Nr. 12
Internationale Sammler- Zeitung
Seite 117
einigten Staaten am Weltkunstbesitze in den jüngsten Jahrzehnten
gewachsen ist. So besitzt Amerika etwa ein Achtel
der Gemälde Rembiandts, nämlich etwa achtzig von
sechshundertsechzig, und von den Bildern des Velasquez
fällt ein ungefähr ebenso großer Anteil auf die Vereinigten
Staaten, nämlich zwölf von hundert. Vom Werke des Franz
Hals hat man ein Sechstel, etwa fünfzig von dreihundert,
auf Amerika zu rechnen, während die Zahl der Bilder des
Vermeer van Delft, die Amerika besitzt, sich sogar auf beinahe
ein Viertel aller Gemälde dieses Meisters, nämlich acht
von siebenunddreißig, beläuft. Nicht so günstig steht es um
den Anteil des amerikanischen Kunstbesitzes an Werken
der beiden vlämischen Großmeister Rubens und van Dyck.
Rubens, ist in den amerikanischen Sammlungen bisher verhältnismäßig
bescheiden vertreten. Valentiner, der den amerikanischen
Besitz an Rubenswerken eingehend bespricht,
kennt im ganzen gegen vierzig Gemälde seiner Hand,
darunter etwa zwanzig Skizzen, die in amerikanischen
Sammlungen sich befinden. Da der Bestand an Rubenswerken
in Europa gewdß noch annähernd tausend Bilder beträgt,
so ist die Zahl der nach Amerika ausgewanderten Schöpfungen
des Meisters als geringfügig zu bezeichnen. Was van Dyck
betrifft, so verfügen die Vereinigten Staaten über etwa 40 Gemälde
von den achthundert, auf die man ungefähr sein Gesamtwerk
berechnen darf. Das ist also auch immerhin nur eine
bescheidene Zahl von van Dyck-Gemälden, doch ist hervorzuheben,
daß der amerikanische Besitz an van Dycks durch
seine Qualität zum Teil ganz hervorragend ist. Die Sammlung
Widener, Frick u. a. zählen zu ihren Glanzstücken
ganz vorzügliche Bildnisse van Dycks aus jener Genueser Zeit,
die die Kenner als die glücklichste Schaffensperiode des Künstlers
beurteilen.
Medaillen.
(Eine neue Medaille des Erzherzogs Friedrich.)
Eine Berufung ins Hauptquartier zum Zwecke der Herstellung
einer Porträtplakette des Armeeoberkommandanten Feldmarschalls
Erzherzog Friedrich gab dem Wiener Kammermedailleur
Professor Rudolf Marschall Gelegenheit, in
wiederholten Sitzungen ein Profilporträt des Erzherzogs zu
modellieren. Die Plakette, die mit dem Namenszug des
Erzherzogs ausgestattet ist, hat der Feldmarschall persönlichen
Geschenkzwecken Vorbehalten. Eine etwas kleinere
Plakette mit dem gleichen Porträt, die an Stelle des Namenszuges
die Inschrift „Feldmarschall Erzherzog Friedrich“
trägt, gelangt für Kriegsfürsorgezwecke durch das Kriegshilfsbureau
des Ministeriums des Innern in die Öffentlichkeit.
Numismatik.
(Ausfuhr von Goldmünzen mit Liebhaberwert.)
Die deutschen Münzenhändler batten an den Reichskanzler
eine Eingabe mit der Bitte gerichtet, die durch die
Bundesratsverordnung vom 13. November 1915 verbotene
Ausfuhr gemünzten Goldes für Goldmünzen mit besonderem
Liebhaber- oder Kunstwert ausnahmsweise zu gestatten. Die
Eingabe hat Erfolg gehabt. Der Reichskanzler hat die Ausfuhr
von Goldmünzen genehmigt, „wenn deren Liebhaberwert
den Goldwert um ein Mehrfaches übersteigt und
dies durch mindestens zwei Sachverständige bescheinigt
wird“.
(Münzenfund.) Dem Museum elsässischer Altertümer
schenkte Prälat Dr. Müller-Simonis eine bei Rohr gefundene
Goldmünze des Nero. Goldstücke des Kaisers Nero
sind im Elsaß ziemlich häufig, weil der Bataveraufstand des
Jahres 69/70 auch im Elsaß viele Leute zur Vergrabung ihres
Schatzes veranlaßte.
Philatelie.
