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Internationale Sammler- Zeitung
Nr. 18
Zivilbehörden in der Heimat wie in den besetzten
Gebieten. Besondere Gruppen bilden Privat- und
Gelegenheitsdrucke.
Eine eigenartige Gruppe ist die Sammlung der
Doktordiplome, die die deutschen Universitäten
in diesem Kriege ehrenhalber ausgestellt haben.
Obenan steht das Diplom für Hindenburg, auf
dem die vier Fakultäten der Königsberger Universität
Hindenburg ihren Dank für „die Befreiung der Heimat
flur von den Moskowiterscharen“ aussprechen. In die
ernsten schwarzen Antiquabuchstaben mischt sich da
das leuchtende Gold glänzender Namen. Grüne Eichen
kränze umrahmen das Diplom. Ähnlich ist das philo
sophische Doktordiplom von Königsberg für Luden
dorff gehalten. Als die rechts- und staatswissen
schaftliche Fakultät von Breslau Hindenburg den
Titel eines Dr. rer. pol. verlieh, nannte sie ihn „den
Mann, der in der Kriegskunst mit höchster Genialität
festes Gottvertrauen verbindet, der die Scharen des
nordischen Pharao in die masurischen Sümpfe, gleich
sam in ein Rotes Meer, versenkt hat.“ Von den anderen
Diplomen, denen für Falkenhayn, Breitenbach,
Bissing, Freytag von Loringhoven, Gaede,
Gallwitz, sei das für den ersten Generalquartier
meister Hermann von Stein hervorgehoben. Als
Hallischer Dekan nennt da der Philologe Kern den
General, der der Sohn eines Pfarrers aus der Provinz
Sachsen ist, Sachsen-Preußens Zier und preist seine
Heeresberichte, die die glänzenden Taten unserer
Truppen nicht minder glänzend in scharfen und knappen
Worten der Welt verkünden wie die Lügen unserer
Feinde in wahrhaftiger Treue zunichte machen. In
dem Latein der althergebrachten Laudatio findet
sich ja manche, in kurzen Worten schlagende. Cha
rakteristik der Führer unserer Kriege.
Von den Ehrendiplomen an Techniker seien die
an Generalmajor Groener, den Leiter des Feldeisen
bahnwesens, an den Artilleriemajor Max Bauer, an
Wilhelm von Siemens hervorgehoben. Die Techni
schen Hochschulen schließen sich in der Sammlung
mit den Diplomen von Tirpitz, Skoda, General
von Bailer u. A. an. In der Sammlung befindet sich
auch das Ehrendiplom der Breslauer Juristenfakultät
für Sven Hedin, den schwedischen „eifrigen Ver
teidiger der Wahrheit und treuesten Freund Deutsch
lands“.
Auch Abschriften solcher Diplome von österreichi
schen Hochschulen sind dabei, so die Verleihungen
des Ehrendoktorats an Erzherzog Eugen und an
General Dankl durch die Universität in Innsbruck
und durch die Wiener technische Hochschule an die
Erzherzoge Friedrich und Leopold Salvator.
An die Ehrendiplomc reiht sich eine Sammlung
der Diplome, die die Universitäten Berlin, Heidel
berg und München den Kandidaten nachträglich
verliehen, die nach Ablegung ihres Examens vor dem
Feinde fielen. Es heißt da: „Den fürs Vaterland in
Treue Gefallenen zum Gedächtnis geweiht“; in einem
anderen: „Er hat mit seinem Tod fürs Vaterland
einen Ruhm über jedes Lob erhaben sich errungen“;
in einem dritten: „Er vergoß sein Blut für die Heimat,
zum Denkmal ehrenvollen Lebens und ruhmvollen
Todes“.
W*L ÄS:-
-vT
Neuentdekte Werke Rembrands.
Die stattliche Reihe der in den jüngsten Jahrzehnten
neuentdeckten Werke Rembrandts hat sich nach
Berichten der „Kunstchronik“ wieder um zwei vermehrt.
Zunächst war einer der bekanntesten englischen
Privatsammler, Sir Herbert Cook in Richmond,
so glücklich, einen bisher völlig unbekannten Rembrandt
zu erwerben. Es ist dies eine bezeichnete und von
1633 datierte Darstellung des Apostels Petrus, dessen
ehrwürdige Greisengestalt ungefähr bis zu den Knien
sichtbar ist. Sie ist in einen weiten, orangebraunen
Mantel gehüllt, der über ein dunkelgrünes Unterkleid
geworfen ist; in der linken Hand hält der Apostel
zwei große Schlüssel, einen silbernen und einen goldenen;
der schöne edle Kopf mit der mächtigen Stirn, der
von weißem Haar und Bart umwallt ist, ist in ernstem
Nachdenken ein wenig gesenkt, der Blick links seit
wärts zu Boden gerichtet und die Rechte wie vor
schmerzlicher Reue beteuernd an die Brust geschlagen.
Die Figur steht vor grauem Hintergründe.
Das Modell, dessen sich Rembrandt hier bedient
hat, ist von anderen, ungefähr derselben Zeit ange
hörenden Werken des Meisters her bekannt; wir be
gegnen demselben Typus z. B. dem Apostel Paulus
in Nürnberg, mit dem er auch den Ausdruck tiefen
Nachdenkens und einen ähnlich gesenkten Blick teilt
sowie in dem Halbbildnis des Greises mit der Kupfer
nase in Kassel und anderen Werken in Stockholm
und Petersburg.
Eines anderen neuen Werkes Rembrandts ist die
Amsterdamer Kunsthandlung Asscher u. Koetser
in England habhaft geworden. Es ist dies eine Dar
bringung im Tempel, die wahrscheinlich als ein
Spätwerk des Meisters anzusehen ist. Es handelt sich
um ein Bild von beträchtlichem Abmessungen, das in
einem sehr schlechten Zustande entdeckt wurde, jetzt
aber vorsichtig wieder hergestellt worden ist. Glück
licherweise hat die alte Farbschicht kaum gelitten.
An dem Ausdruck und der Haltung der Haupt
figuren, Simeons und Marias, zeigt das Bild Anklänge
an Rembrandts Radierung der Darbringung im Tempel;
die Figur des alten Simeon erscheint übrigens auf
verschiedenen Werken Rembrandts in ähnlicher Gestalt
wieder. Komposition und Ausführung sind von großer
Einfachheit; nur um das innerliche Verhältnis der
Figuren und ihr inneres Leben ist . es dem Künstler
hier zu tun, und auf malerische Nebenwirkung ist
daher verzichtet. Auch in der Farbe hat sich der Meister
weise Beschränkung auferlegt; das Ganze ist auf dunkle
schwere Töne gestimmt, kaum daß sich die Gestalten
deutlich von dem dunklen Hintergründe abheben.