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MAK

Full text : Jahrgang 6 (1914) (12)

Seite  184

Internationale  Sammler  -Zeitung.

Nr.  12

Zinngießer  wetteiferten  in  der  Herstellung  der  Metallgeräte  für
Küche,  Zimmer,  Festsaal  und  Kirche.  Wie  alle  anderen  Gewerbetreibenden ­
  waren  auch  die  »Kandelgießer«  durch  Zünfte
vereinigt,  die  in  hohem  Ansehen  standen.  Unter  einem  kleinen
Nürnberger  Holzschnitt  von  Jost  Amman,  der  uns  einen  Blick
in  die  Werkstatt  eines  Zinngießers  tun  läßt,  findet  sich  ein
Spruch  von  Hans  Sachs:
/  Das  Zinn  mach  ich  im  Feuer  fließen  /
Thu  darnach  in  die  Mödel  gießen  /
Kandel  /  Flaschen  /  groß  und  auch  klein  /
Darauß  zu  trinken  Bier  und  Wein  /
Schüssel  /  Blatten  /  Täller  /  der  maß  /
Schenkkandel  /  Salzfaß  und  Gießfaß  /
Ohlbüchsen  /  Leuchter  und  Schüsselring  /
Und  sonst  ins  Hauß  fast  nütze  Ding.  /
Das  Mischungsverhältnis  des  Metalles,  der  Legierung, ­
  war  in  den  einzelnen  Städten  verschieden;  so  bestand
die  »Nürnberger  Probe«  aus  10  Teilen  Zinn  und  1  Teil  Blei.  Die
Zunft  hatte  ein  wachsames  Auge  für  alles,  was  die  Werkstatt
der  Mitglieder  verließ.  Drei  »geschworene  Meister«  (Zunftvorsteher) ­
  mußten  öfters  im  Jahre  in  allen  Werkstätten  Zinnproben ­
  vornehmen  wegen  des  Bleizusatzes.  Auch  die  Qualität
der  Arbeit  hatten  sie  zu  prüfen;  was  beim  Gießen  oder  Drehen
beschädigt  war,  das  wurde  zerschlagen  oder  eingeschmolzen.
Auf  Prunkstücke  wurde  viel  Mühe  und  Sorgfalt  verwandt;  die
wurden  in  der  »H  o  1  z  s  t  o  c  k  m  a  n  i  e  r«  in  Metall-  oder
Steinformen  hergestellt,  das  heißt,  die  Gußform  wurde  in  Stein
vertieft  geschnitten,  so  daß  der  reichliche  ornamentale  und
figürliche  Schmuck  erhaben  stehen  blieb.  Hervorragende
Arbeiten  dieser  Art  lieferten  die  Nürnberger  Meister  Martin
Harscher  (f  1523)  und  vor  allem  Kaspar  En  der  lein
(t  1633).  .  Neben  Nürnberg  war  es  Regensburg,  das  den
Hauptteil  an  bedeutenden  Kandelgießern  stellte.  Jedoch

der  größte  Meister  in  Zinn  war  der  Pariser  Francois  Briot
(f  1673).  Es  würde  zu  weit  führen,  die  schon  längst  in  festen
Händen,  in  Museen,  befindlichen  Seltenen  Musterstücke  dieser
Künstler  hier  aufführen  zu  wollen.  Der  Sammler  von  heute  darf
nicht  hoffen,  noch  solcher  Arbeit  zu  begegnen;  schon  eher  den
gleichzeitigen,  etwas  rauhen  Güssen,  die  in  Sandformen  hergestellt
  wurden.
Das  Erz  der  sächsischen  und  böhmischen  Berge  reichte
schon  im  16.  Jahrhundert  nicht  mehr  zur  Deckung  des  Bedarfes; ­
  man  mußte  englisches  Zinn  einführen.  Im
18.  Jahrhundert  wurde  das  Metall,  das  fast  drei  Jahrhunderte
lang  die  wichtigste  Rolle  im  Volksleben  gespielt  hatte,  allmählich ­
  durch  Porzellan  und  Glas  verdrängt.  Nach  der  Erfindung ­
  des  Porzellans  entstanden  an  vielen  Fürstenhöfen  und
Bischofssitzen  Porzellanmanufakturen.  Und  jede  Fabrik  war
bestrebt,  es  den  anderen  an  künstlerischer  Vollendung  ihrer
Erzeugnisse  vorzutun.  Natürlich  waren  es  nur  die  Reichsten
des  Volkes,  die  sich  damals  Porzellan  leisten  konnten.  Erst
um  1800  fand  man  es  im  Bürgerhaus  neben  dem  Zinn,  das
immer  noch  das  Hauptküchengeschirr  war.  Gerade  das  zuletzt
gegossene,  schlechtere  und  formnüchterne  Zinn  des  19.  Jahrhunderls ­
  ist  hier  und  da  noch  auf  dem  Lande  zu  finden.  Von
der  gediegenen,  alten  Herrlichkeit  ist  nur  wenig  übrig;  besonders ­
  in  der  Stadt  ist  bis  in  die  Achtzigerjahre  unter  den
Zinnvorräten  bös  gehaust  worden.  Damals  kam  allerwege  der
Porzellansegen.  Schrankvollweise  wanderte  das  »bäuerische«
Geschirr  für  ein  Spottgeld  zum  Spengler,  zum  Einschmelzen.
Dafür  schaffte  man  dann  tönerne  Dutzendware  ins  Haus.
Welche  Schätze  gingen  so  verloren!  Es  gehört  zu  den  größten
Seltenheiten,  wenn  man  heutzutage  noch  einen  wohlerhaltenen
Familienschatz  von  Zinn  antrifft.  Aber  was  noch  für  diese
Familien  zu  retten  ist,  das  sollte  man  retten  und  nicht,  wie.'s
so  oft  von  patentierten  Kulturträgern  geschieht,  die  Geldgier
der  Leute  wecken,  um  ihnen  mit  dem  Stück  auch  die  Tradition ­
  zu  rauben.

