internationale Sammler-Leitung
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Nr. IS
von den Zweigen. In der Mitte an der Nord- und Süd
seite zeigt sich uns im Bilde, wie Aeneas seinen Vater
aus dem brennenden Troja trägt, gegenüber gewahrt
man die aufopfernde Tochter* die ihrem gefa igenen
Vater die Brust reicht. An der Westseite sitzt eine
weibliche Gestalt mit einem Kinde, die jede ifalls. die
Mutterliebe versinnbildlichen soll. Ein weiteres Decken
gemälde, das sich auf dem gleichen Podest links vom
Kaisersaal hinzieht, ist ebenfalls von Colomba und
stellt das Bildnis der Belona dar.
Die Malereien an der Decke und den Wänden des
ehemaligen Wahl-, beziehungsweise Kurfürstenzimmers,
die 1731 bis 1733 von den Malern Christian und Georg
Leimberger ausgeführt worden sind, sind noch gut
erhalten. Das Deckenbild verherrlicht die verschiedenen
Herrschertugenden mit Beziehung auf die Krönung
Karls VI. Als Umrahmung läuft ein breiter Fries
um. das Bild herum, der wieder mit den Wappen der
ehemaligen Kurfürstentümer Köln, Mainz, Trier,
Bayern, Brandenburg, Hannover, Pfalz, Sachsen und
Böhmen geziert ist. Die Ecken zeigen je zwei Ge
fangene in Fesseln zwischen Trophäen stehend. Signiert
ist die Decke mit C. L., pinxit 1733. Über den fünf
Türen zum Zimmer sind Gemälde in Ölfarben direkt
auf die Wandfläche gemalt, die die Reichsinsignien
darstellen und von Kinderfiguren gehalten werden.
Die lateinischen Inschriften beziehen sich auf die
Insignien. Die Krone trägt die Inschrift: E micat his
populo Majestas summa coronis (Dem Volke strahlt
aus diesen Kronen die höchste Majestät). Das Schwert:
Tucntur et armant (Zum Schutz und Trutz). Das
Szepter: Hoc augusta manus radiat moderamine
mundi (Mit diesem Steuer der Welt erstrahlt die
kaiserliche Hand). Der Mantel: Nil hoc ornatu servat
Germania majus (Nichts Größeres bewahrt Germania
als dieses Ornat). Die Schuhe: Gradiens his imperat
orbi (In diesen herumschreitend beherrscht er die Welt).
Die Westwand trägt als Abschluß des Ganzen das
lebensgroße Bild Kaiser Leopold II.
Auch dfr Vorsaal zu diesem Raum ist im Jahre
1732 vom Leimberger mit einem schönen Wand
gemälde in Ölfarben geziert worden. Leider hat aber
dieses herrliche Ölgemälde mit der Zeit so gelitten,
daß es bei den letzten Renovierungen ei xe vollständige
Übermalung erhalten mußte. Das Gemälde versinn
bildlicht in zahlreichen allegorischen Figurengiuppen
die Tugenden und Künste einer geregelten Staats
leitung. Alle figürlichen Teile sind mit einer ganz
besonderen Frische und Klarheit gemalt, die so recht
an den vier weiblichen Figuren der Hauptgruppe,
die auf großen im Barockstile gehaltenen und mit
Adlern geschmückten Thronen sitzen, zur Geltung
kommt. Außerdem trägt ehe Wand ein Gemälde einer
männlichen Figur, die Stärke, mit einer Keule in den
Händen, darstellend. Die Gerechtigkeit hat der Künstler
in einer wciblichenFigur versinnbildlicht, die einSchwert
in der Linken hält. Die Zuversicht ist eine weibliche
Figur, die in ihrem Schoße einen Anker trägt; die
Zukunft stellt eine weibliche Figur dar, die ein Szepter
umfaßt, welches in ein Auge ausläuft, das mit einem
Strahlenkranz umgeben ist. Dann folgen noch allego
rische Darstellungen, die die Künste und die Wissen
schaften versinnbildlichen. Als Ergänzung reihen sich
vier Mcdaillenbilder in reicher Stuckumrahmung, die
vier Jahreszeiten darstellend, würdig an. Der Frühling
ist eine herrliche Mädchenfigur mit Rosen behängt,
umgeben von Amoretten, die wieder Rosenkränze
winden; der Sommer ist eine nackte Frauengestalt;
der Herbst ist als Bacchus auf dem bekränzten Fasse
sitzend dargestellt, dem sich der stolzverbrämte Winter
wohlgefällig zur Seite stellt.
