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Internationale Sammler-Zeitung 
Nr. 16 17 
(Berlin 1912) vor Augen führt, Smekal, Das alte 
Burgtheater (Wien 1916) usw. 
Als feststehend kann heute angenommen werden, 
daß die Pr eis Verschiedenheiten der hier besprochenen 
Bäuerleblätter den bunt schillernden Edelsteinfassetten 
gleichen, in denen das Strahlenspiel der Sonne sich 
widerspiegelt. Je nach dem wiengeschichtlichen Farben 
glanz, der diesen Blättern schon sachlich anhaftet, 
oder auch erst durch das Interesse, das ihnen ein 
Wiener Kind aus persönlichen Gründen bei mußt, wird 
deren Preis beträchtlich beeinflußt sein. Beginnt man 
mit dem Preisaufbau auf Grundlage der ,,Rebusblätter“ 
und schreitet dann weiter über die possierlichen 
„Wiener Szenen“ und „Satyrischen Bilder“ zu den 
„Kostümbildern“ (diese mit den erwähnten Rollen 
bildern berühmter Theaterlieblinge Wiens), so wird 
man je nach Glück und Zufall für das Stück K 1‘—, 
5 - —, 10"—, und 20'— im Durchschnitt auszulegen 
haben. 
Oder gibt es am Ende noch auch in der Neuzeit 
irgendwo einen versteckten Land- oder Gcbirgsanti- 
quar, der noch im Lilienkleide der Unschuld wandelnd 
die Bäuerleblätter ausnahmslos für den Pauschal 
betrag von 60 Hellern ausbietet ? Das ist nämlich, wie 
schon erwähnt, der Preis, den der hochherzige Antiquar 
Einsle für die Blätter, sogar für sehr gute begehrte, 
als ich noch ein Jüngling war mit lockigem. Haar. 
Wenn also ein solcher Antiquar in unseren Tagen wirklich 
noch vorhanden sein sollte, dann bewahre ihn der 
grundgütige Himmel davor, daß durch das Lesen dieses 
Aufsatzes Gift in seine Seelenreinheit dringe. 
Zum Schluß noch eine ergänzende Bemerkung. Wie 
bekannt, hat Bäuerle unter dem. Kollektivtitel „Galerie 
drolliger und interessanter Szenen der Wiener Bühnen“ 
(erschienen 1827 bis 35), dann „Theatralische B ldci- 
galerie“ und „Theatralisches Bildermagazm“ (2 Jahr 
gänge 1834 bis 1835) eine weitere Folge kolorierter Blätter 
erscheinen lassen, die - wie schon ihr Titel verrät — 
ausschließlich Bühnenszenen aus dem damaligen Wiener 
Theater -Sp ; elplane zumGegenstande haben. DieseBIätter 
sind äußerst begehrt und kostbar. Sie waren nicht 
Beilagen zur „Thcatorzeit.img“, sondern ein selb 
ständiges Unternehmen des spekulativen Bäuerle, der 
einmal vom Interesse angeregt, das man insonderheit 
seinen theatralischen Zeitungsbildern entgegengebracht 
hatte, dieser Publikumsliebhaberei auch auf anderem 
Wege willig frönen wollte. 
