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MAK

Full text : Jahrgang 9 (1917) (1)

Nr.  1

Seite  3

"I  riternationale  Sammler  -Zeitung

schwatz  und  Rötel;  die  Sammelbüchse  wird  von  einer
Pariserin,  die  in  herrlichem  Flusse  des  Gewändes  ihre
zwei  Kinder  mit  d;m  Wappen  der  Stadt  Paris  verborgen ­
  hält,  dem  Beschauer  entgegen  gehalten,  im
Hintergründe  das  Hotel  de  Ville.  Auf  einem  Blatte  von
F.  Jonas  wird  Gambcttas  Ausruf  zitiert  „Mit  Euch
und  durch  Euch  schwören  wir  Frankreich  zu  retten“;
Soldaten  an  der  Front  erhalten  die  gesammelten
Liebesgaben.  Für  den  Opfertag  des  1.  November  1915
hat  Leandre,  für  den  25.  Dezember  1915  Steinlen
und  WilLette  eindrucksvolle  Plakate  gezeichnet,  für
den  Kriegswaisentag  vom  20.  Juni  1915  A.  Roll.
Zwei  Plakate  von  Steinlen  und  Renouard  fordern
zu  Sammlungen  für  die  hungernd  n'  Bdgier  und  für
eine  militärische  Versicherung  auf.  Von  Steinlen
.stammt  noch  ein  anderes  beredtes  Blatt.  Es  warnt  den
Soldaten,  den  geschlechtlichen  Verlockungen  der  Sirenen ­
  zu  unterliegen.  „Das  Vaterland  rechnet  auf  Dich,
erhalte  Dich  gesund  für  das  Vaterland!“  Oben  die
Embl  me  des  Friedens,  unten  ein  Totenkopf  mit
gekreuzten  Beinen,  links  eine  Pierrcuse  im  Straßenkostüm, ­
  die  den  Soldaten  zu  umarmen  sucht,  rechts
der  kranke  Soldat  vor  dem  Hospital.  Für  Kunstausstellungen ­
  zu  Kriegsfürsorgezwecken  liegen  künstlerisch ­
  hochstehende  Plakate  von  Steinlen  und
Poulbot  vor.  Von  ersterem  für  eine  Kunstausstellung,
die  nur  alle  drei  Jahre  stattfindet  und  diesmal  sich
in  den  Dienst  der  Armee  stellt,  von  letzterem  zugunsten
der  Bekleidung  von  französischen  Kriegsgefangenen  in
deutschen  Lagern.  Das  letzte  Plakat  zeigt  ein  deutsches
Gefangenenlager,  wo  an  die  Franzosen  neue  Winterkleider ­
  verteilt  werden.  Die  deutsche  Bewachungsmannschaft ­
  ist  auf  d 3 m  Bilde  ohne  jede  Gehässigkeit
mit  därgestellt.
Zu  den  von  privater  Seite  ausgegangenen  Kriegs  -
plakaten  österreichischer  und  u  n  g  a  rische  rKünstler
gehört  das  von  Willy  Nowak  in  wenigen  Umrißstrichen
entworfene  Blatt  für  die  ständige  Kunstausstellung
„Neue  Kunst“  am  Odeonsplatz  in  München.  „Der
Krieg“.  Das  Blatt  kann  unbedenklich  zur  neu:-Ten
künstlerischen  Richtung  gezählt  werden:  hinter  einer
zusammengeschossenen  Mauer  eine  Kanone,  deren
Bedienungsmannschaft  gefallen  ist.  Hoch  oben  die
aufgehende  Sonne.  Josef  Engelhart  ladet  in  Flammen
auf  schwarz  m  Grunde  zur  Besichtigung  von
Kriegsbildern  in  seine  Werkstatt  ejn.  Für  den
ungarischen  Maler  Ber  müssen  die  a r g  zuguichteten
  Führer  des  Vierverbacdes  Großfürst  Nikolaj
  ewitsch,  Poincarre  und  Victor  Emanuel  Reklame
machen.
Groß  ist  die  Anzahl  der  österreichischen  Kinoplakate, ­
  die  meisten  von  dem  in  Paris  ausgebildeten
Zeichner  Karl  Rob  im  Robverlage  hergestellt.  Als
„Wien  im  Kriege“  ein  fideler  Wiener  Zivilist  mit
'Stößer/  voller  Weinseligkeit  Arm  in  Arm  mit  einem
feldgrauen  Infanteristen  und  Husaren,  im  Himmel
die  Engelsköpfchen  einer  Straß  mbahnschaffnerin,  einer
'Briefträgerin  und  eines  weiblichen  Organs  der  Wachund
  Schließgesellschaft.  Andere  Kriegskinoblätter  desselben ­
  Verlages:  Die  letzten  Tage  der  Entente  auf
Gallipoli,  der  österreichisch-ungarische  Krieg  in  3000  m
Höhe,  Skiertruppen  irri.  Zillertal,  Siegreich  durch
Serbien  u.  a.  Für  die  „Österreichische  Volkszeitung“
wirbt  Theo  Zasche  mit  einem  Kampfe  gegen  die
Hydra,  für  „Az  Est“  Vadasz  mit  einem  ungemein

