MAK
Nr. 5 
Internationale Sammler- Zeitung 
Seite 47 
II. 
Die Aussfellung von Edelmetallgegenständen, die 
die Aktion „Gold gab ich für Eisen“ in den schönen 
Räumen der alten Universität veranstaltet, steht 
naturgemäß an Reichhaltigkeit der oben besprochenen 
Ausstellung nach. Der Mensch trennt sich ja wohl 
auch leichter von Kupfer und Messing als von Gold 
und Silber und diese Metalle sind ja auch von Natur 
aus seltener. Ihr großer Wert verhindert auch, daß 
sie allenfalls Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte lang 
weniger beachtet werden und ihre alten Formen be 
halten. So kommt es, daß die künstlerisch oder kultur 
historisch interessanten Gegenstände aus Gold und 
Silber in größerer Zahl aus .der Verborgenheit auf- 
tauchen können, wie in der früher besprochenen Aus 
stellung, die alle Materialien umfaßt, deren sich seit 
Jahrhunderten gleichmäßig das Kunstgewerbe aller 
Nationen zu seinen Schöpfungen bediente. Immerhin 
wird auch diese Ausstellung reges Interesse erwecken. 
Mancher alte Schmuck ist hier auf dem Altäre des 
Vaterlandes niedergelegt worden, und was an Gold 
und Silber in unseren alten Volkstrachten verwendet 
wurde, findet sich hier in schönster Ausführung. Das 
Zeitalter, dem wir die meisten künstlerisch wertvolleren 
Dinge dieser Ausstellung verdanken, ist das Bieder 
meier. Der feminine Einschlag in der Kunst der Barock 
zeit machte sich in einer Belebung des Goldschmied 
gewerbes durch neue Formen und Motive bemerkbar. 
Diese Zeit ist uns auch noch nahe genug, daß noch 
viel alter Schmuck sich im Familienbesitz erhalten 
konnte. 
Das Ergebnis der Sammlung selbst, aus der diese 
Ausstellung als kleiner Bruchteil hervorging, ist sehr 
bedeutend. Es wurden über 1000 kg Gold und über 
2000 kg Silber gesammelt, die in Zehn-, bezw. Ein 
kronenstücken ausgeprägt wurden. Aus den Schmuck 
stücken, denen kein besonderer künstlerischer oder 
historischer Wert innewohnte, wurden die Steine 
herausgebrochen, die nun in verschiedenen kleinen 
Schüsseln in der Ausstellung zu sehen sind. Diese 
Schüsseln mit ihrem blitzenden und funkelnden Inhalt 
sind allein schon ein prachtvolles Zeugnis für die 
Opferwilligkeit der Bevölkerung. Man denkt bei ihrem 
Anblick an die tausende und abertausende von ein 
fachen Schmuckstücken, die hier freiwillig dargebracht 
wurden, gar oft vielleicht als einziger Wertbesitz der 
opferfreudigen Armut. Es gibt hier kaum einen Edel 
stein, Halbedelstein oder eine Steinimitation, die nicht 
vertreten wären, von den kleinen Schüsselchen der 
Diamanten, Rubinen und Smaragden bis zu den 
größeren Behältern mit in allen Formen geschliffener 
Achate, Amethyste und Granaten. 
Den größten Reiz für den Kenner üben die aus 
gestellten Stücke österreichischen Bauernschmucks aus. 
Da sind vor allem die prachtvollen Linzer, Salzburger, 
Wachauer und Egerländer Goldhauben, darunter 
manche alte Stücke sowie die noch reicher gestickten 
sogenannten Holländerhauben. Die meisten dieser so 
anmutigen Kopfbedeckungen stammen aus dein Anfang 
des vorigen Jahrhunderts. In einzelnen Gegenden 
werden sic jetzt noch getragen und erben sich von 
Urgroßmüttern Zeiten Von Geschlecht zu Geschlecht 
fort. Es ist leider zu befürchten, daß die alles nivel 
lierende moderne Zeit auch diesen schönen Schmuck 
bald ganz verschwinden lassen wird. Ein anderer in 
der Ausstellung stark vertretener Bäuernschmuck sind 
die Bauernkolliers, zumeist aus mehrreihigen Riegel 
ketten mit blattartigen Schließen bestehend, mit 
Filigranauflagen und farbigen Steinen besetzt. 
