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MAK

Full text : Jahrgang 7 (1915) (18)

Seite  226

Internationale  Sammler-Zeitung

Nr.  18

großen  Teil  einfachere  Hausgeräte  aus  verschiedenen  Epochen.
Zwischen  mancherlei  Kuriositäten  findet  man  beachtenswerte ­
  Gegenstände  der  Kleinkeramik,  wie  Vasen  in  scherzhaften
Formen,  Schalen  usw.  Eine  im  Zusammenhang  mit  der  Ausstellung ­
  erschienene  kleine  Schrift  über  die  Geschichte  der
Keramik,  die  insbesondere  die  nordische  und  deutsche  Keramik
behandelt,  hebt  hervor,  daß  die  Keramik  Schwedens  noch  im
fünfzehnten  Jahrhundert  durchweg  einfarbig  gewesen  zu  sein
scheint.  Braune,  grüne  oder  gelbe  Farben  herrschten  bei
weitem  vor.  Mehrfarbige  Gefäße  aus  Lehm  und  Ton  wurden,
Soweit  bekannt,  zuerst  in  einer  Aufzeichnung  aus  dem  Jahre
1620  genannt.  In  Norwegen  und  in  den  an  Norwegen  grenzenden
Teil  Schwedens  hat  sich,  die  braune  Keramik  während  des
ganzen  achtzehnten  Jahrhunderts  erhalten,  obwohl  am  Ende
des  siebzehnten  Jahrhunderts  ganz  Mittel-  und  Nordeuropa
von  der  schwarzen  Keramik  überschwemmt  wurde.  Nach
Schweden  scheint  diese  aber  erst  um  das  Jahr  1800  gekommen
zu  sein.  Die  meisten  der  ausgestellten  norwegischen  Gefäße
im  Charakter  der  gelben  Keramik  stammen  aus  Härjedalen
und  Jämtland,  wohin  sie  von  Drontlieim  aus  gelangt  sind.
Für  die  Entwicklung  des  skandinavischen  Hausgewerbes
ist  die  Ausstellung  in  Stockholm  recht  lehrreich.
(Wie  Rembrandt  Amsterdam  sah.)  Im  Gegensätze
zu  den  meisten  seiner  Zeitgenossen  ist  Rembrandt  nie  auf
Reisen  gegangen  und  es  ist  daher  die  Vermutung,  daß  er  die
Mehrzahl  seiner  landschaftlichen  Motive  der  näheren  Umgebung
von  Amsterdam  entnommen  hat,  bereits  wiederholt  ausgesprochen ­
  und  im  ganzen  wohl  auch  allgemein  stillschweigend
angenommen  worden.  Den  Beweis  lriefür  zu  liefern  ist  jedoch
einem  Buche  von  Fritz  Lugt  Vorbehalten  geblieben,  das  unter
dem  Titel  ,,Wanderungen  mit  Rembrandt  in  und  um  Amsterdam“ ­
  demnächst  in  Holland  erscheinen  wird.  Dem  Verfasser
ist  ein  für  das  Verständnis  der  Frage  sehr  wichtiger  und  glücklicher ­
  Fund  gelungen,  nämlich  ein  bisher  noch  unbekannter
Plan  von  Amsterdam,  der  in  der  Sammlung  von  Bodel-Nijenhuis