Silhouetten-Fälschungen.

Mit  Bezug  auf  die  beiden  Beethoven-Silhouetten  in  unserer
vorigen  Nummer  erhalten  wir  folgende  beachtenswerte  Zuschrift: ­

»Geehrter  Herr  Redakteur!  Die  Veranlassung  zu  dem  Aufsätze ­
  »Beethoven  in  Mödling«  in  Nr.  11  Ihrer  Zeitschrift  dürfte
wohl  der  scheinbar  glückliche  Umstand  gegeben  haben,  daß
der  gesch.  Verfasser  in  den  Besitz  von  zwei  Beethoven-Silhouetten
  gelangt  ist.  Ich  sage  scheinbar,  denn  leider  sind
die  zwei  Silhouetten  plumpe  Fälschungen.  Falsche
Silhouetten  werden  durch  eine  Wiener  Fabrik  schon  seit
Jahren  im  In-  und  Auslande  verbreitet.  Ich  habe  schon  vor
Jahren,  als  die  ersten  derartigen  Fabrikate  (Porträts  aus  dem
Goethekreise)  auftauchten,  sowohl  im  Wege  dei  »Internationalen ­
  Sammler-Zeitung«,  des  »Börseblattes  für  den  deutschen
Buchhandel«  und,  wie  ich  glaube,  des  »Neuen  Wiener  Tagblatt« ­
  auf  diesen  schwunghaften  Handel  mit  Falsifikaten  hingewiesen ­
  und  vor  Verkäufern  und  Ankauf  gewarnt.  Diese
Warnung  dürfte  aber  kaum  wirksam  gewesen  sein,  da  die
Massenproduktion  von  falschen  Silhouetten  nicht  nur
nicht  abgenommen  hat,  sondern  eher  gewachsen  ist.  Nach
Goethe  und  seinem  Kreise  kamen  die  Wiener  Musiker
und  ihre  Freunde,  dann  die  sehr  einträgliche  Fälschung  von
Porträts  aristokratischer  Familien.  Gerade
auf  diesem  Gebiete  der  Fälschungen  kam  es,  wie  mir  seinerzeit
der  verstorbene  Graf  Latour  erzählt  hat,  Zu  den  tragikomischesten ­
  Auftritten,  wenn  die  h  e  t  e  r  o  g  e  n  s  t  e  n  Familien
die  gleichen  Vorfahren  ihrer  Ahnengalerie  einverleiben  oder

einverleiben  wollten.  (Dieses  merkwürdige  Spiel  der  Natur
konnte  ein  Rahmenmacher,  dem  solche  Porträts  behufs  Einrahmung ­
  übergeben  wurden,  feststellen.)  Da  die  Fabrik  und
ihre  Helfershelfer  zu  sehr  billigen  Preisen  »liefern«,  erachten
sich  die  Käufer  nicht  als  geschädigt,  daher  der  schwunghafte
Handel  mit  den  Fälschungen.  Es  wäre  jedoch  sehr  notwendig,
diesen  Fälschern  im  Interesse  des  ehrlichen  Handels  und  einwandfreien ­
  Sammelns  endgiltig  das  Handwerk  zu  legen.
Händler  und  Sammler  und  auch  beteiligte  Private  müßten
gegen  die  Fälscherbande  rücksichtslos  Vorgehen  und  im  Betretungsfalle,
  hauptsächlich  wo  unrichtige  Angaben  der  Namen
und  Adresse  den  Tatbestand  der  Vorspiegelung  falscher  Tatsachen ­
  ergeben,  die  Agenten  der  Erzeugnisstätte  der  Polizei
übergeben.  Hochachtungsvoll  Dr.  Ignaz  Schwarz  (  Wien).«
Herr  Robert  Eder,  der  Verfasser  des  auch  sonst  interessanten ­
  Artikels  über  »Beethoven  in  Mödling«,  dem  wir  von
den  Bedenken  des  als  Fachmann  anerkannten  Herrn  Doktors
Schwarz  Mitteilung  machten,  äußert  sich  dazu  wie  folgt:  »Die
Sache  ist  sehr  interessant,  da  ich  seit  einigen  Tagen  selbst  an
den  Silhouetten  i  r  r  e  wurde.  Der  Zufall  machte  mich  nämlich
mit  dem  Apotheker  Herrn  Linde  aus  Melk  bekannt,  der
mir  erzählte,  daß  vor  etwa  14  Tagen  ein  Mann  bei  ihm  erschienen ­
  sei,  der  sich  ihm  als  Installateur  aus  St.  Pölten  vorstellte ­
  und  ihm  Silhouetten  zum  Kaufe  anbot.  Herr  Linde
nahm  ihm  fünf  Stück  zu  je*  einer  Krone  ab.  Der  Verkäufer  fügte
hinzu,  er  hätte  noch  Silhouetten  und  gab  Herrn  Linde  seine
Adresse  in  St.  Pölten,  doch  als  Herr  Linde  ihm  unter  dieser
            
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