Nr. 10
Internationale Sammler- Zeitung
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nicht die einzige französische Kathedrale, die solche Königs
galerie aufweist; Seitenstücke finden sich an den Kathedralen
zu Chartres, Paris und Amiens. Überall werden in diesen
Galerien die Bilder der französischen Könige reihenweise
zur Darstellung gebracht. Wie kam die mittelalterliche Ka-
thedralkunst, die sonst der weltlichen Geschichte in den
Bildhauerarbeiten so geringen Raum überließ, aui den Ge
danken dieser historischen Galerien ? Brehier will ihren Ur
sprung auf das 13. Jahrhundert zurückführen; schon Philipp
der Schöne hat den großen Saal seines Palastes mit einer
Fürstengalerie zu schmücken begonnen. Vor allem stellten
die Schüler ganze Fürstenlisten zusammen, in denen die Könige
entweder von dem sagenhaften Faramund oder aber gar von
den noch viel sagenhafteren Königen von Troja an gezählt
wurden, die als die Ahnen der französischen Herrscher galten.
Speziell die Reimser Galerie führt den Grundgedanken der
Dekoration der oberen Teile der Kathedrale zur Vollendung,
die eine ganze Geschichte des Königtums darstellt. Sie zeigt
die Begründung des legitimen Königtums in den Gestalten
Davids und Salomos, den Übergang dieser Königswürde an
die fränkische Nation in der Person Chlodwigs und schließlich
die ganze Geschichte der französischen Monarchie in deren
Vertretern.
(Eine altrömische Bäckerei.) Bei Ausgrabungen in
Ostia wurde eine vollständige antike Mühle und Bäckerei,
die aus 16 Räumen bestand, bloßgelegt, ln Ostia existierte
bekanntlich eine eigentliche Bäckerzunft; die Brotspezialität
von Ostia (Ostiensis) genoß große Beliebtheit.
Museen.
(Ein Uhrenmuseum iii Wien.) Die Stadt Wien hat
die Kaftansclie Uhrensammlung angekauft, die den
städtischen Sammlungen als ,,Uhrenmuseum 1 ' angegliedert
werden soll. Leiter der Sammlung wird der bisherige Eigen
tümer derselben, Herr Rudolf Kaftan, der dafür ein Jahres
gehalt von K 6000 und eine Naturalwohnung, bezw. eine
Wohnungsentschädigung von K 1800 jährlich erhält. Für
die Sammlung selbst, die von Sachverständigen mit K 200.000
bewertet wurde, bekommt er sofort einen Betrag von K 20.000
und nach Ablauf eines Jahres 20 Jahre hindurch je K 5000.
Die Kaftausche. Uhrensammlung umfaßt rund 10.000 Stück,
darunter 234 Holzuhren verschiedenster Konstruktionen aus
der Zeit von 1680 an, 12 große Turmuhren verschiedener
Systeme aus der Zeit vom 15. Jahrhundert bis zum Beginn
der Großindustrie, 412 Wand- und Tischuhren, unter ihnen
einige mit Glockenspiel, 1456 Spindeluhren, 970 Zylinder-
und Remontoiruhron, zirka 800 Ankeruhren und 5500 Werke
der verschiedensten Systeme. Außerdem enthält sie eine
Anzahl von Büchern, die sich auf die Entwicklung der Uhr
beziehen. Vor 36 Jahren schon, als Kaftan noch ein ganz
kleiner Junge war, rührte sich in ihm ein eigenartiges Interesse
für das Uhrwerk, wie für alles Mechanische überhaupt. Und
während er die Gymnasialbank drückte, konnte er schon
Llhren reparieren, auseinandernehmen, selbst hersteilen. Daraus
entwickelte sich die Leidenschaft für das Sammeln von Uhr
werken, der er jede freie Stunde, jeden erübrigten Heller
geopfert hat. Und so ist in langen dreißig Jahren diese Samm
lung entstanden, die in ihrer Art einzig ist. Die Sammlung
Kaftan ist derzeit im 19. Bezirk, Billrothstraße 69, unterge
bracht, wird aber in andere, von der Gemeinde hiefür bestimmte
Räume überführt werden.
(Theatermuseum in München.) Ab 1. Juni findet eine
Sonderausstellung der Entwürfe, Skizzen und Modelle für das
Stuttgarter Hoftheater von Professor Pan kok statt. Neu
ausgestellt sind in diesem Jahre eine Anzahl Originalradierungen
für das Theater (1812—1820) und verschiedene Bronzen. Die
Entwicklung des Bühnenbildes ist in verschiedenen Modellen
dargestellt.
(Neuerwerbungen des Leipziger Stadtmuseums.)
