MAK
Nr. 23 
Internationale Sammler- Zeitung 
Seite 201 
Chronik. 
Bibliophilie. 
(Die Bibliothek Alfred Holder.) Die Bibliothek des 
verstorbenen Direktors der Karlsruhei Ilof- und Landesbiblio 
thek Dr, Alfred Holder, des Verfassers des „Altkeltischen 
Sprachschatzes“, ist in den Besitz des Antiquariats Joseph 
Baer & Co. in Frankfurt a. M. übergegangen. 
Bilder. 
(Die Entwürfe zu den Wandgemälden der Ypener 
Tuchhalle.) Ein interessanter Fund ist im Nachlaß des ver 
storbenen Lehrers an der Dresdener Akademie, Professor 
Pauwels, der gebürtiger Belgier war, gemacht worden. Es 
haben sich dort, sechs Bilder vorgefunden, die als die Ent 
würfe zu den Wandgemälden in der nunmehr zerstörten 
Tuchhalle in Ypern erkannt worden sind. Pauwels Bilder 
stellen bekanntlich Szenen aus der Geschichte Yperns während 
des Mittelalters dar. 
(Versteigerung zweier Bilder von Ibsen.) Aus 
Kopenhagen wird uns berichtet: Zwei Gemälde von Henrik 
Ibsen wurden bei einer Bilderauktion in C-hristiania ver 
steigert. Es handelt sich um zwei kleine Gemälde, die 
Henrik Ibsen gemalt hat. Die Verfasserschaft ist durch 
Sigurd Ibsen, den Sohn des Dichters, bestätigt. Wie bekannt 
hat Ibsen in jungen Jahren auch gemalt und gezeichnet. 
So sind aus der Zeit, da er Theaterdirektor war, Skizzen zu 
Theaterkostümen von seiner Hand erhalten. Die jetzt zur 
Versteigerung gebrachten Bildchen sind zwei kleine, sauber 
gepinselte norwegische Landschaftsansichten. 
(Die Layardsche Gemäldesammlung.) Wie die 
„Times“ melden, wurde eine beträchtliche Anzahl von Ge 
mälden der Layardsehen Sammlung in London in der 
National-Galerie im Vestibül und in den italienischen Zimmern 
zur Ausstellung untergebracht. Sie werden wegen des be 
schränkten Raumes in kleineren Partien, die von Zeit zu 
Zeit wechseln sollen, nach und nach alle der Öffentlichkeit 
zugänglich gemacht. Es sind ausschließlich Gemälde italie 
nischer Meister verschiedener Zeiträume. Die ältesten (zwei 
leider beschädigte Fresken) aus der Sieneser Schule werden 
dem A. Lorenzetti (1323 bis 1348) zugeschrieben. Ferner 
sind vertreten 'Cosima Tura, Bramintino, Gaudagio Fer 
rari, Girolamo Savoldo, Carpaccio, Sebastiano del Piombo, 
G. Buonconsiglia, Mezzolino und Ercole Grandi. Zu 
den bestrittenen Bildnissen gehören ein Bild eines Unbe 
kannten von G. B. Morroni und ein solches von Alviso 
Vivarini sowie ein Selbstbildnis von Rosalba. 
Medaillen. 
(Eine Eisengußmedaille des Kaisers Wilhelm.) 
Die erste Eisengußmedaille mit dem Bildnis des Kaisers 
Wilhelm hat jetzt Felix Görling, der künstlerische Leiter 
der Aktiengesellschaft vormals H. Gladenbeck & Sohn in 
Friedrichshagen, geschaffen. Die große Ähnlichkeit der nach 
Studien, die seinerzeit in Norwegen in unmittelbarer Nähe 
des Kaisers entstanden sind, modellierten Medaille wird all 
gemein anerkannt. Der Künstler hat die Medaille der Ver 
einigung der Freunde der deutschen Schaumünze zur V er 
fügung gestellt, der für die Sammlung der Kriegsmedaillen 
noch eine gute Kaisermedaille fehlte. Die Eisenmedaille trägt 
auf der Rückseite den Satz aus der Thronrede vom 4. August 
1914: „Uns treibt nicht Eroberungslust, uns beseelt der un 
beugsame Wille, den Platz zu bewahren, auf den Gott uns 
gestellt hat, uns und allen kommenden Geschlechtern. Die 
ganze Formgebung des Werkes ist auf Eisenguß zu geschnitten. 