  zu  Leyden  aufbewahrt  wird,  und  der  vermutlich
von  dem  Stecher  Cornelius  Danckerts  herrührt.  Das  Leydener
Exemplar  ist  ein  Unikum  und  es  ist  ein  nicht  vollendeter
Probedruck.  Einzelne  Teile  sind  erst  nur  mit  roter  Kreide
angedeutet  und  viele  Partien  des  Planes  mit  der  Feder  gezeichnet. ­
  Jedenfalls  hat  dieser  Fund  den  holländischen  Verfasser
in  die  Lage  gesetzt,  weit  zuverlässiger,  als  man  bisher  dazu
in  der  Lage  war,  Rembrandt  auf  seinen  Wanderungen  in  und  um
Amsterdam  zu  begleiten.  Dabei  ergeben  sich  auf  Schritt  und
Tritt  neue  Funde;  immer  wieder  ist  es  Lugt  gelungen,  die
Örtlichkeiten  von  Rembrandts  Zeichnungen  und  Radierungen
genau  festzustellen.  Da  befindet  sich  zum  Beispiel  in  der
Sammlung  Fodor  eine  bekannte  Zeichnung  vom  Westertor,
von  der  man  sich  immer  gedacht  hat,  daß  Rembrandt  sie  entweder ­
  in  einem  Atelier  in  der  Blumengracht  oder  aber  in  seiner
letzten  Wohnung  in  der  Rosengracht  angefertigt  hat.  Lugt  kann
jetzt  den  zuverlässigen  Beweis  führen,  wo  Rembrandt  gestanden
hat,  als  er  diese  Zeichnung  machte:  er  stand  auf  dem  flachen
Plane  zwischen  der  Leliegracht  und  der  neuen  Leliestraße.
Eine  dem  Louvre  gehörige  Zeichnung  einer  Landschaft  mit
Steinbrücke  Stellte  sich  dar  als  ein  Blick  auf  die  Grimesse-Schleuse,
  und  zwar  von  der  Ostseitc  her.  Viele  prächtige  Zeichnungen ­
  hat  Rembrandt  in  der  unmittelbaren  Nachbarschaft
seiner  Wohnung  in  der  Breestraße  angefertigt,  deren  Motive
jetzt  genau  photographisch  festgestellt  werden  konnten.  Aber
der  Meister  hat  sich  nicht  auf  seine  Straße  und  deren  nähere
Umgebung  beschränkt.  Mit  Zeichenstift  und  Radiernadel
umwanderte  er  den  ganzen  Umfang  der  damaligen  Stadt,  ging
er  alle  Bollwerke  entlang,  erstieg  den  Deich,  marschierte  dann
wieder  an  seinem  Fuße  und  blickte  auf  die  vielen  Mühlen,
die  da  oben  ihre  Räder  drehten.  Mit  besonderer  Vorliebe  suchte
er  auch  die  gekrümmte  Amstel  auf  und  zeichnete  die  zahlreichen ­
  Ausspannplätze,  Hofstellen  und  Lusthäuser  an  dem
Flusse.  So  kann  man  jetzt  mit  Sicherheit  behaupten,  daß  eine
richtige  Zusammenstellung  der  Zeichnungen  und  Radierungen
Rembrandts  uns  ein  vollständiges  und  neues  Bild  davon  vermittelt,
  wie  Rembrandt  Amsterdam  sah.

