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MAK

Full text : Jahrgang 8 (1916) (21)

Nr.  21

Internationale  Sammler-Zeitung

Seite  183

29.  Schlechtes  Bier  —-  Gutes  Bier,  nach  Gemälden  von
Hugo  Kaufmann,  Probeillustration  der  Neuen  Illustr.  Zeitung,
1884.
Zuerst  ergriff  die  Besucherin  einer  Theaterschule  das  Wort.
Sie  bemerkte,  daß  ihr  die  Blätter  1  A  a  und  1  B  a  wie  unvollständige ­
  Theaterzettel  vorkämen;  dann  fing  sie  an  zu  deklamieren: ­
  „Ihr  naht  euch  wieder,  schwankende  Gestalten!
Die  früh  sich  einst  dem  trüben  Blick  gezeigt  —  Versuch  ich
wohl,  euch  diesmal  festzuhalten?  Fühl  ich  mein  Herz  noch
jenem  Wahn  geneigt?  Ihr  drängt  euch!  nun  gut,  so  mögt  ihr
walten'  ‘.
Hierauf  erzählte  eine  Mutter  von  ihrem  siebenjährigen
Töchterchen,  daß  dieses  nach  Besichtigung  der  Blätter  I  A  a
und  1  Ab  die  Frage  an  sie  gerichtet  hatte:  „Ob  die  Buben,
wenn  sie  getauft  werden,  wieder  klein  werden?“  Fin  Obergymnasiast ­
  erinnerte
an  das  bekannte
Hysteron  proteron  von
Vergil:  „Laßt  uns
sterben  und  uns  mitten
in  die  Feinde  stürzen“.
Eine  andere  Mutter
beklagte  sich,  daß
ihre  Kleine  die  für
das  Blatt  1  Ab  gestellte ­
  Frage:  „Wer
von  den  sechs  Geschwistern ­
  war  damals
noch  nicht  auf  der
Welt?“  keine  Antwort
bekommen  hatte,  auch
dann  nicht,  als  sie
dem  Mädchen  eindringlich ­
  mitgeteilt
hatte,  daß  sechs  weniger ­
  eins  gleich  fünf
sei.  Sie  hatte  auch
von  ihrem  Kinde
das  Mäderl  mit  dem  ’
lichtblauen  Kleidchen
auf  dem  Blatte  1  A  a
aufsuchen  lassen,  was
noch  nicht  da  war  (sic).
Ein  Realschüler
sprach  die  Meinung
aus,  daß  der  Schüler
wohl  zuerst  zwischen
Datumsjahren  mit
ihren  Teilen  und
Existenzjahren  mit
ihren  Teilen  unterscheiden ­
  müsse.  Für  den
vorliegenden  Fall  empfahl  er  nachstehende  Hilfskonstruktion
mit  synchronistischen  Linien.

Fig.  4.
Perserteppich  (Sammlung  Hirth).

Werden  die  vorgezeigten  Abbildungen  auf  Wirklichkeiten
bezogen,  so  könnte  man  leicht  auf  den  Gedanken  kommen,
daß  alle  12  Kinder  heute  ihren  Geburtstag  gefeiert  haben  oder
noch  feiern,  ferner,  daß  beide  6  Jahre  alt  gewordenen  Knaben
heute  das  erste  Mal  in  die  Schule  gegangen  sind  und  daß  der
zweite  sechsjährige  Knabe  laut  1  B  o  gerade  im  Begriffe  ist,
das  Licht  mit  dem  Blasbalg  auszulöschen.
Er  fügte  noch  hinzu,  daß  die  kleinen  Benützer  des  Werkchens
  erinnert  werden  sollen,  daß  im  Verlauf  von  sechs
Jahren  die  Veränderungen  an  den  Personen  und  Dingen  und
ihren  Teilen  und  Zugehörigen  vielfach  anders  sind,  als  nach
Ablauf  von  einem  einzigen  Tag.
Es  wäre  auch  empfehlenswert,  die  Aufmerksamkeit  der
Kleinen  auf  das  augenblicklich  Zugehörige  zu  den  Personen,
z.  B.  auf  die  Mannigfaltigkeit  der  Richtung  des  Schauens
z.  v.  die  Bilder  1  Ab  und  1  B  g  zu  lenken.

