MAK
Nr. 23 
Internationale Sammler-Zeitung 
Seite 199 
Autographen-Versteigerung in Berlin. 
Mit dem zweiten Teil der Sammlung Adolph Loh 
meyer bringt Karl Ernst Henrici in Berlin auch die 
Autographen aus dem Nachlasse des Musikmeisters 
Schwaan in Rostock auf den Markt, die sich haupt 
sächlich auf Tonkünstler beziehen. 
So ist Mozart mit einem Prachtstück, einem 
achteinhalb Seiten umfassenden Musikmanuskript ver 
treten. Es ist dies das Manuskript der Arie „Conser- 
vati fedele“ für Sopran, zwei Violinen, Viola und 
Violoncello, das der Meister in frühester Jugend auf einer 
Kunstreise mit dem Vater im Haag schrieb. Das 
Manuskript beginnt mit dem Text der Arie, ist in 
bester Reinschrift von ihm niedergeschrieben, wahr 
scheinlich zu Geschenkzwecken, und zeigt von der 
ersten bis zur letzten Note die bezeichnenden Merk 
male der Jugendhandschrift Mozarts. 
Neben diesem Musikmanuskript enthält die Samm 
lung ein zwei Seiten umfassendes Blatt aus Mozarts 
Jugendtagebuch. Davon ist eine drei Vicrtelseite von 
ihm selbst, der Rest von seiner Schwester geschrieben. 
Das Tagebuch, das Mozart als Knabe im Verein mit 
seiner Schwester führte, ist bisher unauffindbar ge 
wesen. Das vorliegende Blatt dürfte daher als das 
einzige noch erhaltene in diesem Tagebuch zu be 
zeichnen sein und verdient als Mozart-Reliquie von 
größtem Werte betrachtet zu werden. Diese Ein 
tragung Mozarts lautet wörtlich: „Den 2 N B Dezember 
das Theater durch ein glöckelzeichen nach beendigter 
Ouvertüre zum 51. mahle eröffnet worden mit einem 
militärischen Traum in 5 auf- und abzügen. Nach 
geendigtem Stück wurde durch Herrn Stierly auf 
folgenden Tag nämlich abends, dann durch Musiziert 
(Menuet und Trio) (N. B. öfters wiederholt) alsdann 
ein Allegro. Endlich aber kam Böhm ins Orchester 
und. alles lebte auf.“ 
Ein eigenhändiger Brief von Konstanze, Mozarts 
Gattin, in dem sie das Menuett und das Tagebuchblatt 
dem Musikdirektor Sclrwaan in Rostock schenkt, 
deutet darauf hin, daß das Tagebuch in ihrem Besitz 
gewesen sein muß und offenbar, wie es leider auch 
Wolzogen mit den Autographen Schillers machte, 
in einzelnen Teilen verschenkt wurde. 
Sehr originell und von der ausgelassenen Stimmung 
Mozarts zeugend, ist ein eigenhändiger dreistimmiger 
Scherzkanon, 22 Takte umfassend. Auf der Rückseite 
befindet sich noch ein vierstimmiger Spottkanon auf 
den Tenoristen Johann Nepomuk Peierl (gestorben 
1801) „0 du eselhafter Peirl, o du peierlicher Esel, 
du bist so faul wie ein Gaul, der weder Kopf noch 
Haxen hat.“ usw., 31 Takte und höchstwahrscheinlich 
in München komponiert. 
Auch viele Briefe Konstanze Mozarts, später ver 
mählt mit Nikolaus von Nissen, dem Verfasser der 
ersten Mozart-Biographie, werden versteigert werden, 
ln einem dieser Briefe überreicht die Witwe ihrem 
Freunde Schwaan drei prachtvolle Originalsilhouetten, 
Bilder ihrer Angehörigen, von ihr eigenhändig unter 
schrieben. In einigen äußert sie sich in sehr interes 
santer Weise über ihre Familienverhältnisse und über 
verschiedene Manuskripte Mozarts. 
