MAK
Nr. 13 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 127 
Museen. 
(Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin.) Man teilt 
uns aus Berlin mit: Die Gemäldegalerie des Kaiser-Friedrich- 
Museums ist durch Schenkung des Museums Vereines um eine 
überlebensgroße Judith (Kniestück) des bisher bei uns noch 
nicht vertretenen Bernardo Strozzi bereichert worden. Zum 
schon vorhandenen Werke Adam Elsheimers trat ein 
schöner David aus Elsheimers letzter römischer Zeit, .der auf 
ein Original Caravaggios in Spada zurückgeht. Von einem 
österreichischen Maler um die Mitte des 15. Jahrhunderts 
wurde eine Verkündigung Mariä, von dem 1517 in Nürnberg 
gestorbenen Miniaturisten Jacob Elsner ein farbig sehr 
interessantes Frauenbildnis erworben. 
(Berliner Völkerkunde-Museum.) Die Sammlungen 
des Berliner Völkerkunde-Museums wurden durch eine Reihe 
interessanter Ankäufe bereichert, ln die südasiatische Abteilung 
kamen aus Siam 91 fast lebensgroße Schattenspielfiguren 
und aus Bengalen das Modell einer Hütte. Für die ost 
asiatische Abteilung wurden zwei kostbare große altchine 
sische Porzellanteller gekauft, die nach der Datierung von 
Kang-hsi stammen, einem am Ende des 17. Jahrhunderts 
tätigen Künstler. Die blaue Malerei auf weißem Grund zeigt 
sogenannte Phönixe zwischen Päonien, der breite braune 
Rand ist eine Nachahmung von Holzschnitzerei. Aus Afrika 
wurde eine über 1000 Nummern umfassende völkerkundliche 
Sammlung von den Galla und Somali erworben, dan ein bei 
den Mannbarkeitsfesten der Jaude gebrauchtes großes Schnitz 
werk und eine Anzahl ethnographischer Stücke aus Britisch- 
Afrika, Kamerun und dem ägyptischen Sudan. 
(Vom Warschauer Altertumsmuseum.) Das histo 
rische Gebäude der Fürsten von Masovien in dei Warschauer 
Altstadt gestaltet sich allmählich zu einem Museum für Alt- 
Warschau, dessen Mangel sich in der Kapitale stark fühlbar 
machte. Gegenwärtig wurden, wie die Zeitschrift ,,Polen" 
bemerkt, in den schönen Sälen bereits hundert Ansichten 
des alten Warschau vereinigt, von denen die ältesten bis zum 
16. Jahrhundert reichen, ferner Stadtpläne aus dem 17., 18. 
und 19. Jahrhundert, die eine gute Übersicht über die Ent 
wicklung der polnischen Hauptstadt gestatten. Eine Zierde 
der Sammlungen bilden auch vortreffliche Kopien vieler 
Bilder von Vogel, die Warschau am Ausgang des 18. Jahr 
hunderts darstellen, schließlich die in ihrer Art einzige Samm 
lung von kleinen Wappen der Warschauer Stadtbürger des 
16. und 17. Jahrhunderts. 
(Die Kriegsentschädigung der deutschen Museen 
an Frankreich.) Man schreibt der „Frankfurter Zeitung": 
In ihrer letzten Nummer veröffentlicht die bekannte Pariser 
Zeitschrift „Lectures pour tous" ein Verzeichnis aller jener 
Kunstwerke, die von den deutschen Museen als Ent 
schädigung für den „frevelhaft heraufbeschworenen" Krieg 
an Frankreich ausgeliefert werden müßten. Sie scheidet die 
Kunstwerke dabei in zwei Gruppen: in solche, deren Auslie 
ferung auf historischen und wissenschaftlichen Gründen beruht, 
und in solche, die deshalb an Frankreich gegeben werden 
müssen, weil der Deutsche trotz all seiner aufgewandten 
Gelehrsamkeit den wahren Wert dieser Kunstschätze doch 
nicht zu würdigen wisse 1 Zu der ersten Gruppe gehört alles, 
was in der napoleonischen Zeit nach Paris gebracht wurde 
und im Frieden des Jahres 1815 wieder zurückgegeben werden 
mußte, außerdem die Einrichtungsgegenstände aus dem 
Schloß St. Cloud, die sich im Berliner Hohenzollernmuseum 
befinden, und alle, durch ganz Deutschland verstreuten Kriegs 
und Siegestrophäen ausdem Jahre 1870 bis 1871. Zu der zweiten 
Gruppe gehören die wertvollsten Gemälde und Plastiken der 
deutschen Museen, und zwar sollen Berlin und München wegen 
der „Roheit" der preußischen und bayerischen Truppen 
besonders gestraft werden; die „Menschlickheit“ der säch 
sischen Truppen soll in der verhältnismäßigen Schonung der 
Dresdener Sammlung Anerkennung finden. In ihrem bisherigen 
