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MAK

Full text : Jahrgang 8 (1916) (22)

Seite  194

Nr.  22

Internationale  Sammler-Zeitung

von  den  Postämtern  verkauft,  besitzen  aber  nur  Frankaturgültigkeit ­
  für  10  Centimes.  Die  Auflage  ist  fest  begrenzt  und
darf  nicht  überschritten  werden.  Der  Ertrag  aus  dem  Verkauf
dieser  Marken  fällt  dem  tunesischen  Hifskomitee  für  tunesische
Kriegsgefangene  in  Deutschland  zu.
Türkei.  Anläßlich  des  Nationalfeiertages  wurde  ein  geschlossener ­
  Satz  ausgegeben,  bestehend  aus  den  Markenwerten
zu  10,  20  Paras,  1,  2  und  2%  Piaster  (Senf  Nr.  74),  126,  127,
128  und  129.  Der  zweizeilige  Aufdruck  in  türkischer  Schrift
lautet:  10.  Temmonz  1331  (23.  Juli  1916).  Die  kleine  Auflage,
die  mit  50.000  Sätzen  bezeichnet  wird,  war  rasch  vergriffen.
Württemberg.  Mit  de:  Erhöhung  der  Postgebühren
wurde  die  für  den  amtlichen  Verkehr  der  Staatsbehörden
bestehende  Wertzeichenreihe  um  neue  Dienstmarken  und
Ganzsachen  im  bisherigen  Muster  erweitert.  Wie  beim  übrigen
deutschen  Reiche  wurden  Wertstufen  zu  2%,  7  und  15  Pf
für  Dienstmarken  geschaffen.

Verschiedenes.
(Ein  Kriegstagebuch  von  Max  Slevogt.)  Im  Herbst
1914  war  Max  Slevogt  als  Kriegsmaler  auf  dem  westlichen
Kriegsschauplatz  bei  einem  Armeeoberkommando.  Damals  entstanden ­
  die  Blätter,  die  jetzt  bei  Brunno  Cassirer  in  Berlin
als  des  Künstlers  ,  Kriegstagebuch“  erscheinen.  Diese  Blätter
sind,  wie  er  in  der  Einleitung  des  Buches  sagt,  „genau  so  geblieben, ­
  wie  sie  an  Ort  und  Stelle  und  in  der  Minute  entstanden
sind  —  entstanden  ausschließlich  für  mich,  der  ich  an  keinerlei
Berichterstattung  und  andere  Aufgaben  oder  Absichten  gebunden ­
  war“.  Das  Buch  enthält  37  Bilder,  Aquarelle  und
Zeichnungen,  darunter  acht  farbige  Blätter.
(R  ethel  -Ausstellung  in  München.)  Zum
100.  Geburtstag  Alfred  Rethels  veranstaltete  die  Galerie
Heinemann  in  München,  eine  Ausstellung  von  etwa  130  Werken
des  Meisters,  unter  denen  die  Handzeichnungen  numerisch
und  künstlerisch  hervorragen.  Frau  Else  Sohn,  Rethels
Tochter,  stellte  bereitwillig  den  noch  in  ihrem  Besitz  befindlichen ­
  Nachlaß  des  Künstlers  zur  Verfügung.  Die  Datierung
der  Blätter  geht  in  vielen  Fällen  auf  Aussagen  der  im  Jahre
1895  verstorbenen  Gattin  Rethels  zurück.  Unter  den  Ölbildern ­
  begegnet  man  dem  vor  1836  entstandenen  Porträt
der  Mutter  im  orientalischen  Shawl,  das  1912  in  der  Berliner
Jahrhundertausstellung  ausgestellt  war.

Museen.
(Die  Sammlung  Freund  im  Berliner  Kupferstichkabinett.) ­
  Durch  Vermächtnis  des  verstorbenen  Berliner
Kunstmalers  Dr.  Georg  August  Freund  ist  dem  Berliner
Kupferstichkabinett  eine  umfangreiche  Sammlung  von  Reproduktionskupferstichen ­
  des  19.  Jahrhunderts  zugefallen,
deren  ungefähr  tausend  Blätter  die  Bestände  des  Kabinetts
gut  ergänzen  und  vornehmlich  durch  eine  große  Anzahl  von
Etats  —  die  sich  bei  manchen  Blättern  sogar  bis  in  das  zweite
Zehnt  erstrecken—-interessieren.  Von  Desnoyers,  dem  eigentlichen ­
  Reformator  des  modernen  Reproduktionsstiches,  weist
die  Sammlung  fast  alle  seine  Raffael-Stiche  in  Drucken  vor
der  Schrift  auf.  Ebenso  befindet  sich  darunter  der  größte
Porträtstich  des  Jahrhunderts,  der  „Bertin“  nach  Ingres,
eine  Jugendarbeit  Henriqueis.  Besonders  reich  ist  auch  der
italienische  Kupferstich  in  der  Sammlung  vertreten:  Blätter
von  Raffael  Morghcn,  von  dem  Begründer  der  Mailänder
Schule,  von  Longhi,  und  von  dessen  großer  Schule.  Den  Mittelpunkt ­
  der  ganzen  Sammlung  bildet  das  Werk  des  Berliners
Mandel.
(Ein  Wilhelm-Raabe-Museum.)  In  Eschershausen
(Braunschweig),  dem  Geburtsort  des  vor  drei  Jahren  verstorbenen ­

