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MAK

Full text : Jahrgang 5 (1913) (3)

Seite  38

Internationale  Sammler-Zeitung.

Nr.  3

Bei  Seiden  und  hei  Pittner.  wurden  die  Medaillen  durch
den  Grafen  F  h  u  n  bestellt.  Bei  dieser  Arbeit  gingen
viele  Stanzen  zugrunde,  Pittner  hat  sie  jedoch  alle
ersetzt,  indem  er  die  Stanzen  ausgehoben  und  wieder  in
Stahl  eingedruckt  hat.
Als  diese  Stanzen  und  Medaillen  endlich  fertiggestellt
  waren,  hat  Pittner  die  Erfindung  gemacht,  eine
in  Stahl  gegossene  Modellierung  in  eine  Stahlstanze  cinzudrucken,
  so  daß  der  geschickte  Graveur  nunmein
die  eingedruckte  Stanze  zu  überarbeiten  hatte.  Es  war
ein  Behelf,  um  die  Arbeit  abzukürzen.  Pie  Gußhaut  des
eingedruckten  gegossenen  Pfaffens*  hatte  sich  mit  abgedruckt ­
  und  mußte  in  der  Stanze  entfernt  werden.  Damit
gingen  eine  Menge  von  Schönheiten  des  Modells  vei  -
loren  und  man  mußte  schon  bei  Modellierung  in
Wachs  daran  denken,  welche  Schönheiten  erhalten
werden  mußten  oder  welche  erst  in  der  Stanze  graviert
werden  können.  Aber  da  wurde  auch  die  Ueberarbeitung
des  Pfaffens  im  Guß  gefunden.  Durch  diese  Manipulation ­
  war  der  Graveur  imstande,  seine  Arbeit  schneller
und  schöner  aus  der  Hand  zu  bekommen,  indem  er  den
erhabenen  Pfaffen  überarbeitete  und  fertigstellte,  so
daß  in  der  eingedruckten  Stanze  beinahe  nichts  mehr
zu  verbessern  war.  Diese  Manipulation  habe  ich  in
meinem  Geschäft  stark  forciert  und  nicht  nur  Medaillenstanzen, ­
  sondern  die  größten  Stanzen  für  die  Industrie,
welche,  in  der  Tiefe  graviert,  eine  riesige  Zeit  in  Anspruch ­
  genommen  hätten,  wurden  in  dieser  Methode
hcrgestellt.  Die  Herren  Tautenhayn,  Scharf  und
L  e  i  s  e  k  unterstützten  ihre  Arbeiten  auf  einem,  anderen
Weg.  Sie  gravierten  die  Medaillenstanzen  beinahe
fertig  und  ließen  einen  Pfaffen  ausheben,  welchen  sie
sehr  sauber  überarbeiteten.  Sie  hatten  vordem  viele
Medaillen  erhaben  auf  Stahl  geschnitten,  was  wir  alle
auch  an  der  Akademie  erlernten.  Die  Akademie-Ausstellungen ­
  der  Schule  Radnitzky  haben  immer  derlei
Schülerarbeiten  gezeigt.  Ich  war  als  Sachverständiger
bei  Hinterlassenschaften  oft  zugezogen,  um  die  hinterlasscnen
  Werkzeuge  und  Abdrücke  von  Arbeiten  der
verstorbenen  Künstler  zu  schätzen.  Ein  hiesiger  Kunsthändler ­
  hat  eine  Kollektion  von  Punzen  eines  sehr  bedeutenden ­
  römischen  Medailleurs  in  Wien  zu  verkaufen
gesucht  und  lange  diese  Arbeiten  ausgestellt.  Da  waren
Köpfe,  Hände,  Füße,  Arme  in  allen  Stellungen  und
Größen  erhaben  geschnitten,  welche  der  Künstler  in  die
Stanze  eingeschlagen  hat.  Die  Künstler  der  k.  k.  Münze,
B  ö  h  m,  Langer,  Gaul,  Scharf  und  W  e  i  ß,  haben
jedes  Gesicht  einer  Figur  auf  eine  Punze  geschnitten
und  dann  in  die  Stanze  an  der  richtigen  Stelle  eingeschlagen. ­
  Die  Medaille  auf  die  Vermählung  unseres
Kaisers  von  K-  Lange  ist  ein  Beispiel  für  das  eben
Gesagte.  Diese  kleinen  Köpfe  zeigen  eine  Porträtähnlichkeit, ­
  die  fabelhaft  genannt  werden  muß.
In  neuerer  Zeit.,  das  heißt  in  den  letzten  30  Jahren,
habe  ich  in  Paris  gesehen,  daß  zur  Herstellung  von
Punzen  zum  Einschlagen  die  Reduktionsmaschine  herangezogen ­
  wurde.  Das  ist  ein  Hilfsmittel  für  den  Graveur,
welcher  Medaillen  graviert.  Ich  habe  in  meiner
Sammlung  die  schönsten  Arbeiten,  die  gleich  in  der
Tiefe  angefertigt  wurden.  Es  waren  eben  Künstler,
welche  dieses  hach  zu  hoher  Vollkommenheit  brachten
und  dem  Stande  Ehre  machten.  Nach  der  Ansicht
unserer  heutigen  Medailleure  sind  die  damaligen
Künstler  nur  Handwerker  gewesen,  die  eine  gewerbliche
Technik  ausübten.  Sic.  Wie  kurze  Zeit  wird  vergehen
und  wir  werden  wirklich  keine  Künstler  mehr  besitzen,
welche  eine  Medaille  in  der  Tiefe  schneiden  können.
Geschäftlicher  Ausdruck  für  eine  aus  der  grauen  Stanze
ausgehobene,  erhaben  erscheinende  Stanze,  mit  welcher  eine
neue  Stanze  eingedrückt  werden  kann.

