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MAK

Full text : Jahrgang 6 (1914) (14)

Seite  220

Internationale  Sammler-Z  eitun

Nr„  14

selbst  nisten,  die  Bibliothek  völlig  meiden,  was  sie  der  Einwirkung ­
  der  heiligen  Sutren  zuschreiben.  Gouverneur  Sasaki
schreibt  aber  die  Erhaltung  des  Gebäudes  in  dem  ausgezeichneten
Zustande  der  Uebermaluiig  der  Wände  und  Säulen  mit  einem
orangefarbigen  Pflanzensaft  zu.  Die  Holztafel-Sammlung,  die
einen  ungeheuren  Wert  repräsentiert,  soll  nun  als  historisches
Dokument  für  die  Erforschung  des  koreanischen  Buddhismus  benützt ­
  werden.

Bilder.
(Zwei  Rembrandts  in  Stockholm  entdeckt.)
Dr.  A.  B  r  e  d  i  u  s  und  Dr.  K  r  ö  n  i  g,  die  beiden  holländischen
Kunstgelehrten  und  Rembrandt-Forscher,  haben  im  Nationalmuseum ­
  zu  Stockholm  zwei  Rembrandts  entdeckt.
Das  eine  Gemälde  stellt  eine  junge  Dame  dar;  es  wurde  schon
1890  von  dem  Franzosen  Michel  als  vermutlich  von  Rembrandts ­
  Hand  herrührend  bezeichnet,  während  es  in  dem
Museum  als  eine  wertvolle  Kopie  eines  in  der  Sammlung
Thieme  in  Leipzig  befindlichen  Originals  galt.  Dr.  Bredius
glaubt  die  dargestellte  Dame  als  Rembrandts  Schwester
Lisbeth  identifizieren  zu  können.  Die  Entstehungszeit  des
Bildes  ist  ungefähr  das  Jahr  1632.  Das  zweite  Gemälde,  »Abrahams ­
  Opfer«,  wurde  bisher  G.  van  der  E  c  k  h  o  u  t  zugeschrieben. ­
  Es  datiert  aus  dem  Jahre  1628,  wäre  also  ein
Jugendwerk  Rembrandts,  wofür  auch  ein  Umstand
spricht,  der  an  ein  anderes  vor  Jahren  aufgefundenes  Gemälde ­
  des  großen  Holländers  erinnert.  Wie  man  damals  einen
einigermaßen  unproportionalen  Engelskopf  in  einer  Ecke  des
Gemäldes  entdeckte,  so  findet  sich  bei  dem  Stockholmer  Bilde
eine  unförmige  Wolke,  von  der  Dr.  Bredius  meint,  daß  sie  einen
ähnlichen  Engelskopf  verdeckt.  Die  Renovierung  des  Gemäldes
wird  hoffentlich  darüber  Klarheit  schaffen.
(Ein  neuer  Tizian.)  Wir  haben  in  unserer  letzten
Nummer  (s.  S.  201)  von  einem  neuen  Tizian-Gemälde  berichtet, ­
  das  in  der  Lumorskischen  Galerie  in  Lemberg  entdeckt ­
  wurde.  Die  Meldung  ging  in  die  Wiener  Tagesblätter
über,  von  denen  nun  die  »N.  Fr.  Pr.«  von  dem  in  Gardone
weilenden  Geheimen  Rat  Henry  Thode  eine  Zuschrift  erhält, ­
  in  der  der  Gelehrte  mitteilt,  daß  er  das  gleiche
Bildnis,  und  zwar  in  vollkommen  erhaltenem  Zustande,  und
alle  Kennzeichen  eigenhändiger  Ausführung  durch  den  Meister
aufweisend,  besitzt.  Herr  Thode  fügt  bei:  »Es  wird  sich  darum
handeln,  festzustellen,  in  welchem  Verhältnis  die  beiden  Bilder
zueinander  stehen.  Eine  spätere  Kopie  (nur  des  Kopfes)  fand
sich  im  Palazzo  Giovanelli  in  Venedig.  Auch  sie  läßt  darauf
schließen,  daß  der  Dargestellte  eine  angesehene  und  in  Venedig
historisch  bekannte  Persönlichkeit  gewesen  sein  muß.  Deren
Namen  zu  bestimmen,  ist  mir  nicht  gelungen.«
(G  e  m  ä  1  d  e  f  u  n  d  e  in  Ul  m.)  Wertvolle  alte  Gemälde
sind  in  Wiblingen  laufgefunden  worden.  Dort  kaufte  ein
Bürger,  um  eine  Durchfahrt  in  seinen  Hof  zu  bekommen,  ein
altes  Nachbarhaus.  Beim  Abkratzen  einer  Hinterwand  in
diesem  Hause  fand  man  auf  Holztafeln  gemalte  Bilder.  Nach
Ansicht  Kunstverständiger  handelt  es  sich  um  Gemälde,  die
zur  Zeit  des  Bildersturmes  aus  dem  Ulmer  Münster  entfernt
worden  sind.  Diese  gotischen  Tafeln  sind  120  auf  132  Zentimeter, ­
  130  auf  164  Zentimeter,  135  auf  200  Zentimeter  und  180
auf  200  Zentimeter  groß  und  stellen  dar:  Die  Geburt  Christi,
die  Anbetung  der  drei  Weisen,  die  Darstellung  Christi  und  den
Tod  Mariens.  Landes'konservator  Dr.  Gradmann  hat  die
Bilder  als  sehr  wertvoll  bezeichnet  und  bei  den  zuständigen
Stellen  in  Stuttgart  Schritte  in  Aussicht  gestellt,  um  die  Bilder
dem  Lande  zu  erhalten.  Dem  Eigentümer  ist  schon  ein  Angebot
von  8000  Mark  gemacht  worden.
(Eine  Bilderleih  stelle  an  der  Universität
Berlin.)  In  Berlin  hat  sich  nunmehr,  nachdem  aus  Jena
die  Nachricht  von  einer  ähnlichen  Gründung  gekommen  war,

