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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 10
am gedeckten Tisch. Mit flehender Gebärde gegen
Himmel schauend. Ketten am Tisch und Boden,
scheinen auf einen Gefangenen zu deuten. Holz und
Elfenbein.
Fig. 5. Italienisch-deutsche Arbeit aus dem Anfang
des 18. Jahrh., darstellend den heil. Hieronymus.
Nur mit einem um die Hüften geschlungenen Tuch
bekleidet, steht der Heilige über dem Löwen, mit der
Linken auf den Totenkopf gestützt, während die
Rechte mit dem Stein zum Schlag ausholt. Unter
Antonio Leonis Einfluß. Die Figur ist aus Elfenbein, der
Löwe aus braunem Marmor, der LTntersatz aus Bronze,
Bri.efmarken-Aulition in Wien.
Die 10. Briefmarkenauktion des Dorotheums in Wien
bringt die in Philatelistenkreisen bekannte Friedlsche Spezial
sammlung von Österreich-Ungarn. Lombardei, Levante und
Bosnien.
Über das Zustandekommen der Sammlung, die auf 150.000
Kronen geschätzt wird, teilt der Besitzer, Herr Rudolf Friedl,
Fig. 5.
Heil. Hieronymus, italienisch-deutsch, 18. Jahrhundert.
im Katalog folgendes mit: ,,Im Laufe vieler Jahre war es
mir bei meinen häufigen In- und Auslandsreisen ermöglicht,
großes Material an österreichisch-ungarischen Marken zusam
menzutragen, aus welchem ich dann für meine Privatsammlung
nur das Beste vom Besten weglegte. Die Hauptbereicherung,
besonders an gebrauchten Stücken, erfuhr dieselbe durch
den Ankauf der berühmten Richter-Layos-Spezialsammlnng
aus Budapest. Den Stolz meiner Sammlung bilden jedoch
die ungebrauchten Exemplare, die in solcher Reichhaltigkeit
und Erhaltung wohl einzig dastehen dürften. Gilt der Original
gummi auch bei den Marken anderer Länder als Echtheits
merkmal und als Grund höherer Bewertung, so trifft dies bei
den Wertzeichen des österreichisch-ungarischen Spezial
gebietes in noch erhöhtem Maße zu. Von jeher hatte ich ge
trachtet, wenn irgend möglich, nur Stücke mit vollem Original
gummi meiner Sammlung einzuverleiben und dies ist mir
auch mit Ausnahme ganz weniger Stücke gelungen. Daß
meine Sammlung auch im Auslände als erstklassig anerkannt
wurde, beweisen die vielen goldenen Medaillen, die ihr bei
allen Ausstellungen zugesprochen wurden.“
Das wertvollste Stück der 1902 Lots umfassenden Samm
lung ist ein Brief mit einer schwefelgelben 1-Kreuzer-Marke
der Emission 1850 mit Tokayer Durchstich 11 (Ausrufspreis:
K 3500). Ihm zunächst rangiert eine 9-Kreuzer-Marke der
selben Emission auf hellblauem, gerippten Papier mit Stempel
Prag. Ihr Ausrufspreis beträgt K 1000. Unica sind die Nummern
161 (9 kr., Em. 1850, stumpfblau, Privatzähnung, auf ganzem
Brief, Stempel „Tokay", Ausrufpreis: K 700) und Nr. 302
(5 kr. Em. 1861, fahlrot, auf senkrecht gestreiftem Papier,
Ausrufpreis: K 500). Von Ganzsachen seien ferner genannt:
Nr. 79 (3 kr., Em, 1850, Homonna Durchstich 14, Dreier
streifen, auf ganzem Brief, Ausrufspreis: K 1000), Nr. 81
(3 kr., Em. 1850, zinnoberrot, geripptes Papier, mit anhängen
dem Andreaskreuz, Stempel „Trient“, Ausrufspreis: K 500)
und Nr. 355 (Brief mit zwei 5-Kreuzer-Marken der Em. 1864,.
violettrosa auf senkrecht gestreiftem Papier, Ausrufspreis:
K 650).
Von Feldpostmarken sei Nr. 743 hervorgehoben, die
aus Viererblocks der ersten Ausgabe der Em. 1915 (kompletter
Satz von 1 Heller bis zu 10 Kronen) besteht, (Ausrufsj)reis:
K500); von Zeitungsmarken nennen wir Nr. 809 a (1 kr.,
Em. 1858, halber Originalbogen von 100 Stück, Ausrufspreis:
K 7500) und Nr. 810 (ein 42-er Block desselben Wertes, Aus-
rufspreis: K 1200).
In der Abteilung „Bosnien“ sind die Nummern 1738, 1745,.
1784, von den Essays Nr. 1901 besonders erwähnenswert.
Chronik.
Bibliophilie.
(Der Briefnachlaß Joachim Raffs.) Die Münchener
Schriftstellerin Helene Raff hat der Hof- und Staatsbibliothek
in München ein reiches Geschenk gemacht, indem sie der
Briefsammlung den gesamten Briefnachlaß ihres im Jahre
1882 verstorbenen Vaters, des Tondichters Joachim Raff,,
überwiesen hat. Rund tausend Nummern umfaßt diese Korre
spondenz; besonders reichhaltig sind Briefe Hans von Bülows
sowie Briefe Raffs an seine Braut und nachmalige Gattin
Doris Genast vertreten. Hiezu kommen noch eine Anzahl
Dokumente, die sich auf Raffs Leben und Wirken beziehen,.