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Internationale Sammler-Zeitung
Nr. 13
Chronik.
Autographen.
(Autographen aus der ersten Reformationszeit)
werden gegenwärtig in einer selbst für den Fachgelehrten über
raschend großen Anzahl gelegentlich der Luther-Gedächtnis
ausstellung artf der Feste Ko bürg den Besuchern gezeigt,
Schätze, die nur selten ein Forscherauge erblickt, einem Laien
aber noch weniger zugängig waren. Diese etwa 30 volleigen
händigen Schriftstücke bilden neben den Cranachschen
Lutherbildnissen den wertvollsten Bestandteil der reichhaltigen
Ausstellung. Luther selbst und seine fürstlichen, ritterlichen
und theologischen Mitarbeiter reden hier zu dem Beschauer.
Der mächtigste Kronenträger seiner Zeit macht den Anfang:
Kaiser Karl V., vom Augsburger Reichstag 1530; unterzeichnet
ist der Erlaß mit von Kardinal Albrecht von Mainz. Es reihen
sich an die ernestinischen Schützer des Refornfp|tionswerkes:
Friedrich der Weise, Johann der Beständige, Johann
Friedrich der Großmütige, Johann Friedrich der Mittlere
und Johann Ernst von Koburg. Von anderen für das Luther
tum gewonnenen Fürsten treten Philipp der Großmütige
von Hessen und Ernst von Braunschweig, der Bekenner,
hinzu. Mit sechs Briefen, einem lateinischen und fünf deutschen,
ist Luther selbst vertreten; der Empfänger der Lutherbriefe
ist des Reformators treuer Freund und Berater Georg Spalatin.
Bibliophilie.
(Versteigerung der Büchersammlung Professor
Schücldekopf.) Die umfangreiche Büchersammlung des
Professors Karl Schüddekopf in Weimar, Herausgebers
der ,.Zeitschrift für Bücherfreunde“ und langjährigen Se
kretärs der Gesellschaft der Bibliophilen, wird im Oktober d. J.
durch die Firma Martin Breslauer in Berlin versteigert
werden. Besonders reich vertreten sird die Literatur des
18. Jahrhunderts und neuzeitliche bibliophile Veröffentlichungen,
Bilder.
(Ein neuer Rubens in Malmö?) Man berichtet uns
aus Malmö: Hier ist ein Bild entdeckt worden, das Christus
und die Apostel in Emmaus darstellt. Auf der Rückseite des
Rahmens steht eine Bemerkung, nach der die Malerei von
Jondarer sein soll, aber der schwedische Maler Jones Aakes-
son hat nach eingehender Untersuchung erklärt, daß es sich
um einen echten Rubens handelt oder daß dieser auf jeden
Fall- an dem Bilde mitgearbeitet haben muß. Die ganze Mal-
weisc ist typisch Rubens und das Gesicht des Apostels Johannes
gleicht auffallend der zweiten Frau des Meisters.
Exlibris.
(Ein Entwurf von Walter Leistikow.) Der neue
Direktor der deutschen Bücherei in Leipzig, Professor Doktor
Georg Minde-Pouet, besitzt in seinen Sammlungen deutscher
Graphik ein von Walter Leistikow entworfenes, leider nie
ausgeführtes Exlibris. Als Minde-Pouet im LIerbst 1908 die
Organisation der neu gegründeten Bromberger Stadtbibliothek
übernahm, wollte er für sie ein eigenes Exlibris schaffen,
und zur Verwirklichung dieses Gedankens nutzte er den
glücklichen Zufall aus, daß Bromberg die Vaterstadt Leistikows
war, an der er mit nie erkaltender Liebe hing. Bereitwillig
entsprach der Künstler dieser Bitte und sandte im Februar
1904 in kürzester Frist das Exlibris ein. Es zeigt im Vorder
grund das breite Fensterbrett der Bibliothek, auf dem das
aufgeschlagene Buch mit dem Stadtwappen ruht, und vom
Fenster aus .einen Blick in den landschaftlich schönsten Teil
Alt-Brombergs mit der für die Stadt charakteristischen
Schleusenanlage, und. der ehrwürdigen katholischen .Pfarr
kirche im Mittelpunkt. Minde-Pouet veröffentlicht zum ersten
mal den Entwurf Leistikows und daneben das Natunnotiv,
das sich Leistikow' von ihm erbeten hatte, um es als Vorlage
zu benutzen. Ein Vergleich dieses Bildes der wirklichen Natur
mit dem Exlibris ist nicht nur bezeichnerd für die Art, wie
Leistikow das Motiv abrundete, das B:ld in den Rahmen
paßte, sondern zeigt von neuem, daß ihm auch in der Graphik
die dekorative Auffassung der Natur die liebste war. Es war
schmerzlich, daß Gründe eintraten, die den Künstler veran-
laßten, diesen ausgezeichneten Entwurf zurückzuz-ehen, und
daß so der Stadt Bromberg das prächtige Geschenk ihres
Sohnes für die Stadtbibliothek entging.
