MAK
Nr. 10 
Internationale Sammler- Zeitung 
Seite 87 
Programme und Kritiken über Kompositionen Raffs, ferner 
Skizzenblätter und Kuriosa. Das Benützungsreclit hat sich 
Helene Raff Vorbehalten. 
(Versteigerung der Bibliothek Lamprechts.) Aus 
Leipzig wird uns geschrieben: Die dreitägige Versteigerung 
der Bibliothek des verstorbenen Geschichtsforschers der 
"Universität Leipzig Prof. Dr. Karl I.amprecht bei Oswald 
Weigel in Leipzig hat unter lebhafter Beteiligung der Bücher 
freunde und wissenschaftlichen Kreise stattgefunden. Es wurde 
eine Reihe bemerkenswerter Verkäufe erzielt, bei denen deut 
lich zum Vorschein kam, wie weit ausländische Einflüsse 
hineinspielen. Es kann bei den gegenwärtigen Valuta-Ver 
hältnissen nicht wundernehmen, daß die neutralen Länder 
aus diesen Vorteilen Gewinn ziehen. Die Aufträge auf skan 
dinavische Literatur oder Geschichte der skandinavischen 
Länder, gleichviel in welcher Sprache, waren demgemäß 
ungewöhnlich hoch. Große Nachfrage war nach biographischen 
Büchern und nach den Werken der historischen Hilfswissen 
schaften. Ein vollständiges Exemplar der Jahresberichte der 
Geschichtswissenschaft erzielte M 155. Eine Reihe von Zu 
sammenstellungen über Literatur Friedrichs des Großen 
ging über M 400 hinweg. Die Dresdner Bilderhandschrift des 
Sachsenspiegels erzielte M 54—, während eine Reihe von 
Verordnungen deutscher Staaten vom Anfang des 17. bis 
19. Jahrhunderts nur auf M 28— kam. Erhebliches Interesse 
fand die Abteilung Kulturgeschichte, desgleichen die Wirt 
schaftsgeschichte. Eine sehr interessante Abteilung bildete 
den Schluß der Versteigerung. Darin kamen Friedrichs des 
Großen Werke illustriert von Menzel auf M 80—, die Gedenk 
schrift von Wundt auf Lamprecht mit der Bildnisradierung 
von Klinger in der Vorzugsausgabe auf M 36—. 
(Eine Riesenauflage.) Die höchste Auflage aller Bücher 
der Erde hat der chinesische Almanach, der in der chinesischen 
Staatsdruckerei in Peking gedruckt wird, mit 8 Millionen 
Exemplaren jährlich- Alles, was in diesem Buche steht, wird 
von den Einwohnern des Reiches der Mitte mit Andacht, als 
unumstößlich wahr hingenommen, und der Almanach genießt 
ein solches Ansehen, daß seine Riesenauflage stets ausver 
kauft wird. 
(Wie Athen zu seiner Nationalbibliothek kam.) 
Athen hat allen Grund, sich seiner schönen Nationalbibliothek 
zu freuen; minder stolz kann es aber auf den Stifter des monu 
mentalen Baus sein, wenn das, was eine französische Zeit 
schrift über den Ursprung der Königlichen Bibliothek in Athen 
zu erzählen weiß, auf Wahrheit beruht. Danach lebte vor 
etwas über dreißig Jahren in Rußland ein griechischer Reeder, 
der den Schmuggel zur See in großem Maßstabe ausübte und 
auf diesem nicht eben ehrlichen Wege ein Vermögen von 
vielen Millionen erworben hatte. Eines Tages ereilte ihn aber 
sein Schicksal. Er wurde verhaftet und man machte ihm den 
Prozeß. Da er wenig Verlangen trug, den Rest seiner Tage 
in Sibirien zu verbringen, entsandte er seinen Bruder zu 
Königin Olga von Griechenland, von der er wußte, daß 
sie am Hofe ihres Heimatlandes unbeschränkten Einfluß hatte. 
Der Beauftragte ließ es sich auch angelegen sein, den Fall 
seines Bruders mit beredten Worten darzustellen und schloß 
sein Plaidoyer mit der Versicherung, daß wenn sein Bruder 
die Freiheit wiedererlangen sollte, er der Königin eine größere 
Summe zur Verfügung stellen würde. Die Königin ging auf 
das Anerbieten ein und erhielt auch ohne Schwierigkeit die 
Begnadigung des Reeders. Auf Grund der Abmachung for 
derte sie nun, daß der Begnadigte die Bibliothek errichten 
sollte, die heute der Stolz jedes Atheners ist. 
