MAK
Seite 1Ö8 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 23 
Grosse Kunstauktion im Wiener Dorotheum. 
Die nächste Auktion des Dorotheums in Wien, 
die in den Tagen vom 14. bis 19. Dezember stattfindet, 
hält sich qualitativ ganz auf dem Niveau ihrer Vor 
gängerinnen, der Auktionen Palmer, Hoyos-Amer- 
ling und Hofrat Dr. Emil Zuckerkandel, quantitativ 
übertrifft sie diese sogar, was sich daraus erklärt, daß 
diesmal mehrere bedeutende Nachlaßsammlungen ver 
einigt wurden. 
Da ist in erster Linie der Nachlaß des Wiener Ad 
vokaten Dr. Heinrich Modern, der als Sammler nicht 
weniger bekannt war, denn als Kunstschriftsteller. Er 
begann mit dem Sammeln zu einer Zeit, da noch Kunst- 
und Kunsthandwerkgegenstände sozusagen auf der 
Straße lagen. Mit Verständnis und Geschmack begnadet, 
traf er die richtige Auslese; was Dr. Modern erwarb, 
konnte vor dem Auge eines jeden Kenners bestehen. 
Aber so wenig, wie Unechtes, wird man in der Kollek 
tion Uninteressantes finden. Durchgehends jedes der 
zur Versteigerung gelangenden 188 Stücke ist ein Be 
weis dafür. 
Unter den Tasten sind gleich die ersten Nummern 
(44 und 45) Böttcher Porzellan, also Raritäten, nur 
überragt von Nummer 47, einer weißen Porzellantasse 
im Böttcherstile. Die Bouillontassen (38 und 39), beide 
Alt-Meißen, die Teekanne (75) und Untertasse (57), 
beide ältestes Wien, sind Sammelstücke. 
Eine Statuette, Paris mit dem Apfel darstellend, 
das einzig bekannte Exemplar, ist aus der alten Wiener 
Manufaktur. Es genügt wohl der Hinweis, daß Raphael 
Donner das Modell dazu geschaffen hat. Hochinter 
essant ist eine Figur aus dem berühmten Tafelaufsatz 
des Stiftes Zwettl in Niederösterreich (Nr. 78). Eine 
Kaffeetasse (Nr. 79) ziert die Malersignaüir Claudius 
Herz, eine andere (Nr. 74) das Zeichen des berühmten 
Kothgasser. Seltene Stücke sind auch das schöne 
Schokoladenmädchen nach Leotard (Nr. 73), die 
Sevretasse (Nr. 37), die signierten Nymphenburger 
tassen, die historisch merkwürdige Berliner Tasse 
(Nr. 32) und die Antoinettenschale (Nr. 29). 
Von den Gläsern wären die Pokale (Nr. 90 und 98), 1 
der Erzherzogspokal (Nr. 89) sowie ein altholländischer 
Pokal hervorzuheben. Den Namenszug der Kaiserin 
Maria Theresia ziert das Trinkglas Nr. 120. Mit 
künstlerischem verbindet außerdem Seltenheitswert ein 
Hallerglas (Nr. 108); würdige Seitenstücke dazu sind 
eine altdeutsche Flasche, die beiden Nautillus und die 
Mildener Gläser. 
Des Interesses würdig, sind weiters eine Ofenkachel, 
eine wertvolle Terrakottastatuette und die alten 
Apothekergefäße. Eine deutsche Renaissancearbeit ist 
eine Marmorbüste; der Alt-Venezianer Türklopfer 
(Nr. 155), der Johanneskopf von Raphael Donner, 
die beiden Charakterköpfe von Messerschmidt 
gehören in das Gebiet der hohen Kunst. 
