Seite 212
Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 16/17
(Ein ethnographisches Museum in München). In
München soll ein ethnographisches. Museum errichtet werden.
Im Staatshaushalt des Jahres 1916/1917 sind M. 25.000 für
Voranschläge dazu vorgesehen.
(Museum für Völkerkundein Berlin.) Dem Berliner
Museum für Völkerkunde ist in letzter Zeit eine Reihe inter
essanter Erwerbungen gelungen. So wurde für die amerika
nischen Sammlungen erworben: eine Schnitzerei in Schiefer,
die die Haida von Britisch-Kolumbien ausgefüh t haben. Aus
Ecuador stammen mehrere moderne Ethnographilca und Fe
derbänder und Tonkrüge der „Jndios bravos" aus dem öst
lichen Teil des Landes: aus Guatemala zwei Tanzmasken.
Ferner wurden noch ein großes Tongefäß mit hohlem Saum
*und Tonscherben aus alten Jndianergräbern des östlichen Bo
iviens erworben. Die Indische Abteilung des Museums erhielt
zum, Geschenk zwei javanische Sarong und ein Blasrohr mit
Lanzenspritze aus Borneo, die Prof, von Le Co q überwies.
Durch Ankauf erwarb die Sammlung mehrere Ethnographika
aus Siam, den Schau-Staaten und dem Malayischen Archipel.
Die westasiatische Sammlung erhielt als^Geschenke aus der
vierten Turfanexpedition desj'/Berliner Museums für Völker
kunde mehrere Ethnographika'' aus Chinesisch-Turkistan. In
die Sammlung Ozenanien des Museums kamen durch Ge
schenk der Frau Geh. Legationsrat C. Knappe mehrere
Trinkgefäße aus Kokosnuß für Kawa, die aus Samoa stammen,
ferner noch geflochtene Matten mit Borten, die auf den Mar-
schall-Inseln hergestellt Worden sind.
(Das ukrainische Nationalmuseum in Lemberg.)
Über das Ukrainische Nationalmuseum in Lemberg bringt
die in Lausanne erscheinende Revue Ukrainenne interessante
Einzelheiten. Es ist aus einem Diözesanmuseum hervorge-
gaügieri, das vor zehn Jahren durch den Lemberger Metro
politen Grafen Szeptycki gegründet wurde, und entwickelte
sich so schnell, daß es bald 8000 Nummern aufwies, die 10.000
auf alle Gebiete der ukrainischen Kultur bezügliche Gegen
stände umfaßten. Vor einigen Jahren wurde das Museum in
ein Nationalmuseum umgewandelt und vom Metropoliten
mit Gegenständen im Werte von fast einer Million Kronen
beschenkt. Gegenwärtig besitzt das Museum 1700 Handschriften
aus der Zeit von 1307 bis zum 18. Jahrhundert, 2400 gedruckte
Bücher aus der Zeit von 1470 bis ins 18. Jahrhundert hinein,
3600 amtliche Schriftstücke aus dem 15., 16., 17. und 18 Jahr
hundert, 600 slawisch-byzantinische Ikone, 120 Skizzen von
Heiligenbildern, 150 slawisch-byzantinische Holzschnitte,
160 Bildwerke und Ansichten, 420 Stickereien und Stoff
proben, 920 ethnographische Gegenstände, 1500 Stickerei
arbeiten aus dem Volke, 250 Ausgrabungsgegenstände, 100
Zeichnungen alter Baudenkmäler, 4u0 Pläne und Karten,
400 Photographien von Kunstgegenständen, 300 ethnogra
phische Gegenstände aus Weißrußland und eine gute Bücherei
zur Kunstwissenschaft und Museumskunde. Inwiefern die
Sammlungen in der Russenzeit gelitten haben, konnte noch
nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden; nur so viel steht
lest, daß eine Reihe gerade der wertvollsten Gegenstände ver
schwunden ist. Der Kustos des Museums, Dr. Swientzitzki,
ist von den Russen bei ihrem Rückzug mitgeschleppt
worden.
(Eine Neuerwerbung des Berliner Kunstgewerbe
museums.) Dem Berliner Kunstgewerbemuseum ist in letzter
Zeit eine interessante Erwerbung gelungen, die besonders
wegen ihrer Seltenheit bemerkenswert ist: ein gotisches
Straußeneiziborium. Das Ei, mit abnehmbarem Deckel,
bildet den äußeren Mantel eines gleich geformten, innen blank
vergoldeten Silbergefäßes. Der aus kraftvoll gebogenem
Blattwerk aufsteigende Schaft ist, wie Direktor von Falke
in den soeben erscheinden Berichten mitteilt, als Baumstamm
gebildet. Der Übergang zum Gefäß ist mit krausen Blättern
umhüllt. Die Silberfassung trägt den Salzburger Stempel.
Das Ganze ist eine Arbeit um die Wende des 15 Jahrhunderts.
