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Internationale Sammler- Zeitung
Nr. 2
Ketten nicht durchschnitten werden. Natürlich'werden
auch diese Arbeiten am besten durch erfahrene Kräfte
ausgeführt.
Daß alle Textilerzeugnisse gegen Feuchtigkeit und
Licht geschützt werden müssen, braucht wohl nicht
besonders begründet zu werden.
Gegen Motten bleibt zeitweiliges Nachsehen
immer noch das beste Mittel, doch können die
üblichen Mittel (besonders sogenanntes persisches
Insektenpulver aus dalmatinischen Kamillenarten
usw.) den Zuflug eierlegender Motten erschweren.
Zum Versenden und Verwahren verwende man,
wo Gold- und Silberfäden vorhanden sind, nur sogenanntes
entschwefeltes (richtig chlorfreies) Seidenpapier,
da die Metallfäden sonst überraschend schnell
schwarz werden; auch darf man, was besonders für Landpfarren
und deren Sakristeien zu beachten ist, solche
Gegenstände nicht in der Nähe von Ställen oder anderen
Orten bringen, die Ammoniak oder andere Verbindungen
verbreiten, wodurch gleichfalls die Metallfäden sehr
leiden. Schwere Kirchengewänder lege man lieber
(in mehrfach gewaschene Leinwand eingeschlagen),
da beim Hängen das eigene Gewicht zerstörend einwirkt.
Spitzen und Leinwand hebe man mit Lavendel
oder anderen Kräutern auf, die ätherische Öle verbreiten,
da diese vor dem Ansetzen zerstörender Pilze (sogenannter
„Eisenflecken“) bewuhren.
Zürcher Wiegendrucke.
Man berichtet uns aus Zürich:
Der Zeugnisse für die älteste Buchdruckerkunst
in Zürich, der Inkunabeln oder Wiegendrucke, sind gar
wenige; sie lassen sich bis 1520 an den Fingern abzählen.
Umso erfreulicher ist jeder Fund, der sie unverhofft
vermehrt. In der letzten Sitzung der Antiquarischen
Gesellschaft konnte Herr Dr. Hans Barth, der zweite
Bibliothekar der Züricher Stadtbibliothek, der Gesellschaft
die photographische Wiedergabe zweier Zürcher
Einblattdrucke, des beginnenden 16. Jahrhunderts
vorlegen..
Bis in die jüngste Zeit kannte man keinen zürcherischen
Druck vor dem Jahre 1500. Im Zürcher Taschenbuche
1899 hat aber F. Schiffmann den Nachweis
versucht, daß im Jahre 1480 wohl im Dominikanerkloster
in Zürich die von dem Dominikaner Albertus de Albo
Lapide (Weißenstein) verfaßte Jubiläumsschrift zu
Ehren des Papstes Sixtus IV. gedruckt worden ist.
Ein absolut sicherer Beweis für Zürich als Druckort
hegt zwar nicht vor; doch findet die Hypothese die
Zustimmung des Erstellers des Typenrepertoriums,
Haebler. Der Drucker hatte offenbar kein reiches
Letternmaterial. Der erste sichere Zürcher Einblattdruck
war bisher die Einladung zum großen Schützenfest
in Zürich 1504; nach einer Rechnungsnotiz ist diese
von Hans Rüegger gedruckt. Der Kalender von 1508
enthält den Druckvermerk des Hans am Wasen in
Zürich. Dem ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts
gehört schließlich noch ein Psalter Marias an, der einen
Holzschnitt mit Maria in der Strahlenglorie und mit dem
Kinde enthält. Die von P. Schweizer im „Anzeiger
für Schweiz. Altertumskunde“ 1885 veröffentlichte
kleine Liste von Buchdruckern, Papiermachern und
Pergamentern, die vor dem Jahre 1500 zu Bürgern angenommen
worden sind, beweist, daß in Zürich zwar sicher
schon am Ausgange des 15. Jahrhunderts gedruckt
worden ist, daß aber die Druckertätigkeit keine umfassende
gewesen sein wird.
Zu den erwähnten vier Zeugnissen sind nun weitere
zwei gekommen, und zwar bei Gelegenheit der Erstellung
des Welt-Inkunabcln-Inventars. In letzterem, seit etwa
zehn Jahren von der preußischen Regierung in die Hand
genommenen Inventare sollen alle Drucke der Welt
vor dem Jahre 1500 verzeichnet werden. Die Vereinigung
schweizerischer Bibliothekare hat glücklicherweise
die Sammlung für die Schweiz bereits durchgeführt;
das Weltunternehmen selbst fällt vielleicht dem jetzigen
Kriege zum Opfer. Für die Schweiz ergab sich das
schöne Resultat von etwa 12.000 Inkunabeln. Der
Löwenanteil fällt mit über 2000 auf Basel. Die zürcherische
Kantonbibliothek weist 800, die Stadtbiliothek
700 auf. Bei der Durchmusterung im Kapuzinerkloster
zu Dornachbrugg fanden sich in einem Buchdeckel
zwei bisher unbekannte Einblattdrucke. Im
oberen Teil befindet sich ein Holzschnitt, im unteren ein
Gebet zur Mutter Gottes. Der große Holzschnitt des
einen Blattes läßt die gekrönte Maria in der mit ihrem
Haare gebildeten Strahlenglorie, das Jesuskind auf dem
linken Arme, sehen. Die Ecken sind mit vier Engeln
gefüllt, die als Chorknaben gedacht und gekleidet sind.
Einen ähnlichen Typus der Maria mit Beiwerk weist die
Kalenderrückseite von 1508 auf. Dort setzen zwei
geflügelte Engel, die ebenfalls als Chorknaben charakterisiert
sind, Maria die sternenbesetzte Krone auf.
Die umgekehrte Haltung findet sich auf dem Titel des'
bereits erwähnten Psalters von Sixt Buchsbaum; die
: ganze Ausführung des Holzschnittes ist aber ähnlich.
Eine ähnliche Mariendarstellung findet sich auch auf
der Rückseite der septem horae canonicae virgineae
matris Mariae, eines gedruckten Marienbreviers, das
Dekan Albrecht v. Bonstetten in Einsiedeln 1493
verfaßt hat, schließlich auch auf dem Siegel der Universität
Basel. Dieses eine Blatt trägt den Vermerk:
gedruckt zu Zürich 1504. Auch die Sprache weist dasselbe
ohne weiteres in unsere Gegend. Das zweite Blatt
enthält zwei Bilder der Maria und den Druckort Zürich,
nicht aber das Druckjahr; doch weisen die Lettern auch
in die Zeit von 1504.
Eine Untersuchung der Lettern ergibt, daß sämtliche
obigen für Zürich gesicherten oder beanspruchten alten
Drucke mit den gleichen Lettern gedruckt worden sind.
Die Untersuchung erfolgte auf Grund der Haeblerschen
Methode: Vergleichung des großen M und Zeilenmessung.
Als Schlußfolgerung ergibt sich die Zuweisung
der beiden neugefundenen Einblattdrucke zur Druckerei
des Hans am Wasen.