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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 18
Maler Hans Viertelberger in Wien übertragen, der sich
seines Auftrages auch diesmal mit hohem künstlerischen
Geschick entledigte. Pie restaurierten Gemälde sind dieser
Tage aus Wien angelangt und bereits wieder an ihren Platz
gebracht. Das eine Gemälde hat zum Vorwurf: „Der heilige
Franziskus empfängt die Wundmale Christi“, das andere
stellt eine wunderbare Heilung durch den heiligen Josef von
Cupertino vor. Besonders das erstere ist ein würdiges Gegen
stück zu Schmidts vielbewundertem Bilde: „Christus stirbt
am Kreuze“ auf dem Kreuzaltare der Kirche.
Numismatik.
(Das montenegrinische Geld.) Aus Cetinje wird
uns geschrieben: Die Nachricht, daß die Militärverwaltung
in Montenegro eigenes Notgeld ausgegeben habe, ist unrichtig;
es wurden nur die alten Noten zu 1, 2, 5 und 10 Perper, die
früher den österreichisch-ungarischen Noten zu 1, 2, 5 und
10 Kronen entsprachen, abgestempelt und gelten jetzt
die Hälfte des früheren Betrages. Dagegen haben sich die
alten Paramünzen in ihrem Werte nicht geändert. Für
Sammler hätten die von unserer Militärverwaltung (beider
seitig) abgestempelten Noten Interesse, da sie ja Übergangs
werte vorstellen, die später eingezogen werden sollen.
Philatelie.
(Neue Marken der Niederlande.) Es verlautet, daß
auch die Niederlande eine Erhöhung ihrer Postgebühren
einzuführen gedenken, was natürlich die Schaffung neuer
Markenwerte, sei es mittels Aufdruck oder in definitiver Aus
führung, zur Folge hätte.
(Eine Flugsport-Abstempelung von Milwaukee.)
Amerikanische Blätter berichten von einer Flugsport-Ab
stempelung von Milwaukee. Es ist ein Rundstempel mit
anhängender Fahne, anscheinend ein Maschinenstempel. Der
Stempel ist einkreisig und trägt folgende Inschriften: Im
oberen Halbrund: Aeroplane Station, im unteren Halbrund:
M. L. MILWAUKEE, Wis. In der Mitte dreizeilig das Datum.
Verschiedenes.
(König Ferdinand von Bulgarien als Sammler.)
Das bulgarische Konsulat in Berlin hat ein kleines Heftchen
„Bulgarien, was es ist und was es wird“ erscheinen lassen.
Darin schildert u. a. der Direktor des Berliner Zoologischen
Gartens Prof. Dr. Heck das Verhältnis des Königs der Bul
garen zur Naturwissenschaft. Danach lenkt die Geschichte
Bulgariens ein zünftiger Naturwissenschaftler, ein Ornithologe.
Schon als Schüler besaß Prinz Ferdinand eine Sammlung
lebender Vögel, die ihresgleichen suchte. Bereits 1874 war
Prinz Ferdinand ordentliches Mitglied der Deutschen Ornitho-
logischen Gesellschaft, wie jeder andere wirkliche Jünger
der wissenschaftlichen Ornithologie. 1879 unternahm er ge
meinsam mit seinem Bruder August eine Reise nach Brasilien,
die reiche Früchte für die Sammlung trug. Eine Abhandlung
Ferdinands I. über die Einwanderung des Rosenstars in Bul
garien ist in den Mitteilungen des Dresdener Museums er
schienen. Dank der Sammler- und Forschernatur seines Zaren
besitzt Bulgarien in Sofia ein Museum für Naturkunde und
-einen Zoologischen Garten, der sich mit den entsprechenden
Anstalten Westeuropas durchaus messen kann. Heck spricht
die Ansicht aus, daß der König der Bulgaren wegen seiner
fachmännischen Kenntnisse ohne weiteres eine leitende Stelle
an einem Museum oder Zoologischen Garten einnehmen und
ausfüllen könnte. An einem der sogenannten billigen Sonntage
erschien der Herrscher der Bulgaren im Berliner Zoo und
auch bei der Führung konnte sich Heck davon überzeugen,
daß er einem Fachgelehrten seine Schätze zeigte.
