MAK
internationale Sammler-Leitung 
Seite 126 
Nr. IS 
von den Zweigen. In der Mitte an der Nord- und Süd 
seite zeigt sich uns im Bilde, wie Aeneas seinen Vater 
aus dem brennenden Troja trägt, gegenüber gewahrt 
man die aufopfernde Tochter* die ihrem gefa igenen 
Vater die Brust reicht. An der Westseite sitzt eine 
weibliche Gestalt mit einem Kinde, die jede ifalls. die 
Mutterliebe versinnbildlichen soll. Ein weiteres Decken 
gemälde, das sich auf dem gleichen Podest links vom 
Kaisersaal hinzieht, ist ebenfalls von Colomba und 
stellt das Bildnis der Belona dar. 
Die Malereien an der Decke und den Wänden des 
ehemaligen Wahl-, beziehungsweise Kurfürstenzimmers, 
die 1731 bis 1733 von den Malern Christian und Georg 
Leimberger ausgeführt worden sind, sind noch gut 
erhalten. Das Deckenbild verherrlicht die verschiedenen 
Herrschertugenden mit Beziehung auf die Krönung 
Karls VI. Als Umrahmung läuft ein breiter Fries 
um. das Bild herum, der wieder mit den Wappen der 
ehemaligen Kurfürstentümer Köln, Mainz, Trier, 
Bayern, Brandenburg, Hannover, Pfalz, Sachsen und 
Böhmen geziert ist. Die Ecken zeigen je zwei Ge 
fangene in Fesseln zwischen Trophäen stehend. Signiert 
ist die Decke mit C. L., pinxit 1733. Über den fünf 
Türen zum Zimmer sind Gemälde in Ölfarben direkt 
auf die Wandfläche gemalt, die die Reichsinsignien 
darstellen und von Kinderfiguren gehalten werden. 
Die lateinischen Inschriften beziehen sich auf die 
Insignien. Die Krone trägt die Inschrift: E micat his 
populo Majestas summa coronis (Dem Volke strahlt 
aus diesen Kronen die höchste Majestät). Das Schwert: 
Tucntur et armant (Zum Schutz und Trutz). Das 
Szepter: Hoc augusta manus radiat moderamine 
mundi (Mit diesem Steuer der Welt erstrahlt die 
kaiserliche Hand). Der Mantel: Nil hoc ornatu servat 
Germania majus (Nichts Größeres bewahrt Germania 
als dieses Ornat). Die Schuhe: Gradiens his imperat 
orbi (In diesen herumschreitend beherrscht er die Welt). 
Die Westwand trägt als Abschluß des Ganzen das 
lebensgroße Bild Kaiser Leopold II. 
Auch dfr Vorsaal zu diesem Raum ist im Jahre 
1732 vom Leimberger mit einem schönen Wand 
gemälde in Ölfarben geziert worden. Leider hat aber 
dieses herrliche Ölgemälde mit der Zeit so gelitten, 
daß es bei den letzten Renovierungen ei xe vollständige 
Übermalung erhalten mußte. Das Gemälde versinn 
bildlicht in zahlreichen allegorischen Figurengiuppen 
die Tugenden und Künste einer geregelten Staats 
leitung. Alle figürlichen Teile sind mit einer ganz 
besonderen Frische und Klarheit gemalt, die so recht 
an den vier weiblichen Figuren der Hauptgruppe, 
die auf großen im Barockstile gehaltenen und mit 
Adlern geschmückten Thronen sitzen, zur Geltung 
kommt. Außerdem trägt ehe Wand ein Gemälde einer 
männlichen Figur, die Stärke, mit einer Keule in den 
Händen, darstellend. Die Gerechtigkeit hat der Künstler 
in einer wciblichenFigur versinnbildlicht, die einSchwert 
in der Linken hält. Die Zuversicht ist eine weibliche 
Figur, die in ihrem Schoße einen Anker trägt; die 
Zukunft stellt eine weibliche Figur dar, die ein Szepter 
umfaßt, welches in ein Auge ausläuft, das mit einem 
Strahlenkranz umgeben ist. Dann folgen noch allego 
rische Darstellungen, die die Künste und die Wissen 
schaften versinnbildlichen. Als Ergänzung reihen sich 
vier Mcdaillenbilder in reicher Stuckumrahmung, die 
vier Jahreszeiten darstellend, würdig an. Der Frühling 
ist eine herrliche Mädchenfigur mit Rosen behängt, 
umgeben von Amoretten, die wieder Rosenkränze 
winden; der Sommer ist eine nackte Frauengestalt; 
der Herbst ist als Bacchus auf dem bekränzten Fasse 
sitzend dargestellt, dem sich der stolzverbrämte Winter 
wohlgefällig zur Seite stellt. 
