Nr. 2
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Internationale Sammler- Zeitung
Ein anderer Herr meinte, daß die bildnerischen und begrifflichen
Vorstellungen in unserem Bewußtsein mit den sich
augenblicklich aufdrängenden Tatsachen mit einem Haufen
von aus Illustrationen mit und ohne Text bestehender Druckmakulatur
verglichen werden können. Wie Affektionen aus
dem Bewußtseinschaos Einzelvorstellungen, dann Reihen von
Komplexionen von solchen an die Oberfläche zur Deutlichkeit
treiben, so können von einem ordnenden Geist unter Umständen
aus dem Wust von Makulatur zusammengehörige Reihen von
Vorstellungen und Bilder, entnommen werden. Letzterer
kann wieder mit einem Tonkünstler verglichen werden, der
dem Instrument einen Ton, eine Melodie, einen Akkord zu
entlocken vermag.
Im Anschluß teilte, er mit, daß einst bei einem Hausund
Villenbesitzer ein armer Hauslehrer sich erbötig gemacht
hatte, aus der im Kellerraum vorfindliehen illustrierten Makulatur
und den Bilderrahmen Bilder für die Wände des Gartenhauses
zusammenzustellen. Die Reihe der Bilder begann mit
einem Probeblatt aus Faulmanns Kulturgeschichte Vogeljagd
und Fischfang der alten Ägypter, Wandgemälde
aus den Gräbern der XII. Dynastie;.es folgten dann Pompejanische
Wandmalerei, Illustrationsprobe aus Hellwalds
Kulturgeschichte; Probeblatt zu Wilperts Katakomben Roms;
Guter Hirt; Selige am Quell des lebendigen Wassers;
In Kalistus, zweite Hälfte des 4. Jahrhunderts; aus einem
Auktionskatalog Angelus Bizamanus: Die Geburt Christi;
Obseques de Saint Franfois d’Assise, ci’apres Giotto,
Probeanzeige für das Werk Leopold de Cherance S. Franjois
d’Assise; Illustrationsprobe aus Springers Kunstgeschichte
Monna Lisa von Leonardo da Vinci und Raffael, Madonna
della Sedia; Ecce homo von G. Reni und Votivbild
der Bruderschaft des heiligen Ildefonso von P. P.
Rubens; The enraged musician von William Hogarth; die
heilige Magdalcn a von Anton Raphael Mengs; Der Mann mit
dem Guckkasten von Feixl. G. Waldmüller.
Man wird wohl nicht irren, hier den Ansatz einer illustrierten
Übersicht der Geschichte der Malerei zu erblicken. Vertreten
ist die orientalische und antike Malerei, dann die vormittelalterliche
christliche Malerei, die byzantinische Malerei; ferner
der Aufschwung, die Glanzzeit, der Stillstand, der Rückgang, die
Reaktionsperiode der Malerei, schließlich auch die moderne
Malerei.
W
Neue Ausgrabungen in Pompeji.
Während der Kriegssturm, der mit rasender Gewalt über
die Lande braust, erbarmungslos viele Stätten neuer und alter
Kultur in Schutt und Trümmer legt, fördert die Ausgrabung
von Pompeji immer wieder neue Wunderwerke aus der durch
die Wut der Elemente zerstörten alten Stadt zutage, die vor
mehr als 1800 Jahren der Vernichtung entgangen sind.