Diese in Ouerfolio erschienenen, vorzüglich aus 
geführten und musterhaft kolorierten Blätter sind 
durchwegs von J. C. Schoeller gezeichnet und von 
Zinke, Geiger und Buemann gestochen. Wie man 
chem berühmten Namen begegnen wir da unter den 
Wiener Bühnenkünstlern, die in ihren Rollen porträt 
getreu dargestellt sind! Raimund, Schuster, Korn- 
theuer, Scholz, Nestroy, Hopp, Tomaselli, Carl, 
Wilhelm Kunst (der Gatte der Sophie Schröder), 
Heurteur, Lud-w. Devrient, Fichtner, Wilhelmi, die 
Damen: Therese Kron.es, Taglioni, Peche usw. ziehen 
an unserem Auge vorüber, wie Phantasiegestalten aus 
einem längst versunkenen Theaterreich. Dabei erfährt 
der Freund dramatisch belebter Bühnenszenen auch 
mancherlei Daten aus den Aufschriften und Textierun 
gen dieser Blätter, und das alles viel rascher und an 
genehmer, als etwa durch Heranziehung einer dick- 
leib’gen Theaterchronik. So sehen wir unter anderem 
die erste Besetzung von Raimunds „Der Diamant 
des Geisterkönigs“ und von „Der Barometermacher 
auf der Zauberinsel“, dann Direktor Carl als „Stabcrl“ 
in einer selbstverfaßten Freischützparodie; aus dem 
Burgtheater werden uns die Darsteller aus „König 
Heinrich der Vierte“, „Der Geizige“, dann aus Rau- 
pachs tränengesättigtem Volksdram.a „Der Müller 
und sein Kind“ vorgeführt; aus dem. ehrwürdigen 
Kärntnertortheater grüßen uns die Bilder aus Aubers 
Oper „Die Stumme von Portici" und aus Rossinis 
„Wilhelm. Teil“, das sind zwei Weltopern, die laut 
Bemerkung auf dem vergilbten Bildkarton im Jahre 
1830 (am 12. Februar, bezw. am 24. Juni) ihre Wiener 
Erstaufführung erlebt hatten. 
Das sind nur Kostproben dieser in Lieferungen 
herausgekommenen Bilderserie, deren Wert heute in 
einer Vienennsiasammluüg ein kleines Vermögen ist. 
Nur wenige Sterbliche erfreuen sich aber des Voll 
besitzes dieser unschätzbaren Sammlung aus dem alten, 
lieben Wien, das von politischen und wirtschaftlichen 
Sorgen unbedrückt sich blindwütig dem. Theatergenuß 
hingab und solchermaßen wähnte, die Schneeregion 
seiner Geisteshöhe erklommen zu haben. 
Vollständige Exemplare der in Rede stehenden, 
außerhalb des Rahmens der „Theaterzeitung“ er 
schienenen Bühnenszenen sind äußerst selten. Meines 
Wissens sind davon zwei nahezu vollzählige Serien 
in Wien bei Gilhofer und Ranschburg versteigert 
worden. Einmal im Jahre 1901 (Auktion Kapellmeister 
Adolf Müller sen.), das andeie Mal im Jahre 1907 
(Auktion Franz Gaul). 
Und hiebei läßt sich die steigende Tendenz, die 
zwischen den beiden Auktionsjahren bezüglich der 
erzielten Preise wahrzunehmen war, leicht in Parallele 
stellen mit der Sammelfreudc an all den ernsten und 
naiv heiteren Kunstprodukten, die aus dem Geiste der 
österreichischen Phäakenstadt so selbstverständlich 
aufgeblüht sind, wie Veilchen aus dem Erdreich eines 
lenzduftigen Hains. Ich sage also: der Preis der Bäuerle 
blätter steigt, aber auch die Freude, die sie einflößen, 
wächst zusehends. Ja ich möchte fast einen Schritt 
weiter gehen und behaupten, daß der Käufer der Bäuerle 
blätter ein stark zunehmendes Vergnügen an ihnen 
hat trotz und sogar wegen der höheren Preise, die 
man heute für sie bezahlen muß. 
Eine Krönungsmedaille. 
Zum Andenken an die Krönung des Kaisers Karl 
und der Kaiserin Zita zum König, bezw. Königin 
von Ungarn hat der Wiener Medailleur Anton Rudolf 
Weinberger eine Medaille geschaffen, die eine hübsche 
Erinnerung an den historischen Akt bilden wird. 
Der Avers (Fig. 1) zeigt das Kaiserpaar en profil, 
geschmückt mit den ungarischen Kronen. Die Um 
schrift lautet: „IV. KAROLY MAGY. AP. KIR. 
ZITA KIRALYNE.“ 
Auf dem Revers (Fig. 2) sieht man den jugendlichen 
Monarchen im Krönungsmantel und m.it Krone zu 
Pferde. Links vom Kaiser ist die Inschrift „IV. KA 
ROLY“, unterhalb des Pferdes das Datum der Krönung 
„MCMXVI XII. XXX.“ angebracht.
	        
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