Der Nachlaßsammlung Dr. Heinrich Modern schlie 
ßen sich Sammlungen von meist Wiener Persönlich 
keiten an, deren Namen in Liebhaberkreisen gleichfalls 
sehr guten Klang besaßen, die Sammlungen des ehe 
maligen Vorstandes der Wiener Künstlergenossenschaft, 
Oberbaurdtes Andreas Streit, der Gräfin Wolken 
stein und der Herren Dr. Richard Benedikt, 
Friedrich Eckardt-Francesconi von Tiefenfeld, 
Alexander Weigl und Vizekonsul Alexander von Peko- 
vich. 
Der Katalog faßt sie alle in einer Abteilung zu 
sammen, doch wird man bei den Hauptstücken un 
schwer die Provenienz erraten. So geht man z. B. kaum 
fehl, wenn man Courtois ,,Ancilla“, ein Meisterwerk 
des französischen Malers, der Sammlung Benedikt zu 
schreibt, war doch Dr. Richard Benedikt als besonderer 
Schätzer Courtois bekannt. Eine Handzeichnung von 
Mcytens, die Kaiserin Maria Theresia darstellend, 
stammt gewiß aus dem Nachlasse des Oberbaurates 
Streit, wie man auch sicher weiß, daß Kaspar von 
Zumbusch diese lebensvolle, naturgetreue Skizze bei 
der Schaffung des Maria Theresienmonumentes benützt 
hat, das den Platz zwischen den beiden Hofmuseen in 
Wien schmückt. Doch bedarf es der Bürgschaft, die in 
der Kenntnis des Vorbesitzers liegt, nicht dort, wo das 
Werk so deutlich für sich selbst spricht, wie es hier bei 
den meisten Objekten, namentlich aber bei den Ge 
mälden, der Fall ist. Oder wird man bei Alt, bei Füger, 
Waldmüller, bei Schindler oder bei Pettenkofen viel 
darnach fragen, wem diese Kunstwerke früher zu eigen 
waren. Wir glauben, nicht. Und so sei denn einfach 
darauf hingewiesen, daß in der Gruppe der modernen 
Meister sich vier Bilder von Waldmüller, und zwar 
„Palmsonntag“, „Mutterglück“, eine alte Bäuerin und 
das große Doppelporträt zweier Schwestern von Amer 
ling, das reizende Gemälde „Mutter mit ihren drei 
Kindern“, weiters vorzügliche Bilder von Fugcr (An 
dromeda), von Hans Makart, Defregger, Petten 
kofen, Schindler, Blaas, Ender, Peter Fenndi, 
van Haanen, Hörmann, Huber, Matsch, C. L, 
Müller, Ritter, Schrotzberg, Charles Wilda u. a. 
finden. 
Unter den deutschen und französischen Meistern 
begegnen w r ir Namen wie Achenbach, Bai sch, 
Kauffmann, Lenbach, Gabriel von Max, Schleich 
sowie Dettmann, Kaulbach und Stuck. 
Der Farbendruck ist durch Morland, Traun 
fellner, Westall und Singleton ausgezeichnet ver 
treten. 
Von den Meistern der Aquarellbildnisse und 
Miniaturen seien genannt: Daffinger mit vier Ar 
beiten, ferner Anreiter, Kriehuber und Suchy. 
Aus dem ehemaligen Amerlingbesitze rühren 
mehrere italienische Renaissancebronzen her. Gobelins, 
kostbare Brokate und sonstige Textilien aus adeligem 
Besitz, auserlesenes Porzellan, Schalen, Services und 
Figuren, Schweizer Scheiben, eine Kollektion von Bie 
dermeiergläsern, Dosen Uhren, Bijoux, Fächer, Arbeiten 
in Silber, Holz und Zinn, Kunstmobilar, Prunkschränke -• 
Boulle-Schreibtische, Kommoden, Barock-, Empire- und 
Biedermeiergarnituren in großer Anzahl vervollständi 
gen die Sammlungen, die. unzweifelhaft große An 
ziehungskraft auf die Sammler ausiiben werden.
	        
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