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Seite 114 
Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 13 
Chronik. 
Autographen. 
(Autographen aus der ersten Reformationszeit) 
werden gegenwärtig in einer selbst für den Fachgelehrten über 
raschend großen Anzahl gelegentlich der Luther-Gedächtnis 
ausstellung artf der Feste Ko bürg den Besuchern gezeigt, 
Schätze, die nur selten ein Forscherauge erblickt, einem Laien 
aber noch weniger zugängig waren. Diese etwa 30 volleigen 
händigen Schriftstücke bilden neben den Cranachschen 
Lutherbildnissen den wertvollsten Bestandteil der reichhaltigen 
Ausstellung. Luther selbst und seine fürstlichen, ritterlichen 
und theologischen Mitarbeiter reden hier zu dem Beschauer. 
Der mächtigste Kronenträger seiner Zeit macht den Anfang: 
Kaiser Karl V., vom Augsburger Reichstag 1530; unterzeichnet 
ist der Erlaß mit von Kardinal Albrecht von Mainz. Es reihen 
sich an die ernestinischen Schützer des Refornfp|tionswerkes: 
Friedrich der Weise, Johann der Beständige, Johann 
Friedrich der Großmütige, Johann Friedrich der Mittlere 
und Johann Ernst von Koburg. Von anderen für das Luther 
tum gewonnenen Fürsten treten Philipp der Großmütige 
von Hessen und Ernst von Braunschweig, der Bekenner, 
hinzu. Mit sechs Briefen, einem lateinischen und fünf deutschen, 
ist Luther selbst vertreten; der Empfänger der Lutherbriefe 
ist des Reformators treuer Freund und Berater Georg Spalatin. 
Bibliophilie. 
(Versteigerung der Büchersammlung Professor 
Schücldekopf.) Die umfangreiche Büchersammlung des 
Professors Karl Schüddekopf in Weimar, Herausgebers 
der ,.Zeitschrift für Bücherfreunde“ und langjährigen Se 
kretärs der Gesellschaft der Bibliophilen, wird im Oktober d. J. 
durch die Firma Martin Breslauer in Berlin versteigert 
werden. Besonders reich vertreten sird die Literatur des 
18. Jahrhunderts und neuzeitliche bibliophile Veröffentlichungen, 
Bilder. 
(Ein neuer Rubens in Malmö?) Man berichtet uns 
aus Malmö: Hier ist ein Bild entdeckt worden, das Christus 
und die Apostel in Emmaus darstellt. Auf der Rückseite des 
Rahmens steht eine Bemerkung, nach der die Malerei von 
Jondarer sein soll, aber der schwedische Maler Jones Aakes- 
son hat nach eingehender Untersuchung erklärt, daß es sich 
um einen echten Rubens handelt oder daß dieser auf jeden 
Fall- an dem Bilde mitgearbeitet haben muß. Die ganze Mal- 
weisc ist typisch Rubens und das Gesicht des Apostels Johannes 
gleicht auffallend der zweiten Frau des Meisters. 
Exlibris. 
(Ein Entwurf von Walter Leistikow.) Der neue 
Direktor der deutschen Bücherei in Leipzig, Professor Doktor 
Georg Minde-Pouet, besitzt in seinen Sammlungen deutscher 
Graphik ein von Walter Leistikow entworfenes, leider nie 
ausgeführtes Exlibris. Als Minde-Pouet im LIerbst 1908 die 
Organisation der neu gegründeten Bromberger Stadtbibliothek 
übernahm, wollte er für sie ein eigenes Exlibris schaffen, 
und zur Verwirklichung dieses Gedankens nutzte er den 
glücklichen Zufall aus, daß Bromberg die Vaterstadt Leistikows 
war, an der er mit nie erkaltender Liebe hing. Bereitwillig 
entsprach der Künstler dieser Bitte und sandte im Februar 
1904 in kürzester Frist das Exlibris ein. Es zeigt im Vorder 
grund das breite Fensterbrett der Bibliothek, auf dem das 
aufgeschlagene Buch mit dem Stadtwappen ruht, und vom 
Fenster aus .einen Blick in den landschaftlich schönsten Teil 
Alt-Brombergs mit der für die Stadt charakteristischen 
Schleusenanlage, und. der ehrwürdigen katholischen .Pfarr 
kirche im Mittelpunkt. Minde-Pouet veröffentlicht zum ersten 
mal den Entwurf Leistikows und daneben das Natunnotiv, 
das sich Leistikow' von ihm erbeten hatte, um es als Vorlage 
zu benutzen. Ein Vergleich dieses Bildes der wirklichen Natur 
mit dem Exlibris ist nicht nur bezeichnerd für die Art, wie 
Leistikow das Motiv abrundete, das B:ld in den Rahmen 
paßte, sondern zeigt von neuem, daß ihm auch in der Graphik 
die dekorative Auffassung der Natur die liebste war. Es war 
schmerzlich, daß Gründe eintraten, die den Künstler veran- 
laßten, diesen ausgezeichneten Entwurf zurückzuz-ehen, und 
daß so der Stadt Bromberg das prächtige Geschenk ihres 
Sohnes für die Stadtbibliothek entging. 