(Große Briefmarken-Auktion in Wien.) In den
Tagen vom 29, bis inkl. 31. Mai fand im Dorotheum in Wien
die Versteigerung einer hervorragenden Briefmarkensammlung
aus Wiener Privatbesitz statt, die bei außerordentlich großem
Besuche einen sensationellen Verlauf nahm. Die Sammlung
selbst, im Jahre 1860 bereits begonnen, enthielt nur erstklassige
Marken. Schon die einige Tage vorher abgehaltene
Schaustellung war ein Ereignis. Entgegen den früheren war
sie diesmal eigentlich eine wahrhafte „Ausstellung“. Alle
Raritäten, und deren gab es nicht wenige, waren, in Glaskästen
sichtbar. Diese Art Ausstellung hatte den großen Vorteil, daß
auch Nicht-Philatelisten Gelegenheit hatten, sich von den
hohen Werten einzelner Marken zu überzeugen, hatte doch
jede Briefmarke den Ausrufpreis bezeichnet. Aber die große
Sensation war die Auktion selbst. Wir sahen da die ganze
Elite der Wiener Sammlerwelt, die hervorragendsten Kenner
und Händler nicht nur Wiens, sondern auch aus dem übrigen
Österreich-Ungarn und Deutschland. Da die Sammlung fast
ausnahmslos nur aus erstklassigen Exemplaren bestand, so
versteht es sich von selbst, daß sich bei der Auktion ein lebhaftes,
einmal sogar aufregendes Interesse bekundete, und daß
oft Rekord-Preise erzielt wurden. So brachte eine Toskana
1860, 3 Lire bei einem Ausrufpreise von K 2000, K 5280;
Sachsen 1850, 3 l’f, bei K 750, K 2255; Schweiz 1843, Doppelgenf
bei K 850, K 2420; Waadt 1849, 4 Cts. bei K 700, K 2090;
Spanien. 1851, 2 Reales bei K 550, K 1540; Moldau 1858,
27 Parale bei K 900, K 2035; 54 Parale bei K 500, K 1265;
108 Parale bei K 1000, K 2530; Frankreich 1849, 1 Franc,
rotorange, bei K 375, K 1001; Neapel 1860, Trinakria bei
K 400, K 1155; Oldenburg 1859, Drittelgroschen, bei K 450,
K 1375; desgleichen 1861 moosgrün bei K 350, K 891; Schweden
1872, „Tretio“ öre (Fehldruck) bei K 300, K 1012. Die Vorarbeiten
zu dieser Auktion, zu der ein prächtig illustrierter
Katalog als Einladung und Eintrittskarte diente, wurden
vom Experten Rudolf Friedl durchgeführt, der auch als
beeideter Sachverständiger der Auktion beigezogen wurde.
Verschiedenes. .
(Badener Kunstverein.) Aus Baden bei Wien wird
uns geschrieben: In der letzten Vorstandssitzung des Badener
Kunstvereines wurde beschlossen, am 15. Juli in den Räumen
des Mädchenlyzeums die erste Kunstausstellung zu
eröffnen. Außer Badener Künstlern werden sich Mitglieder
der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens, der
„Sezession“, des Künstlerbundes, des „Hagen-Bundes“, des
Dürer-Vereines und der Vereinigung der Künstlerinnen beteiligen.
(Brotmarken im Jahre 1847.) Auf einen Vorgänger
unserer Brotmarken wird in der letzten Nummer der von
Prof. Dr. Walter herausgegebenen „Mannheimer Geschichtsblätter“
aufmerksam gemacht. In dem Teuerungsjahre 1847
gab die Armenkommission in Karlsruhe auf Grund von Brotkarten
an Bedürftige das Brot zu ermäßigten Preisen ab.
Der Text einer solchen Brotkarte lautete:
Brod-Anweisung.
Bei Abgabe gegenwärtiger Brod-Anweisung hat jeder
hiesige Bäcker für den Laib Halbweißbrod nur die
von dem Gemeinderath festgesetzte und bekannt
gemachte Brodtaxe zu fordern.
Carlsruhe, den 12. Mai 1847.
Der Gemeinderath.
(Die Rethel-Gedächtnis ausstellung in Düsseldorf.)
Aus Düsseldorf wird berichtet: Zur Erinnerung an
die hundertste Wiederkehr des Geburtstages von Alfred Retliel
ist in dem untern großen Ausstellungssaale der städtisch