MAK
Internationale 
«gammfer-Zßifunfl 
Zentralblatt für Sammler, Liebhaber und Kunstfreunde. 
Herausgeber: Norbert Ehrlich. 
9. Jahrgang. Wien, 1. August 1917. Nr. 15. 
Alte Malereien in Frankfurt a. M. 
Von Chr. Mangold (Frankfurt a. M). 
(Schluß).* 
Zwei andere Bilder, die allerdings nicht den Uffen- 
bachschen Namenszug tragen und die Erweckung der 
Gebeine nach Ezechiel, Cap. 37, sowie „Das jüngste 
Gericht“ darstellen, sind mit Bestimmtheit als Werke 
Uffenbachs anzusehen. Daß die Werke zweifellos 
von Uffenbach stammen, geht daraus hervor, 
daß die Zeichnung sowie die koloristische Aus 
führung der Gemälde, besonders bei der Figur 
des Ezechiel, die sichtbare Verwandtschaft mit 
der Behandlung der Figuren auf dem. Himmelfahrts- 
bilde tragen. Ganz besonders übereinstimmend sind 
hierbei die drei Gewandfarben an der stehenden Figur 
im Vordergrund links bei Ezechiel wiederholt, 
nämlich dunkelblauer Mantel mit Orangefuttcr und 
lackrotes Untergewand genau ebenso zusammengestellt 
und in ebenso harmonischen Einklang gebracht. 
Auch die Behandlung des tief braunen und schön 
gebildeten Kopfes entspricht durchaus jener der 
Köpfe im Himmelfahrtsbild. Aber gerade diese 
schöne Figur, bei welcher auch die Gewandbe 
handlung ganz jener des letztgenannten Bildes 
gleichkommt, ist teilweise durch das Durchwachsen des 
Untergrundes verdunkelt. Bei denjenigen Stellen, bei 
denen dieses nicht stattfand, zeigt sich das klare 
leuchtende Kolorit genau so wie bei der Himmelfahrt. 
Bei dem Gemälde des jüngsten Gerichtes tritt uns zum 
erstenmal Uffenbachs Behandlung des Nackten ent 
gegen. Aber auch in ihr finden wir seine Farben 
anschauung in ihren charakteristischen Eigentümlich 
keiten wiedar, nämlich die Verwendung starker Unter 
schiede zwischen der gräulich-hellen Karnation der 
weiblichen Körper und der tiefbraunen, satten der 
Männer. Allerdings fällt bei manchen Männern der tief 
rotbraune Fleischton gegenüber dem mehr ins Oliv- 
braune gehende anderer Gestalten sehr auf. Die 
Köpfe dar Frauen sind meist in weichen, rundlichen 
Formen, mit hellen Schatten und leichtem rötlichen 
Anflug auf den Wangen wieder gegeben. Seine nackten 
Figuren zeigen ein gutes anatomisches Studium, das 
der Zeichnung dieser Figuren vorausgegangen sein 
muß. Es sei hier anschließend noch erwähnt, daß sich 
*) Siehe Nr. 14 der „Internationalen Sammler-Zeitung“. 
auf der hiesigen Stadtbibliothek die 1630 bei Zetzner 
gedruckte, wunderbar kolorierte Mariansche Bilder 
bibel befindet, bei der mit Sicherheit anzunehmen ist, 
daß bei dem Blatt 45 B bei der Offenbarung auf dem 
Sinai, ähnlich auf Blatt 5: „Gott befiehlt Noah in 
die Arche zu gehen“, sowie auf dem Blatt Ia bei der 
Schöpfung Uffenbachsche Vorbilder benutzt worden 
sind. 
Von der Ostseitc der alten Römerhalle führt rechter 
Hand die 1741 erbaute Kaisertreppe, über die man 
zum Kaisersaal gelangt, den ein reich gemaltes Decken 
bild aus demselben. Jahre von Johann Baptist Innocenz 
Colomba schmückt. Dieses Deckengemälde wurde im 
Jahre 1885 einigermaßen restauriert, konnte aber im 
wesentlichen in seiner ursprünglichen Gestalt erhalten 
werden, so daß es in seiner ganzen Farbenpracht vor 
uns steht. 
Es ist kein allzu bedeutendes Kunstwerk, das hier 
Colomba geschaffen hat, doch ist die Gesamtwirkung 
eine gute. Der Gemäldecharakter der Zeit drückt sich 
in der Anhäufung von Figuren, die aber durch geschickte 
Verteilung in helle und dunkle Massen auseinander 
gehalten sind, aus. Das Deckengemälde bezieht sich 
auf den damals neugewählten, noch der Krönung 
harrenden Kaiser Karl VII. Ihm bringen Scharen 
allegorischer Figuren die Verherrlichung der Tugend 
in entsprechender reizvoller oder abschreckender Perso 
nifizierung zum Ausdruck. Als würdiger Abschluß des 
Gemäldes dient ein in rötlicher und grauer Marmorierung 
gehaltenes Gesims. In den vier stumpf abgeschnittenen 
Ecken sitzen die Figuren der vier Weltteile: Europa 
zeigt sich um mit dem Modell des Rathauses in der 
Hand, Asien mit einem schönen goldenen Gefäß mit 
Spezereien, die, durch Aufschriften gekennzeichnet 
sind, Afrika stellt eine Negerin mit einem Fruchtbündel 
dar, Amerika ist als Indianerin mit Bogen und Pfeil 
ausgestattet. In den vorspringenden gemalten Kapi- 
tälen in dem unter dem Gesims hinlaufenden Fries 
sind weiters die vier Jahreszeiten allegorisch als Kinder 
figuren veranschaulicht. Der Winter ist in einen 
dicken Pelz eingehüllt, den ihm der Frühling bereit 
willig abnimmt, der Sommer trägt ein Ährenbündel 
und der Herbst schneidet mit der Sichel reife Früchte
	        
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