Bei allen diesen Malereien hat der Künstler eine
frische, präzise gesunde Farbengebung walten lassen,
die mit einer flotten Technik verbunden ist.
Etwa drei Jahre früher als diese Malereien ent
standen sind, also um 1730, hat der italienische Maler
Bcrnardini das heute noch gut erhaltene Decken
gemälde, über der Prachttreppe des ehemaligen Thurn-
und Taxischen Palais in der Großen Eschenheimer
straße ausgeführt. Der Gegenstand der Darstellung
ist die Zerschmetterung der himmelstürmenden Titanen
durch die Blitze Jupiters bei dem Bau ihres Riesen
werkes. Das Gemälde hat die Form eines gestreckten
Oblonges, dessen nach Norden gelegene Schmalseite
die Basis bildet. Hier erblicken wir auf einem Berges
gipfel große Felsblöcke geschichtet, mit deren Herbei
schleppung und Auftürmung die Titanen beschäftigt
sind, die jedoch von den Blitzen Jupiters getroffen
werden. So sehen wir unten rechts im Vordergründe
einen halbnackten toten Titanen liegen. In leuchtenden
Farben ist zur Linken ein anderer Titan dargestellt,
der zu Tode erschrocken nach oben blickt, zu seinen
Füßen liegt ein vom Blitze dahingestrecktes Titanen
weib, welches wie die beiden erwähnten und zwei zur
Rechten noch arbeitende Titanen in leichten Wolken
schatten gehüllt ist, so daß die beiden Hauptfiguren
des Vordergrundes wirkungsvoll hervortreten. Hoch
oben auf den Felsblöcken im Mittelgründe des Bildes
erhebt ein Titan drohend seinen Stab gegen Jupiter,
der in weichen Tönen gehalten, in der Ferne sichtbar ist.
In der Mitte des ganzen Deckenbildes tiitt Jupiter,
begleitet von seinem Adler, aus den Wolken heraus
und schleudert seine Blitze auf die Himmelsstürmer.
In duftigen Tönen gemalt sehen wir noch einige männ
liche und weibliche Götterfiguren, die aber nur mit
ihren Oberkörpern aus den helleren Wolken heraus
ragen und über die Ränder der nach dem oberen Ende
des Bildes stets lichter werdenden Wolken hinab
blicken. Am oberen Ende des Gemäldes lösen sich, die
Wolken in rosiggelbcm Morgenschimmer auf, in welchem
Aurora mit einer weißleuchtenden Fackel schwebt.
Ihr fast nackter Körper ist nur von einem rosigen
Gazeschleier umflattert. In deren Nähe zeigt sich noch
eine Götterfigur, die mit zürnendem Gesichtsausdruck
ihren Sensenstab zeibricht.
In dem großen, runden Mittelsaal des gleichen
Gebäudes, der ein wahres Meisterwerk freier geschmack
voller Rokokodekorieruiig ist, befindet sich in der
hohen Kuppel sin mit zahlreichen Figuren ausgemaltes
Deckengemälde des schon erwähnten Lucas Anton
Colomba. Die Mittelgruppe dieses Deckengemäldes
bilden die Hauptpersonen Minerva, Mars, Herkules
und Apollo mit der Lyra. Gerade die letzte Figur ist
durch ihre Nacktheit die hervorragendste hellste Figur
jener Gruppe. So bildet auch der nackte Körper der
Venus in der rechten Seitengruppe den leuchtendsten
Punkt, während über ihr die drei Parzen sich dunkel
von einer weißen Wolke abheben, die zu diesem. Zwecke
zwischen sie und die Schattenpartien der Apollogruppe
eingeschoben ist. Eine ganze Anzahl lieblicher Putten
sitzen der Liebesgöttin zu Füßen, unter ihr befindet
sich die Blumengöttin Flora, welcher wieder Putten
einen prächtigen aus gemalten Korb mit Blumen dar-
reichcn.
In der linken Seitengruppe nimmt Bacchus mit
einigen Bacchantinnen die oberste Stelle ein; etwas
tiefer hinab erscheinen die drei Grazien, davon die eine
in _ ganzer Figur, schwebend und unbekleidet vom
Rücken gesehen ist, die beiden andern aber nur in
halber Figur aus den Wolken auftauchend. Unter
ihnen sitzt Ceres mit dem Ährenbündel, vor ihr tiefer