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MAK

Full text : Jahrgang 7 (1915) (2)

Nr.  2

Seite  27

Internationale  Sammler-  Zeitung

Ein  anderer  Herr  meinte,  daß  die  bildnerischen  und  begrifflichen ­
  Vorstellungen  in  unserem  Bewußtsein  mit  den  sich
augenblicklich  aufdrängenden  Tatsachen  mit  einem  Haufen
von  aus  Illustrationen  mit  und  ohne  Text  bestehender  Druckmakulatur ­
  verglichen  werden  können.  Wie  Affektionen  aus
dem  Bewußtseinschaos  Einzelvorstellungen,  dann  Reihen  von
Komplexionen  von  solchen  an  die  Oberfläche  zur  Deutlichkeit
treiben,  so  können  von  einem  ordnenden  Geist  unter  Umständen
aus  dem  Wust  von  Makulatur  zusammengehörige  Reihen  von
Vorstellungen  und  Bilder,  entnommen  werden.  Letzterer
kann  wieder  mit  einem  Tonkünstler  verglichen  werden,  der
dem  Instrument  einen  Ton,  eine  Melodie,  einen  Akkord  zu
entlocken  vermag.
Im  Anschluß  teilte,  er  mit,  daß  einst  bei  einem  Hausund ­
  Villenbesitzer  ein  armer  Hauslehrer  sich  erbötig  gemacht
hatte,  aus  der  im  Kellerraum  vorfindliehen  illustrierten  Makulatur ­
  und  den  Bilderrahmen  Bilder  für  die  Wände  des  Gartenhauses ­
  zusammenzustellen.  Die  Reihe  der  Bilder  begann  mit
einem  Probeblatt  aus  Faulmanns  Kulturgeschichte  Vogeljagd ­
  und  Fischfang  der  alten  Ägypter,  Wandgemälde
aus  den  Gräbern  der  XII.  Dynastie;.es  folgten  dann  Pompejanische

  Wandmalerei,  Illustrationsprobe  aus  Hellwalds
Kulturgeschichte;  Probeblatt  zu  Wilperts  Katakomben  Roms;
Guter  Hirt;  Selige  am  Quell  des  lebendigen  Wassers;
In  Kalistus,  zweite  Hälfte  des  4.  Jahrhunderts;  aus  einem
Auktionskatalog  Angelus  Bizamanus:  Die  Geburt  Christi;
Obseques  de  Saint  Franfois  d’Assise,  ci’apres  Giotto,
Probeanzeige  für  das  Werk  Leopold  de  Cherance  S.  Franjois
d’Assise;  Illustrationsprobe  aus  Springers  Kunstgeschichte
Monna  Lisa  von  Leonardo  da  Vinci  und  Raffael,  Madonna
della  Sedia;  Ecce  homo  von  G.  Reni  und  Votivbild
der  Bruderschaft  des  heiligen  Ildefonso  von  P.  P.
Rubens;  The  enraged  musician  von  William  Hogarth;  die
heilige  Magdalcn  a  von  Anton  Raphael  Mengs;  Der  Mann  mit
dem  Guckkasten  von  Feixl.  G.  Waldmüller.
Man  wird  wohl  nicht  irren,  hier  den  Ansatz  einer  illustrierten ­
  Übersicht  der  Geschichte  der  Malerei  zu  erblicken.  Vertreten
ist  die  orientalische  und  antike  Malerei,  dann  die  vormittelalterliche ­
  christliche  Malerei,  die  byzantinische  Malerei;  ferner
der  Aufschwung,  die  Glanzzeit,  der  Stillstand,  der  Rückgang,  die
Reaktionsperiode  der  Malerei,  schließlich  auch  die  moderne
Malerei.

W

Neue  Ausgrabungen  in  Pompeji.

Während  der  Kriegssturm,  der  mit  rasender  Gewalt  über
die  Lande  braust,  erbarmungslos  viele  Stätten  neuer  und  alter
Kultur  in  Schutt  und  Trümmer  legt,  fördert  die  Ausgrabung
von  Pompeji  immer  wieder  neue  Wunderwerke  aus  der  durch
die  Wut  der  Elemente  zerstörten  alten  Stadt  zutage,  die  vor
mehr  als  1800  Jahren  der  Vernichtung  entgangen  sind.
In  Begleitung  seines  mit  der  Aufsicht  über  die  italienischen
Museen  betrauten  Abteilungsdirektors  Spinazzola  hat  sich
in  diesen  Tagen  der  Minister  Grippo  nach  Pompeji  begeben,
um  die  neuen  Ausgrabungen  zu  besichtigen.  Man  zeigte  ihm
zunächst  einen  großen  Balkon,  dessen  gewaltige  Brustwehr
noch  völlig  unversehrt  geblieben  ist,  die  Fassade  eines  Hauses
mit  überlebensgroßen  Götterbildern,  sowie  ein  zweites  Haus
mit  riesigen  Plakaten,  auf  denen  Hunderte  von  Anzeigen  über
öffentliche  Spiele  und  Wahlen  angezeigt  werden.  Besonderes
Interesse  zeigte  der  Minister  aber  für  die  jüngst  ausgegrabene
großartige  Waschanstalt,  in  der  noch  alles  an  seinem  Platze
steht,  und  ein  prunkvolles  Patrizierhaus  mit  reichem  künstlerischen ­
  Schmuck,  dessen  schönstes  Stück  ein  Altarschrein
mit  Friesen  und  buntausgemalten  Arabesken  ist.  Man  sieht
hier  Reliefbilder,  die  in  Weiß  und  auf  blauem  Grunde  den
Kampf  zwischen  Ilektor  und  Achill  und  die  Auslösung  der  Leiche
Hektors  durch  König  Priamus  veranschaulichen.  Neben  und
hinter  diesem  Hause  ist  ein  ganzes  Labyrinth  von  Kellern,
von  Gärten,  von  wiederhergestellten  Häusern  erstanden,  das
in  seiner  Größe  und  Lebendigkeit  außerordentlich  eindrucksvoll
wirkt.  Das  Haus  hat  die  Treppe  bewahrt,  die  nach  dem  oberen

