MAK
Nr. 17 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 151 
Ferdinand Val. Ernst schreibt in Prag 
am 9. Juny 1830: Meinem lieben Komödianten 
Kettel! 
„Komödiant das ist der Nähme, 
Der im allgemeinen fast, 
Gut für Dumme, Weise, Lahme, 
Der für alle Menschen paßt . . 
Nicht übergehen möchten wir auch die 
reichhaltige Sammlung von alten Medizin 
büchern, Militärkostümbüchern und Mode 
journalen; den Clou dürfte aber ein Buch 
bilden, das in der Handschrift vorliegt: 
Lassales Tagebuch. 
Der Begründer der Sozialdemokratie begann 
das Tagebuch am 1. Jänner 1840, noch nicht 
ganz 15 Jahre alt, aber zu einer Zeit, als 
er im Mittelpunkt innerer Kämpfe stand, 
welchem Studium er sich widmen solle. Als 
Vorwort, das nicht nur zu seinem Lebens 
programm wurde, sondern auch beredtes Bei 
spiel für seine Charaktcranlagen und mo 
ralischen Tugenden ist, schrieb er folgende 
Worte: „Vorliegende Blätter sind bestimmt, 
alle meine Handlungen, meine Fehler, meine 
guten Taten aufzunehmen. Ich will mit der 
größten Gewissenhaftigkeit und Aufrichtigkeit 
in ihnen nicht nur das aufzeichnen, was ich 
tat, sondern auch die Motive dieser Handlun 
gen angeben. Für jeden Menschen ist es 
wünschenswert, seinen eigenen Charakter kennen 
zu lernen.. . wenn ich eine Unrechte Tat 
verübt habe, w r erde ich nicht erröten, wenn 
ich sie hier aufzeichne ?.. .. Dieses doppelten 
moralischen Zweckes wällen. . . habe ich es 
unternommen, ein Tagebuch zu schreiben.“ 
Das Tagebuch ist von Anfang bis zum Ende 
völlig ehrlich. Lassale bekennt zahlreiche Übertretungen i 
der Schulgesetze, er beschreibt häusliche Szenen, 
er äußert Selbstmordgedanken und sagt dann doch 
wieder in richtiger Selbsteinschätzung von sich: ,,im 
Grunde meines Herzens bin ich gut.“ •— Sein Interesse 
Dg. 2. 
für Literatur und Theater ist lebhaft. Über Heine 
sagt er: „Er gehört unter Deutschlands beste 
Männer. O hätte es noch tausend solche wie 
er!“ Von Goethe dagegen: „Heut wurde Egmont 
gegeben. Man sollte sich fast wundern, daß der 
ewig lächelnde Goethe ein Stück schreiben 
konnte, wo soviel von Freiheit und Ver 
fassung die Rede ist. Aber freilich ist nur 
die Rede von Freiheit einem andern Volk 
gegenüber, nicht aber in bezug auf seinen 
Fürsten. 
Die Handschrift ist gut leserlich, die Er 
haltung völlig tadellos. 
Sammler von Bleistiftzeichnungen seien auf 
das Skizzenbuch eines Schinkel-Schülers auf 
merksam gemacht, das zirka fünfzig vollendete 
und zwanzig angefangene Skizzen umfaßt. Dar 
gestellt sind: Neustadt-Eberswalde, Rüdersdorf 
(2 Bll.), Dresden (17 Bll.), Quedlinburg, Ballen 
stedt, Falkenstein, Klostermühle, Stecklinburg, 
Regenstein, Schloß und Rathaus Wernigerode, 
Brockenhaus, Walkenried, Wörlitz, Teplitz, 
Goslar, Tegel, Buckau, Culm, Magdeburg, 
Halberstadt, Danzig, einzelne Teile aus der 
Kirche zu Mohabit (!) und andere. 
Bei vielen Zeichnungen stehen Notizen, die 
wichtige Einzelheiten für einen Baumeister 
enthalten. Die Annahme, daß das Buch von 
einem Schinkelschüler stammt, wird dadurch 
bestätigt, daß viele Bauten aus Berlin und 
Berlins Umgebung in dem Skizzenbuch ent- 
Fig. 3.
	        
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