Nr. 14
Internationale Sammler - Zeitung
Seite 119
seinen Füßen sich im Bilde nicht weiter von dem
Horizont entfernt finden als bei Dürer auch; aber die
Figur Christi hat kaum die halbe Größe der Figuren
unten im Mittelgrund und ist außerdem, ebenso wie
die geflügelten Engelsköpfchen in den Wolken, in
einem luftigen, feinen Ton gehalten, während bei
Dürer die oberen Figuren in Lokalfarben, wie auch in
Licht und Schatten mit jenen im unteren Teil des
Bildes in gleicher Kraft behandelt sind.
Das Uffenbachsche Bild bietet uns ein besonders
lehrreiches Beispiel aus der Übergangsperiode der alt
deutschen Kunstanschauung in die moderne Richtung.
Bekanntlich standen die altdeutschen Kirchenbilder
meist unter dem Einfluß der Wirkung der brillanten
und zum Teil auch hartwirkenden Glasfensterfarben
und diese Wirkung nachzuahmen, waren die Maler bei
den Gemälden, die der Kirche zu dienen hatten, zu
den Tempera- oder Ölfarben gezwungen. Uffenbach
hat in seinem Bilde im Gegensatz zu dieser gewohnten
Farbengebung, seine Lokalfarben nach malerischen
Prinzipien nebeneinander geordnet, hat aber damit
allerdings keinen größeren koloristischen Erfolg erzielt
als diejenigen alten Maler, die ihre Farbengebung der
Glasfenster näher rückten. Er ist in jenem Gemälde
auch Dürers Beispiel gefolgt, indem er sein Porträt
geschickt angebracht hat. Er hat sich im Kostüm seiner
Zeit, in weißer Halskrause und schwarzem Wams
barhäuptig dar gestellt. (Fortsetzung folgt.)
Das Kriegsstammbuch der Stadt Wien.
Es war eine schöne Idee, die Bilder und Schrift
züge jener Männer, denen in diesen weltbewegenden
Jahren unser Schicksal anvertraut wurde, in einem
Buche zu vereinen: der Erfolg mußte zum voraus
gewiß sein, auch wenn das Werk nicht eine so reizende
Ausstattung erhalten hätte, wie das eben erschienene
„Kriegsstammbuch der Stadt Wien“ (heraus
gegeben von der Gemeinde Wien, Buch- und Kunst
verlag Gerlach & Wiedling, Wien und Leipzig).
Kein Sammler von Kriegsandenken wird daran
achtlos vorübergehen, die größte Anziehungskraft aber
dürfte es auf Liebhaber von Autographen haben, denen
in der Zeit der Surrogate ein Ersatz von Original
autographen geboten wird, der ihre Wünsche wohl nicht
restlos erfüllt, mit dem sie aber gerne vor lieb nehmen
werden, sind es doch Autographen, die nur wenige
Sammler erreichen.
Den Anfang macht der verewigte Kaiser Franz
Joseph, der den Plan des Stammbuches seiner Vater
stadt freudig begrüßt und sich als der Erste einge
zeichnet hatte, aber lange vor Vollendung des Werkes
seine Augen für immer schloß. Der Monarch schrieb:
„Ich vertraue auf meine. Völker und bitte den All
mächtigen, daß er unsere Sache in seine gnädige Obhut
nehme.“
Das zweite Stammbuchblatt trägt die Züge des
jungen Kaisers Karl, darunter die Worte: „Wer
Treue hält, dem wird der Segen Gottes nicht fehlen.“
Mit kräftigen Schriftzügen schrieb Kaiser Wilhelm
das einzige, vielsagende Wort: „Dennoch!“
Der Kaiser der Ottomanen faßt seine' Wünsche
in folgende Worte zusammen: „Mit Hilfe Allahs sind
die Siege unserer verbündeten Heere auch für die
Zukunft sicher hoffnungsvoll. Ich flehe Allah an, daß
diese Erfolge, zu einem glänzenden Frieden führen."
Der Zar der Bulgaren Ferdinand schreibt: „Qui
non est Mecum contra Me est“ (Wer nicht mit mir ist,
ist gegen mich).
Der deutsche Kronprinz sagt kurz: „Der Hieb ist
die beste Parade.“ König Friedrich August von
Sachsen gibt seiner Zuversicht, wie folgt, Ausdruck:
„Gott der allmächtige Lenker aller irdischen Dinge
hat uns bis jetzt geholfen, er wird uns auch weiter
helfen.“
Es folgen dann die Eintragungen der anderen
deutschen Bundesfürsten, der Heerführer Und Armee
kommandanten, der Diplomaten, die entscheidenden
Einfluß auf die Gestaltung der inneren Verhältnisse
genommen haben und — last, not least, — des Bürger
meisters von Wien, Dr. Richard Weiskirchner, dessen
Initiative das Werk sein Entstehen dankt und der auch
ein kerniges Vorwort beigesteuert hat.
Die ältesten bekannten Gutenbergdrucke.
Es ist längst erwiesen, daß Gutenberg, bevor er sich an
ein so gewaltiges Unternehmen, wie es der erste Bibeldruck
war, heranwagte, seine Kunst an kleineren Drucken erprobte.
Als Erstlinge der Gutenbergdrucke galten früher die in der
Pariser Nationalbibliothek befindlichen Donate (Schulfibeln
von Donatus) von 1450, die Ablaßbriefe von 1454, die Mahnung
wider die Türken von 1454, sowie der Kalender von 1450,
und allgemein glaubte man, daß überhaupt kein Denkmal der
Typographie älter sei als aus dem Jahre 1450. Diese Annahmen
haben sich als unzutreffend erwiesen, da in den letzten Jahren
Gutenbergdrucke aufgefunden worden sind, denen ein höheres
Alter zugesprochen werden muß. Hierhin gehört zunächst der
in der Landesbibliothek zu Wiesbaden in den Handschriften
des Klosters Schönau als Druckfragment entdeckte astrono
mische Kalender für das Jahr 1448. Es ist ein Drittel
eines Blattes erhalten; die Breite des Druckes beträgt 60cm,
die Höhe 50 cm. Als Jahr, für das der Kalender bestimmt war,
ergibt sich 1448. Dieser Fund ist zugleich ein Beweisstück,,
daß die Donate in der Pariser Nationalbibliothek tatsächlich
von Gutenberg herrühren, was oft bestritten wurde; denn
sie haben, wie jetzt zu ersehen ist, die gleichen Typen, Wie das
aufgefundene Fragment.
Noch älter als der. im Jahre 1447 entstandene astronomische
Kalender ist das in Mainz aufgefundene Fragment eines
deutschen Gedichtes vom Weltgericht, das sich seit
1892 in dem Besitze des Bankbeamten Eduard Beck befand,
heute aber eines der wertvollsten Stücke des Mainzer .Guten
berg-Museums ist. Dieser Einblattdruck rührt, wie. einwandfrei
nachgewiesen Wurde, aus der Zeit vor 1447 her. Die in dem
Blatte sichtbaren Heftstiche weisen. darauf hin, daß es als
Rückblatt zum Einheften einiger Aktenlagen gedient hat.
Die Vorderseite des Druckes war nach außen, die Rückseite
nach innen geheftet;.diese blieb dadurch vor Staub und anderen
schädigenden Einwirkungen geschützt, wie die vortreffliche
Erhaltung der Seite zeigt.