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MAK

Full text : Jahrgang 7 (1915) (14)

Seite  176

internationale  Sammler-Zeitung

Aus  dem  Osten  Deutschlands  und  den  angrenzenden
Slawenländern,  in  denen  jetzt  der  Krieg  tobt,  sei  noch
das  Leinwand-  und  Lcdergeld  erwähnt.  Der  weitgereiste ­
  jüdische  Maure  Ibrahim  Ibn  Jakub,  der  965  am
Hofe  Kaiser  Ottos  weilte  und  bis  Böhmen  und  in  die
Ostseeländer  vordrang,  erzählt,  in  Böhmen  habe  er
ganze  Kisten  voll  kleiner,  dünn  gewobener  „Tüchelchen"
gesehen,  die  eigentlich  „gär  nichts  taugten,  die

Nr.  14

aber  von  allen  als  Geld  genommen  wurden“;
weiter  in  Rußland  gab  es  richtiges  Pelzgeld  „Kuni“,
das  dort  den  Umlauf  beherrschte  und  dessen
Namen  von  dem  des  Schwarzmarders,  Kuna,
herrührt.
Eigentliches  Lerlergeld  hat  es  sonst  nur  als  '  Notmünze ­
  gegeben,  zuletzt  im  Unabhängigkeitskriege  der
Niederländer.

Skizzen  und  Studien.
Von  Professor  Otto  Schulze  (Darmstadt)*.

Es  wird  wieder  viel  geklagt  über  die  Überschwemmung  des
Marktes  mit  Kunstwerken  und  über  die  geringen  Absatzmöglichkeiten, ­
  Kaufunlust  der  Vornehmen  und  Reichen  und
die  daraus  entstehende  Not  der  Künstler.  Leider  liegt  viel
Wahrheit  in  diesen  Klagen,  sie  haben  eine  innere  Berechtigung.
An  wirklichen  Kunstwerken  gelangt  verhältnismäßig  keine
größere  Menge  auf  den  Markt  und  in  die  größeren  Ausstellungen ­
  als  früher.  Allerdings  sind  viel  mehr  Ausstellungsmöglichkeiten ­
  vorhanden  als  früher,  was  mit  der  Neugründung  vieler
Künstlergruppen  zusammenhängt.  Ausgereifte,  vollendete
Werke  sieht  man  trotzdem  gegen  früher  nicht  zahlreicher,
weil  die  Begriffe  über  die  eigentlichen  Kennzeichen  eines
Kunstwerkes  sich  wesentlich  verschoben  haben.  Man  hat  sich
lierbeigelassen,  den  werdenden  Künstler  mit  weit  größerem
Interesse  zu  umgeben  als  den  gereiften  Schöpfer.  Der  Kampf
um  die  Meinungen  und  Richtungen,  um  die  Strömungen  in
den  verschiedenen  Lagern  gehört  zu  den  Tagesförderungen.
Dem  tragen  die  werdenden  Kräfte  vollauf  Rechnung;  was
unter  ihren  Händen  entsteht,  wird  kritikfähig;  die  Skizze,
das  Angedeutete,  die  Studie,  der  Vorentwurf,  die  Idee
und  der  Anlauf  gelten  schon  als  Werke,  als  Taten,  als
Urteils  werte.
Die  Skizze,  die  Studie  jeglicher  Art  und  Größe  und  jeglichen ­
  Inhalts  sind  ausstellungsfähig  und  damit  auch  für
Kunstfreund  und  —  Laien  „wandfähig“  geworden.  Früher
genossen  solche  Ersterzeugnisse  zu  einem  größeren  Werke
nicht  diesen  Vorzug;  sie  blieben  Ateliergut,  Mappenschatz,
und  nur  Eingeweihte  und  Freunde  der  Künstler  sahen  sie  in
glücklichen  Stunden.  Das  Skizzen-  und  Studienmaterial
großer  Künstler  blieb  ein  kostbares  Vermächtnis  an  die  Nachwelt. ­
  Damit  soll  nicht  gesagt  sein,  daß  der  Skizze  das  Ausstellungsrecht ­
  nicht  zustande;  im  Gegenteil,  sie  sind  meist
geradezu  notwendig,  um  einen  Künstler  beurteilen  zu  können.
Nur  soll  die  Skizze  nicht  an  die  Stelle  des  fertigen  Werkes
treten,  sie  soll  nicht,  wie  das  neuerdings  geschieht,  über  das
*)  Aus  der  Zeitschrift  „Kunst  und  Dekoration“  (Verlag
Alexander  Koch,  Darmstadt).