(Erhaltung  alter  kupferner  Gegenstände.)  Der
Verein  für  Kupferschmiedereien  Deutschlands  schreibt:  Zurzeit ­
  werden  beträchtliche  Mengen  an  kupfernem  und  messingenem ­
  Haus-  und  Küchengerät  für  Kriegszwecke  gesammelt.
Der  beabsichtigte  gute  Zweck  wird  dabei  mit  einer  Hergabc
von.  Waschkesseln,  Kasserollen  und  ähnlichen  Kupfergeräten
gewiß  erreicht.  Bedauerlich  wäre  es  jedoch,  wenn  eigenartige
alte  Kupfergeräte,  die  besondere  Ausführungsweisen  oder
seltene  alte  Formen  zeigen,  ebenfalls  dem  Schmelztiegel  verfallen ­
  sollten.  Da  übrigens  solche  alte  Kupfergegenstände
fast  durchwegs  in  dünnwandigen  Material  hergestellt  sind,
also  meist  ein  sehr  geringes  Kupfergewicht  besitzen,  so  wäre
ihr  Nutzen  als  Schmelzgut  verschwindend  klein.  Es  ist  sicher,
daß  durch  ein  Wahlloses  Einschmelzen  solcher  kupferner
Sammelgeräte  viele  schöne  Stücke  für  immer  verloren  wären,
die  häufig  seit  Menschenaltern  als  unveräußerlicher  Familienschatz ­
  aufs  sorgsamste  gehütet  wurden  und  im  kulturhistorischen, ­
  bisweilen  auch  im  technischen  Sinne  einen  geradezu
unersetzlichen  Wert  aufweisen.  Wie  spärlich  kupferner  Zierrat
aus  dem  Hause  unserer  Vorväter  überhaupt  nur  noch  vorhanden
isi,  wie  z.  B.  die  Salzmetze,  das  Zahlbrett,  der  Handscherben
die  Wassergölte,  die  Salatschwinge  usw.,  das  hat  die  Ausstellung ­
  des  Jahres  1914  in  Hannover  bei  Gelegenheit  des
25jährigen  Jubiläums  des  Vereines  deutscher  Kupferschmiedereien ­
  deutlich  gezeigt.  Die  Mahnung  zur  Erhaltung  gilt
ferner  solchen  Kupfergeräten,  die  schöne  alte  Meisterstücke
darstellen,  sei  es,  daß  diese  in  einer  schwierigen  Arbeitstechnik
ausge.'ülirt  sind,  oder  irgend  alte  Handwerkstüchtigkeit  oder
technische  Besonderheiten  nachweisen.  Die  Beschlagnahmeverordnungen ­
  geben  für  die  wünschenswerte  Sonderbehaltung
der  erwähnten  Kupfergeräte  keinen  Anhalt,  wohl  aber  sind
durch  die  Ausführungsbestimmungen  fast  durchweg  Kunstgegenstände ­
  für  beschlagnahm  efi  ei  erklärt  worden.  Es  ist  nun
dringend  zu  wünschen,  daß  die  zuständigen  Behörden  und
Sachverständigen  überall  die  Kupfergeräte  von  besonderer
Bedeutung  für  Kunst,  Technik  oder  deren  Entwicklung  als
beschlagnahmefrei  bezeichnen  und  danach  behandeln.  —  Ähnliche ­
  Maßnahmen  wären  auch  bei  uns  lebhaft  zu  wünschen.
(Wertzuwachssteuer  bei  Kunstwerken.)  Ernst
Geiger  macht  in  der  ,,Neuen  Züricher  Zeitung“  folgenden
Vorschlag:  Der  Künstler,  der  ein  Werk  verkauft,  erhält
als  Entgelt  für  sein  Schaffen  oft  nur  einen  Bruchteil
dessen,  was  gelegentlich  schon  nach  Jahren  dafür  bezahlt  wird.
Um  die  Ungerechtigkeit,  die  darin  liegt,  zu  mildern,  ist  im  Auslande ­
  schon  oft  die  Forderung  vertreten  worden,  es  sei  durch
gesetzliche  Bestimmungen  dafür  zu  sorgen,  daß  ein  Prozentsatz ­
  des  Wertzuwachses  bei  Handänderungen  von  Kunstwerken ­
  an  den  Künstler  oder  dessen  Erben  falle.  Bei  uns  freilich
ist  dieser  Gedanke  noch  kaum  gestreift  worden.  Denn  unserem
Land  fehlt  die  Künstlerschaft,  die  sich  in  wirtschaftlichen
Fragen  wenigstens  auf  einen  Augenblick  verständigen  könnte.
Dies  zeigt  die  Geschichte  der  Künstler-Unterstützungsfrage.
Deshalb  müssen  bei  uns  die  Kunstfreunde  einspringen,  wo  es
gilt  den  bedrängten  Künstlern  zu  helfen,  und  da  gehen  die
Kunstfreunde  von  Zürich  mit  gutem  Beispiel  voran.  Nächstens
bietet  sich  nun  eine  Gelegenheit,  in  der  Frage  der  Wertzuwachssteuer ­
  einen  freiwilligen  Schritt  zu  tun,  der  einer  späterer,
gesetzlichen  Regelung  gut  Vorarbeiten  würde.  Wir  meinen
die  Ausstellung  der  Werke  von  Max  Buri.  An  dieser  Ausstellung ­
  werden  zweifellos  eine  Anzahl  Werke  ihren  Besitzeiwechseln ­
  und  zwar  zu  Preisen,  die  diejenigen  stark  übersteigen
dürften,  welche  der  Künstler  dafür  erhalten  hat.  Soviel  man
hört,  hat  Buri  keine  irdischen  Güter  gesammelt.  Auch  hat  er
kaum  viele  Bilder  in  den  Händen  seiner  Angehörigen  zurückgelassen. ­
  Es  erscheint  deshalb  als  Ehrenpflicht  der  Besitzer
von  Werken  Buris,  die  mit  diesen  Bildern  einen  Gewinn  erzielen, ­
  wenigstens  auf  einen  kleinen  Teil  des  Gewinnes  zugunsten ­
  der  Hinterlassenen  des  Künstlers  zu  verzichten.
Unser  Vorschlag  geht  deshalb  dahin,  die  Züricher  Kunstgesellschaft ­
  möchte  bestimmen,  daß  ein  Prozentsatz  des
Wertzuwachses  in  der  Ausstellung  verkaufter  Bilder  ordnungsgemäß
  zugunsten  der  Familie  des  Künstlers  zurückbehalten
            
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