MAK
Nr. 8 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 111 
Ich hatte nämlich zwei Güter, ein großes und ein 
kleines. Das große lag 50 Kilometer südöstlich von 
Lemberg an der Eisenbahnlinie nach Czernowitz, war 
eine große Herrschaft. Über sechs Dörfer dehnte sich 
der Besitz, besaß schöne Meierhöfe, und fast im Mittel 
punkte lag unser Schloß. Es stammte aus dem letzten 
Viertel des neunzehnten Jahrhunderts, war in englisch 
gotischem Stil erbaut und von einem prachtvollen alten 
Naturpark umgeben. In seinen Räumen lagen alte 
Familiensammlungen auf bewahrt. Da gab es eine reiche 
Bibliothek von 10.000 Werken in verschiedenen Spra 
chen, wertvolle Wiegendrucke, Pergamenturkunden und 
Handschriften aus dem fünfzehnten Jahrhundert. In 
den Schloßsälen hing manches köstliche Gemälde, so 
die „Olszynska grochowska“ von Adalbert Kossak, 
ein Bild in großen Dimensionen, das eine Episode der 
Schlacht bei Grochow darstellte. Eine reiche Münzen 
sammlung war vorhanden, eine Sammlung von Ritter 
rüstungen, viele antike Teppiche und Miniaturen. Und 
das alles wurde von den Russen geraubt und zerstört. 
In den ersten Septembertagen, als wir Lemberg 
dem Feind überließen, mußte auch mein Gut geräumt 
werden. Mein Gutsverwalter mit allen seinen Unter 
gebenen, denen der ganze Besitz anvertraut war, mußte 
innerhalb weniger Stunden das Gut verlassen. 616 Seelen 
waren in meinen Ortschaften noch anwesend, vorwie 
gend Frauen und Kinder. Sie bildeten eine Karawannc, 
nahmen 80 Pferde und 600 Kühe mit, und zogen unter 
unsagbaren Beschwerden und Mühsalen nach meinem 
zweiten Gut, das, 200 Kilometer entfernt, nächst Du- 
biecko bei Przemysl liegt. Vierzehn Tage währte der 
Marsch. Auf dem Wege ereigneten sich fünf Todesfälle 
und drei Frauen kamen nieder. Eine große Menge Vieh 
kam um und ging verloren. Später erfuhr ich dann von 
Augenzeugen, daß das Schloß von den Russen in bar 
barischer Weise geplündert und schließlich mit Benzin 
und Petroleum begossen und als „Feuersignal“ ange 
zündet wurde. Mein ganzer Besitz mit seinem Inventar, 
den vielen unwiederbringlichen Schätzen war vernichtet! 
Aber auch mein kleines Gütchen ist nichr mehr. Das 
Schloß, in dem mein alter Porzellankasten stand. Er 
war über dreihundert Jahre im Besitz meiner Familie. 
Das Gut war klein und auch das Schloß. Aber wie schön! 
Ganz versteckt in Fliederbüschen, besaß es die Geheim 
nisse vieler Generationen. Alles im Hause war alt. Die 
Wände waren zuletzt vor 150 Jahren tapeziert worden. 
Im ganzen Hause hatte man kein neues Stück gefunden, 
und die jüngsten Möbel stammten aus der Biedermeier 
zeit. Über dreißig uralte Uhren standen an allen Ecken 
und Enden, und wenn die Stunde schlug, da hörte man 
die Töne alter polnischer Weisen, Walzerklänge und 
Kuckucksrufe. 
Unser Liebstes aber war der alte Kasten mit dem 
Porzellan. Da gab es wunderbare Stücke und alte 
polnische Kristalle. Da war auch ein Service Alt-Wiener 
Porzellan für 60 Personen, ein Service aus der alten 
polnischen Porzellanfabrik Korzec, wahrscheinlich aus 
dem Jahre 1770, Figuren, die Kristallschalen und 
Becher trugen, schwarz-blaues Whitewood-Porzellan. 
Der Kasten war wie ein Heiligtum. Die Kinder unserer 
Familien drückten sich an der Scheibe die Nasen platt, 
und es war ein Festtag, wenn eines so ein .Stück in die 
Hand nehmen konnte, um es abzustauben. 
Unsere Dienerschaft war ebenso alt und ererbt wie 
alles im Hause, und sie waren eigentlich unsere Freunde. 