Werk  selbst  gesetzt  werden;  ihr  dürfen  nicht  Werte  zugerechnet ­
  werden,  die  sie  nicht  besitzt.  Das  vor  allem  den  Künstlern
selbst  nicht  gegenüber,  die  schon  in  der  Skizze  das  Höchste
ihrer  Kunst  sehen  und  bei  der  sich  immer  mehr  erhöhenden
Marktgängigkeit  der  Skizze  überhaupt  nicht  mehr  darüber
hinauskommen.  Wir  dürfen  nicht  dazu  gelangen,  den  Rahmen
als  den  Maßstab  einer  künstlerischen  Sache  zu  werten.
An  sich  versteht  ein  Laie  den  eigentlich  künstlerischen
Wert  einer  Skizze  und  Studie  kaum  zu  würdigen;  er  sieht  in
ihnen  nicht  die  künstlerische  Ursprünglichkeit,  die  eigentliche
Handschrift,  ja  das  Glaubensbekenntnis  ihrer  Urheber.  Alles
das  sieht  und  fühlt  mit  allen  Feinheiten  und  Reizen  erst  der
Kenner;  ihm  sind  Skizzen  und  Studien  notwendige  Belege  und
Einführungen  in  das  Lebenswerk  des  Künstlers,  und  oft,  das
ist  bekannt,  bieten  sie  den  Kenner  und  Forscher  mehr  als  das
fertige  Werk.  Das  Überhandnehmen  des  Skizzenverkaufes
schädigt  einmal  den  Absatz  von  Kunstwerken  selbst,  zum  anderen ­
  die  Enwicklung:  des  Kunststudiums,  denn  so  mancher
der  Jüngeren  kommt  schon  gar  nicht  mehr  über  solche  Arbeitsweise ­
  hinaus;  sie  sehen  darin  schon  die  Erfüllung  ihres  Künstlertums. ­

Ohne  irgendwie  den  wahren  Wert  und  die  künstlerische
Bedeutung  solcher  Arbeiten  herabzusetzen,  könnte  man  doch
unter  Erwägung  der  oben  geäußerten  Bedenken  dazu  übergehen, ­
  die  Ausstellungs-  und  Wandfähigkeit  von  Skizzen  und
Studien  künftig  einzuschränken.  Ich  erachte  der  Kunst  damit
keinen  Dienst  erwiesen,  auch  dem  Künstler  gegenüber  nicht,
Skizzen  und  Studien  deshalb  zahlreicher  zuzulassen,  um  eine
größere  Verkaufsmöglichkeit  erhoffen  zu  können,  weil  die
Verkaufsmöglichkeit  ausgeführter  Werke  dadurch  ganz  erheblich ­
  beeinträchtigt  wird.  Es  verschärft  sich  damit  außerdem
die  Gefahr,  daß  die  künstlerische  Erziehung  unseres  Volkes
unfertigen  Arbeiten  genannter  Art  gegenüber  eine  noch  unheilvollere ­
  Richtung  annehmen  würde  als  sie  bisher  schon
angenommen  hat.  Mehr  als  bisher  müssen  wir  Wege  und  Ziele
erkennen  lernen  an  reifen  Taten  und  Werken.  Ahnungen  und
Hoffnungen  allein  genügen  auf  die  Dauer  nicht:.

Russischer  Vandalismus.

In  den  „Mitteilungen  der  k.  k.  Zentralkomm]ssion
für  Denkmalpflege“  in  Wien  werden  nun  die  ersten,
amtlich  beglaubigten  Berichte  über  die  Kriegsverwüstungen
  der  galizischcn  Kunstdenkmäler  bekannt
gegeben.  Wie  erinnerlich,  sind  von  den  82  Verwaltungsbezirken ­
  Galiziens  nur  einige  wenige  von  den  Kriegsgreueln ­
  verschont  geblieben,  und  ein  wahres  Glück  ist
es,  daß  Krakau,  der  reichste  Kunstort  des  ganzen  Landes, ­
  so  sehr  ihm  auch  zeitweilig  die  Gefahr  der  Einschließung ­

  drohte,  niemals  von  der  eigentlichen  Kampfzone ­
  berührt  worden  ist.  Auch  die  übrigen  westgalizischen
  Städte,  in  denen  die  Kunst  eine  Heimstätte  fand,
sind  zum  größten  Teil  unbelästigt  geblieben.  Uber  den
Umfang  des  durch  Beschießung,  Sprengung,  Einäscherung ­
  und  Verschleppung  verloren  Gegangenen  lassen
sich  natürlich  noch  keine  statistisch  genauen  Angaben
machen.  Einige  für  die  Entwicklung  der  galizischen
Architektur  besonders  charakteristische  Gebäude,  die
            
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