MAK
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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 16/17 
(Ein ethnographisches Museum in München). In 
München soll ein ethnographisches. Museum errichtet werden. 
Im Staatshaushalt des Jahres 1916/1917 sind M. 25.000 für 
Voranschläge dazu vorgesehen. 
(Museum für Völkerkundein Berlin.) Dem Berliner 
Museum für Völkerkunde ist in letzter Zeit eine Reihe inter 
essanter Erwerbungen gelungen. So wurde für die amerika 
nischen Sammlungen erworben: eine Schnitzerei in Schiefer, 
die die Haida von Britisch-Kolumbien ausgefüh t haben. Aus 
Ecuador stammen mehrere moderne Ethnographilca und Fe 
derbänder und Tonkrüge der „Jndios bravos" aus dem öst 
lichen Teil des Landes: aus Guatemala zwei Tanzmasken. 
Ferner wurden noch ein großes Tongefäß mit hohlem Saum 
*und Tonscherben aus alten Jndianergräbern des östlichen Bo 
iviens erworben. Die Indische Abteilung des Museums erhielt 
zum, Geschenk zwei javanische Sarong und ein Blasrohr mit 
Lanzenspritze aus Borneo, die Prof, von Le Co q überwies. 
Durch Ankauf erwarb die Sammlung mehrere Ethnographika 
aus Siam, den Schau-Staaten und dem Malayischen Archipel. 
Die westasiatische Sammlung erhielt als^Geschenke aus der 
vierten Turfanexpedition desj'/Berliner Museums für Völker 
kunde mehrere Ethnographika'' aus Chinesisch-Turkistan. In 
die Sammlung Ozenanien des Museums kamen durch Ge 
schenk der Frau Geh. Legationsrat C. Knappe mehrere 
Trinkgefäße aus Kokosnuß für Kawa, die aus Samoa stammen, 
ferner noch geflochtene Matten mit Borten, die auf den Mar- 
schall-Inseln hergestellt Worden sind. 
(Das ukrainische Nationalmuseum in Lemberg.) 
Über das Ukrainische Nationalmuseum in Lemberg bringt 
die in Lausanne erscheinende Revue Ukrainenne interessante 
Einzelheiten. Es ist aus einem Diözesanmuseum hervorge- 
gaügieri, das vor zehn Jahren durch den Lemberger Metro 
politen Grafen Szeptycki gegründet wurde, und entwickelte 
sich so schnell, daß es bald 8000 Nummern aufwies, die 10.000 
auf alle Gebiete der ukrainischen Kultur bezügliche Gegen 
stände umfaßten. Vor einigen Jahren wurde das Museum in 
ein Nationalmuseum umgewandelt und vom Metropoliten 
mit Gegenständen im Werte von fast einer Million Kronen 
beschenkt. Gegenwärtig besitzt das Museum 1700 Handschriften 
aus der Zeit von 1307 bis zum 18. Jahrhundert, 2400 gedruckte 
Bücher aus der Zeit von 1470 bis ins 18. Jahrhundert hinein, 
3600 amtliche Schriftstücke aus dem 15., 16., 17. und 18 Jahr 
hundert, 600 slawisch-byzantinische Ikone, 120 Skizzen von 
Heiligenbildern, 150 slawisch-byzantinische Holzschnitte, 
160 Bildwerke und Ansichten, 420 Stickereien und Stoff 
proben, 920 ethnographische Gegenstände, 1500 Stickerei 
arbeiten aus dem Volke, 250 Ausgrabungsgegenstände, 100 
Zeichnungen alter Baudenkmäler, 4u0 Pläne und Karten, 
400 Photographien von Kunstgegenständen, 300 ethnogra 
phische Gegenstände aus Weißrußland und eine gute Bücherei 
zur Kunstwissenschaft und Museumskunde. Inwiefern die 
Sammlungen in der Russenzeit gelitten haben, konnte noch 
nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden; nur so viel steht 
lest, daß eine Reihe gerade der wertvollsten Gegenstände ver 
schwunden ist. Der Kustos des Museums, Dr. Swientzitzki, 
ist von den Russen bei ihrem Rückzug mitgeschleppt 
worden. 
(Eine Neuerwerbung des Berliner Kunstgewerbe 
museums.) Dem Berliner Kunstgewerbemuseum ist in letzter 
Zeit eine interessante Erwerbung gelungen, die besonders 
wegen ihrer Seltenheit bemerkenswert ist: ein gotisches 
Straußeneiziborium. Das Ei, mit abnehmbarem Deckel, 
bildet den äußeren Mantel eines gleich geformten, innen blank 
vergoldeten Silbergefäßes. Der aus kraftvoll gebogenem 
Blattwerk aufsteigende Schaft ist, wie Direktor von Falke 
in den soeben erscheinden Berichten mitteilt, als Baumstamm 
gebildet. Der Übergang zum Gefäß ist mit krausen Blättern 
umhüllt. Die Silberfassung trägt den Salzburger Stempel. 
Das Ganze ist eine Arbeit um die Wende des 15 Jahrhunderts. 