Die  Relicfmaschine  macht  diese  Künstler  verschwinden
und  ich  sehe  es  kommen,  daß  die  Herren  Medailleure,
welche  Plaketten  und  Medaillen  erzeugen,  ihre  Arbeiten
von  geschickten  Graveuren  überarbeiten  und  fertigmachen ­
  lassen,  wie  es  die  Herren  in  Paris  machen.  Dort
war  ein  sehr  geschickter  Medailleur,  namens  T  a  s  s  e  t,
welcher  in  den  Jahren  1853  und  1854  in  Wien  beim  Hofgraveur ­
  Radnitzky  arbeitete  und  ein  Schüler  des  Professors ­
  Radnitzky  an  der  k.  k.  Akademie  wurde.  Ich
hatte  damals  mit  ihm  viel  Verkehr,  da  ich  mein  Französisch ­
  und  er  die  deutsche  Sprache  kultivieren  wollte.
Tasset,  der  wieder  nach  Paris  zurückging,  hat  sich  dort
etabliert  und  eine,  jetzt  veraltete  Reduktionsmaschine
eingestellt,  die  er  nach  und  nach  zu  großer  Verwendbarkeit ­
  brachte.  Die  so  hochgeschätzten  Medailleure
in  Paris,  Barre,  C  h  a  p  1  a  i  n,  R  o  11  i  und  andere,
hatte  er  zur  Kundschaft,  und  während  meiner  dreimaligen ­
  Anwesenheit  in  Paris  habe  ich  die  ganze  Zeit
mit  ihm  und  meinem  Schüler  Kluge  verbracht  und
habe  seine  Leistungen  kennen  gelernt.  Er  war  eine  bescheidene, ­
  aber  künstlerisch  reich  veranlagte  Natur  und
gegen  die  Kollegen  die  Gefälligkeit  selbst.
Aus  den  hier  geschriebenen  Zeilen  wird  man  leicht
entnehmen,  daß  derjenige,  welcher  gut  modellieren
kann,  Aussicht  hat,  schneller  als  Künstler  zu  gelten,  wie
dies  bei  jenen  Graveuren  und  Medailleuren  der  Fall
war,  welche  ohne  jede  technische  Beihilfe,  nur  mit  dem
Stichel  und  dem  Punzen  arbeitend,  bis  zum  vierzigsten
Lebensjahr  arbeiten  mußten,  um  ihre  Arbeiten  auf
künstlerische  Höhe  zu  bringen.  Was  kann  ein
talentierter  Medailleur  in  zehnjähriger  fleißiger  Arbeit
durch  seine  Modellierungen  erreichen,  welche  Stellung
kann  er  sich  in  der  Kunst  schaffen  und  wie  ist  sein
pekuniärer  Erfolg?  ln  den  Fünfzigerjahren  hatten  wir  in
Wien  außer  den  Herren  in  der  Münze:  Direktor  Böhm,
Scharf-Vater,  Gaul,  Lange  und  Weiß,  noch  drei
Medailleure,  die  sich  die  schärfste  Konkurrenz
machten.  Arbeit  war  wenig  vorhanden.  Die  Aufträge
waren  selten  und  konnten  die  Künstler  davon  nicht
leben,  daher  sic  Lehrerstellen  suchten.  Jahrelang  war
die  Stelle  eines  Professors  der  Graveurschule  unbesetzt, ­
  die  Kleinplastik  bei  Professor  Bauer  untergebracht. ­
  Um  diese  Stelle  bewarben  sich  Radnitzky,  der
Sohn  des  Hofgraveurs,  Wenzel  Seiden,  der  von  Prag
kam  und  Schüler  der  Akademie  war,  den  Rompreis  erhielt ­
  und  gezwungen  war,  beim  Hofgraveur  Jauner
Beschäftigung  zu  suchen,  der  dritte  war  der  Medailleur
und  Bildhauer,  nachmals  Professor  an  der  Neubauer
Realschule  C  e  s  a  r.  Mit  schwerer  Mühe  und  Protektion
wurde  Radnitzky  Professor  an  der  Akademie.
Wenn  man  bedenkt,  um  welche  Preise  diese  Herren
arbeiten  mußten,  trotz  Renommee  und  Geschicklichkeit.
Es  sträubt  sich  meine  Feder,  diese  Ziffern  niederzuschreiben. ­
  Es  wäre  dem  Nachwuchsc  zu  gönnen,  daß  sie
ihre  Position  finde  und  für  ihre  Mühe  gezahlt  werde.
Was  die  Reduktion  einer  Medaille  kostete,  ist  nicht  viel
weniger  als  der  Preis,  den  die  alten  Meister  für  ihre
Graveurarbeit  erhielten.  Würde  nicht  eine  Reihe  von
Bildhauern  ihr  J  alent  dem  Medailleurfache  zuwendeii
und  nur  die  zünftigen  Schüler  der  Akademie-Graveursehulc
  Medailleure  werden,  so  könnten  die  Medailleure
ja  Beschäftigung  für  ihr  Leben  erhoffen,  aber  —  aber  —
die  Erzeugung  von  Medaillen  ist  eine  künstliche  Pflanze,
sie  wurde  in  die  Mode  gebracht;  durch  die  Unterstützung
dei  numismatischen  Vereine  und  Gesellschaften,  welche
sich  die  Aufgabe  gestellt  hatten,  diesen  Kunstzweig  zu
heben,  ist  eine  Ueberproduktion  entstanden,  die  eine
Gefahr  für  alle  Vertreter  dieser  Kunst  bedeutet.  Man
daif  nicht  vergessen,  daß  die  privaten  Prägeanstalten
hiebei  besonders  interessiert  sind,  daß  diese  Arbeiten
            
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