Numismatik. 
(Deutsch-ostafrikanische Goldmünzen.) Aus Berlin 
wird uns geschrieben: Durch einen glücklichen Zufall ist in 
diesen Tagen ein Stück der von dem kaiserlichen Gouver 
nement von Daressalam während des Krieges geprägten 
und in den Verkehr gegebenen Goldstücke hieher gelangt. 
In früheren Berichten aus Deutsch-Ostafrika waren diese 
Münzen schon erwähnt worden, ohne daß man hier wußte, 
wie sie aussahen. Dieses Kriegsgoldstück, das auch für Sammler 
voraussichtlich einmal einen ganz außergewöhnlichen Wert 
erlangen wird, ist eine wirklich schön ur d geschmackvoll 
geprägte Münze. Es hat etwa die Größe eines Zwar zigmark- 
stückcs und lautet auf den Betrag von 15 Rupien, der nach 
dem amtlich seinerzeit festgesetzten Umwechslungskurs von 
133 1 / 3 % einem solchen von M 20-— genau entsprechen würde. 
Das Bild der Münze ist das eines Elefanten, der über eine 
offene Steppe, die im Hintergründe von hohen Bergen abge 
schlossen ist, zum Angriff vorgeht. Die Rückseite trägt den 
deutschen Reichsadler. Man kann beim Anblick der Münze 
nur staunen, wie es möglich war, sic in Ostafrika so schön und 
wirkungsvoll zu gestalten. 
Philatelie. 
(Erzherzog Franz Ferdinan d - Ged ächtnis marken.) 
In Sarajevo werden eine monumentale Erzherzog Franz 
Ferdinand-Gedächtniskirche, die auch als Garnisonskirche 
dienen soll und in Verbindung damit ein Jugendheim, Sophien 
heim genannt, erbaut werden. Am 28. v., dem dritten Jahres 
tage des Attentats von Sarajevo, wurden nun zugunsten dieser 
Gedächniswerke bei allen Militärpostämtern in Bosnien und 
Herzegowina besondere Krinnerungsmarken, und zwar zu 
10 h mit dem Bilde der Gedächtniskirche und des Sophienheims, 
zu 15 h mit dem Bilde des Erzherzogs und zu 40 h mit dem 
Doppelbilde des verewigten Paares herausgegeben, und zwar 
mit einem Zuschlag von 2 h für das Stück auf den Nennwert. 
Verschiedenes. 
(Neue Kunst.) Die erste Ausstellung vonStanislaus Stück- 
gold, welche die Galerie Neue Kunst Hans Goltz, München, 
veranstaltete, wird im Juli in Frankfurt bei Schames, im 
August in Hannover bei der Kestner Gesellschaft 
gezeigt. Die Ausstellung des Bodenseebauern A. Dietrich, 
die fast vollständig verkauft wurde, wird durch neue Arbeiten 
ergänzt, noch kurze Zeit bei Goltz, München gezeigt. Die 
Juliausstellung dieser Galerie zeigt das gesamte Werk, Ge 
mälde und Graphik von W. Schmidt-Rottluff. Der illu 
strierte Katalog ist zum Preise von M 1 •— durch Goltz, Mün 
chen, zu beziehen. 
(Deutsche Kunstausstellung in Bukarest.) In Bu 
karest ist am 3. Juni eine Deutsche Kunstausstellung 
eröffnet worden. Sie enthält Ölgemälde und Kriegsgraphik.
	        
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