersemann  in  Leipzig
am  13.  und  14.  Oktober  auf  dem  Kunstmarkte  debütieren  wird.
Denn  unter  all  den  746  Nummern,  die  unter  den  Hammer
kommen,  ist  keine,  die  nicht  in  Beziehung  zu  der  großen
Zeit  stände,  die  Deutschland  die  Befreiung  von  dem  schmachvollen ­
  Joch  der  Fremdherrschaft  brachte.
Wie  natürlich,  dominieren  unter  den  Objekten,  die  in
der  Hauptsache  aus  der  Sammlung  H.  Buhrig  (Leipzig)  herrühren, ­
  die  Napoleonica,  doch  sind  auch  die  bedeutenden  Zeitgenossen ­
  des  großen  Korsen  durch  interessante  Erinnerungszeichen ­
  repräsentiert.

Der  mit  großer  Sorgfalt  bearbeitete  Katalog  gliedert  sich
in  15  Abteilungen,  die  so  ziemlich  alle  wichtigeren  Sammelkategorien ­
  umfassen.
Den  Anfang  machen  in  alphabetischer  Ordnung  die
Autographen,  unter  denen  wir  203  Briefe  von  Heerführern
und  Offizieren  hervorheben  möchten,  die  sich  in  den  Kämpfen
jener  großen  Zeit  auszeichneten  oder  sonst  eine  Rolle  spielten.
Besonders  zahlreich  sind  die  Angehörigen  der  österreichischen
Armee  vertreten,  au  zweiter  Stelle  kommt  Preußen;  es  folgen
dann  Bayern,  Hannover,  Württemberg,  Sachsen  etc.  Ein  interessantes ­
  historisches  Dokument  ist  das  mit  »Königin  Luise«
Unterzeichnete  Kollationspatent  für  die  Gräfin  Elisabeth  von
V  o  ß  auf  die  prima  preces  bei  dem  adeligen  Kloster  zu  Zeh-|
  denick.  Napoleon  1,  ist  mit  Dokumenten  aus  seiner  Kon-
            
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