Aus Leipzig wild uns geschrieben; Das Stadtgeschichtliche
Museum im alten Rathaus hat in letzter Zeit eine Reihe wert
voller Schenkungen . erhalten und Neuenverbungen gemacht,
die es zu einer soeben eröffneten Ausstellung zusammen
gefaßt hat. Es sind eine Anzahl Leipziger Bilder und Hand
schriften. Sehr bedeutend ist die Sammlung von Briefen
Heinrich Laubes aus seiner Leipziger Zeit. Es handelt sich
um 97 meisf ungedruckte Briefe Laubes an Hoffmann von
Fallersleben, Fanny Tarnow, Arnold Rüge, Gustav Kühne,
an seinen Jugendfreund Max von Oer und den jungdeutschen
Literaten Gustav Schlesier; dazu gehören noch Laubes Bild
nis als Mitglied des Frankfurter Parlaments und eine Karikatur
auf ihn als Theaterdirektor. Die Ausstellung zeigt ferner
Handschriften von Gustav Frey tag, der sich in einem Briefe
über die Erhaltung der „Schlesischen Provinzblätter", eines
frühen landeskundigen Organs, ausspricht, von August Mahl
mann, Joh. Peter Lyscr, Rudolf Gottschall. Friedrich
Hebbel spricht sich in einem Brief über seine Mitarbeiter
schaft an der „Leipziger Illustrierten Zeitung" aus. Schließlich
sind noch eine Reihe neu erworbener Marschner-Auto-
graphen ausgelegt.
(Stiftungen für das Städelsche Institut.) Der
Galerie des Städelschen Instituts zu Frankfurt a. M. hat
Fritz von Gans zwei wertvolle Stiftungen für die moderne
Abteilung gemacht. Es sind eine Meisterarbeit des Frank
furter Malers Anton Bürger von 1867, „Der Viehmarkt hinter
der Mauer der alten Judengasse", und ein Bismarckbildnis von
Lenbach aus dem Jahre 1888, in Friedrichsruh gemalt.
(Neuerwerbungen des ,. Germanischen Museums.)
Unter den letzten Erwerbungen des Germanischen Museum
in Nürnberg steht die eigenartige und bedeutsame Stiftung
obenan, bei der es sich um den Nachlaß des im vorigen Jahre
verstorbenen ehemaligen Chefredakteurs der „Hamburger
Nachrichten", Ludwig Wilhelm Hermann Hof mann, handelt,
namentlich soweit er sich auf die Informationen und Wei
sungen bezieht, die Hofmann während der letzten acht Lebens
jahre des Fürsten Bismarck von dessen Sekretären als Unter
lagen für seine Zeitungsartikel und andere Arbeiten erhielt.
Bei dem gewaltigen Einschnitt, den der gegenwärtige Krieg
für die Weltgeschichte und • die Geschicke Deutschlands be
deutet, glaubte die Leitung des Museums nicht mehr grund
sätzlich an der von ihr für die Sammeltätigkeit bisher inne
gehaltenen zeitlichen Grenzen festhalten zu dürfen. Sie hat
es daher mit Freude begrüßt, daß es durch das opferbereite
Eingreifen hochherziger Freunde der Anstalt möglich wurde, die
Hofmannsche Bismarck-Dokumentensammlung für das Ger
manische Museum zu erwerben und diese für den Ausgang des
19. Jahrhunderts wichtige Geschichtsquelle damit den Ge
fahren und Zufälligkeiten privaten Besitzes und des Handels
zu entziehen. Das Archiv erhielt ferner eine zusammenhängende
Folge von 70 Briefen des Zeichners und Schriftstellers Wil
helm Busch, die sämtlich an Frau Marie Andersen in Wies
baden gerichtet und meist aus Wiedensahl und Wolfenbüttel,
dann von der Insel Borkum und aus München datiert sind.
Die Briefe sind außerordentlich inhaltsreich und gewähren
einen tiefen Einblick in die Persönlichkeit des großen Humo
risten.
(Ein Schlittschuh-Museum.) Wie aus Christiania
berichtet wird, ist die norwegische Hauptstadt soeben um ein
neues Museum bereichert worden, das wohl in seiner Art einzig
ist. Es ist eine Sammlung, die ausschließlich dem Schlittschuh
gilt. Der Schlittschuhklub von Christiania hat jahrelang
gesammelt und kann nun eine Sammlung vorlegen, die tat
sächlich die Entwicklung des Schlittschuhes ziemlich voll
ständig darstellt. Die älteste Zeit ist freilich nur ziemlich
spärlich vertreten; Schlittschuhe der Vorzeit, die man bei
Ausgrabungen gefunden hat, sind nur in wenigen Exemplaren
vorhanden. Desto reicher ist dafür die neuere und neueste