(Kunstarbeiten aus sibirischen Kriegsgefan
genenlagern.) In Stockholm sind unlängst die Kunstarbeiten
eingetroffen, die Dr. Hallström von seinem Roten-Kreuz-
Besuche in den sibirischen Kriegsgefangenenlagern bis an
die Grenze der Mandschurei eingebracht hat. Es handelt sich
dabei um Arbeiten von Deutschen, Österreichern, Ungarn
und Türken, die in Kriegsgefangenschaft geraten waren und
sich die endlosen Stunden des sibirischen Winters und die
glühendheißen Sommertagc durch einen Zeitvertreib zu ver
kürzen gesucht haben, oder mit ihrer Kunstfertigkeit Geld
verdienen w-ollten, um sich den lang entbehrten Tabak ver
schaffen zu können. Alle möglichen Rohstoffe sind bei den
Kunstarbeiten der Kriegsgefangenen verwendet, und wenn
man bedenkt, daß sie sich auch die notdürftigsten Werkzeuge
selbst herstellen mußten, muß man ihre Geschicklichkeit
um so mehr anerkennen; manche der Arbeiten können ohne
weiteres den Vergleich mit solchen aushalten, wie sie in guten
Werkstätten für angewandte Kunst erzeugt werden. Am
zahlreichsten vertreten sind Uhrketten, Rosenkränze und
Halsschmuck aller Art; ferner haben die Kriegsgefangenen
kleine Bürsten, Aschenbecher, zierliche Kästchen und Musik
instrumente hergestellt. Bei den Ketten sind fast immer
Pferdchaare verwendet worden, die oft zu den niedlichsten
Filigranarbeiten verflochten sind, zu deren Ausführung eine
unendliche Geduld nötig ist. Als Schmuck der Ketten dienen
häufig bearbeitete russische Silbermünzen, und w t o die Kriegs
gefangenen sich von Uniform- oder Ausrüstungsteilen Alu
minium verschaffen konnten, haben sie dieses Metall zu be
arbeiten verstanden. Die Kettenanhängsel tragen zuweilen
Inschriften; so zeigt ein münzenähnliches Anhängsel auf einer
Seite die Inschrift „Erinnerung an meine schwersten Tage“,
während die andere zwei vereinigte Hände mit dem Texte
„Viribus unitis“ aufweist; dem Wahlspruche nach handelt
es sich also um die Arbeit eines österreichischen Kriegs
gefangenen. Wenn die Kriegsgefangenen Fleisch als Kost
bekamen, behielten sie die Knochen, um sie zu Schnitzarbeiten
zu verwenden. Auch die Schnitzarbeiten sind zuweilen ganz
hervorragend gelungen. Dies gilt ganz besonders von einer
Skulptur, die einen deutschen und einen österreichich-ungari
schen Soldaten nebeneinanderstehend darstellt. Die Musik
werkzeuge, die die Kriegsgefangenen hergestellt haben, machen
äußerlich einen guten Eindruck; will man sie als Musikwerk
zeuge richtig beurteilen, so kann dies erst nach einer Auf
arbeitung geschehen, denn auf der langen Reise — Hallström war
acht Monate lang unterwegs — haben sie ihren Ton eingebüßt.
(Die Kunstwerke von Rimini) haben, wie wir einem
Aufsatz des Grafen Francesco Malaguzzi-Valeri im
„Resto del Carlino“ entnehmen, durch das letzte Erdbeben
schwere Schädigungen erlitten. Die ältesten Bauten vom
Augustusbogen bis zum „Tempio Malatestiano“ (der Kirche
S. Francesco) vermochten Widerstand zu leisten, -während
die Kirchen aus der Barockzeit derart zerstört sind, daß an
ihre Restauration gar nicht zu denken ist, so z. B. die Theatiner
Kirche, die Kirchen des heil. Bartholomäus, des heil. Augu
stinus und der heil. Agnes. Zum Glück blieben die Gemälde
und Skulpturen zum größten Teil unbeschädigt; die Bilder
Franceschinis und Schiavones haben keinen Schaden ge
nommen. Von Zivilbauten erfuhren die schlimmsten Verwüstun
gen das Stadthaus und die Paläste Letimi und Cima-Anguissola.
(Der Altmeister der französischen Landschafter.)
Henri Harpignies, der Altmeister der französischen Land
schaftsmaler, ist, 97 Jahre alt, in Saint Prive an der Yonne
gestorben. Verhältnismäßig spät, mit 34 Jahren, stellte Har
pignies zuerst im Pariser Salon aus, doch gewann er bald
große Beliebtheit. Er ist in den meisten größeren Museen
in Frankreich vertreten. Harpignies schloß sich in seiner
Kunst der Schule von Barbizon an, ohne zu den führenden
Geistern zu gehören. Seine Motive holte er vielfach aus Italien.
Stille melancholische Hügellandschaften mit Wiesen und
Baummassen, beleuchtet von dem Schein des aufgehenden
Mondes, gehörten zu seinen Lieblingsvorwürfen.