MAK
Seite 166 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 19 
Blottendorf) bis zu den feinsten Transparentmalereien 
eines Mohn oder Kothgasser oder zu den ein 
gelegten Pasten in Desprezart ist ein weiter Weg. 
Während sich der Glasschnitt noch einmal anstrengt, 
in Panoramen oder figuralen Darstellungen möglichst 
Zartes herauszubringen, zeigt die Glashüttenchemie 
eine bis dahin unbekannte Entwicklung sämtlicher 
Farbennuancen. Auch davon birgt die Sammlung 
Schwarz zahlreiche Beispiele, die den gewöhnlichen 
Durchschnitt überragen, namentlich allerlei Bade 
gläser, wie sie heute schon als zahllose Nachahmungen 
den Markt unsicher machen, während es sich hier 
durchwegs um Originale handelt. 
Erwähnenswert wären noch die schönen Glaspastcn 
von Pichler u. a. aus dem Anfang des verflossenen 
Jahrhunderts. Aus der neuesten Zeit sind nur einige 
wenige Proben hinzugefügt, z. B. ein Metallreduktions 
glas des Duc de Carranza. So sehr man es auch 
bedauern mag, daß eine mit so viel Liebe und Kenntnis 
zusammengetragene Sammlung durch besondere Fa 
milien- und Zeitverhältnisse veranlaßt, in alle Winde 
zerstreut werden wird, so mögen wir uns doch freuen, 
daß dies in der gegenwärtigen Kriegszeit geschieht, 
in der der auswärtige Wettbewerb zum guten Teil 
ausgcschaltet ist, so daß die öffentlichen Sammlungen, 
wie einzelne Liebhaber gewiß Gelegenheit haben 
werden, manche vorteilhafte und günstige Erwerbung 
zu machen. Selbst unseren größten Sammlungen kann 
das eine oder das andere Stück eine wertvolle Be 
reicherung bedeuten, um so mehr werden kleinere 
Museen, die bisher das Glasgebiet noch stark ver 
nachlässigt haben, zugreifen können, da sich solche 
Anlässe nach menschlicher Voraussicht nicht mehr 
häufig wiederholen dürften. 
Vergleichungen. 
Von Dr. Alois Karpf, Kustos und Leiter der k. u. k. Familien-Fideikommiß-Bibliothek i. R. (Wien). 
Am 22. Dezember 1915 fanden sich zwei Lehramtskandi 
daten auf dem Wege zum Seminar, wo unter Beiziehung von 
Schülern der Übungsschule und ihrer Angehörigen eine Be 
sprechung stattfinden sollte. 
Sie unterhielten sich mit dem Austausch ihrer Erfahrungen 
gelegentlich erwarteter Beantwortungen von an die Schüler 
gestellten Prüfungs- und Entwicklungsfragen. 
Ein Schüler übersetzte: ,,habit bleu“, „Ein Kleid blaues“. 
Ein anderer übersetzte: „Cicero hat die catilinarische Ver 
schwörung aufgedeckt“, „Cicero patefecit conjurationem Cati- 
linariam“, anstatt „Cicero conj urationem Catilinariam pate 
fecit“. Ein Schüler bezeichnete das Wort „überragen“ in dem 
Satz „Die Felswand überragt die Schlucht“ als Eigenschafts 
wort. Ein anderer Schüler hatte sich geweigert, den Satz 
„Er ist abwesend“ in der ersten Person zu konstruieren. Ein 
anderer Schüler nahm Anstand, den Ausdruck „leidende 
Form“ eines Zeitwortes zu gebrauchen; ein anderer Schüler 
hatte sich geweigert, nachzusagen, daß das Imperfektum im 
Latein auch eine in der Vergangenheit dauernde Handlung 
bezeichnet (s, Karl Schmidts Lateinische Schulgrammatik, 
Wien, 1910, Seite 147 und Dr. Johann Haulers Lateinisches 
Übungsbuch für die zweite Klasse der Gymnasien, Wien, 
1911, Seite 199), weil es nach seiner Meinung wohl nur den 
Gedanken einer Person an eine in der Vergangenheit dauernde 
Handlung bezeichnen könne. Ein anderer Knabe weigerte 
sich, die Aufgaben 3 /r von 28, 2 /s von 36, 4 /? von 35 unter die 
Lehre von den Brüchen zu subsummieren. Peinliche Über 
raschung zeigte sich bei einem Schüler, dem zugemutet wurde, 
aus 64 Quadratmetern die Kubikwurzel zu ziehen. Sollte 
wohl heißen „die dritte Wurzel“. Die Bezeichnung Kubik 
wurzel stammt von den Kubikzahlen 8, 27, 64, 125 usw.; 
griechisch kybos, lateinisch cubus, ein Würfel. Die Lösung 
der Aufgabe ist am Rechenapparat (siehe Intern. Sammler- 
Zeitung, VII. Jahrg., Seite 168), die Rechtecke als Quadrate 
vorgestellt in der ergänzt gedachten Gruppe der Vierer, bezw. 
