MAK
Seite 20 
internationale Sammler- Zeitung 
Nr. 2 
Die zweite von Heller gemachte Ausstellung hatte 
einen größeren äußeren Erfolg, weil sie im Zeichen der 
Aktualität stand. Unter dem Schlagwort „Kind und 
Kr ieg“ hatten mehrere Zeichenlehrer Blätter gesammelt, 
auf denen Schulkinder mit Stift und Farbe gewisser 
maßen als Schulaufgabe Stellung zum Krieg nahmen. 
Das Kind als Künstler ist nicht Neues mehr, immer 
hin aber steht man verblüfft vor der künstlerischen 
Kraft, die in ihm, gewöhnlich ohne daß wir es wissen, ver 
borgen liegt. Die Ausstellung war also besonders für 
jene interessant, die noch nicht gewußt haben, daß Kin 
der zeichnen und malen können. Es fällt natürlich nie 
mandem ein, einen rein künstlerischen Maßstab an diese 
Erzeugnisse kindlicher Phantasie zu legen. Diese ist es, in 
deren Zeichen alle Werkchen geschaffen sind, Persönlich 
keit oder Mangel an Eigenem verraten. 
In der Gruppe der kleinen Aussteller ließen sich leicht 
mehrere Teilgruppen unterscheiden. Bei gar manchem 
Blatt war deutlich erkennbar, daß der Lehrer bei 
Idee und Ausführung Pathe stand. Neben diesen noch 
Unselbständigen hob sich die zweite Teilgruppe ab, 
deren Repräsentanten ihre Schöpfungen zum Thema 
„Krieg" nur im Nachklang zu mehr oder weniger 
schlechten Kriegsillustrationen aus Tages- und Wochen 
journalen hervorbrachten. 
Diese Minderwertigen weit überragend, bot die dritte 
Teilgruppe aus eigener Phantasie selbständig geborene 
Werke. Vor diesen blieb der Betrachter gefesselt stehen 
und konnte sich nicht einer freudigen Bewunderung 
erwehren. Ganz eigenartige Wirkungen strahlten aus 
den Blättern aus. Zwischen dem primitiven Stil des 
Kindes und der Primitivität der japanischen Malerei 
tun sich erstaunlich enge Beziehungen auf. Aus beiden 
spricht nahe verwandte Naivität. Es sind klassische 
Dokumente des Kindkünstlers. 
Mit diesen drei Expositionen ist erschöpft, was uns 
die Wiener Kunstsalons im Kriege boten. Es wird hoffent 
lich bald Nachfolgen haben. Ist der materielle Erfolg 
auch nicht entsprechend, so ist mit Ausstellungen doch 
kein zu großes Risiko verbunden, und vor allem dürften 
jene Unternehmer, die im Kriege die Fahne der Kunst 
hochhielten, im Frieden ihre Vorteile daraus ziehen. 
Eine besondere Stelle im Wiener Kunstleben nimmt 
die Gemäldeausstellung „Unser Kaiser“ ein, die, 
im Festsaal des Militärkasinos untergebracht, zugunsten 
des Witwen- und Waisenhilfsfonds und des Roten Kreuzes 
veranstaltet wurde. Also zu einem edelmenschlichen 
Zweck, der im vorhinein verbietet, die scharfe Klinge 
der Kritik als Maßstab anzulegen. Es sei jedoch die 
Beteiligung hervorragendster Künstler betont, was den 
künstlerischen Eindrücken wesentlich zugute kam. 
Namen, wie Egger-Lienz, Poosch, Koch, Zasche, 
Geller, Horovitz, Delitz, Gsur und viele andere geben 
eine stattliche Parade mit interessanten persönlichen 
Differenzierungen des Themas „Der Kaiser“. Die zu 
meist repräsentative Auffassung gab oft zu dekorativen 
Wirkungen Anlaß. 