In diese Abteilung gehören auch die verschiedenen 
Taufmedaillen und religiösen Anhänger und Marien 
bilder mit zum Teil sehr hübscher Filigranfassüng, 
dann allerlei Silberknöpfe, Rosenkränze und Hals 
kränze. Viel Vergnügen machen auch die vielen in 
Gold und Silber montierten Damennadeln mit Muschel 
kämmen, darunter einige besonders reizende mit 
Altwiener Porzellan-Email bildern, wie denn auch in 
dieser., Sammlung die hübschesten Dinge aus der 
Biedermeierzeit stammen. Hierher gehören namentlich 
auch einige hübsche Dosen und sehr gute Uhren. 
Den Großteil der Ausstellung machen natürlich 
moderne Schmuckgegenstände aus, über die an dieser 
Stelle weiter nichts zu sagen wäre. Wie man hört, 
sollen in beiden Sammlungen bis auf die Gegenstände, 
die bereits von den öffentlichen Sammlungen erworben 
wurden •— das kunsthistorische und das Heeresmuseum 
haben sich bereits eine Reihe hervorragender Selten 
heiten gesichert — öffentliche Versteigerungen 
der nicht zur Einschmelzung gelangenden Dinge vor 
genommen werden. Da wird sich für viele Sammler 
willkommene Gelegenheit ergeben, ihre Schätze zu 
vermehren und dieser furchtbare Krieg wird auch 
einmal einer so durchaus friedlichen Neigung dienen. 
Kunst im Reiche des Minos. 
Aus Leipzig wird uns geschrieben: 
Im Leipziger Kunstverein sprach der Archäologe 
der Universität Leipzig, Prof. Dr. Studniczka, über 
die ,^Kunst im Reiche des Minos“. Es ist das 
jene uralte Kunst der Insel Kreta, die sich an den 
Namen des sagenhaften Königs Minos knüpft. Damals 
übte Kreta die Seeherrschaft aus und die Insel war 
der Sitz einer hohen Kultur. Davon zeugen zahlreiche 
Funde und Entdeckungen, die von der wissenschaft 
lichen Forschung gemacht w'orden sind. Die glän 
zendste Blüte dieser Kultur und Kunst ist etwa in 
die Jahre 1800 bis 1600 v. Chr. zu setzen und noch 
bis 1450 zu verfolgen. Um 1400 scheint dann durch 
kriegerische Ereignisse eine Katastrophe eingetreten 
zu sein, die das Reich und seine Machtstellung zerstört 
hat. Die uralte kretische Kunst hat eine überraschende 
Höhe erreicht. Die großartige Entwicklung der Bau 
kunst zeigte sich besonders im Palastbau. 
Professor Studniczka zeigte das Bild eines erhal 
tenen Säulenhofes, der den italienischen Renaissance 
palästen ähnlich ist. Wundervolle Reste einer aus 
gebildeten Keramik sind uns geblieben, Gefäße aus 
buntem Stein, auf denen Pflanzen und Blumen in 
freier und natürlicher Behandlung dargestellt sind. 
Die Formen dieser Gefäße greifen modernen Gefäßen 
besten Geschmackes vor. Die Beziehungen Kretas 
zum Meer zeigen sich in der Wiedergabe von Korallen, 
Muscheln und Tintenfischen. Auch Reste der Malerei 
sind vorhanden. Wenn man vom Fehlen der Perspektive 
absieht, so wird man sich leicht in die große Schönheit 
auch dieses Zweiges der kretischen Kunst hineinsehen. 
Die merkwürdigsten Kunstreste weisen die Miniatur-
	        
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