Bei allen diesen Malereien hat der Künstler eine 
frische, präzise gesunde Farbengebung walten lassen, 
die mit einer flotten Technik verbunden ist. 
Etwa drei Jahre früher als diese Malereien ent 
standen sind, also um 1730, hat der italienische Maler 
Bcrnardini das heute noch gut erhaltene Decken 
gemälde, über der Prachttreppe des ehemaligen Thurn- 
und Taxischen Palais in der Großen Eschenheimer 
straße ausgeführt. Der Gegenstand der Darstellung 
ist die Zerschmetterung der himmelstürmenden Titanen 
durch die Blitze Jupiters bei dem Bau ihres Riesen 
werkes. Das Gemälde hat die Form eines gestreckten 
Oblonges, dessen nach Norden gelegene Schmalseite 
die Basis bildet. Hier erblicken wir auf einem Berges 
gipfel große Felsblöcke geschichtet, mit deren Herbei 
schleppung und Auftürmung die Titanen beschäftigt 
sind, die jedoch von den Blitzen Jupiters getroffen 
werden. So sehen wir unten rechts im Vordergründe 
einen halbnackten toten Titanen liegen. In leuchtenden 
Farben ist zur Linken ein anderer Titan dargestellt, 
der zu Tode erschrocken nach oben blickt, zu seinen 
Füßen liegt ein vom Blitze dahingestrecktes Titanen 
weib, welches wie die beiden erwähnten und zwei zur 
Rechten noch arbeitende Titanen in leichten Wolken 
schatten gehüllt ist, so daß die beiden Hauptfiguren 
des Vordergrundes wirkungsvoll hervortreten. Hoch 
oben auf den Felsblöcken im Mittelgründe des Bildes 
erhebt ein Titan drohend seinen Stab gegen Jupiter, 
der in weichen Tönen gehalten, in der Ferne sichtbar ist. 
In der Mitte des ganzen Deckenbildes tiitt Jupiter, 
begleitet von seinem Adler, aus den Wolken heraus 
und schleudert seine Blitze auf die Himmelsstürmer. 
In duftigen Tönen gemalt sehen wir noch einige männ 
liche und weibliche Götterfiguren, die aber nur mit 
ihren Oberkörpern aus den helleren Wolken heraus 
ragen und über die Ränder der nach dem oberen Ende 
des Bildes stets lichter werdenden Wolken hinab 
blicken. Am oberen Ende des Gemäldes lösen sich, die 
Wolken in rosiggelbcm Morgenschimmer auf, in welchem 
Aurora mit einer weißleuchtenden Fackel schwebt. 
Ihr fast nackter Körper ist nur von einem rosigen 
Gazeschleier umflattert. In deren Nähe zeigt sich noch 
eine Götterfigur, die mit zürnendem Gesichtsausdruck 
ihren Sensenstab zeibricht. 
In dem großen, runden Mittelsaal des gleichen 
Gebäudes, der ein wahres Meisterwerk freier geschmack 
voller Rokokodekorieruiig ist, befindet sich in der 
hohen Kuppel sin mit zahlreichen Figuren ausgemaltes 
Deckengemälde des schon erwähnten Lucas Anton 
Colomba. Die Mittelgruppe dieses Deckengemäldes 
bilden die Hauptpersonen Minerva, Mars, Herkules 
und Apollo mit der Lyra. Gerade die letzte Figur ist 
durch ihre Nacktheit die hervorragendste hellste Figur 
jener Gruppe. So bildet auch der nackte Körper der 
Venus in der rechten Seitengruppe den leuchtendsten 
Punkt, während über ihr die drei Parzen sich dunkel 
von einer weißen Wolke abheben, die zu diesem. Zwecke 
zwischen sie und die Schattenpartien der Apollogruppe 
eingeschoben ist. Eine ganze Anzahl lieblicher Putten 
sitzen der Liebesgöttin zu Füßen, unter ihr befindet 
sich die Blumengöttin Flora, welcher wieder Putten 
einen prächtigen aus gemalten Korb mit Blumen dar- 
reichcn. 
In der linken Seitengruppe nimmt Bacchus mit 
einigen Bacchantinnen die oberste Stelle ein; etwas 
tiefer hinab erscheinen die drei Grazien, davon die eine 
in _ ganzer Figur, schwebend und unbekleidet vom 
Rücken gesehen ist, die beiden andern aber nur in 
halber Figur aus den Wolken auftauchend. Unter 
ihnen sitzt Ceres mit dem Ährenbündel, vor ihr tiefer
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.