in der Gruppe der Achter durch planmäßige, einheitliche 
geometrische Konstruktion von stetigen Potenzgrößen leicht 
verständlich darstellbar. Zu vergleichen auch: Neue Freie 
Presse Nr. 8962, Seite 4 über die Veranschaulichung und 
Beibringung der Zahlenbegriffe auf dem Prinzip des Räum 
lichen nach dem in den WUener städtischen Samm 
lungen befindlichen Exemplar dieses Rechenapparates mit 
Prismen, im Gegensatz zu den für den Gebrauch in den 
Elementarschulen ausreichenden, leicht handlichen einzeln 
fixierten und um eine Axe drehbaren doppelfärbigen Prismen 
grundrissen. 
In einem anderen Fall handelte es sich um die Erklärung 
des Wortes Quotient seitens eines verschüchterten Knaben. 
Um ihm nachzuhelfen, erinnerte die Lehrkraft den Knaben 
an die Bedeutung des W'ortes quoties ? wievielmal ? und fügte 
die Aufgabe hinzu: Wie oft sind sieben Einer in einundzwanzig 
Einern, bezw. in vierzehn und sieben Einern enthalten ? Um 
ihm weiters nachzuhelfen, hatte ihn die Lehrkraft um Ge 
schehnisse gefragt, welche im Verlauf einer Minute, dann von 
mehreren Minuten bis zu einer Stunde, dann von mehreren 
Stunden bis zu einem Tag, dann von mehreren Tagen bis zu 
einer W r oche, dann von mehreren Wochen bis zu einem Monat, 
dann von mehreren Monaten bis zu einem Jahr usw. wieder 
kehren. 
Scheinbar erleichtert fing der Knabe an, aufzuzählen: 
Das Atmen, der Pulsschlag, die Pendelbewegung der Uhr, 
das Schließen und W'iederöffnen der Augenlider, das Schlagen 
der Stunden von einer Uhr, das Feuermachen im Herd, das 
Anziehen der Strümpfe, das Aufstehen vom Bett, das Früh 
stücken, der Gang in die Schule, das Aufziehen der Sackuhr, 
das Niesen, das Baden, das Aufspannen des Regenschirmes, 
die Gratulation zur Geburtstagsfeier . . . Die Aufzählung 
unterbrechend, stammelte der Knabe: „Es gibt keine Wieder 
holung, nur einen Wechsel, wie im Kaleidoskop, selbst die 
Umdrehungen sind keine Wiederholungen, so wenig wie das 
Echo in den Bergen.“ Man meinte einen jungen ITerakliteer 
vor sich zu haben. 
Der ältere der beiden Kollegen äußerte die Meinung, daß 
die Beantwortung der Prüfungsfragen, bei welchen es sich 
vornehmlich um die Wiedergabe von Teilen des seit Jahr 
tausenden angehäuften und mitgeteilten Gelernten handelt, 
den Schülern mit genügend treuem Gedächtnis (zu vergleichen: 
Schlechtes Gedächtnis und theoretische Veranlagung. Von 
R. P., siehe Reclams Universum, 30. Jahrg., 1913, Nov. d. 3.) 
weniger Schwierigkeiten bereitet als die der Entwicklung#! 
fragen, insbesondere wenn diese spontan gestellt werden und 
den Schüler zum Nachdenken anleiten sollen. 
Hier müsse ein besonderes Gewicht auf die Beobachtung 
gelegt werden, ob der Schüler überhaupt fachlichlogische 
Entwicklungen von all gern ein logischen zu unterscheiden 
vermag. Es müsse dem Schüler zum Bewußtsein gebracht 
werden, daß die fachlichlogischen Bedingungen für das Ver-
	        
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