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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 11
und umgekehrt ist in je sechs Stunden eingeteilt,
welche wieder Unterteilungen zu Viertelstunden haben.
Da die . Japaner zur Zeit, als die Uhr entstand, an
Stelle unseres dekadischen Zahlensystems das Neunersystem
hatten, benannten sie die Doppelstunden auch
dementsprechend in nachstehender Reihenfolge: neunte,
achte, siebente, sechste, fünfte, vierte Doppelstunde.
So schlägt auch die Uhr in abnehmender Zahlenreihe.
Außerdem weist sie noch Zeichen auf, welche mit dem
Aberglauben der Japaner Zusammenhängen und in
Kombination mit der Stunde, die der Zeiger anzeigt,
Bedeutung erlangen.
Was die geradezu geniale mechanische Konstruktion
der Uhr .anbelangt, ist bemerkenswert, daß ein einziges
Gewicht sowohl die Tages- und Nachteinteilung wie
auch das Schlagwerk betätigt.
Vom ästhetischen Standpunkt aus ist erwähnenswert,
daß die Uhr, obwohl ihr Schwerpunkt meist
im Oberteil liegt, trotzdem sehr graziös im Aufbau
und vollkommen stabil ist. Selbstverständlich zeigt
sich auch bei den Gravierungen, welche sich auf dem
Metallgehäuse vorfinden, die berühmte Kunst der
Japaner. Der Bau des Gehäuseteiles, der das Werk
umschließt, gewährt Einblick in die Konstruktion.
Die Uhrenfirma Herz & Sohn in Wien, I., Stephansplatz
Nr. 6, der das wertvolle Stück gehört, hat den
Mechanismus der Uhr, die nicht funktionierte, als sie nach
Europa gebracht wurde, wieder herzustellen vermocht.
Ein römisches Germanenrelief.
Das Römisch-Germanische Zentralmuseum zu
Mainz hat jetzt durch eine Stiftung des Kommerzienrates
Karl Opel in Frankfurt ein prachtvolles römisches Germanenrelief
erhalten, das nunmehr das Glanzstück der
Sammlung von Germanendarstellungen des Zentralmuseums
bildet.
Das Relief, das einstmals die Vorderseite eines mächtigen
Sargdeckels bildete, befand sich, wie Direktor R. Schumacher
im „Korrespondenzblatt der Römisch-Germanischen Kommission“
schreibt, bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts
in den Magazinen der Villa Ludovisi in Rom, gelangte
dann in österreichischen und später in Frankfurter Privatbesitz.
Es enthält außer einem Frauenbildnis und einer großen
Heraklesmaske zwei Bildszenen. Die kleinere Gruppe veranschaulicht
eine Gerichts- oder Huldigungsszene vor einem
Kaiser (mit Szepter), der inmitten von Lictoren und Truppen
auf einem Klappstuhl steht. Es muß sicli um einen der Nachfolger
Marc Aurels handeln. Vor dem Kaiser stehen mehrere
.Barbaren“, von einem höheren Offizier vorgestellt, ein älterer,
mit einem Mantel bekleideter Mann, ein jüngerer mit nacktem
Oberkörper, umgehängten Mantel und enganliegenden Hosen,
ganz in der Tracht und Körperbildung, wie die Germanen
auf der Trajans- und Markussäule. Unter ihnen befindet sich
ein Kinderpaar in römischer Kleidung, von welchem das
eine durch Handauflegung des Offiziers der Iluld des
Kaisers empfohlen wird, während das andere, wohl ein
Mädchen, jenen jüngeren „Barbaren“ liebevoll an der Hand
faßt.
In der kleineren Gruppe sind zwei Gefangene sitzend dargestellt,
dann eine reichgekleidete Frau und ein Mann mit
nacktem Oberkörper. Er trägt deutlich den germanischen
(„suebischen") Haarschopf, den namentlich die Trajanssäule
so klar veranschaulicht, der aber auch auf Denkmälern des
dritten Jahrhunderts und noch später vorkommt. Durch diese
Charakterisierung ist außer Frage gestellt, daß nicht Barbaren
im allgemeinen gemeint sind, sondern Germanen, und zwar
Sueben oder ein ihnen verwandter Volksstamm, sowohl in
der größeren wie in der kleineren Gruppe. Die Vermutung
liegt nahe, daß die beiden Szenen in Zusammenhang stehen
und erst die Gefangennahme und dann die Freisprechung durch
den Kaiser geschildert ist, wobei der höhere Offizier und die
beiden Kinder vielleicht eine besondere Rolle gespielt haben.
Wenn sich der Vorgang bis jetzt noch nicht aufklären läßt,
so ist es doch nicht unmöglich, daß es sich um eine Begebenheit
der Markomannen-, Sueben- oder Alemanenkriege handelt, da
der gut gekennzeichnete Typus der Germanen auf diese Völker
hinweist. Vielleicht lassen sich späterhin auch die jetzt fehlenden
oder in den achtziger Jahren noch vorhandenen Teile des
Reliefs aufspüren, die vermutlich in der Villa Ludovisi zurückblieben.
Die Graphiksammlung Aumüller.
Mitte Juni versteigern Paul Cassirer und Hugo
Helbing in Gemeinschaft mit dem Münchener Antiquar
Jacques Rosenthal im Hause Paul Cassirer in Berlin
eine außergewöhnliche Graphiksammlung: Die seltenen
Blätter, die Eduard Aumüller, einer der besten
Kenner der Kleinmeister und Verfasser wertvoller
Spezialwerke aufzuspüren verstanden hat. Es sind
darin Kostbarkeiten, die zum großen Teile sogar in
unseren reichsten Sammlungen nicht zu finden sind,
Blätter, die infolge ihrer Seltenheit kaum zu schätzen
sind.
Chronologisch betrachtet beginnt die Kollektion
mit Israel van Meckenem und Martin Schongauer,
dem größten Stecher vor Dürer, von dem neben vielen
anderen wertvollen Arbeiten ein herrliches Exemplar
der „Großen Kreuztragung“ und der „Maria der
Verkündigung“ da ist. Eine Sammlung für sich bildet
die Abteilung Dürer, denn Aumüller hatte neben
höchstem Verständnis für Qualität auch das Glück,
zu einer Zeit zu sammeln, wo noch seltenste Drucke
in schönstem Zustande zu finden waren, wie die
„Große Fortuna“, der „Heilige Eustachius“, „Ritter,
Tod ^ und Teufel“ oder das Spätwerk „Der Erasmus
, das „Marienleben“ in Probedrucken, der
„Triumphwagen Maximilians" (1522, mit deutschem
Text).