Auch an Briefen Beethovens fehlt es. in der 
Sammlung nicht. Besonders merkwürdig ist eine 
Zuschrift von ihm an einen Freund, mit den Worten 
beginnend: „Hier, lieber Freund, der Brief von Graz 
wegen meiner Oper“ und mit den Worten schließend: 
„Lieber Bruder Poet, lieber Bruder in Apollo, sei mir 
gesegnet.“ 
Kostbar sind die zwei eigenhändigen Seiten aus 
dem Tagebuch von Schubert vom 17. Juni und 
8. September 1816. Es ist dies ein wundervolles Auto 
graph, das einzige im Handel bekannte Tagebuch. Die 
Eintragung von ihm vom 8. September beginnt mit 
dem Lebensspruch: „Der Mensch gleicht einem Balle, 
mit dem Zufall und Leidenschaft spielen. Mir scheint 
dieser Satz außerordentlich wahr.“ 
Von Richard Wagner finden wir einige Briefe, 
darunter einen sehr herzlich abgefaßten an den Hof 
schauspieler Ferdinand Heine, den er mit „Liebster 
Heinemann!“ anredet. „Den Winter über“, heißt es 
da, „werde ich in möglichst behaglichem Faullenzen 
zubringen, dem einzigen was mir noch etwas schwer 
fällt, um so vollkommen gerüstet und genesen im 
Sommer an das grösste Werk meines Lebens zu gehen, 
über das ich Dir nichts mittheile, weil Du ausführliches 
nächstens davon in einer„Mittheilung an meine Freunde“ 
lesen wirst, die ich als Vorwort der Herausgabe meiner 
„Drei Op. rndichtungen" (fl. Holl.-Tannh. u. Lohgr.) 
vorangehen lasse. — Hiermit genug für diesmal! — . . .“ 
Die vorliegenden Briefe Hans von Bülows sind 
höchst bezeichnend für diesen originellen und oft 
barocken Meister. Da finden sich zum Beispiel reiz 
volle Erinnerungen an Anton Rubinstein, gerichtet 
an einen deutschen Schriftsteller sowie an den ver 
storbenen Autographenhändler Leo Liepmanssohn, 
der ein Schüler Bülows war. Höchst aktuell ist eine 
Zuschrift vom 10. Februar 1892 an den Herausgeber 
des Pariser „Figaro“, dem er mit beißendem politischen 
Spott b grgnet. Da der Herausgeber des „Figaro“ 
nicht glauben wollte, daß Bülow der Verfasser dieser 
blutigen Ironie war, ließ er sich die Handschrift des 
deutschen Klavierkönigs gleichsam notariell beglaubigen, 
wie dies auf dem Autograph zu lesen ist. 
Johann Strauß Vater ist durch ein muskalisches 
Albumblatt, sein berühmterer Sohn Johann durch einen 
interessanten Künstlerbrief an Haslinger vertreten. 
Ein sehr interessantes Stück ist das Stammbuch der 
Madame F. Friedland in Paris. Von den 42 Eintra 
gungen verdient besonders das folgende Gedicht Heines 
hervorgehoben zu werden: 
O laß nicht ohne Lebensgenuß 
Dein Leben verfließen! 
Und bist du sicher vor dem Schuß 
So lasse ihn nur schießen. 
Fliegt dir das Glück vorbei einmal, 
Erfaß es am Zipfel, 
Auch rat ich dir, baue dein Ilüttchen im Tal 
Und nicht auf dem Gipfel. 
Wichtig und wertvoll sind die Autographen der 
Fürsten, Feldherrn und. Politiker, von denen wir heraus 
greifen: Friedrich der Große, Kaiser Wilhelm I., 
Bismarck, Katharina II. von Rußland, Kossuth, 
Lassalle, die Maintenon, Moltke, Napoleon I., Fürst 
Poniatowski, Graf Radetzky, Robilant, Koloman von 
Tisza und Graf Zeppelin.
	        
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