Seite 138
Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 15/16
Ausschnitt wieder gegeben, der das betreffende Instru
ment in vergrößertem Maßstabe zeigt.
So ist Fig. 5 ein Ausschnitt aus Jan van Eycks
Gemälde „Der Triumph der Kirche“, das sich im Prado
zu Madrid befindet. Auf dem Bilde sind Viola,
Portativ und zweisaitiges Trumbscheit (Dichordium)
zu sehen.
Fig. 6 zeigt David Teniers des Älteren
„Dudelsackpfeifer“ nach dem Original-Kupferstich
von Jaques Firmin Beauvarlet (1731 bis 171)1).
Das Gemälde hängt im städtischen Museum zu
Stettin.
Die zahlreichen, zum Teil sehr reizvollen Beziehun
gen aufzuzeigen, die zwischen den Musikinstrumenten
alter Kulturvölker und der Kultursitten oder auch
ReligionsgeSchichte bestehen, mußte sich der Ver
fasser, wollte er den Umfang des Buches nicht zu sehr
erweitern, versagen; der dadurch entstandene Mangel
wurde aber durch die Literaturangaben ersetzt, die be
sonders für jene wertvoll sein werden, die sich über
einzelne Gruppen der Musikinstrumente eingehender
informieren wollen. Denen wird auch das Verzeichnis
bedeutender öffentlicher und Privatsammlungen will
kommen sein, das der Verfasser im Anhang beigefügt hat.
Der Raffael der Czartorysfci-Galerie.
Das Raffaelbildnis der Czartoryski-Galerie
in Krakau ist, wie seinerzeit von uns gemeldet, mit
einer Anzahl anderer Hauptstücke dieser schönen
Sammlung vor den drohenden Kriegsstürmen nach
Dresden ausgewandert. Während aber das Werk in
Krakau nur selten von Forschern besichtigt wurde,
Fig. 2.
Streiclizither in Ilerzform, 1823.
ist es seit seiner Übersiedelung in die sächsische Haupt
stadt zum Gegenstand eifrigsten Studiums durch die
Kunsthistoriker geworden.
Seit dem Stiche, den Paul Pontius nach dem herr--
lichen Bilde veröffentlicht hat, galt es vielfach als ein
Selbstbildnis des Urbinaten, und Lavater, der
Physiognomiken hat unter Bezug auf das Czartoryski-
Porträt sogar das Wort gesprochen, „es brauche ein
solch Gesicht, um so zu malen“. In neuerer Zeit hat
man nun freilich die Annahme, daß das Krakauer
Bildnis des Meisters eigene Erscheinung wiedergebe,
mehr und mehr verlassen und hat das Porträt auf
andere Persönlichkeiten, besonders auf Francesco Maria
della Rovere, den Neffen des Papstes Julius II.,
umschreiben wollen. Indes weist einer unserer be
währtesten Raffael-Kenner, Dr. Oskar Fischei, im
neuen Hefte des Jahrbuches der Königlichen Preu
ßischen Kunstsammlungen darauf hin, daß das Czar-
toryski-Porträt weder dem Charakter noch dem äußern
Aufzuge nach auf den Rovere paßt, der als Herzog
von IJrbino, Präfekt von Rom und Bannerherr der
Kirche sich sicherlich nicht in der malerisch-karnevali
stischen Aufmachung hätte malen lassen, die das Bild
zeigt.
Die Lösung, die Fischei wahrscheinlich macht,
ist recht überraschend und entbehrt selbst eines ge
wissen Humors nicht: er erklärt nämlich das Bildnis
für ein Frauenporträt. Darauf weise vor allem
die Haartracht der dargestellten Persönlichkeit hin,
denn mit diesem bis auf die Büste fallenden Haar hat
sich hundert Jahre vor dem Dreißigjährigen Kriege
kein Mann gezeigt, und vollends erscheint das Haar-
gekräusel vom Scheitel seitlich über die Schläfen nur
bei einem toupierten Kopfe möglich. Dazu kommt
das Weibliche der Gesamterscheinung, der Charakter
der Hände, der zarten Bewegungen. Bezaubert von
dem Reize eines weiblichen Modells hat Raffael ihm
ein Barrett aufs schöne offene Haar gedrückt, einen
Pelzmantel lose um die Schultern gelegt und so seine
Züge und Erscheinung festgehalten.
Wer aber war dies Modell ? Auf diese Frage gibt
Fischei unter Beibringung eines reichen Bilderstoffcs
die Antwort, daß wir in dem Czartoryski-Bildnisse die
Züge der berühmten, freilich halb mythischen Geliebten
des Meisters, der Fornarina erkennen dürfen, jener
schönen Bäckerstochter von Trastevere, die einen
so reinen und vollkommenen Typus römischer Frauen
schönheit dargestcllt zu haben “scheint. Seit der Über
siedelung Raffaels nach Rom kehren ihre Züge in
mannigfacher Form in einer ganzen Reihe von Bildern
wieder. Das früheste Fornarina-Porträt erkennt Fischei
in der berühmten Donna Velata des Palastes Pitti
in Florenz und zum letztenmal, nicht ohne daß ihre
Züge die Zeichen der Entwicklung aufweisen, erscheint
sie auf einem Straßburger Bilde. In der Mitte stände
nach Fischeis Ansicht ihre Darstellung auf dem Gemälde
der Czartoryski-Sammlung.