wirksamen  Wachtfeuer.  Rasch  zu  allgemeiner  Anerkennung ­
  gelangte  der  Kriegszeichner  Ladislaus  Tuszynski.
  Sein  Plakat  ist  ein  Brief  an  die  liebe  „Kronen-Zeitung“,
  die  aus  den  verschiedensten  feindlichen
Kriegsgefangenenlagern  Briefkarten  erhalten  hat  mit
den  interessantesten  Zensurstempeln.  Ein  anonymes  Blatt
„Der  Sammelwagen  kommt“  dürfte  von  einem  Freund
der  Münchner  und  Schweizer  Plakatkunst  herrühren.
Für  Jacobis  Antinikotin  wurde  Emil  Ranzenhofers
Zeichenstift  hcrbeigeholt.
Deutsche  für  gewerbliche  Zwecke  hergestellte
Kriegsplakate  sind  für  den  Kinobetrieb,  für  den  Buchurd
  Zigarrenhandel,  wenige  auch  für  andere.  Zwecke
entstanden.  Ludwig-  Hohl  wein  hat  schwarz  und
violett  auf  rot  den  Traum  eines  Reservisten  eingeführt,
Wohlfahrt  humoristische  Skizzen.  Am  freigebigsten  in
der  Beschäftigung  namhafter  Künstler  gehen  die  großen
Verlagsfirmcn  August  Scherl  und  Ullstein  &  Co.
vor.  Musterbeispiele  von  großzügigen  künstlerischen
Blättern  von  stärkster  Plakatwirkung  sind  „Die
große  Zeit“  von  Finetti,  schwarzer  Schattenriß  von
stü r menden  Soldaten  in  .  drängender,  heftigster  Bewegung ­
  auf  rotem  Grunde,  dann  Kurt  Szafranskis
Schattenrisse  eines  reitenden  Ulanen  auf  gelbem  oder
rotem  Grunde.  Finettis  großer  Kopf  wirkt  wuchtig
und  in  fast,  brutaler  Kraft,  Szafranskis  Ulane  für  die
Berliner  „Illustrierte  Zeitung“  aber  eher  durch  die
.mannigfaltig  durchgearbeiteten  Umrißlinien  von  Roß
und  Reiter  und  des  zerrissenen  Dratverhaues.  Nahe
steht  Koch-Gotha  mit  seinem  schweren  Geschütz
für  den  Roman  „Die/Wacht  am  Rhein“  in  der  „Morgenpost“. ­

Großes  Kraftbewußtsein,  unbändiger  Siegeswille
durchzieht  fast  alle  deutschen  Kriegsplakate.  „Wer
die  Woche  liest,  li:st  Weltgeschichte“,  so  sagen  sich
die  drei  deutschen  Soldaten,  die  „Die  Woche“  lesen,
auf  d  m  Blatt  Heinrich  Jaegers;  aber  recht  nichtssager
  dist  das  alte  Segelschiff  für  den  Roman  „Blockade“.
Das  deutsche  Archiv  für  Weltliteratur  strebt  durch
L.  Bernhards  „Kampf  mit  d  r  Hydra,“  die  Wahrheit
ins  Ausland  zu  tragen  und  Haase-Werkenth  in  die
Lüge  im  Solde  E  glauds  als  gefährliche.  Giftschlange
mit.  kräftiger  Faust  zu  vernichten.  Kleine  Buchhändlera-zsigen
  rühren  von  Amar,  Buhe,  Finetti,  Hohlwein, ­
  Schmalhausen,  Gipkens,  Weise  her.  Für
Zigarren  und  Zigaretten  hat  sich  Bernhard  bemüht.
B  :sonders  sympathisch  wirkt  ein  anonymes  Plakat,
das  einen  österreichischen  und  deutschen  Infanteristen
zeigt,  die  sich  beide  Da-Capo-Zigaretten  von  Eckstein
■  mit  der  Marke  „Unzertrennlich“  anzünden.  Für  andere
gewerbliche.  Unternehmungen  wurden  auch  wiederholt
erste  Künstler  eingespannt:  Hohlwein  fü r  Zündhölzer
und  für  Kola-Dallmann,  Louis  Oppenheim  für
S.  Adam,  Liebesgaben,  füt  Leibnitz  Keks  legt  Hohlwein ­
  zw T ei  österreichische  und  einen  deutschen  Schützen
brüderlich  nebeneinander  in  den  winterlich  eingeschneiten ­
  Schützengraben.  Auf  W.  Brömels  Spielzeugausstellung
  walken  zwei  deutsche  und  österreichische ­
  Holzsoldaten  einen  hölzernen  Franzosen  durch,
Jacoby-Boy  macht  Reklame  für  Militärstiefel,  ein
Agent  für  den  Schaumwein  Feist-Feldgrau  zeigt  ,  sein
Eisernes  Kreuz  und  für  einen  Hm  denbürg-Li  kör  muß
gar  eine  satyrische  Landkarte  Europas  herhalten.
(Schluß  folgt.)
            
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