Im Innern des Deckels enthält das Widerlager des Kruzifixes
eine starke Silberscheibe, ein Stifterwappen. Es ist entweder
das Wappen des Salzburger Rittergeschlechts von Haunsperg
oder des Stiftes Mattsee, das am Hannsberg liegt. Das Bild
des Gekreuzigten läßt darauf schließen, daß das Gefäß nicht
für Reliquien, sondern als Hostienbehälter bestimmt war. In
Deutschland gibt es überhaupt nur vier dieser, im Mittelalter
außerordentlich geschätzten Straußeneierziborien. Daher ist
qjg Erwerbung dieses fünften Stückes für das Berliner
Museum sehr zu begrüßen.
Vom Kunstmarkt.
(Auktion im Prager Rudolfinum.) Man schreibt
uns aus Prag: Die Auktion im Rudolfinum hat selbst die
optimistischensten Voraussetzungen übertioffen. Das Gesamt
erträgnis übersteigt 60.000 Kronen, ein für die Prager Ver
hältnisse außerordentlicher Erfolg. Neben den schönen Por
zellantassen, die mit 100 bis 200 Kronen abgingen, erfreute
sich auch das in hübschen Exemplaren vertretene Glas eines
reißenden Absatzes, für dessen Erwerbung ebenfalls Preise
angelegt wurden, die zwischen 40 bis 150 Kronen geschwankt
haben. Ein Glas, geschnitten mit graviertem Wappen, wurde
sogar um 255 Kronen gekauft. Das Hauptinteresse jedoch
hat sich auf die schönen Bilder konzentriert, die alle zu sehr
guten Preisen veräußert wurden. Ein Bildnis von Quaiser
hat 500 Kronen gebracht, die reizenden Arbeiten Norbert
Grunds wurden ebenfalls gut bezahlt. Die beiden Hirschely,
mit je 70 Kronen ausgerufen, wurden mit 720 Kronen bezie
hungsweise mit 710 Kronen abgegeben. Ein schöner Anger
maier (Ausrufpreis 87 Kronen) erzielte 730 Kronen, während
zwei kleine Stilleben desselben Meisters mit 45 Kronen aus-
gerufen, mit 510 Kronen pro Stück verkauft wurden. Die
hübsche Landschalt von Navratil mit 1000 Kronen ausge
rufen, kam mit 2360 Kronen an den Mann.
(Moderne Gemälde.) Die von Rudolf Bangel in Frank
furt a. M. am 5. Oktober durchgeführte Versteigerung moderner
Gemälde hatte ein, nicht nur in Anbetracht der jetzigen Zeit
ungewöhnlich günstiges Ergebnis. Die 40 Bilder brachten
an 34.000 Mark. Namhafte Preise erzielten: Nr. 1, Wilhelm
Alt heim, Porträt des Fräulein W. zu Pferd (aus den Neun
zigerjahren), Leinwand, M 2000; Nr. 2, Altheim, Johannes
in einer Landschaft, Tempera, M 1000; Nr. 4, Johann Georg
van Bemmel, Bäuerliche Familie, Leinwand, M 1400; Nr. 7,
Lukas Cranach, Loth und seine Töchter, Holz, M 3510;
Nr. 16, Frans Hals, Bildnis eines Mannes, barhaupt mit
großem Spitzenkragen, Holz, M 1420; Nr. 19, Italienischer
Meister des 16. Jahrhunderts, Johannes der Täufer, Leinwand,
M 1000; Nr. 20, Lairessc, David empfangt von Samuel die
Königswürde, Leinwand, M 3500; Nr. 22, Eugenio Lucas,
Spanisches Volksfest, Leinwand, M 1000; Nr. 25, Miereveit,
Bildnis einer älteren Dame, Holz, M 3800; Nr. 30, Rubens
(Kopie), Perseus und Andromeda, Holz, M 1070; Nr. 32,
Ruisdael, Holländische Landschaft, Leinwand, M 1270
und Nr. 38, Verkoije, Christus und die Samariterin, Holz,
M 2050.
(Versteigerung bei Karl Ernst Henrici in Berlin.)
Vom 27. bis 28. September fand bei Karl Ernst Henrici in
Berlin eine Versteigerung von Ansichten, Trachtenbildern
und historischen Blättern aus deutscher Kunst statt, bei der
folgende nennenswerte Preise erzielt wurden: Nr. 63, Opern
platz in Berlin mit der Neuen Bibliothek und der Katholi
schen Kirche, par Jean Rosenberg en 1782, mit prachtvollem
Kolorit in Deckfarbenmalerei ,,J. A. E. Niegelssohn pinxit
1786", Mahagoniholzrahmen, M 170; Nr. 73a, Darstellungen
des Volkslebens in Berlin, 12 Blätter, Lithographien mit
Handkolorit, zirka 1840, M 230; Nr. 106, In Tempelhof, Ori
ginal-Kreidezeichnung, bez. J. Rosenberg del. 1796, 41 x50,
in altem Rahmen, M 150; Nr. 149, Dresden, Ansicht des ehe
maligen Palais des Grafen Wallwitz, Ölmalerei, zirka 1840,
M 100; Nr. 186, Ansicht von Giessen, Aquatintablatt mit
feinstem alten Handkolorit, von Friedr. Christ. Reinermann,
zirka 1815, M 56. —; Nr. 189, Gesamtansicht von Görlitz, Öl
malerei auf Met. zirka 1835, Querfolio, in altem Goldleisten-