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MAK

Full text : Jahrgang 8 (1916) (5)

Nr.  5

Seite  49

Intern  a  t  ionale  Sam  ml  e  r  -  Z  e  i  t  u  n  g

Transportwagen,  und  eine  zum  Tragen;  der  Teer  wird
in  einer  Röhre  bis  in  den'  obersten  Teil  des  Gestells
hinaufgepumpt,  wo  er  entzündet  wird  und  ein  starkes,
grelles  Licht  verbreitet.  Der  englische  Feuerkorb  dient
zur  Aufnahme  von  Pechkränzen.  Die  an  der  Wand
liegenden  Granaten  und  Bomben  wurden  bei  Grabenarbeiten ­
  in  der  Nähe  von  Metz  gefunden;  sie  stammen
jedenfalls  aus  dem  Kriege  1870/71.
An  den  beiden  linksseitigen  Fenstern  des  nördlichen
Flügelraumes  im  Untergeschoß  ist  eine  interessante
Sammlung  von  fremdländischen  Sprengstücken  verschiedener ­
  Größe,  von  Zündern,  Handgranaten,
Schmetterlingsminen,  Fliegergranaten,  Fliegerbomben,
Leuchtbomben  usw.  ausgestellt.  Bemerkenswert  ist
noch  der  Verschluß  zu  einem  englischen  Marinegeschütz, ­
  bekanntlich  der  wichtigste  Teil  am
Geschütz.
Die  beiden  großen  Glaskästen  in  der  Kuppelhalle
haben  ebenfalls  eine  Anzahl  neuer  Beutcobjektc  aufgenommen ­
  ;  eine  französische  Fliegerbombe  (sogenannte

Sticlbombe  mit  Fallschiim),  eine  englische  Fliegerbombe ­
  und  eine  belgische  Sprengpatrone,  einen  englischen ­
  Stahlhelm,  russische  Handgranaten  mit  Zcitzündung,
  eine  russische  Metallkartusche  mit  Schlagzündschraubc
  für  12  cm  Haubitze,  eine  8  cm-Kanonenpatrone,
  eine  Anzahl  von  Amuletts  in  Gold,  die  der
russische  Zar  —  als  einzige  Unterstützung  —  der
serbischen  Armee  zukommen  ließ  und  die  auf  der
leinen  Seite  das  „Bild  der  Aller  heiligsten  Mutter  Gottes
mit  den  drei  Händen“,  auf  der  anderen  Seite  zwei
Heilige  zeigen.  Neu  sind  ferner  die  russischen  Offiziers-.mützen,
  eine'  Sammlung  von  französischem  Kontributionsgeld, ­
  russische  Drahtscheren,  die  auf  das
Gewehr  aufgestcckt  werden,  und  je  zwei  serbische
Feldflaschen  aus  Holz  und  Ton,  die  kunstgewerbliches
Interesse  beanspruchen.
Besonders  beachtenswert  sind  noch  die  französischen ­
  und  englischen  Gasschutzmasken,  der  englische
Rauchhelm,  die  englische  Augenschutzmaske  und  der
englische  Trinkwasserfilter.

Chronik.

Bilder.
(Der  Colonna-Raphael  im  Metropolitan-Museum.^
Das  New-Yorker  Metropoli  tan-Museum  hat  der  „World'”
zufolge  durch  eine  Spende  J.  P.  Morgans  eine  außerordentliche ­
  Bereicherung  erfahren.  Die  berühmte  .  Raphaelsche
Madonna,  die  Jungfrau  und  das  Jesuskind,  umgeben
von  Heiligen,  auf  dem  Throne  sitzend,,  zugleich  mit  dem  aus
332  Stücken  bestehenden  früheren  Teil  der  berühmten  Hoentschelseben
  Sammlung  dekorativer  Kunst  der"  .Gotik  und
Renaissance,  sind  endgültig  Eigentum  des  Museums  geworden.
Das  Bild,  der  sogenannte  Colonna-Raphael,  das  auch  unter
dem  Namen  „Madonna  di  San  Antonio“  bekannt  ist,  war
1901  von  J.  P.  Morgan  sen.  für  den  Preis  von  2  Millionen
Mark  erworben  worden  und  befand  sich  bis  1912  in  London,
bis  es  dann  als  Leihgabe  an  das  Metropolitan-Museum  kam.
In  dem  Briefe,  in  dem  Morgan  der  Leitung  des  Museums  von
der  Schenkung  Mitteilung  machte,  erklärte  er,  daß  er  damit.
einem  Wunsche  seines  Vaters  gemäß  gehandelt  habe.
(Die  aus  Galizien  .„mitgenommenen“  Bilder  in
Kiew.)  Nach  einem  Eigenbericht.aus  Kiew  teilt  die  „Birshewija
  Wjedomosti“  vom  21.  Februar  folgendes  mit:  Mit
Genehmigung  der  Behörden  hat  in  Kiew  jetzt  eine.  Begutachtung ­
  der  Gemälde  stattgefunden,  die  im  vorigen  Jahr
von  den  russischen  Behörden  aus  Galizien  aus  einem  Schlosse
,  .mitgenommen“  worden  waren.  Die  Sachverständigen  stellten
fest,  daß  von  den  19  Gemälden  16  außerordentlich  wertvoll ­
  sind.  Ein,Teil  dieser  Bilder  sind  Originale  alter  Meister,
andere  sind  Kopien  alter  Gemälde.  Das  eine  Bild,  eine  „Anbetung ­
  der  Hirten“,  stammt  wahrscheinlich  von  Jordaens,
während  eine  „Madonna  mit  dem  Kind“,  wie  mit  Sicherheit
anzunehmen  ist,  Murillo  .zuzusclqftSiben  ist.  Die  Bilder  befinden ­
  sich  „unter  besonderer  Bewachung“  im  Städtischen'Museum ­
  in  Kiew.  (Ja,  ja,  das  schlechte  Gewissen  macht
ängstlich!)
(Ein  neu  entdeckter  Franz  Häls.)  Wie  dem
Amsterdamer  /,Händ r eisblad“  aus  Akefsloot  geschrieben
wird,  ist  unter  den  Prediger-Bildnissen  der  dortigen  Kirche,
die  im  Pfarrlrause  seit  Jahrhunderten  aufbewahrt  werden,
ein  Originalgemälde  von  Franz  Hals  entdeckt  worden,
das.  den  Pastor  Nikolaus  Stenius  .darstellt,'der  von  1631  bis.
1670  in  Akersloot  Prediger  war.  Die  Entdeckung  des  Bildes