Der Kaiser hat den Verkauf der Medaille freigegeben. Das Werk 
ist im Münzkabinett des Kaiser Friedrich-Museums durch die 
Vereinigung der Freunde der deutschen Schaumünze und durch 
die Aktiengesellschaft vormals H. Gladenbeck & Sohn zu 
erhalten. 
Vivatbänder. 
(Neues Vivatband.) Aus Bud weis wird uns geschrieben: 
Der Deutsche Böhmerwald-Bund hat seinen Vivatbändern 
für die heimischen Regimenter -— Infanterieregiment Nr. 91, 
Feldkanonenregiment Nr. 9 (früher Nr. 24) und Landwehr- 
Infanterieregiment Nr. 29 — nun auch eines für die „eisernen 
Sechser , das wackere Landwehr-Infanterieregiment Nr. 6, 
folgen lassen. Die Zeichnung stammt von stud. arch. Walter 
Neuzil. Der Reinertrag des Bandes wird den Witwen und 
Waisen dieses Regimentes gewidmet, ln Budweis sind die 
Bänder bei der Firma Nießl, und zwar in Seide um K 1-50, 
in Woilbändern um 75 h erhältlich. 
Waffen. 
(Polnische Erinnerungsstücke.) Im Obergeschoß des 
Zeughauses in Berlin befindet sich, wie uns von dort ge 
schrieben wird, eine sehr beachtenswerte Sammlung pol 
nischer Beute- und Erinnerungsstücke. Außer den in drei 
großen Glasschränken untergebrachten Uniformen mit den 
verschiedensten Zubehörstücken, die in der Hauptsache aus 
den Jahren 1819 bis 1831 stammen, sieht man eine im Jahre 
1794 erbeutete Fahne. Das Tuch dieses Feldzeichens ist aus 
dunkelrotcr Seide. Auf beiden Seiten des Tuches wird die Mitte 
von einem fliegenden, schwarzen Adler, der von einem goldenen 
Lorbeerkranz umgeben ist, eingenommen. An der senkrechten 
Flugseite zeigt das Feldzeichen Verletzungen, die es im Kampf 
erhalten hat. Dann ist ein Säbel mit Scheide des Königs 
Stephan Bathori von Polen (1574—80) vorhanden. Der 
Säbelgriff ist mit Fischhaut umlegt. Auf der einen Seite der 
Klinge ist von Gold das Brustbild des Besitzers eingelassen. 
Daneben steht die Inschrift: „Stephanus Bathori. Rex. Polonie. 
1579.“ Ein anderer Säbel des polnischen Kronen Groß Hermann 
Stanislaus Zotkiewski (gestorben 1670) schließt sich an. 
Ferner ist ein Panzerhemd aus eisernem Ringgeflccht vor 
handen. Es ist mit dem eingegrabenen Wappen der Stadt 
Posen und einer Umschrift: „Gemacht, in der K. weit, berumten 
Stadt Bosen — Gros Bolen.“ versehen. 
Verschiedenes. 
(Ein Hindenburg-Fund.) Ein merkwürdiger und ori 
gineller Hindenburg-Fund ist, wie die „Historischen Monats 
blätter für die Provinz Posen' ‘ berichten, unlängst in den 
Besitz des Kaiser Friedrich-Museums zu Posen übergegangen: 
Beim Umpllügen des Bodens für die Wintersaat stieß ein 
Ansiedler im Gutsbezirke Zerniki, Kreis Zuin, in der Erde 
auf einen silbernen Becher, den seine Pflugschar leicht be 
schädigte. Er enthob ihn dem Boden und es fand sich, daß 
der Becher rund herum die Namen einer Anzahl von Offizieren 
: trug. Darunter befand sich auch der des Sekondeleutnants 
v. Beneckendorf und Hir.denburg. Der Becher wurde an den 
Leiter des Kaiser Friedrich-Museums in Posen, Professor 
Dr. Kämmerer, abgeliefert, der der Geschichte des merk 
würdigen Fundstückes nachging. Es erwies sich, daß es die 
Jahreszahl 1834, den Stadtstempel Posen und einen Meister 
stempel mit dem Namen Glau trug, und es konnte hiernach 
festgestellt werden, daß der Becher eine Liebesgabe des Offi 
zierskorps des Infanterieregiments Nr. 18 (1. Posensches) 
an einen Leutnant von Osten war. Bei diesem Regiment 
hatte der Vater Hindenburgs seinerzeit als Leutnant gestanden..
	        
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