Zustände bleiben in Berlin nach dem Kriege nur das Mär 
kische, und das, seiner Kunstschätze beraubte Hohenzollern 
museum. Alle französischen Gemälde der Berliner Museen, 
dazu die wertvollsten deutschen, wie etwa Menzel und italieni 
schen vor allem „Leda mit dem Schwan" von Corregio, 
die einst dem Regenten gehörte, kommen nach Paris, außerdem 
die „Pergamonausgaben" und „Der betende Knabe". Auch 
die Gemälde des Berliner Schlosses werden nach Frankreich 
geschafft. Die berühmten 13 Watteau, die 37 Pater (Paterre), 
die Bilder von Pesne, Chardin, Coypel, Houdin, Adam, Pigalle, 
das Bild Ludwigs XIV. von Mignard und Richelieus von Gi- 
rardon — sie alle sollen nach Frankreich und in den Louvre zu- 
rückkehren. Die Galerien von München und Berlin liefern 
sämtliche Rubensbilder aus, Dresden, dagegen nur Poussin 
und Claude Lorrain. Die Gemälde von Rubens, die sich in 
Wien befinden, wird Belgien erhalten. Nach Malmaison 
kommt die Einrichtung des einst von Eugen Beauharnais 
bewohnt gewesenen Leuchtenbergpalais in München, das heute 
dem Kronprinzen Ruppreclit von Bayern gehört. Durch die 
Kriegsentschädigung, die den deutschen Museen auf erlegt 
wird, ist auch Gelegenheit geboten, schmerzlich empfundene 
Lücken in den französischen Kunstsammlungen auszufüllen. 
Bisher besaß Frankreich nur weniges von den großen deutschen 
Meistern der Frühzeit, das soll jetzt anders werden. Das 
Kölner Museum wird der besten Stücke der altkölnischen 
Schule beraubt und auch das berühmte Kölner Dombild 
wandett. nach Paris; Berlin und München liefern die in ihren 
Museen befindlichen Bilder von Schongauer, Dürer, Altdorfer, 
Cranach, Schaffner, Burgkmaier, Holbein und Pracher aus; 
Kassel und Frankfurt ergänzen die französischen Samm 
lungen durch ihre alten Holländer. Mit diesem Verzeichnis ist 
die Kriegsentschädigung der deutschen Museen an Frankreich 
noch lange nicht erschöpft, denn es soll nur einige „Finger 
zeige" und „Hinweise" enthalten. „Aber würde dies nicht 
allein schon eine herrliche Sammlung sein!“ rufen die „Eec- 
tures" glückselig aus. „Und sie wird unser werden, wenn die 
Diplomatie ihre Pflicht tut, wie das Heer sie getan hat!" 
.„.. . Hab’ mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben“ sagt Franz 
Moor in den „Räubern". 
(Ein Cervantes-Museum in Valladolid.) König 
Alfons machte dem spanischen Volke das Wohnhaus des 
Dichters Cervantes in Valladolid, das sich dieser aus 
seinen Spargroschen erworben hatte, zum Geschenk. Für das 
nächste Jahr ist vom König die Errichtung eines Cervantes- 
Museums in diesem Hause projektiert. Eine Stiftung, zu 
der hauptsächlich ein Amerikaner namens Archer Hun 
tington und die spanische Kolonie in New-York beigetragen 
haben, bildet die materielle Basis für die Ehrung des Dichters 
des „Don Quichotte". 
Vom Kunstmarkt. 
(Der Nachlaß der Gräfin Landberg.) In der Galerie 
Helbing in München findet am 12. und 13. Juli die Ver 
steigerung von Antiquitäten, Kunst- und Einriehtungsgegen 
ständen, Gemälden alter und neuerer Meister aus dem Nach 
lasse der Gräfin Landberg von Schloß Tutzing am Starn- 
bergersee statt. Ein Schloß, das wohl jedem Kenner des Starn 
bergersees bekannt ist und durch seine prachtvollen Park 
anlagen überall Bewunderung gefunden hat. — Es handelt 
sich hier um eine sehr mannigfaltige Sammlung von Objekten, 
hauptsächlich dekorativen Charakters. Der Katalog beginnt 
mit Fayencen und Porzellanen und weist zahlreiche große, 
mittlere und kleine Vasen, Zierplatten, Teller und Blumen 
töpfe, sowie ostasiatische Keramik auf. — Unter den Metall 
arbeiten treten besonders dekorative, reich getriebene Silber- 
Wandplatten hervor; Arbeiten in Messing, Eisen und Bronze, 
darunter sehr hübsche Empireleuchter, ferner reich dekorierte 
Vasen und Platten in Email-Cloisonne, sowie goldtauschierte 
Perser Schilde des 18. Jahrhunderts schließen sich an. — Den
	        
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