Ein  Hörer  der  Geographie  bemerkte,  daß  die  Stipulationen
bei  dem  Bilde  1  A  a  hinsichtlich  der  allerdings  willkürlichen
Namengebung  der  Geschwister  seitens  des  Schülers  an  die
Gepflogenheit  erinnere,  von  dem  Schüler  stumme  Landkarten
mit  den  richtigen  Namen  bezeichnen  zu  lassen.
Ein  Frau  erzählte  von  ihrem  Söhnchen,  daß  dieses  beim
Anblick  des  Blattes  1  B  c  sie  gefragt  hatte,  ob  die  vom  Einkauf ­
  des  Frühstückgebäckes  zurückgekommene  Schwester
daran  gedacht  habe,  wie  viele  Mühe  die  Mutter  in  der  Frühe
schon  beim  Aufstehen,  Waschen,  Kämmen  und  Anziehen
der  zwei  kleineren  Mädchen  gehabt  habe,  ob  sich  diese  dafür
bedankt  haben  und  ob  diese  wohl  daran  denken,  daß  die
Mutter  diese  Mühe  am  nächsten  Morgen  wieder  haben  werde.
Bezüglich  der  bei  dem  Bilde  1  A  a  gestellten  Frage:  „Woran
erkennst  Du  schnell  den  jüngeren  Bruder?“  bemerkte  ein
Hörer  der  Astronomie, ­
  daß  es  bei  ihm
oftmaliger  Beobachtungen ­
  bedurfte,  bis
es  ihm  gelang,  für
die  12  Tierkreisbilder
Merkmale  zu  fixieren,
bezw.  diese  Sternbilder ­
  in  ihren  wechselnden ­
  Dimensionen,
je  nachdem  sie  dem
Zenith  oder  Horizont
näher  stehen,  schnell
zu  erkennem  •
Ein  Hörer  der
Unterrichtslehre  ersuchte ­
  die  Anwesenden ­
  der  Versammlung
mitzuteilen,  für  welche
Merkmale  sie  sich  bei
den  12  Kinderbildnissen ­
  interessieren.
Ein  'Hörer  der'
Rechtswissenschaft  erinnert^ ­
  an  die  Personsbeschreibung ­
  in
einem  Paß.  Statur,
Gesicht,  Haare,  Augen,
Mund,  Nase  und  besondere ­
  Kennzeichen.
Ein  Hörer  der  Anthropologieinteressierte ­

sich  für  die  die  äußere
Erscheinung  vorwiegend ­
  beeinflussende  und
in  die  Augen  springende
Haarbeschaffenheit.
Der  Sohn  eines  Friseurs  interessierte  sich  für  die  Haartrachten, ­
  die  Besucherin  einer  Nähschule  für  die  Kleider;
sie  bemerkte,  daß  das  älteste  Mädchen  durch  sechs  Jahre
Kittelkleidchen  mit  Gürtel  trage.  Der  Besucher  einer  Thcaterschule
  machte  auf  die  Mannigfaltigkeit  der  Posen  auf  allen
Bildern  aufmerksam.
Bezüglich  der  Subsumtion  unter  Anschauungskreise  (zu
vergleichen  9)  erzählte  ein  Hörer  der  Logik  von  Versuchen
seines  jüngeren  Bruders  die  Bilder  für  die  Affekte  z.  v.:  Internationale ­
  Sammler-Zeitung,  I.  Jahrg.,  Seite  37  und  38  unter
die  Disziplinen:  1.  Unterrichtslehre,  2.  Seewesen,  3.  Militärwesen, ­
  4.  Theologie,  5.  Literatur  usw.  einzureihen;  und  daß
er  daran  dachte,  diese  Gedanken  auf  Gebäude  für  Wissen,
schäften,  Künste,  Gewerbe  usw.  zu  beziehen,  in  welchen
vielleicht  schon  davon  die  Rede  gewesen  war.  Zu  vergleichen:
2  C.  —  Ein  Schüler  des  Institutes  knüpfte  hieran  die  Bemerkung, ­
  daß  sich  an  den  Wänden  des  Arbeitszimmers  seiner
Vaters  folgende  Bilder  befinden:  Der  Danzinger  Bürgermeistes
Hevel  an  seinem  großen  Quadranten,  1670;  Goethe  mit  Notiz-
            
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