eine  akademische  Bijderleihstelle  aufgetan.  Sie
verfolgt  den  Zweck,  dem  Studenten  dadurch  einen  persönlichen
vertrauten  Umgang  mit  Kunstwerken  zu  ermöglichen,  daß  ihm
originale  Kunstwerke  nach  Hause  geliehen  werden.  Die  Bilderleibstelle ­
  konnte  durch  dankenswerte  Stiftungen  bekannter
Künstler  ins  Leben  gerufen  werden;  so  haben  Kolbe,  Liebe ­
  r  m  a  n  n  und  andere  Werke  von  sich  zur  Verfügung  gestellt.
Dadurch,  daß  in  der  Hauptsache  nur  Originale  —  Radierungen,
Steindrucke,  Kupferstiche  u.  s.  w.  —  geliehen  werden,  nimmt
die  Berliner  Schöpfung  unter  den  bisherigen  Gründungen  ähnlicher ­
  Art  eine  besondere  Stellung  ein.  Die  Leihgebühr  ist
äußerst  niedrig  angesetzt  und  gibt  den  Studenten  das  Benutzungsrecht ­
  während  des  ganzen  Semesters;  wenn  der  Benutzer ­
  es  wünscht,  kann  er  sein  Bild  beliebig  oft  Umtauschen.
Die  künstlerische  Oberaufsicht  über  die  Kommission,  die  aus
Freistudenten  gebildet  ist,  liegt  in  den  Händen  Prof.  Goldschmidts, ­
  des  Dozenten  für  Kunstgeschichte  an  der  Berliner ­
  Universität.  Die  Einrichtung  selbst  ist  eine  allgemein
studentische.  Mit  einer  Ausstellung  des  vorhandenen
Bildermateriales  wird  die  Leihstelle  demnächst  eröffnet
werden.
(Der  verbesserte  Raffael!)  Man  schreibt  der
»Frkf.  Ztg.«  aus  München:  Dem  hiesigen  Verlage  »Glaube
und  Kunst«  (Parcus  &  Co.),  der  mit  Emphase  betont,  daß  seine
»von  einem  namhaften  christlichen  Künstler  in  München«  besorgte ­
  Vorlage  zu  seiner  von  Parcus  &  Co.  herausgegebenen
Farbenreprodu-ktion  der  Raffael  sehen  »Schulen  von  Athen«
die  allein  Originaltreue  Reproduktion  sei,  war  es  nach  Jahrhunderten ­
  Vorbehalten,  Raffael  zu  verbessern  und  seine
Kunst  zu  einer  höheren  Sittlichkeit  ernporzuheben.  Auf  dieser
Farbenreproduktion,  die  die  Göttin  der  Wissenschaft,  Athene,
mit  einem  Löwenkopf  auf  ihrem  Schilde  statt  des  ihr  als
Attribut  zukommenden  Medusahauptes  zeigt,  ist  in  dem
unter  der  Athenefigur  befindlichen  Relief  aus  der  schönen,
allerdings  sehr  schleierhaft  bekleideten  Figur  der  Aphrodite
m  ä  t  Psyche  —  man  höre!  —  ein  in  dichten  Mantel
gehüllter  alter  Mann  mit  Bart  gemacht.  Auf
der  linken  Seite  der  Halle  erblicken  wir  auf  dieser  Reproduktion ­
  zu  unserem  größten  Erstaunen  den  männlich  schönen
Apollo  mit  einem  gut  verschlossenen  Lendenschleier!
Solche  empörende  Verschandelungen  einer  unserer  herrlichsten
Kunstschöpfungen,  die  dazu  von  einem  Papst  in  Auftrag  gegeben ­
  wurde  und  im  Vatikan  bis  jetzt  keinen  Anstoß  erregt  hat,
wagt  der  Verlag  »Glaube  und  Kunst«  zu  reproduzieren  und
als  eine  originalgetreue  Leistung  anzupreisen.  (Wir  schlagen
vor,  diese  kunstschänderische  Leistung  der  Herren  Parcus  &
Co.  mit  einer  Umtaufe  ihrer  Firma  in  »Glaube  und  Unkunst«
zu  belohnen.  D.  Red.)

