internationale Sammler-Zeitung
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Nr. 15/16
beziehen. Beer ging dabei von dem Gedanken aus, daß sich
in zahlreichen Büchern, Zeitungen, Zeitschriften u. dgl. eine
Fülle von Material zur Geschichte bestimmter Persönlichkeiten,
Landschaften, Orten usw. finde, das der wissenschaftlichen
Forschung lediglich dadurch verloren gehe, daß es an Stellen
und in einem Zusammenhang gedruckt sei, wo es von niemanden
gesucht oder vermutet werde. Diese von Beer begründete
Materialiensammlung ist mit dem Abdruck zahlreicher Aus
züge aus einem im Jahre 1838 in Emden erschienenen Buche
eröffnet worden, das den Titel führt: „Schilderung des Missis
sippitales von Nordamerika", und dessen Verfasser, ein nicht
weiter bekannter Schriftsteller Friedrich Ahrends ist. Ahrends
war 1833 mit dem deutschen Schiff „Theodor Körner“ von
Bremen in die Vereinigten Saaten gekommen, wo er vier Jahre
lehrte, und im Staate Missouri, in Four Mile Prairie Randolph
Country seine Eindrücke niederschrieb. —• Beer beabsichtigt
nun, sich mit allen amerikanischen Bibliotheken in Verbindung
zu setzen, um in gemeinsamer Arbeit das zerstreute Material
zur Geschichte der einzelnen Staaten und ihrer Städte zu
sammeln. Der Hauptwert soll dabei auf die Zeitungsberichte
gelegt werden, die systematisch zu durchsuchen wären. Beer
verkennt nicht, daß die Ausführung seines Planes eine Riesen
arbeit ist, die sich über Jahrzehnte erstrecken wird, doch er
scheint ihm die Bedeutung dieser Arbeit für die Entwicklungs
geschichte der einzelnen amerikanischen Staaten und Städte
als eine so außerordentliche, daß die in regem Zusammen
wirken der gelehrten Kreise Amerikas durchgeführt werden
müsse.
Bilder.
(Eine neue Ausbesserung von Rembrandts „Nacht
wacht".) Aus Amsterdam wird gemeldet: Das berühmte
Rembrandtsche Gemälde, welches vor dem Kriege im hiesigen
niederländischen Reichsmuseum von einem Verrückten durch
Messerstiche arg beschädigt und mit vieler Mühe ausgebessert
worden war, muß einer neuen Reparatur unterzogen werden.
Bekanntlich wurde nach dem erwähnten Anschlag das Meister
werk des Amsterdamer Künstlers in einem eigenen, mit be
sonders günstigen Lichtwirkungen versehenen Raume im Erd
geschoß des Museumsgebäudes untergebracht und der Über
wachung durch zwei Wächter unterstellt. Bei der damals vor
genommenen Restaurierung wurde das Riesengemälde auch
gereinigt, dabei aber eine allzu große Fimismenge verwendet,
welche die zahlreichen Figuren des Bildes mit einer dicken
Schichte bedeckte. Die helle Tonfarbe verdunkelte sich infolge
dessen zu einem gelblichen Anstrich, der dem Gesamteindrucke
des herrlichen Werkes schadet und in Zukunft noch mehr zu
schaden droht, da man die Beobachtung gemacht hat, daß die
Verdunkelung langsam zunimmt. Die fachmännischen Kreise
haben deshalb beschlossen, die „Nachtwacht“ einer Ent-
firnissung zu unterziehen, von deren Erfolg man die Wieder
herstellung der früheren Farbenpracht erwartet. Es handelt
sich um einen äußerst delikaten Vorgang, der mit der größten
Vorsicht vonstatten gehen muß, soll daraus nicht eine viel
leicht nicht mehr gut zu machende Verletzung des wertvollen
Kunstschatzes hervorgehen. Glücklicherweise gibt es in Hol
land Spezialisten, die mit den Meisterwerken unserer Maler
kunst in geschickter Weise umzugehen wissen. Vor einiger Zeit
wurde ein anderes Rembrandtsches Meisterwerk, die „Zunft
der Buchhändler“, das zu stark gefirnißt worden war, einer
ähnlichen Behandlung mit gutem Erfolge unterzogen, und es
besteht daher die gegründete Hoffnung, daß auch die bevor
stehende neue Restauration der „Nachtwacht'' gelingen werde.
(Auffindung von Wandgemälden im Aachener
Münster.) Bei dem gelegentlich der Ausmalungsarbeiten im
Aachener Münster notwendigen Abkratzen des Wand Ver
putzes wurde darunter auf der Evangelien- und der Epistelseife
je ein aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammendes Ge
mälde von anscheinend künstlerischem Werte entdeckt.
