MAK
Nr. 15 16 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 141 
des Fürsterzbischofs Leonhard von Keutschach 
(1495—1519) hervor. Leider fehlt die untere Partie 
und damit die Angabe des Druckers. Man darf ver 
muten, daß der Kalender aus einer der damals für 
Süddeutschland zumeist in Betracht kommenden 
Augsburger Offizinen stammt, wie denn z. B. schon 
1494 der Salzburger Leonhard Schmai seine Schrift 
„De morbo gallico“ dort hat herstellen lassen. Aus der 
Verwendung des Kalenders als Deckelbelag ergibt 
sich, daß der Pariser Druck in ungefalztcn Bogen 
oder in albis, wie man zu sagen pflegt, nach Deutsch 
land gekommen war und der schöne, solide, leider 
seiner ehemaligen gotischen Metallbeschläge beraubte 
Einband die Arbeit eines Salzburger Buchbinders ist. 
Fürsterzbischof Leonhard von Keutschach hat 
für seinen Kirchenspiegel Verschiedenes drucken lassen, 
so ein eigenes Meßbuch (Venedig 1518) und die auf 
seine Anordnung im alten Salzburger Dom, unter 
seinem Nachfolger auch in St. Zeno bei Reichenhall 
in Marmor gemeißelten Ablaßgebete. Von letzteren 
besitzt unsere Studienbibliothek einen wohl als Unikum 
anzusehenden Druck, dessen unvollkommene Technik 
es sehr wahrscheinlich macht, daß er von einer Wander 
presse in Salzburg selbst angefertigt und somit vielleicht 
der älteste Salzburger Druck ist. 
Der hier besprochene Wandkalender findet sich 
in Wellers Verzeichnis der Drucke von 1501 bis 1525 
nicht verzeichnet, dürfte also, wenn nicht in Salzburg 
ein Exemplar sich erhalten hat, ebenfalls ein Unikum 
sein. Da Kalender-Einblattdrucke nach Ablauf des 
Jahres, für das sie bestimmt waren, keinen Wert 
mehr hatten, fielen sie der Vernichtung oder als Maku 
latur der Schere des Buchbinders anheim und kommen, 
wie unser Exemplar, nur durch einen glücklichen 
Zufall wieder ans Tageslicht. 
Der erste Jahreskalen der •— vorher gab es nur die 
immerwährenden unseres berühmten Landsmannes 
Johannes von Gmunden — erschien im Jahre 1513 
in Nürnberg und so ist natürlich unser Salzburger 
Jahreskalender, da er nur.ein paar Jahre später fällt, 
von außerordentlichem typographischen und kultur- 
Fig. 6. 
D- Tenier d. Ä. „Dudelsackpfeifer“, 
geschichtlichen Werte. Aber auch vom Standpunkte 
der oberösterreichischen Heimatkunde ist er von 
Interesse, da ja ein Teil unseres Landes damals dem 
Bereiche des ' Salzburger Erzbistums angehört hat, 
Salzburger Kalender also gewiß z. B. im Mondseer 
Gebiet in Gebrauch waren. 
Der Krieg und die Philatelie. 
Der Krieg hat auch in der Welt der Briefmarken 
eine wahre Umwälzung hervorgerufen, und die Albums 
der Briefmarkensammler haben dank der zahlreichen 
durch den Krieg verursachten Neuausgaben zum Teil 
ein ganz verändertes Gesicht erhalten. Die Umwälzungen 
in der Briefmarkenwelt beziehen sich natürlich zunächst 
auf die eroberten Länder, wo die notwendig gewordene 
Neuordnung des Briefmarkenwesens verschiedene Typen 
neuer Marken zur Folge gehabt hat. Die eine dieser 
Kriegsmarkentypen entsteht, indem die erobernde 
Macht den Vorrat an Briefmarken, den sie vorfindet, 
mit Beschlag belegt und durch Überdruck in ihrer 
Sprache und auf ihre Werte für die weitere Verwendung 
flüssig macht. So sind die Engländer in den deutschen 
Kolonien, die sie besetzen konnten, in Kamerun, 
Samoa, Neuguinea, Togo usw., verfahren. Es 
geschah dies aber weniger mit Rücksicht auf den 
Bedarf an Briefmarken, der in diesen Kolonien keines 
wegs erheblich war, als vielmehr in der Absicht, Brief- 
markenseltcnhciten zu schaffen, und dies ist in der 
Tat in einzelnen Fällen sehr gelungen. So fanden 
die Engländer z. B. in Togo nur drei Fünfmark-Werte 
an, die sie alsbald mit fünf Schillings überdruckten. 
Von diesen drei Marken wurde dann eine an den König 
von England gesandt, der ein großer Markensammler 
ist, die zweite ging an das Postmuseum in London, 
die dritte aber behielt sich der Mann, der den Über 
druck vollzog, selber, und er besitzt damit ein hübsches 
Wertstück, das mit der Zeit nur noch kostbarer werden 
wird; werden doch jetzt schon gewisse Marken dieses 
Typs mit mehreren tausend Franken bezahlt. Eine 
zweite Form von Kriegsbriefmarken besteht darin, 
daß der erobernde Staat seine eigenen Marken im 
eroberten Lande einführt und sie mit entsprechenden 
Überdrucken versieht. So hat es die österreichische 
Verwaltung in Serbien gemacht, wo die „österreichi 
schen Marken mit dem Überdruck „Serbien" versehen 
wurden. In derselben Weise hat die deutsche Post 
verwaltung in Belgien und dann später in den er 
oberten Gebieten des Ostens verfahren. 
Eine eigene Form von Kriegsbriefmarken bilden 
ferner die Rote Kreuz-Marken, wie sie von einer 
ganzen Anzahl kriegführender und neutraler Staaten 
herausgegeben worden .sind. Auf diese Marken ist eine 
Zuschlagsgebühr gelegt, die dem Roten Kreuz zugute 
kommt; natürlich ist der Bezug durchaus freiwillig. 
Frankreich hat z. B. solche Marken für alle seine 
Kolonien hergestellt, selbst für die Negerstaaten,
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.