Im Nachtrag zu den eingangs gegebenen Aus 
führungen muß im allgemeinen die schwere Stellung 
zugegeben werden, in der sich die Ausstellungsunter 
nehmer gegenwärtig befinden. Der Abgang vieler junger 
Künstler ins Feld, besonders aber der Mangel junger 
Elemente unter den Kunstfreunden, der dadurch ent 
fallende Impuls, der von den jüngeren wie eine Welle 
ausgeht und die Älteren mit sich reißt und andererseits 
die Leben ausstrahlenden Wechselbeziehungen zwischen 
den Geschlechtern schafft — ; das sind Hemmnisse, 
unter welchen seriöse Ausstellungen naturgemäß leiden 
müssen. Es ist auch nicht möglich, hierin vorläufig 
an eine Änderung zu denken. Wenn aber, wie es geschieht, 
behauptet wird, daß in dieser Zeit die innere Sammlung 
der Menschen durch den Krieg leidet und auch infolge 
dessen das Interesse für die bildende Kunst gering sei, 
so soll erwidert werden, daß zum Interesse erzogen 
werden kann. Über das kann man nur durch fortwähren 
des Versuchen klar werden. 
Für den Krieg gilt mehr als für andere Zeiten die 
Währung des Wortes: „Probieren geht übers Studieren!“ 
Kriegskarten. 
Im Mittelalter und auch noch in der Renaissancezeit wußte 
man nicht viel von militärischer Topographie. Erst gegen Ende 
des dreißigjährigen Krieges tauchten bildliche Darstellungen 
topographischen Charakters auf, die aber von der modernen 
Landesaufnahme noch weit entfernt waren und der Krieg 
führung nur recht bedingt dienen konnten. 
Die eigentliche Militärtopographie in ihren primitiven 
Anfängen läßt sich zur Zeit des spanischen Erbfolgekrieges 
(1701 bis 1714) feststellen, wie dies ein interessanter Aufsatz 
im neuen Heft der „Stimmen der Zeit“ näher ausführt. Zur 
Schaffung einer besonderen militärgeographischen Abteilung, 
zu ihrer Trennung von den Diensten der Ingenieure aber kam 
es erst unter Maria Theresia und Joseph II., als diese Auf 
gaben dem Generalquartiermeisterstab, dem Vorläufer unseres 
heutigen Generalstabes, zuerteilt wurde. In Frankreich gab es 
schon vorher ein ausdrückliches Korps des Ingenieurs-Geogra- 
phes, das einen guten Ruf hatte, so daß noch bis zum Jahre 
1717 oft von Österreich derartige Beamte aus Frankreich 
herübergeholt wurden; ihr Werk wurde mit solcher Vorsicht 
geheimgehalten, daß noch im Jahre 1802 kein Kartenwerk an 
einen Offizier ohne besondere Genehmigung des General 
quartiermeisters ausgeliehen wurde. Wenn man bedenkt, daß 
heute fast jede Tageszeitung kurz vor oder nach einer bedeuten 
deren Schlacht eine Kartenskizze bringt, versteht man ohne 
weiteres die große Entwicklung militärgeographischer Wissen 
Schaft. 
Daß sich unter den ersten Kriegskarten Stücke von hohem 
Werte befinden, ist klar. So besitzt das österreichische Kaiser 
haus aus all den vielen Kriegen nicht weniger als 5605 Werke 
mit 9729 zum größten Teile gezeichneten Blättern. Als Curiosa 
seien hier genannt: eine Federzeichnung des Zuges Karls V. 
nach Tunis 1535, die beim Untergange des kaiserlichen Feld 
archivs dem Sturm des Meeres entrissen worden sein soll; 
ferner Originalzeichnungen des Kapitäns Ricci aus der Zeit 
des dreißigjährigen Krieges, die Belagerung von Heidelberg 
und Mannheim darstellend; ferner die beiden großen hand 
schriftlichen Seekarten der Münchener Armeebibliothek, welche 
über die Entdeckungen in Amerika, Afrika, Asien bis zum 
Jahre 1506 zeitgenössische Kunde geben. 
Daß derartige Schätze im Augenblick ausbrechender Kriege 
an sich weniger praktischen Wert haben als wissenschaftlichen, 
liegt auf der Hand. Aber ohne ihr Vorhandensein würde unsere 
militärische Landeskartierung kaum auf einer so vorbildlichen 
Höhe stehen und ihren Hauptzweck erreicht haben: bei charak 
teristischer Wiedergabe des Geländes nach seiner Gruppen 
verteilung von genau abmeßbarer Projektion jedes Einzel 
gegenstandes abzusehen und namentlich auf leicht lesbare 
Wiedergabe des Bodenreliefs Wert zu legen.
	        
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