Im Innern des Deckels enthält das Widerlager des Kruzifixes 
eine starke Silberscheibe, ein Stifterwappen. Es ist entweder 
das Wappen des Salzburger Rittergeschlechts von Haunsperg 
oder des Stiftes Mattsee, das am Hannsberg liegt. Das Bild 
des Gekreuzigten läßt darauf schließen, daß das Gefäß nicht 
für Reliquien, sondern als Hostienbehälter bestimmt war. In 
Deutschland gibt es überhaupt nur vier dieser, im Mittelalter 
außerordentlich geschätzten Straußeneierziborien. Daher ist 
qjg Erwerbung dieses fünften Stückes für das Berliner 
Museum sehr zu begrüßen. 
Vom Kunstmarkt. 
(Auktion im Prager Rudolfinum.) Man schreibt 
uns aus Prag: Die Auktion im Rudolfinum hat selbst die 
optimistischensten Voraussetzungen übertioffen. Das Gesamt 
erträgnis übersteigt 60.000 Kronen, ein für die Prager Ver 
hältnisse außerordentlicher Erfolg. Neben den schönen Por 
zellantassen, die mit 100 bis 200 Kronen abgingen, erfreute 
sich auch das in hübschen Exemplaren vertretene Glas eines 
reißenden Absatzes, für dessen Erwerbung ebenfalls Preise 
angelegt wurden, die zwischen 40 bis 150 Kronen geschwankt 
haben. Ein Glas, geschnitten mit graviertem Wappen, wurde 
sogar um 255 Kronen gekauft. Das Hauptinteresse jedoch 
hat sich auf die schönen Bilder konzentriert, die alle zu sehr 
guten Preisen veräußert wurden. Ein Bildnis von Quaiser 
hat 500 Kronen gebracht, die reizenden Arbeiten Norbert 
Grunds wurden ebenfalls gut bezahlt. Die beiden Hirschely, 
mit je 70 Kronen ausgerufen, wurden mit 720 Kronen bezie 
hungsweise mit 710 Kronen abgegeben. Ein schöner Anger 
maier (Ausrufpreis 87 Kronen) erzielte 730 Kronen, während 
zwei kleine Stilleben desselben Meisters mit 45 Kronen aus- 
gerufen, mit 510 Kronen pro Stück verkauft wurden. Die 
hübsche Landschalt von Navratil mit 1000 Kronen ausge 
rufen, kam mit 2360 Kronen an den Mann. 
(Moderne Gemälde.) Die von Rudolf Bangel in Frank 
furt a. M. am 5. Oktober durchgeführte Versteigerung moderner 
Gemälde hatte ein, nicht nur in Anbetracht der jetzigen Zeit 
ungewöhnlich günstiges Ergebnis. Die 40 Bilder brachten 
an 34.000 Mark. Namhafte Preise erzielten: Nr. 1, Wilhelm 
Alt heim, Porträt des Fräulein W. zu Pferd (aus den Neun 
zigerjahren), Leinwand, M 2000; Nr. 2, Altheim, Johannes 
in einer Landschaft, Tempera, M 1000; Nr. 4, Johann Georg 
van Bemmel, Bäuerliche Familie, Leinwand, M 1400; Nr. 7, 
Lukas Cranach, Loth und seine Töchter, Holz, M 3510; 
Nr. 16, Frans Hals, Bildnis eines Mannes, barhaupt mit 
großem Spitzenkragen, Holz, M 1420; Nr. 19, Italienischer 
Meister des 16. Jahrhunderts, Johannes der Täufer, Leinwand, 
M 1000; Nr. 20, Lairessc, David empfangt von Samuel die 
Königswürde, Leinwand, M 3500; Nr. 22, Eugenio Lucas, 
Spanisches Volksfest, Leinwand, M 1000; Nr. 25, Miereveit, 
Bildnis einer älteren Dame, Holz, M 3800; Nr. 30, Rubens 
(Kopie), Perseus und Andromeda, Holz, M 1070; Nr. 32, 
Ruisdael, Holländische Landschaft, Leinwand, M 1270 
und Nr. 38, Verkoije, Christus und die Samariterin, Holz, 
M 2050. 
(Versteigerung bei Karl Ernst Henrici in Berlin.) 
Vom 27. bis 28. September fand bei Karl Ernst Henrici in 
Berlin eine Versteigerung von Ansichten, Trachtenbildern 
und historischen Blättern aus deutscher Kunst statt, bei der 
folgende nennenswerte Preise erzielt wurden: Nr. 63, Opern 
platz in Berlin mit der Neuen Bibliothek und der Katholi 
schen Kirche, par Jean Rosenberg en 1782, mit prachtvollem 
Kolorit in Deckfarbenmalerei ,,J. A. E. Niegelssohn pinxit 
1786", Mahagoniholzrahmen, M 170; Nr. 73a, Darstellungen 
des Volkslebens in Berlin, 12 Blätter, Lithographien mit 
Handkolorit, zirka 1840, M 230; Nr. 106, In Tempelhof, Ori 
ginal-Kreidezeichnung, bez. J. Rosenberg del. 1796, 41 x50, 
in altem Rahmen, M 150; Nr. 149, Dresden, Ansicht des ehe 
maligen Palais des Grafen Wallwitz, Ölmalerei, zirka 1840, 
M 100; Nr. 186, Ansicht von Giessen, Aquatintablatt mit 
feinstem alten Handkolorit, von Friedr. Christ. Reinermann, 
zirka 1815, M 56. —; Nr. 189, Gesamtansicht von Görlitz, Öl 
malerei auf Met. zirka 1835, Querfolio, in altem Goldleisten-
	        
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