Bilder. 
(Munkacsys ,,Ecce bomo“.) Aus Budapest wird uns 
berichtet: Wie verlautet, wurde das berühmte Gemälde 
Michael Munkacsys „Ecce homo" verkauft. Das Kolossal 
gemälde, das früher im Besitze einer englischen Aktiengesell 
schaft War und von dieser auf einer Rundreise in der ganzen 
Welt ausgestellt wurde, ist später von einer ungarischen 
Gesellschaft erworben worden. Diese hat dasselbe durch Ver 
mittlung des Wiener Seidenfabrikanten Friedrich Deri, 
eines bekannten Kunstsammlers, an dessen Bruder, den in 
München lebender Maler Koloman Deri verkauft. Deri 
beabsichtigt, in seiner Vaterstadt Val ja ein Museum zu er 
richten und diesem das Gemälde Munkacsys zu widmen. 
(Matthias Grünwald in Italien.) In der „Kunstchronik“ 
bringt Dr. Oskar Hagen zum ersten Male den Beweis für 
die von der Forschung schon lange gehegte Vermutung, daß 
Matthias Grünwald in Italien gewesen ist. Das Gemälde der 
Münchner Pinakothek, die Verspottung Christi, bekanntlich 
das früheste uns bekannte Werk des Meisters, wiederholt die 
Komposition eines Teiles der dem G. Pesello zugeschriebenen 
Predella, die sich heute im Hause Michelangelos in Florenz 
befindet. Sie war, wie Vasari in seinen Lebensbeschreibungen 
berichtet, früher in der Kirche Santa Croce und befand sich 
an sichtbarster Stelle, nämlich in der Capella Cavalcanti unter 
der Verkündigung Donatellos. Hagen spricht die Vermutung 
aus, daß Grünwald im großen Jubiläumsjahre 1500 mit vielen 
anderen Deutschen nach Rom fuhr und bei dieser Gelegenheit 
auch Florenz berührte. Die mancherlei Zweifel, die man bisher 
einer Italienfahrt Grünwalds entgegensetzte, werden dadurch 
jetzt hinfällig, weil diese Reise vor dem eisten uns bekannten 
Werke stattgefunden hat. Grünwald wird •nicht, wie Dürer, 
plötzlich und unerkennbar durch den italienischen Einfluß aus 
der Bahn geworfen. 
Handschriften. 
(Eine wiederentdeckte Mozart-Handschrift.) Vor 
kurzem ist. eine Mozart-Handschrift von seltener Bedeutung 
und seltenem Umfang (91 Seiten) in den Besitz des Hofanti 
quariats Jaques Rosenthal in München übergegangen. Es 
handelt sich um das Autograph der großen Serenade für 
dreizehn Blasinstrumente (Kochel 361), einst im Besitze 
Andres und seit Jahrzehnten verschollen - weder Jahn 
noch Kochel hatten es zu Gesicht bekommen —, eines der 
größten und schönsten Kammermusikwerke Mozarts, kurz 
vor dem Tdomeneo entstanden — wie die Rasur an der Jahres 
zahl zeigt, 1779 begonnen und 1780 vollendet. Das mit zier 
lichster Sorgfalt geschriebene Manuskript ist deshalb von 
besonderem Werte, weil es den Druck des Werkes in der Ge 
samtausgabe in einer großen Zahl von Varianten und Vor,- 
tragsbezeichnungen verbessert; es sei bei dieser Gelegenheit, 
nach Wyzewa und St. Foix, auch der Irrtum Kochels korrigiert, 
diese Serenade sei die Bearbeitung eines 1768 entstandenen 
Streichquintetts (Köchel 46); das Streichquintett ist vielmehr 
ein Arrangement unserer. Serenade aus der Wiener Zeit. 
Numismatik. 
(Auktion in Kopenhagen.) Am 31. Mai beginnt bei 
I.. Chr. Petersen in Kopenhagen eine auf mehrere Tage 
anberaumte Versteigerung von dänischen Mittelalter- 
münzen. 
(Französische Gedenkmünzen.) Die französische 
Münzverwaltung beschloß, Medaillen zur Erinnerung an die 
Kämpfe dieses Krieges zu prägen. Die „Medaille de la Marne“ 
stellt das Schlachtfeld dar, „wo die Zukunft der Menschheit 
entschieden wurde“, die „Medaille de l’Yser“, stellt den 
Heldenmut der Marinesoldaten dar, die'dritte wird die Taten 
von Verdun feiern.
	        
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