Numismatik.
(Deutsch-ostafrikanische Goldmünzen.) Aus Berlin
wird uns geschrieben: Durch einen glücklichen Zufall ist in
diesen Tagen ein Stück der von dem kaiserlichen Gouver
nement von Daressalam während des Krieges geprägten
und in den Verkehr gegebenen Goldstücke hieher gelangt.
In früheren Berichten aus Deutsch-Ostafrika waren diese
Münzen schon erwähnt worden, ohne daß man hier wußte,
wie sie aussahen. Dieses Kriegsgoldstück, das auch für Sammler
voraussichtlich einmal einen ganz außergewöhnlichen Wert
erlangen wird, ist eine wirklich schön ur d geschmackvoll
geprägte Münze. Es hat etwa die Größe eines Zwar zigmark-
stückcs und lautet auf den Betrag von 15 Rupien, der nach
dem amtlich seinerzeit festgesetzten Umwechslungskurs von
133 1 / 3 % einem solchen von M 20-— genau entsprechen würde.
Das Bild der Münze ist das eines Elefanten, der über eine
offene Steppe, die im Hintergründe von hohen Bergen abge
schlossen ist, zum Angriff vorgeht. Die Rückseite trägt den
deutschen Reichsadler. Man kann beim Anblick der Münze
nur staunen, wie es möglich war, sic in Ostafrika so schön und
wirkungsvoll zu gestalten.
Philatelie.
(Erzherzog Franz Ferdinan d - Ged ächtnis marken.)
In Sarajevo werden eine monumentale Erzherzog Franz
Ferdinand-Gedächtniskirche, die auch als Garnisonskirche
dienen soll und in Verbindung damit ein Jugendheim, Sophien
heim genannt, erbaut werden. Am 28. v., dem dritten Jahres
tage des Attentats von Sarajevo, wurden nun zugunsten dieser
Gedächniswerke bei allen Militärpostämtern in Bosnien und
Herzegowina besondere Krinnerungsmarken, und zwar zu
10 h mit dem Bilde der Gedächtniskirche und des Sophienheims,
zu 15 h mit dem Bilde des Erzherzogs und zu 40 h mit dem
Doppelbilde des verewigten Paares herausgegeben, und zwar
mit einem Zuschlag von 2 h für das Stück auf den Nennwert.
Verschiedenes.
(Neue Kunst.) Die erste Ausstellung vonStanislaus Stück-
gold, welche die Galerie Neue Kunst Hans Goltz, München,
veranstaltete, wird im Juli in Frankfurt bei Schames, im
August in Hannover bei der Kestner Gesellschaft
gezeigt. Die Ausstellung des Bodenseebauern A. Dietrich,
die fast vollständig verkauft wurde, wird durch neue Arbeiten
ergänzt, noch kurze Zeit bei Goltz, München gezeigt. Die
Juliausstellung dieser Galerie zeigt das gesamte Werk, Ge
mälde und Graphik von W. Schmidt-Rottluff. Der illu
strierte Katalog ist zum Preise von M 1 •— durch Goltz, Mün
chen, zu beziehen.
(Deutsche Kunstausstellung in Bukarest.) In Bu
karest ist am 3. Juni eine Deutsche Kunstausstellung
eröffnet worden. Sie enthält Ölgemälde und Kriegsgraphik.