Nr. 18
Internationale Sammler-Zeitung
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bessere Aufbewahrungsart auf gezimmerten, frei
stehenden Tischen hergestellt. Die wertvollsten Bücher
und Manuskripte wurden mit den Gold- und Silber
geräten der Kirche von der Bergungskommission über
nommen.
Schließlich wurden noch zwei aus der Umgebung
Rivas stammende Altarbilder, welche in der Archi-
pretalkirche von Arco untergebracht worden waren,
übernommen. Das eine war das schöne Altarbild der
Kirche von Torbole, „Martyrium des hl. Andreas“,
signiert Jo. Bel. Cignarolius pinxit, eines der besten
Werke des Meisters, das andere ein großes Bild aus
der Kirche Villa del monte, „Maria mit Kind und vier
Heiligen“, mit stark bellinesken Einflüssen und signiert
mit F. V. MDXXXI, wodurch wir dem interessanten
unbekannten Meister zum drittenmal begegnen.
Die von Rovereto und Riva geborgenen Kunst
werke wurden nach Innsbruck gebracht, wo sie im
Paris-Saale des Landhauses deponiert sind. Einzelne
Objekte wurden bereits von den Eigentümern behoben.
Chronik.
Autographen,
(Heine-A utographen.) Anläßlich des Todes von Char
lotte Hirsch-Emden in Charlottenburg, einer Nichte Heinrich
ITeineg, schreibt Julius Stettenheim in der „Berliner
Zeitung a. M.": Sie (Frau Hirsch) verlangte, daß ich mir die
Schätze, die sie an Autographen Heines gesammelt hatte,
einmal ansehen solle. Als sie mir ein sehr kostbares Album
öffnete, blitzte mir ein Teil des Atta-Troll-Manuskripts
entgegen. Es war mir, als blickte ich in eine der kostbarsten
Perlensammlungen der Märchenwelt, bewacht von liebens
würdigen Geistern, deren erster Helene Heine war.
Bibliophilie.
(Vorkarolingische Buchmalerei.) Ein grundlegendes
Werk über die vorkarolingische Buchmalerei, das der deutsche
Verein für Kunstwissenschaft in die Hand genommen hat,
ist zum Abschluß gelangt. Die Bearbeitung dieses auf die
verschiedensten Länder verteilten, in der Kunstgeschicht
schreibung lange Zeit vernachlässigten Stoffgebietes ist seiner
zeit dem Wiener Kunsthistoriker G. H. Zimmermann
übertragen worden. Tn vier Foliobänden, die das zum erstenmal
in solcher Fülle gebotene Abbildungsmaterial bergen, und
einem sorgfältigen Textbande liegt nun das umfangreiche
Werk vor, das unsere Kenntnisse über Wesen und Ziele der
merovingischen Kunst in hohem Maße bereichern wird. Ist
es doch die erste große und zusammenfassende Unternehmung,
die zur psychologischen und geschichtlichen Klarstellung
jener wichtigen Epoche ins Leben gerufen wurde. Die Jahre
des Sammelns fielen glücklicherweise noch in die Zeit vor dem
Kriege, so daß das Werk nun trotz der erschwerten Druck
legung mit denjenigen Reproduktionen versehen ist, an denen
Geist und Form jener frühen Kunsterzeugn-isse, die man in
so verschiedenen öffentlichen und privaten Sammlungen zu
suchen hat, in geeignetster Weise klar werden. In dem einen
Bande sind die auf der Apennin- und der Pyrenäenhalbinsel
entstandenen Codices vereinigt. Ein zweiter enthält, vom
Bearbeiter nach neuen Gesichtspunkten geordnet, die fein-
geartete Produktion der französischen Illuminatorenschulen,
beispielsweise der bedeutendsten unter ihnen, derjenigen von
Lyon, von Luxuail, von Fleury und Corbie, und sodann das
berühmte Sakramentar von Gellone. Ein besonderer Band
ist der irischen Buchkunst gewidmet, hatten doch auf der
„grünen Insel" die Fähigkeiten der Mönche in bezug auf
Illumination von Handschriften ihren vollendetsten Ausdruck
gefunden und auch in der Entfaltung der Ornamentik zu
reichster Blüte geführt.
