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MAK

Full text : Jahrgang 7 (1915) (2)

Seite  24

Internationale  Sammler-  Zeitung

Nr.  2

Ketten  nicht  durchschnitten  werden.  Natürlich'werden
auch  diese  Arbeiten  am  besten  durch  erfahrene  Kräfte
ausgeführt.
Daß  alle  Textilerzeugnisse  gegen  Feuchtigkeit  und
Licht  geschützt  werden  müssen,  braucht  wohl  nicht
besonders  begründet  zu  werden.
Gegen  Motten  bleibt  zeitweiliges  Nachsehen
immer  noch  das  beste  Mittel,  doch  können  die
üblichen  Mittel  (besonders  sogenanntes  persisches
Insektenpulver  aus  dalmatinischen  Kamillenarten
usw.)  den  Zuflug  eierlegender  Motten  erschweren.
Zum  Versenden  und  Verwahren  verwende  man,
wo  Gold-  und  Silberfäden  vorhanden  sind,  nur  sogenanntes ­
  entschwefeltes  (richtig  chlorfreies)  Seidenpapier, ­

  da  die  Metallfäden  sonst  überraschend  schnell
schwarz  werden;  auch  darf  man,  was  besonders  für  Landpfarren ­
  und  deren  Sakristeien  zu  beachten  ist,  solche
Gegenstände  nicht  in  der  Nähe  von  Ställen  oder  anderen
Orten  bringen,  die  Ammoniak  oder  andere  Verbindungen
verbreiten,  wodurch  gleichfalls  die  Metallfäden  sehr
leiden.  Schwere  Kirchengewänder  lege  man  lieber
(in  mehrfach  gewaschene  Leinwand  eingeschlagen),
da  beim  Hängen  das  eigene  Gewicht  zerstörend  einwirkt. ­

Spitzen  und  Leinwand  hebe  man  mit  Lavendel
oder  anderen  Kräutern  auf,  die  ätherische  Öle  verbreiten,
da  diese  vor  dem  Ansetzen  zerstörender  Pilze  (sogenannter ­
  „Eisenflecken“)  bewuhren.

Zürcher  Wiegendrucke.

Man  berichtet  uns  aus  Zürich:
Der  Zeugnisse  für  die  älteste  Buchdruckerkunst
in  Zürich,  der  Inkunabeln  oder  Wiegendrucke,  sind  gar
wenige;  sie  lassen  sich  bis  1520  an  den  Fingern  abzählen.
Umso  erfreulicher  ist  jeder  Fund,  der  sie  unverhofft
vermehrt.  In  der  letzten  Sitzung  der  Antiquarischen
Gesellschaft  konnte  Herr  Dr.  Hans  Barth,  der  zweite
Bibliothekar  der  Züricher  Stadtbibliothek,  der  Gesellschaft ­
  die  photographische  Wiedergabe  zweier  Zürcher
Einblattdrucke,  des  beginnenden  16.  Jahrhunderts
vorlegen..
Bis  in  die  jüngste  Zeit  kannte  man  keinen  zürcherischen ­
  Druck  vor  dem  Jahre  1500.  Im  Zürcher  Taschenbuche ­
  1899  hat  aber  F.  Schiffmann  den  Nachweis
versucht,  daß  im  Jahre  1480  wohl  im  Dominikanerkloster
in  Zürich  die  von  dem  Dominikaner  Albertus  de  Albo
Lapide  (Weißenstein)  verfaßte  Jubiläumsschrift  zu
Ehren  des  Papstes  Sixtus  IV.  gedruckt  worden  ist.
Ein  absolut  sicherer  Beweis  für  Zürich  als  Druckort
hegt  zwar  nicht  vor;  doch  findet  die  Hypothese  die
Zustimmung  des  Erstellers  des  Typenrepertoriums,
Haebler.  Der  Drucker  hatte  offenbar  kein  reiches
Letternmaterial.  Der  erste  sichere  Zürcher  Einblattdruck ­
  war  bisher  die  Einladung  zum  großen  Schützenfest
in  Zürich  1504;  nach  einer  Rechnungsnotiz  ist  diese
von  Hans  Rüegger  gedruckt.  Der  Kalender  von  1508
enthält  den  Druckvermerk  des  Hans  am  Wasen  in
Zürich.  Dem  ersten  Jahrzehnt  des  16.  Jahrhunderts
gehört  schließlich  noch  ein  Psalter  Marias  an,  der  einen
Holzschnitt  mit  Maria  in  der  Strahlenglorie  und  mit  dem
Kinde  enthält.  Die  von  P.  Schweizer  im  „Anzeiger
für  Schweiz.  Altertumskunde“  1885  veröffentlichte
kleine  Liste  von  Buchdruckern,  Papiermachern  und
Pergamentern,  die  vor  dem  Jahre  1500  zu  Bürgern  angenommen ­
  worden  sind,  beweist,  daß  in  Zürich  zwar  sicher
schon  am  Ausgange  des  15.  Jahrhunderts  gedruckt
worden  ist,  daß  aber  die  Druckertätigkeit  keine  umfassende ­
  gewesen  sein  wird.
Zu  den  erwähnten  vier  Zeugnissen  sind  nun  weitere
zwei  gekommen,  und  zwar  bei  Gelegenheit  der  Erstellung
des  Welt-Inkunabcln-Inventars.  In  letzterem,  seit  etwa
zehn  Jahren  von  der  preußischen  Regierung  in  die  Hand
genommenen  Inventare  sollen  alle  Drucke  der  Welt