Denn schon ihre Ureltern waren auf dem Gute geboren. 
Sie verbrachten ihr ganzes Leben bei uns und ließen ihre 
Kinder als Nachfolger ihrer treuen Arbeit zurück. Ich 
erinnere mich, daß sich einmal ein achtzigjähriger 
Diener bei mir beklagt hatte, weil ihn der Koch in einem 
Streit „Lausbub“ genannt hatte. Der Diener war 65 
Jahre auf meinem Gute, aber ich mußte dem Koch recht 
geben, denn er war 95 Jahre alt und stand 80 Jahre in 
unserem Dienste. Wie wäre es möglich, dieses Heim 
mit seinen treuen Menschen nicht zu lieben, nicht, mit 
allen Fasern seines Iderzens an dieser Scholle zu hängen ? 
Als der Russe kam, war alles zu Ende! Ich hätte 
so gern wenigstens das alte Porzellan gerettet. Ich 
gebe meinem Verwalter entsprechende Aufträge, und 
man vergräbt es in einer entlegenen Waldschlucht. Die 
Russen kamen und gingen wieder. Einige Zeit später 
bekam ich von meinem Verwalter die jetzt in meiner 
unglücklichen Heimat so häufige Nachricht: „Gut 
verwüstet, Porzellan durch Verrat ausgegraben und 
weggeführt, das Haus ausgeplündert, die alten Diener 
tot.“ Zum Schluß die Worte: „Aber die Mauern stehen 
noch.“... 
Die Mauern! Es ist alles, was mir ganz von der 
Heimat geblieben ist. 
„Neue Fr. Presse.“ 
Versteigerung der Rembrandt-Sammlung Bloch in Kopenhagen. 
Die Versteigerung der Sammlung des verstorbenen Direktors 
des Kopenhagener Kupferstichkabinetts, Emil Bloch, vom 
29.—31. März war die erste graphische Auktion von Bedeutung, 
die seit Beginn des Krieges in Europa stattgefunden hat. 
Emil Bloch, der Sohn des bekannten dänischen Radierers 
Karl Bloch, von dem im Anschluß daran ein fast vollständiges 
Werk verkauft wurde, war bis vor wenigen Jahren Direktor 
des Kupferstichkabinetts der Königlichen Museen in Kopen 
hagen. Er starb hochbetagt vor etwa einem Jahr. Unter seinen 
Sammlungen, in denen sich auch viele Werke dänischer Künst 
ler befanden, zog eine Abteilung von über 100 Originalradierun 
gen Rembrantfts das Hauptinteresse auf sich. 
Unter den etwa 100 Auktionsgästen, die sich in den Räumen 
der Firma Mohr & Hoenegaards versammelten, war das 
Ausland nur durch zwei Deutsche vertreten: Herrn Richard 
Gutekunst, zurzeit'Stuttgart, und Herr Franz Meyer aus 
Dresden; die beiden Herren waren eifrige Bieter auf die kost 
barsten Stücke der Rembrandt-Sammlung und auch Erwerber. 
Das Kupferstichkabinett, vertreten durch seinen Inspektor 
Gustav Falck, sicherte sich eine Anzahl weiterer Kostbar 
keiten der Sammlung. Die übrigen Blätter gingen in dänischen 
Privatbesitz über. 
Im ganzen waren 249 Blätter in dem mit guten Reproduk 
tionen ausgestatteten Kataloge verzeichnet. Der Gesamterlös 
betrug ungefähr 63.000 dänische Kronen.; davon fiel der über 
wiegende Teil auf die 110 Rembrandtschen Radierungen und 
7500 Kronen auf eine Originalzeiclmung von Reinbrandt:. 
Durchgängig waren die Preise nicht eben hoch. 
Uber die Echtheit der Handzeichnung Rembrandts (in dem 
Verzeichnis Höfstede de Groot als Nr. 8) wird kaum Zweifel 
herrschen können ; jeder Strich zeigt deutlich die Hand des 
Meisters. Die 196 mm hohe, 180 mm breite Zeichnung ist im 
wesentlichen sehr gut erhalten, obschon etwas wasserfleckig 
und mit zweifacher falscher Bezeichnung versehen. Die Kompo 
sitionen entspricht genau derjenigen des berühmten Gemäldes 
von Christus und Maria Magdalena, 1651, in der Großherzog-
	        
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