Stock  liinaufführt,  die  beiden  Zugangstüren,  den  gemalten
Deckenhimmel,  der  sich  über  die  Vorhalle  spannt  einen  Wandschrank ­
  und  Marmortische,  die  von  Künstlerhand  bemalt
sind.  Überraschend  an  üppiger  Pracht  und  künstlerischen  Reizen
sind  die  Zimmer  mit  ihren  Säulen,  ihren  Stuckverzierungen
und  mit  ihrem  reichen  Bildschmuck,  wie  er  schöner  und  feiner
bisher  in  Pompeji  noch  nicht  gefunden  wurde.
Zwischen  all  diesen  Wundern  befindet  sich  eine  Gruppe
von  Skeletten,  die  noch  die  Stellungen  zeigen,  in  denen  sie  der
Tod  überraschte.  Es  wurden  auf  einem  Platze  neun  Personen
gefunden,  die  ersichtlich  in  dem  Keller  Schutz  gesucht  hatten
und  die  die  Furcht,  daß  der  Aschenregen  ihnen  den  Ausgang
versperren  würde,  schließlich  nach  oben  getrieben  hatte
wo  sie  an  der  Schwelle  des  hängenden  Gartens  den  Erstickungstod ­
  fanden  und  auf  das  Aschenbett  sanken,  das  das  Grab  der
Stadt  wurde.  Eine  der  Leichen  ist  die  eines  kleinen  Mädchens.
Sie  umschlingt  die  Brust  einer  Erwachsenen,  wahrscheinlich
auch  einer  Frau,  als  wenn  sie  dort  Hilfe  suchen  wollte.  Eine
andere  Leiche  liegt  auf  dem  Bauch.  Es  ist  die  eines  Jünglings,
der  noch  an  den  Füßen  die  Sandalen  mit  den  Riemen  und
den  nägelbeschlagenen  Schuhen  trägt.
Minister  Grippo  teilte  mit,  daß  er  sofort  nach  der  Wiedereröffnung ­
  des  Parlaments  ein  Gesetz  einzubringen  gedenke,
das  den  Hügel  von  Lumae,  auf  dem  die  Ausgrabungen  vorgenommen ­
  werden  und  wo  erst  kürzlich  die  gewaltigen  Mauern
der  Stadt  und  der  Tempel  des  Apollo  freigelegt  wurden,  zum
nationalen  Baudenkmal  erklären  soll.

Chronik.

Ansichtskarten.
(Original-Lithographien.)  Ein  Komitee,  dem  hervorragende ­
  Wiener  Künstler  angehören,  hat  sich,  wie  von  uns
schon  in  der  vorigen  Nummer  gemeldet  wurde,  die  Aufgabe
gestellt,  künstlerische  Kriegsansichtskarten  in  mehrfarbigem
Steindruck  herauszugeben  und  den  Erlös  den  Kriegsfürsorgezwecken ­
  im  allgemeinen  und  den  notleidenden  Künstlern  im
besonderen  zuzuführen.  Als  Ergebnis  des  ersten  Wettbewerbes

stellen  sich  die  neun  ersten  Ansichtskarten  dar:  1.  „Der  Abschied'
von  Wilhelm  Dachauer  in  Ried  im  Innkreis  (Oberösterreich);
2.  „Rosa  Zenoch“  von  Adolf  Karpellus  in  Wien;  3.  „Deutsche
Artillerie  fährt  auf"  von  Roland  Strasser  in  Wien;  4.  „St.  Barbara" ­
  von  Maximilian  Liebenwein  in  Wien;  5.  „Vorpostengefecht ­
  an  der  montenegrinischen  Grenze“  und  6.  „Schwere
Geschütze  in  Galizien“,  beide  von  Otto  Barth  in  Wien;
7.  „Mit  vereinten  Kräften"  von  Valerie  Petter  in  Wien;
8.  „Die  Schwester"  und  9.  „Der  Landsturm  1914",  beide
            
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