Das eine stellt die Anbetung der hl. drei Könige vor, das andere
eine Kaisergestalt, die ein Szepter in der linken und ein Münster
abbild in der rechten Hand trägt. Der Verein zur Wieder
herstellung des Aachener Münsters wird nach genauer Prüfung
der Gemälde entscheiden, ob diese wiederhergestellt und er
halten werden können.
(Ein Fontane-Bildnis von Max Liebermann.) Ein
bisher unbekanntes Bildnis Theodor Fontanes von Max Lie
bermann, aus Leipziger Privatbesitz, wird jetzt von der „Zeit
schrift für bildende Kunst“ in einem Aufsatz von Max
J. Friedländer veröffentlicht. Liebermann hat Fontane im
Jahre 18Ö6 gezeichnet; aber es war bisher nur die in der Berli
ner Nationalgalerie befindliche Fassung des Bildes bekannt.
Die jetzt veröffentlichte Fassung ist die ursprüngliche gewesen.
Es ist eine Bleistiftzeichnung mit aufgesetzten Kreidelichtern.
Auf Wunsch Fontanes hat Liebermann dann eine zweite Fas
sung des Bildnisses hergestellt, die von der Nationalgalerie
erworben wurde. In einem Briefe Fontanes an seine Tochter
vom 19. März 1896 findet sich ein Hinweis auf den bevor
stehenden Besuch Liebermanns: „Ich gehe, wie Dir Mama
wohl schon geschrieben hat, unruhigen Tagen entgegen: Sit
zungstage, Maltage. Ich freue mich aber darauf, einmal, weil
es nun doch endlich mal ein richtiger Maler ist, dem ich in die
Hände falle, dann, weil Liebermann ein ebenso liebenswürdiger
wie kluger Mann ist.“
(Malereien von Bol.) Durch einen Zufall wurden in
der Joodcn Breestraat in Amsterdam in einem Hause bei
der Anlage einer elektrischen Installation zwei bisher im
Dunkel des Raumes kaum wahrnehmbare Deckenmalereien
von großer Schönheit entdeckt. Das Haus, das in der Nähe
des früheren Wohnhauses Rembrandts liegt, gehörte im
17. Jahrhundert dem reichen jüdischen Kaufmann de Pinto.
Die Gemälde selbst waren durch Überschmierung mit Teer
nahezu unkenntlich. Nach ihrer Reinigung wurden sie durch
den Direktor der Bildergalerie in Rotterdam Schmidt-
Degen er als Werke des bekannten Rembrandt-Schülers Fer
dinand Bol bezeichnet. Der Umstand, daß Rembrandt seiner
zeit gegenüber dem Hause de Pintos wohnte, hat rasch das
Gerücht entstehen lassen, daß es sich hier um zwei Werke
Rembrandts handle. Die gereinigten Gemälde sind im Städti
schen Museum zu Amsterdam ausgestellt.
Handschriften.
(Fund einer geschichtlichen Urkunde.) Aus
Heiligenstadt im Eichsfeld wird berichtet: Eine wichtige
Urkunde aus der deutschen Geschichte vor hundert Jahren
wurde in einem Nachbardorf beim Abbruch der Stallgebäude
eines ehemals Linsingschen Rittergutes ans Tageslicht gezogen.
Es handelt sich um eine am 19. August 1816 verfaßte Ab
handlung Leopold v. Keisenbergs, der zur Zeit des König-,
reichs Westfalen als Tribunalpräsident in Heiligenstadt,
der Hauptstadt des Harzdepartements, wirkte, später Chef
präsident der Eichsfeldisch-Erfurtisclien Regierung in Erfurt
wurde und sein Leben als erster Oberlandesgerichtspräsident
in Hamm (W.) beschloß. Die umfangreiche Urkunde wirft
ganz neuartige Streiflichter auf die Zeit vor, während und
nach den Befreiungskriegen, zeichnet den König J erome
und seine Regentschaft in Kassel und schildert die Zeit nach
der Völkerschlacht bei Leipzig, wo in Mitteldeutschland
„Preußen, Sachsen, Polen, Schweden, Russen, Kosaken,
Kalmücken und Baschkiren hausten“, also zum Teil dieselben
Völkerschaften, deren Nachkommen heute die deutschen
Gefangenenlager bewohnen. Der Verfasser der Urkunde sieht
am Schlüsse seiner Abhandlung die große Zeit des Deutsch
tums voraus, wo die Deutschen „im Mittelpunkt von Europa
den Frieden dieses Weltteils erhalten können“.
(Die Handschriften der französischen Generale.)
Eine eigenartige Ausstellung wird durch die französische
Graphologische Gesellschaft gegenwärtig in Paris veranstaltet.