vor  dem  Jahre  1500  verzeichnet  werden.  Die  Vereinigung ­
  schweizerischer  Bibliothekare  hat  glücklicherweise ­
  die  Sammlung  für  die  Schweiz  bereits  durchgeführt;
das  Weltunternehmen  selbst  fällt  vielleicht  dem  jetzigen
Kriege  zum  Opfer.  Für  die  Schweiz  ergab  sich  das
schöne  Resultat  von  etwa  12.000  Inkunabeln.  Der
Löwenanteil  fällt  mit  über  2000  auf  Basel.  Die  zürcherische ­
  Kantonbibliothek  weist  800,  die  Stadtbiliothek
700  auf.  Bei  der  Durchmusterung  im  Kapuzinerkloster
zu  Dornachbrugg  fanden  sich  in  einem  Buchdeckel
zwei  bisher  unbekannte  Einblattdrucke.  Im
oberen  Teil  befindet  sich  ein  Holzschnitt,  im  unteren  ein
Gebet  zur  Mutter  Gottes.  Der  große  Holzschnitt  des
einen  Blattes  läßt  die  gekrönte  Maria  in  der  mit  ihrem
Haare  gebildeten  Strahlenglorie,  das  Jesuskind  auf  dem
linken  Arme,  sehen.  Die  Ecken  sind  mit  vier  Engeln
gefüllt,  die  als  Chorknaben  gedacht  und  gekleidet  sind.
Einen  ähnlichen  Typus  der  Maria  mit  Beiwerk  weist  die
Kalenderrückseite  von  1508  auf.  Dort  setzen  zwei
geflügelte  Engel,  die  ebenfalls  als  Chorknaben  charakterisiert ­
  sind,  Maria  die  sternenbesetzte  Krone  auf.
Die  umgekehrte  Haltung  findet  sich  auf  dem  Titel  des'
bereits  erwähnten  Psalters  von  Sixt  Buchsbaum;  die
:  ganze  Ausführung  des  Holzschnittes  ist  aber  ähnlich.
Eine  ähnliche  Mariendarstellung  findet  sich  auch  auf
der  Rückseite  der  septem  horae  canonicae  virgineae
matris  Mariae,  eines  gedruckten  Marienbreviers,  das
Dekan  Albrecht  v.  Bonstetten  in  Einsiedeln  1493
verfaßt  hat,  schließlich  auch  auf  dem  Siegel  der  Universität ­
  Basel.  Dieses  eine  Blatt  trägt  den  Vermerk:
gedruckt  zu  Zürich  1504.  Auch  die  Sprache  weist  dasselbe ­
  ohne  weiteres  in  unsere  Gegend.  Das  zweite  Blatt
enthält  zwei  Bilder  der  Maria  und  den  Druckort  Zürich,
nicht  aber  das  Druckjahr;  doch  weisen  die  Lettern  auch
in  die  Zeit  von  1504.
Eine  Untersuchung  der  Lettern  ergibt,  daß  sämtliche
obigen  für  Zürich  gesicherten  oder  beanspruchten  alten
Drucke  mit  den  gleichen  Lettern  gedruckt  worden  sind.
Die  Untersuchung  erfolgte  auf  Grund  der  Haeblerschen
Methode:  Vergleichung  des  großen  M  und  Zeilenmessung. ­
  Als  Schlußfolgerung  ergibt  sich  die  Zuweisung
der  beiden  neugefundenen  Einblattdrucke  zur  Druckerei
des  Hans  am  Wasen.
            
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