  Schriftstellers  Wilhelm  Raabe,  ist  in  jüngster  Zeit  zu
Ehren  des  Dichters  verschiedenes  geschehen.  An  seinem  Geburtshaus ­
  gegenüber  der  Stadtapotheke  wurde  eine  Gedenktafel ­
  errichtet,  ein  ,,  Raabe-Turm“  und  ein  Raabe-Denkmal
wurden  auf  dem  „Großen  Sahle“,  der  höchsten  Erhebung  des
Hilses  (477  m)  aufgestellt.  Auch  die  vielen  Stätten  in  der  Umgebung ­
  seines  Geburtsortes,  die  in  seinen  Romanen  benannt
werden,  wie  das  Odfeld,  die  Klosterkirche  Amelungsborn,  Hooptal,
  Rotensteinhöhle  und  andere  mehr  erhielten  Erinnerungszeichen ­
  an  den  Dichter.  Nun  ist  auch  mit  der  Errichtung  eines
„Wilhelm-Raabe-Museums"  der  Anfang  gemacht  worden.  Die
„Gemeinde  der  Brüder  des  großen  Sahls“,  der  der  Dichter  besonders ­
  nahe  stand,  und  der  er  als  „Ehrenbruder“  angehörte,
hat  in  ihrem  Heim,  dem  Sanderschen  Hotel,  ein  Zimmer  eingerichtet, ­
  das  alles  vereinigen  soll,  was  an  Raabe  erinnert.
Bereits  sind  Bildnisse  und  Briefe  des  Dichters  hier  vorhanden
und  weitere  Erinnerungen  werden  gesammelt.

Vom  Kunstmarkt.
(Eine  neue  Auktion  bei  Wawra  in  Wien.)  Die
Kunsthandlung  C.  J.  Wawra  in  Wien  läßt  der  Versteigerung
der  Sammlung  Victor  Zuckerkandl  gegen  Ende  dieses  Monates ­
  schon  eine  neue  folgen,  die  der  ersten  an  Bedeutung
kaum  nachstehen  wird.  Auch  diesmal  sind  die  besten  Alt-Wiener
  Meister  mit  hervorragenden  Werken  vertreten.  So
Daffinger  mit  einem  „Porträt  einer  Fürstin  Esterhazy,
Dannhauser  mit  „Dichterliebe“,  Amerling  mit  „Davison
als  Richard  der  Dritte"  und  dem  „Porträt  Robert  Theers“,
Gau  er  mann  mit  „Holzknecht  am  Wiesenbach“,  J.  Kriehuber ­
  mit  dem  „Porträt  des  Grafen  Franz  Khevenhüller“
und  „Hallstätter  Bauernjungen",  Robert  Theer  mit  einem
Miniaturporträt,  Ranftl  mit  „Das  Fest  des  hl.  Nikolaus“.
Rudolf  von  Alt  ist  durch  die  Aquarelle  „Der  schöne  Brunnen
in  Nürnberg“,  „Der  Vierwaldstättersee“,  „Eine  Ansicht  aus
Graz"  und  „Villa  am  Comersee",  Jakob  Alt  durch  „Ansicht
aus  Admont  und  St.  Wolfgang“  und  ein  „Großes  Panorama
von  Wien“,  Pettenkofen  durch  ein  Aquarell  und  durch  eine
Ölstudie  „Zum  Duell“  aus  der  Serie  seiner  „Ruhmestaten“,
C.  Marko  durch  das  Bild  „Ideale  Landschaften“  vertreten.
In  der  Sammlung  erscheinen  auch  ein  vorzüglicher  W r aldmüller,
  ferner  Gemälde  von  Eybl,  Lawrence  (Porträt  des
Reichskanzlers  Fürsten  Metternich),  Spitzweg  (Landschaft),
H.  Zügel  (Unangenehme  Begegnung),  und  eine  Kollektion  von
sehr  guten  alten  Bildern.
(Nachlaß  Hugo  Kauffmann,  München.)  Der  künstlerische ­
  Nachlaß  Hugo  Kauffmann,  der  in  der  Galerie  Helbing ­
  in  München  am  12.  Dezember  versteigert  wird,  bietet,
wie  ja  die  meisten  Künstler-Nachlässe,  viel  des  Interessanten
und  ganz  besonders  in  jenen  W'erken,  die  die  verschiedenen
Epochen  des  Künstlers  vorführen.  Wir  sehen  da  Studien,  die
unter  seinem  Lehrer  Jakob  Becker  und  Zwerger  entstanden
sind,  figürliche,  landschaftliche  und  dem  Tierleben  entnommene
Motive.  Ihnen  reihen  sich  jene  interessanten  Studienköpfe  an,
die  ihre  Entstehung  seinem  Pariser  Aufenthalt  in  den  sechziger
Jahren  verdanken,  durchschnittlich  sehr  beachtenswerte  interessante ­
  Arbeiten.  Dieser  Epoche  folgte  die  Übersiedlung  nach
Ki'onberg.  Hatte  sich  Kauffmann  bisher  an  keine  bestimmten
Motive  gehalten,  so  war  das  Zusammenarbeiten  mit  Burger  in
Kronberg  für  ihn  entscheidend  und  er  wandte  sich,  wie  aus  verschiedenen ­
  Bildern  kleineren  Formats  ersichtlich  ist,  dem  Genre
zu.  Als  Motiv  wählte  er  das  Leben  der  ländlichen  Bevölkerung.
Im  Jahre  1871  verlegte  Kauffmann  seinen  Wohnsitz  für  immer
nach  München,  wo  er  seinen  Motiven  aus  der  Kronberger  Zeit
treu  blieb,  sie  aber  farbiger  gestaltete.  Als  Übergang  von  der
Kronberger  zur  Münchener  Zeit  kann  wohl  am  besten  die
großzügige  Komposition  der  Jagdgesellschaft  angesehen  werden. ­
  Hugo  Kauffmanns  Vater,  Hermann  Kauffmann,  ist
ebenfalls  mit  W'erken  aus  verschiedenen  Epochen  vertreten.
            
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