(Der Raub der Warschauer Universitätsbiblio
thek.) „Rußkj Wjedomosti" melden, daß das Dumamitglied,
der Pole Karusiewich, an den Kultusminister Ignatiew
ein Schreiben richtete, worin er den Minister um Aufklärung
bittet, welches Schicksal die Warschauer Universitätsbibliothek,
die nach Moskau übergeführt wurde, ereilt habe. Karusiewich
betonte dabei, diese Bibliothek sei ein kostbares Eigentum
der polnischen Nation. Ihr sei zwar das Universitätsgebäude
zu Warschau eingeräumt worden, sie habe aber trotzdem
eine selbständige Anstalt gebildet. Da nun die Universität
nach einer anderen russischen Stadt übergeführt worden sei,
wünsche er (Karusiewich) Erklärungen über das weitere
Schicksal der Bibliothek zu erhalten. Minister Graf Ignatiew
antwortete darauf insofern ablehnend, als er behauptete, die
Bibliothek gehöre zu der Universität und sei ganz und gar
mit ihrem Schicksal an die Universität gebunden. Damit
ereignete es sich zum zweitenmal in der Geschichte, daß die
Russen sich die bedeutendste polnische Bibliothek aneignen.
Befindet sich doch Polens hervorragendste aus Warschau
geraubte Bibliothek, die der Grafen Zaluski, seit über hundert
Jahren in Petersburg.
(Eine Ausstellung für Buchkunst in Stockholm.)
Der Deutsche Buchgewerbeverein in Leipzig bereitet zurzeit
eine bemerkenswerte Veranstaltung vor. Er veranstaltet eine
Ausstellung für Buchkunst in Stockholm, die anfangs Oktober
eröffnet und Ende November geschlossen werden soll. Sie
wird in der Königl. Akademie in Stockholm stattfinden, in
der den deutschen Gästen drei Säle eingeräumt werden und
nur die feinsten und hervorragendsten Schöpfungen deutscher
Buchkunst bringen. Sie gliedert sich in folgende Gruppen:
Das schöne Buch, Entwürfe zu Buchdeckeln und Titeln,
Buchillustrationen und Handzeichnungen, Vorsatzpapier,
künstlerische Bucheinbände, Exlibris und mustergültig aus
geführte Druckarbeiten wie Adressen, Briefpapier, Geschäfts
drucksachen, ferner künstlerische Schriften deutscher Schrift
gießereien. Das nach modernen Grundsätzen ausgestattete
Kinder- und Volksbuch wird in zahlreichen Beispielen vor
geführt werden. Eine besondere Gruppe zeigt die Bücher
schwedischer Verfasser im deutschen Verlage. Beteiligt sind
an der Ausstellung die deutschen Buchkünstler und Verlags
buchhändler sowie der deutsche Buchgewerbeverein, der
seine reichen Bestände beisteuert. Die nach streng künstleri
schen Gesichtspunkten erfolgende Sichtung des Materials
hat ein besonderer Ausschuß übernommen, zu dem Geh. Rat
Jessen (Berlin), Professor Ehmke (München), die Pro
fessoren Steiner (Prag) und Tie mann (Leipzig) gehören.
Bilder.
(Die Altargemälde in der Linzer Minoriten
kirche.) Man berichtet uns aus Linz: Durch die Munifizenz
des oberösterreichischen Landesausschusses wurde es nun
ermöglicht, die beiden Gemälde vom Kremser-Schmidt
an den linken Seitenaltären in der hiesigen Minoritenkirche
restaurieren zu lassen, nachdem die Restaurierung der Gemälde
desselben Meisters an den gegenüberliegenden Altären auf
Kosten des Ministeriums für Kultus und Unterricht voran
gegangen war. Die Arbeit wurde wie früher dem akademischen