In Begleitung seines mit der Aufsicht über die italienischen
Museen betrauten Abteilungsdirektors Spinazzola hat sich
in diesen Tagen der Minister Grippo nach Pompeji begeben,
um die neuen Ausgrabungen zu besichtigen. Man zeigte ihm
zunächst einen großen Balkon, dessen gewaltige Brustwehr
noch völlig unversehrt geblieben ist, die Fassade eines Hauses
mit überlebensgroßen Götterbildern, sowie ein zweites Haus
mit riesigen Plakaten, auf denen Hunderte von Anzeigen über
öffentliche Spiele und Wahlen angezeigt werden. Besonderes
Interesse zeigte der Minister aber für die jüngst ausgegrabene
großartige Waschanstalt, in der noch alles an seinem Platze
steht, und ein prunkvolles Patrizierhaus mit reichem künstlerischen
Schmuck, dessen schönstes Stück ein Altarschrein
mit Friesen und buntausgemalten Arabesken ist. Man sieht
hier Reliefbilder, die in Weiß und auf blauem Grunde den
Kampf zwischen Ilektor und Achill und die Auslösung der Leiche
Hektors durch König Priamus veranschaulichen. Neben und
hinter diesem Hause ist ein ganzes Labyrinth von Kellern,
von Gärten, von wiederhergestellten Häusern erstanden, das
in seiner Größe und Lebendigkeit außerordentlich eindrucksvoll
wirkt. Das Haus hat die Treppe bewahrt, die nach dem oberen
Stock liinaufführt, die beiden Zugangstüren, den gemalten
Deckenhimmel, der sich über die Vorhalle spannt einen Wandschrank
und Marmortische, die von Künstlerhand bemalt
sind. Überraschend an üppiger Pracht und künstlerischen Reizen
sind die Zimmer mit ihren Säulen, ihren Stuckverzierungen
und mit ihrem reichen Bildschmuck, wie er schöner und feiner
bisher in Pompeji noch nicht gefunden wurde.
Zwischen all diesen Wundern befindet sich eine Gruppe
von Skeletten, die noch die Stellungen zeigen, in denen sie der
Tod überraschte. Es wurden auf einem Platze neun Personen
gefunden, die ersichtlich in dem Keller Schutz gesucht hatten
und die die Furcht, daß der Aschenregen ihnen den Ausgang
versperren würde, schließlich nach oben getrieben hatte
wo sie an der Schwelle des hängenden Gartens den Erstickungstod
fanden und auf das Aschenbett sanken, das das Grab der
Stadt wurde. Eine der Leichen ist die eines kleinen Mädchens.
Sie umschlingt die Brust einer Erwachsenen, wahrscheinlich
auch einer Frau, als wenn sie dort Hilfe suchen wollte. Eine
andere Leiche liegt auf dem Bauch. Es ist die eines Jünglings,
der noch an den Füßen die Sandalen mit den Riemen und
den nägelbeschlagenen Schuhen trägt.
Minister Grippo teilte mit, daß er sofort nach der Wiedereröffnung
des Parlaments ein Gesetz einzubringen gedenke,
das den Hügel von Lumae, auf dem die Ausgrabungen vorgenommen
werden und wo erst kürzlich die gewaltigen Mauern
der Stadt und der Tempel des Apollo freigelegt wurden, zum
nationalen Baudenkmal erklären soll.
Chronik.
Ansichtskarten.
(Original-Lithographien.) Ein Komitee, dem hervorragende
Wiener Künstler angehören, hat sich, wie von uns
schon in der vorigen Nummer gemeldet wurde, die Aufgabe
gestellt, künstlerische Kriegsansichtskarten in mehrfarbigem
Steindruck herauszugeben und den Erlös den Kriegsfürsorgezwecken
im allgemeinen und den notleidenden Künstlern im
besonderen zuzuführen. Als Ergebnis des ersten Wettbewerbes
stellen sich die neun ersten Ansichtskarten dar: 1. „Der Abschied'
von Wilhelm Dachauer in Ried im Innkreis (Oberösterreich);
2. „Rosa Zenoch“ von Adolf Karpellus in Wien; 3. „Deutsche
Artillerie fährt auf" von Roland Strasser in Wien; 4. „St. Barbara"
von Maximilian Liebenwein in Wien; 5. „Vorpostengefecht
an der montenegrinischen Grenze“ und 6. „Schwere
Geschütze in Galizien“, beide von Otto Barth in Wien;
7. „Mit vereinten Kräften" von Valerie Petter in Wien;
8. „Die Schwester" und 9. „Der Landsturm 1914", beide