Handschriften.
(Ein  wertvoller  Pergamentfund.)  Ueber  einen
höchst  interessanten  Neufund  hat  Professor  Deißmann,  der
geschätzte  Berliner  Theologe,  jüngst  der  Berliner  Archäologischen ­
  Gesellschaft  Mitteilung  gemacht.  Vor  einiger  Zeit  fanden ­
  nämlich  Kurden  in  dem  Arroman-Gebirge  einen  Steinkrug, ­
  in  dem  mehrere  alte  Pergamente  versteckt  waren.  Zufällig ­
  kam  ein  griechischer  Arzt  in  den  Besitz  der  Dokumente;
er  sandte  sie  nach  England,  und  dort  wurde  von  Fachleuten
festgestellt,  daß  man  es  mit  zwei  griechischen  Urkunden  aus
den  Jahren  88  und  22  v.  Chr.  zu  tun  habe.  Es  handelt  sich  um
Erbpachtverträge  über  einen  Weinberg;  die  Vertragschließenden ­
  wie  die  Zeugen  waren  griechisch  schreibende  Perser.  Antike ­
  Originalurkunden  sind  an  sich  nichts  Seltenes,  aber  es  sind
sonst  durchwegs  Papyri,  die,  vom  ägyptischen  Wüstensand
gedeckt,  den  Jahrtausenden  zu  trotzen  vermochten.  Daß  sich
            
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