ist  dem  jetzigen  Pastor  zu  verdanken,  der  die  teilweise  sehr
zerstörten  Porträts  seiner  Vorgänger  wiederherstellen  ließ
und  dabei  auf  eine  Bemerkung  in  den  alten  Kirchenakten
stieß,  die  besagte,  daß  einer  seiner  Vorgänger,  Pastor  Nikolaus
Stenius,  sich  in  Haarlem  von  Franz  Hals  habe  malen  lassen.
Weitere  Nachforschungen  ergaben,  daß  das  Bild  in  der  Reihenfolge ­
  fehlte.  und  -bereits  vor  Jahren  aus  .einem  nicht  mehr
erkennbaren  Grunde  in  das  erzbischöfliche  Museum  nach
Utrecht  gebracht,  worden  war.  Dort  hing  es  unbemerkt  und
wenig  beachtet  in  einer  dunklen  Ecke,  aus  der  es  vor  kurzem
weggeholt  wurde,  um  nach  einer  gründlichen  Wiederherstellung
den  übrigen  Prediger-Bildnissen  des.  Pfarrhauses  wieder  eingereiht
  zu  werden.  Dabei  ist  nun  festgestellt  worden,  daß  das.
Bild  die  bekannte  Signatur  von  Franz  Hals  und  die.  Jahreszahl ­
  1650  trägt.  Der.  Abgebildete  ist.ein.Mann  von  45  Jahren
(in  der  oberen  Ecke  steht  Aet.  suae  45)  in  schwarzem  Gewand,
mit  weißer  Halskrause,  der  die  Hand  auf  die  Bibel  legt  und
den  nach  links  gewandten  Blick  dem  Beschauer  zukehrt.
Auch  innerliche  Gründe:  könnten  Tür  die  Urheberschaft  von
Franz  Hals  sprechen,  denn  Stenius  stammte  aus  Haarlem,
und  so  ist  es  naheliegend,  daß  er  sich  von  einem  Künstler
seiner.  Vaterstadt,  malen  ließ.
(Freskenaufdeckung  in  Bozen.)  In  der  ehemaligen
Doniinikanerkirche  in  Bozen  wurden  an  der  rechten.  Innenwand ­
  des  Schiffes,  das  als  Getreidemagazin  dient,  einige
Heiligenfiguren  aufgedeckt.  Die  lebensgroßen  Gestalten  sind
gut  erhalten,  ohne  jede  Übermalung  und  von  außerordentlicher
Schönheit.  Sie  stammen  aus  dem  Anfang  des  15.  Jahrhunderts,
zeigen  künstlerische  Eigentümlichkeiten  der  damaligen  Bozener
Malerschule  und  haben  für  deren  Erforschung  um  so  größere
Bedeutung,  als  die  meisten  übrigen  Denkmäler,  dieser  Schule
in  neuerer  oder  älterer  Zeit  vollständig  übermalt  wurden.
Allem  Anschein  nach  dürften  an  dieser  Stelle  noch  eine  ganze
Reihe  von  Fresken  unter  der  -Tünche  verborgen  sein.

Heraldik.
(Ein  Stammbaum  aiff  Elfenbein.)  Durch  die  Gunst
seines  Protektors,  des  Königs  Lüd'wig  von  Bayern,  ist  das
Germanische  Museum  dieser  Tage  in,  den  Besitz  eines  Denkmals,
deutscher  Kleinkunst  gelangt,  das  in'  mehr  Als  einer  Hinsicht
als  eine  sehr  willkommene  Bereicherung  und  Ergänzung  der
            
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